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Schlafapnoe: Diese Verfahren bringen neue Hoffnung

Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen von mindestens zehn Sekunden ist das typische Merkmal des Schlafapnoe-Syndroms (griech A-Pnoe = ohne Luft).

Bei den Betroffenen ist der Schlafrhythmus gestört und der Schlaf nicht mehr erholsam. Einschlafneigung am Tag, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen sind die unangenehmen Folgen.

Längerfristig werden Ihre Organe während der Nacht nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Was passiert bei einer Schlafapnoe?

Menschen, die an einer Schlafapnoe erkrankt sind, leiden nachts unter Atemaussetzern. Diese können pro Nacht mehrere hundert Mal auftreten.

Dann kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Diese ist keineswegs harmlos, denn durch sie verringert sich der Sauerstoffgehalt im Blut, sodass es zu Zellschäden kommen kann.

Mögliche Folgen der Schlafapnoe sind:

  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz
  • erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Depressionen
  • Kopfschmerzen
  • Potenzstörungen
  • Tagesmüdigkeit (mit stark erhöhter Unfallgefahr)

Verantwortlich für die Schlafapnoe können eine Einengung der oberen Luftwege durch die nach hinten gerutschte Zunge, ein zu weiches Gaumensegel oder eine Fehlfunktion der Atemmuskulatur sein.

Bei den über 60-Jährigen wird die Häufigkeit bei Männern auf 10 Prozent und bei Frauen auf 5 Prozent geschätzt.

Starke Auswirkungen auf das Gehirn von Frauen

Dass besonders Frauen von den negativen Folgen der Schlafapnoe betroffen sind, entdeckten Wissenschaftler der University of California. Sie hatten in einer ersten Studie entdeckt, dass sich bei Männern, die an Schlafapnoe erkrankt sind, die weiße Hirnmasse verringert.

Nun führten sie eine ergänzende Studie durch, bei der sie 10 Frauen betrachteten, bei denen eine Schlafapnoe gerade erst diagnostiziert worden war.

Weiter nahmen 20 Männer mit frisch diagnostizierter Schlafapnoe an der Untersuchung teil, verglichen wurden die Befunde mit denen von 20 Frauen und 30 Männern, die gesund waren.

Die Wissenschaftler untersuchten die Hirnstrukturen aller Studienteilnehmer.

Es zeigte sich, dass die erkrankten Frauen deutlich größere Hirnschäden aufwiesen als die ebenfalls erkrankten Männer. Betroffen waren besonders die Gehirnbereiche, die Stimmungen regeln und für Entscheidungen verantwortlich sind.

Dementsprechend lässt sich übrigens beobachten, dass Frauen, die unter Schlafapnoe leiden, gleichzeitig auch an Depressionen erkrankt sind oder Angstsymptome aufweisen.

Die Forscher wollen nun im nächsten Schritt der Frage nachgehen, was Ursache und was Wirkung ist. Noch ist nicht absolut klar, ob die Schäden im Gehirn die Schlafapnoe verursachen oder ob die Gehirnschäden zu den Atemaussetzern führen.

Effektiv, aber oft unbequem: die Maskenbeatmung

Ob Sie tatsächlich an einer Schlafapnoe leiden, kann nur eine Untersuchung im Schlaflabor eindeutig zeigen. Dabei wird der Schlafapnoe-Index (AI) berechnet. Ein AI von 20 bedeutet, dass 20 Atempausen pro Stunde aufgezeichnet wurden. Das entspricht einem hochgradigen Apnoe-Syndrom.

Herkömmlicherweise werden diese schweren Fälle mit Hilfe einer CPAP-Maske behandelt (engl.: CPAP = Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierliche Überdruckbeatmung).

Hierbei wird während des Schlafs mit einer Beatmungsmaschine ein Überdruck erzeugt, der die Atemwege frei hält und so das Schnarchen verhindert.

Das Verfahren wird von den Krankenkassen bezahlt, ist meist erfolgreich, aber es ist für Sie als Patient mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden.

Die Nachteile der Maskenbeatmung

  • störende Geräusche der Atemmaschine
  • Druckgefühl und Hautirritationen durch die Atemmaske
  • Schäden an der Lunge durch Aufblähung der Lungenbläschen
  • Nur die Symptome, aber nicht die Schlafapnoe selbst werden behandelt.

Doch es gibt einfache Alternativen zu den „lästigen“ CPAP-Masken: Spezielle Zahnschienen verhindern, dass Ihre Rachenmuskulatur im Schlaf zusammenfällt, und halten so die Luftwege frei.

Individuell angepasste Zahnschienen als Alternative

Im Jahr 2009 wurde erstmals wissenschaftlich gezeigt, dass diese Mundstücke tatsächlich Erfolg haben: Wissenschaftler des St. Johns Hospital in Edinburgh (Großbritannien) und des Royal Perth Hospital in Australien passten 60 Schlafapnoe-Patienten ein individuelles Mundstück an, bei dem der Unterkiefer etwas vorgestreckt wurde.

Nach vier Jahren Beobachtungszeit hatte sich der Schlaf bei 63 Prozent der Patienten gebessert, Atemaussetzer hatten abgenommen und bei 35 Prozent der Probanden war die Schlafapnoe sogar komplett verschwunden.

Solche Zahnschienen erhalten Sie in vielen unterschiedlichen Varianten. Manche halten den Unterkiefer vorn, während andere die Zunge am Zurückrutschen hindern.

In der Apotheke erhalten Sie bereits vorgefertigte „Schlafhilfen“. Allerdings sollten Sie eher Produkte verwenden, die vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden speziell nach Ihrem individuellen Gebissabdruck angefertigt werden.

Denn nur so können Sie sicher sein, dass das Mundstück auch tatsächlich perfekt auf Sie zugeschnitten ist.

Allerdings hat Qualität auch ihren Preis: Zwischen 300 und 2.000 Euro kosten individuelle Schienen. Die einfachen Systeme „von der Stange“ erhalten Sie bereits ab 15 Euro. Die Kosten werden generell nicht von den Krankenkassen übernommen.

In den ersten Wochen des Tragens können Sie morgens ein Druckgefühl im Kiefer bemerken, ähnlich wie bei einem Muskelkater.

Viele Patienten klagen anfangs zudem über starken Speichelfluss. Wenig effektiv sind die Schienen, wenn Ihre Nase verstopft ist (Erkältung, Allergien).

Pillar-Methode: Kunststoffstifte stabilisieren Gaumensegel

Eine weitere neue Alternative bei Schlafapnoe ist die Pillar-Methode: Bei HNO-Ärzten oder -Kliniken können Sie sich ambulant innerhalb von nur zehn Minuten unter örtlicher Betäubung spezielle Polyesterstäbchen in den Weichgaumen einsetzen lassen.

Die drei kleinen, etwa 18 mm langen Stäbe wirken wie ein „Miniaturkorsett“ und stabilisieren das Gaumensegel. Ein nächtlicher Verschluss der Atemwege wird so verhindert.

Wissenschaftler der Universität von Cincinnatti (Ohio/USA) haben im Jahr 2008 die Wirksamkeit der Methode untersucht. 100 Patienten mit milder bis mittelschwerer Schlafapnoe wurde entweder ein Pillar-Implantat oder ein funktionsloses Scheinimplantat eingesetzt.

Das Ergebnis: Bei den Pillar-Patienten ging der Schlafapnoe-Index nach drei Monaten durchschnittlich um 26 Prozent zurück, in der Kontrollgruppe nur um 10 Prozent.

Nebenwirkungen der Stäbchen sind bislang nicht bekannt. Nur kurz nach dem Eingriff haben Sie das Gefühl einer leichten Mandelentzündung. Das Einsetzen kostet etwa 500 Euro und wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, jedoch teilweise von privaten Kassen.

Bei etwa jedem 20. Patienten verrutschen die Implantate jedoch im Laufe der Zeit, beispielsweise durch Kaubewegungen. Dann müssen die Stifte gezogen und erneut implantiert werden.

Die Kosten hierfür werden vom Hersteller übernommen. Langzeiterfahrungen (über acht Jahre) fehlen allerdings bis jetzt. Noch immer gilt bei Schlafapnoe die CPAP-Maske bei Ärzten und Krankenkassen als die beste Methode.

Wenn Sie allerdings Wert auf mehr Lebens- und Schlafqualität legen, sollten Sie Ihren Arzt einmal auf die neuen Verfahren ansprechen.

Blasinstrumente verringern Risiko für Schlafapnoe

Forscher haben herausgefunden, dass es Menschen gibt, die ein deutlich verringertes Risiko für diese Erkrankung haben. Das sind diejenigen, die ein Blasinstrument spielen.

Indische Wissenschaftler der Chettinad Health City haben nun eine Studie vorgestellt, bei der sie über 60 Menschen beobachtet hatten, die ein Blasinstrument spielten. Sie wurden mit 65 Teilnehmern verglichen, die kein solches Instrument spielten.

Zunächst zeigte sich, dass das Atemtraining durch das regelmäßige Musizieren keinen Einfluss auf die Lungentätigkeit hat. Dafür verringert es das Risiko für Schlafapnoe deutlich.

Gerade Menschen, die Risikofaktoren für diese Erkrankung aufweisen, zum Beispiel Übergewicht oder die Einnahme bestimmter Medikamente, profitieren hiervon.

Grund dafür kann sein, dass die Muskeln der oberen Atemwege durch das Musizieren trainiert werden.

Und da Schlafapnoe sehr häufig auf eine Erschlaffung der Gaumensegel-Muskeln zurückzuführen ist, sind Musiker hier eben im Vorteil.

Übrigens: eine Studie aus der Schweiz hat gezeigt, dass das Spielen eines Didgeridoos, eines australischen Blasinstruments, auch bestehende Schlafapnoe lindern kann, weil hier mit sehr hohem Druck gespielt wird und dadurch die betreffenden Muskeln sehr stark trainiert werden.

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Alte Kommentare
  • Manfred Utermann schrieb am 21.02.2011, 18:11 Uhr

    nach einer gewissen Gewöhnungszeit funktioniert di CPAP Maske bei mir sehr gut. Grüsse Manfred Utermann

  • Sylvia Suarez schrieb am 25.02.2011, 09:34 Uhr

    Eine Ergänzung zu den aufgeführten Verfahren! Für Menschen die ohne Hilfsmittel und Implantate schlafen möchten bietet sich eine hervorragend Möglichkeit mit der Asate-Therapie. Diese ist wissenschaftlich bewiesen und bekämpft bzw unterdrückt nicht nur die Symptome sondern führt zu einer messbaren Heilung der Atemstillstände.

    • Erlenbusch Emil antwortete am 24.04.2012, 11:52 Uhr

      Bitte teilen Sie mir Näheres über die Asate-therapie mit. Vielen Dank