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Medizinische Selbstbehandlung: Sinnvoll oder riskant?

Bei kleineren und größeren „Wehwehchen“ des Alltags greifen viele Menschen erst einmal zu freiverkäuflichen Arzneimitteln, ehe sie einen Arzt aufsuchen. Wann das sinnvoll ist und was Sie bei Ihrer Selbstbehandlung unbedingt beachten sollten, lesen Sie hier.

Etwa jede dritte Arzneimittelpackung wird heute vom Patienten ohne ärztliche Verordnung in der Apotheke erworben. Vor allem bei geringfügigen Erkrankungen wie einer Erkältung versuchen immer mehr Menschen, sich mit freiverkäuflichen Arzneimitteln zunächst selbst zu helfen. Diese Medikamente werden OTCs genannt, was eine Abkürzung für „over the counter“ (engl.: über den Ladentisch) ist. Jedes Jahr werden in öffentlichen deutschen Apotheken über 600 Millionen dieser OTC-Medikamente verkauft.

Warum ist Selbstmedikation so beliebt?

  • finanzielle Erwägungen, da die Selbstbehandlung oft die kostengünstigere Variante ist
  • schlechte Erfahrungen oder mangelndes Vertrauen in Ärzte
  • Angst vor der Behandlung oder vor der Diagnose
  • Vermeidung langer Wartezeiten beim Arzt

Allerdings kann es bei diesen Arzneimittelverordnungen in Eigenregie durchaus zu unerwünschten Problemen kommen.

Unerwünschte Arzneiwirkungen sind an der Tagesordnung

Auf Initiative der Landesapothekenkammern und der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) wurde in 2009 eine Untersuchung durchgeführt, die arzneimittelbezogene Probleme durch die Selbstmedikation aufdecken sollte. Dabei zeigte sich, dass derartige Probleme pro Tag im Schnitt 350.000 Mal auftraten. Diese arzneimittelbezogenen Probleme können auftreten:

  • ungeeignetes Präparat aufgrund falscher Diagnose
  • falsche Dosierung
  • zu lange Anwendung von Schmerzmitteln
  • unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
  • Medikamentenabhängigkeit (z. B. Nasensprays, Schmerz- oder Beruhigungstabletten)

Nicht zuletzt können durch die Selbstbehandlung Symptome verschleiert werden, sodass eine spätere ärztliche Diagnose erschwert wird.

Selbstmedikation heißt auch Selbstverantwortung

Wenn Sie sich selbst Medikamente verordnen und ohne ärztlichen Rat in der Apotheke besorgen, sollten Sie sich unbedingt der Verantwortung bewusst sein, die diese Eigenbehandlung beinhaltet. Denn wenn Sie durch Ihre Selbstbehandlung Erkrankungen verschleppen oder eine Verschlimmerung eintritt, kann die zunächst akute Beschwerde auf Dauer chronisch werden. Sie sollten Sich auch davor hüten, Symptome zu bagatellisieren. So ist zum Beispiel ein anhaltendes Sodbrennen nicht immer harmlos, sondern kann durchaus Ausdruck eines Magengeschwürs sein.

Auch der Apotheker kann Sie von dieser Verantwortung nicht entbinden. Zwar ist er ein studierter Fachmann in Sachen Arzneimittel, ein Arzt mit diagnostischen Kenntnissen ist er jedoch nicht. Zwar heißt es in der Werbung “Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – vergessen Sie dabei jedoch den Satzanfang „zu Risiken und Nebenwirkungen“ nicht. Die Diagnose und Therapie sollte ausschließlich dem Arzt vorbehalten bleiben.

Gute Information ist bei der Selbstmedikation das A & O

Trotz unserer Warnung, nicht auf Verdacht mit Medikamenten herumzuexperimentieren, hat die Selbstmedikation durchaus ihre Berechtigung. Bei Bagatellbeschwerden des Alltags ist nicht jedes Mal der Gang zum Arzt erforderlich. Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie gut informiert sind und die Beschwerden sicher einordnen können.

Fazit: Wenn es sich um offensichtlich leichte Beschwerden handelt, deren Ursache Sie nachvollziehen können, dürfen Sie sich durchaus ein paar Tage lang selbst behandeln. Beachten Sie dabei aber genau die Angaben auf dem Beipackzettel des Medikaments. Wenn Ihre Selbstmedikation nach drei Tagen nicht zu einer Besserung der Beschwerden geführt hat, sollten Sie jedoch unbedingt zum Arzt gehen.

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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