Schilddrüse: Jodmangel und Kropf
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Wer einen Kropf nur als kosmetisches Problem abtut, irrt: Bereits bei einem geringfügigen Jodmangel ist unsere Leistungsfähigkeit vermindert. Ein guter Grund, durch die konsequente Verwendung von Jodsalz vorzubeugen.
Deutschland ist ein Jodmangel-Gebiet. Von den erkennbaren Folgen dieses Mangels, dem Kropf, sind zwei- bis dreimal mehr Frauen betroffen als Männer. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes unter einem Nährstoffmangel leidet? Antwort geben die Erdgeschichte und die Chemie: Jod ist wasserlöslich und lässt sich aus den Böden herauswaschen. Dies geschah in den Warmzeiten nach den verschiedenen Eiszeiten, als das Schmelzwasser der zurückweichenden Gletscher das Jod aus dem Boden wusch und ins Meer spülte. Aber auch starke Niederschläge und Überschwemmungen lösen Jod aus den Böden.
Daher ist Jodmangel nicht nur in Deutschland ein Problem, sondern auch in anderen Gebieten der Erde, die Eiszeiten unterworfen waren oder Überschwemmungen ausgesetzt sind. Die Auswirkungen des Jodmangels sind so gravierend, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Endemiegebiete – hier leiden mehr als zehn Prozent der Bevölkerung unter Jodmangel – benennt. In diesen Gebieten, darunter auch Deutschland, gilt es, den Nährstoffmangel gezielt zu bekämpfen. Wie dies möglich ist, zeigen Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Belgien und die Schweiz, wo verschiedene Nahrungsmittel mit Jod angereichert werden. Seitdem geht dort die Häufigkeit einer vergrößerten Schilddrüse (Struma = Kropf) vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen zurück.
Jodmangel trifft vor allem Frauen
In Deutschland hingegen zeichnet eine 1995 veröffentlichte Studie mit 6.815 Personen zwischen 1 und 89 Jahren ein anderes Bild: 21 Prozent der Kinder unter 10 Jahren wiesen eine vergrößerte Schilddrüse auf. In der Altersgruppe über 10 bis 70 Jahre waren es, beide Geschlechter zusammen genommen, etwa 50 Prozent, aber davon hatten 2-bis 3-mal mehr Frauen einen Kropf als Männer. Vor dem Hintergrund, dass Jodmangel einer Schwangeren zu körperlichen und geistigen Erkrankungen ihres Kindes führen kann, gewinnt diese Beobachtung noch an Brisanz.
Im Jodmangel wächst die Schilddrüse
Die Schilddrüse, ein schmetterlingsförmiges Organ, liegt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Sie wiegt etwa 15 bis 25 Gramm und enthält bei guter Jodversorgung etwa 10 bis 20 Milligramm Jod. Besteht ein Jodmangel, erfolgt durch verschiedene Wachstumsfaktoren in der Schilddrüse eine Größenzunahme – es bildet sich ein Kropf. Auf diese Weise versucht die Schilddrüse, noch die letzten Spuren von Jod aufzunehmen. Diese Vergrößerung (Struma 1. Grades) ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Sie kann zu Schluckstörungen und Behinderung des Blutflusses im Hals führen. Bereits in diesem Stadium ist eine Behandlung mit Jod möglich und sehr wichtig, denn eine Struma 1. Grades kann sich wieder zurückbilden. Wird der Jodmangel nicht ausgeglichen, kommt es zu einer Struma 2. Grades. Sie kann zu erheblichen örtlichen Druckbeschwerden wie auch zur Knotenbildung führen.