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Schilddrüse: Jod und Selen

Zusätzlich zu Jod benötigt Ihre Schilddrüse unbedingt täglich 50 bis 70 µg Selen. Dieses Spurenelement sorgt für die Umwandlung von T4 in das aktive T3-Hormon.

Praktischerweise liefern Ihnen die meisten jodhaltigen Fische auch gleich das notwendige Selen. Falls Ihnen Fisch nicht schmeckt, sollten Sie Ihren Selenbedarf durch Präparate decken (z. B. Cefasel 100 µg Selen Brausetabl. oder Hefe Selen Tabl. von Pharmadrog).

Die Preise für Ihren Monatsbedarf liegen bei 7 € – das sollte Ihnen die Gesundheit Ihrer Schilddrüse wirklich wert sein!

Die besten natürlichen Jod- und Selenquellen*

FischartJod**Selen**
Meeräsche48075
Schellfisch36545
Seelachs30045
Krabben/Garnelen18575
Miesmuscheln15070
Kabeljau25045
Rotbarsch15070
Hummer150205
Scholle7555
Thunfisch75120

* pro verzehrfertiger Portion von 150 g ** Gehalt in µg

Falls Sie Fisch und Algen nicht mögen, bleibt Ihnen nur noch die Einnahme von Jod-Tabletten. Diese dürfen Sie aber nur auf Anordnung und unter Kontrolle Ihres Arztes einnehmen.

Wichtig: Bei einer Schilddrüsenüberfunktion aufgrund eines Jodmangels ist Jodsalz unschädlich. Dagegen dürfen Sie jodhaltige Hustensäfte, Blutdrucksenker und Wundbehandlungsmittel nur nach ärztlicher Anordnung anwenden.

Von der Schilddrüse gesteuerte Körperfunktionen

  • Stoffwechsel
  • Energiehaushalt
  • Muskelaktivität
  • Wachstum
  • Nervensystem
  • körperliche und geistige Entwicklung

Bei diesen vielfältigen Aufgaben wird schnell klar, dass ein Mangel an Jod und damit auch Schilddrüsenhormonen unter Umständen verheerende Folgen mit sich bringt.

Bildet die Schilddrüse aufgrund eines Jodmangels nicht genug Hormone, reagiert sie mit Größenwachstum. So nimmt sie die letzten Spuren von Jod auf. Der typische Kropf (Struma) entsteht.

Jodmangel bleibt oft unerkannt

Diese Vergrößerung (Struma ersten Grades) ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Sie führt eventuell zu Schluckstörungen, Atemnot und Durchblutungsstörungen im Hals.

Verschlimmert sich der Jodmangel, kommt es zu einer Struma zweiten Grades.

Dann bildet der Körper die Hormone der Schilddrüse in der Regel nicht mehr in ausreichender Menge. Es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Diese Erkrankung äußert sich unter anderem in Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit sowie Kälteempfindlichkeit.

Bei den oftmals unklaren Symptomen tappen viele Ärzte im Dunkeln und kommen nicht auf diesen naheliegenden Zusammenhang. Die Beschwerden treten manchmal schon auf, bevor sich die Schilddrüse vergrößert.

Mögliche Folgen von Jodmangel

  • Schilddrüsen-Kropf
  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche
  • extreme Antriebsarmut, Depressionen, Desinteresse
  • Müdigkeit
  • Gewichtszunahme trotz vermindertem Appetit
  • Darmträgheit
  • dauerndes Frieren
  • trockene, blasse Haut
  • stumpfes, struppiges Haar
  • raue Stimme
  • Fehlgeburten und kindliche Entwicklungsstörungen

Immer wenn Sie sich längere Zeit matt, lustlos, müde und unwohl fühlen, denken Sie an eine Jodmangel-bedingte Unterfunktion der Schilddrüse.

Das deutlich sichtbare Symptom Kropf ist also nur die Spitze des Eisbergs. Aus dem Grund sollte Ihr Arzt jede Vergrößerung der Schilddrüse untersuchen und behandeln.

Selen ist wichtig für die Schilddrüse

Ihre Schilddrüse benötigt neben Jod auch Selen. Dieses Spurenelement wandelt das weniger aktive Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) in das aktivere Trijodthyronin (T3) um.

Ist nicht genug Selen vorhanden, vermindert sich die Wirksamkeit der Hormone. Täglich sollten Sie 100 bis 150 µg Selen aufnehmen.

Selenreiche Lebensmittel sind Fleisch, Leber, Fisch, Hühnereier, Linsen und Spargel. Wenn Sie wenig davon essen, nehmen Sie ein selenhaltiges Nahrungsergänzungsmittel ein. Einheimische Getreide sind aufgrund der selenarmen Böden keine guten Selenlieferanten.

Jeden Tag Fisch? Das schafft kein Mensch!

Um ihre Hormonproduktion zu sichern, muss die Schilddrüse wenigstens 60 µg Jod pro Tag aufnehmen.

Da der Darm nicht das gesamte Jod aus der Nahrung verwertet, beträgt Ihr Tagesbedarf an dem Spurenelement etwa 200 µg. Schwangere und Stillende weisen einen höheren Bedarf von 230 bzw. 260 µg auf.

Jodgehalt in Nahrungsmitteln (in µg pro 100 g):

  • Meerestiere: 40 bis 150
  • Käse: 20 bis 35
  • Eier: 13
  • Milch: 10
  • Nüsse: 8 bis 13
  • Gemüse: 5 bis 15
  • Butter: 5
  • Kartoffeln: 4
  • Vollkornbrot: 4
  • Süßwasserfisch: 3 bis 5
  • Schweinefleisch: 3
  • Nudeln: 2 bis 3
  • Rindfleisch: 2
  • Obst: 1 bis 3
  • Huhn: 1

Wie die Tabelle zeigt, ist es so gut wie unmöglich, dass Sie diesen Tagesbedarf tatsächlich mit der Nahrung decken. Theoretisch gelingt Ihnen das nur, wenn Sie täglich Seefisch essen.

Der Grund: Die Böden in Deutschland sowie in den Mittelmeerländern, Afrika, Asien und Lateinamerika sind von Natur aus jodarm. Aus dem Grund enthalten in diesen Ländern kultivierte Pflanzen und dort gewonnene tierische Lebensmittel wenig Jod.

Manche Algen enthalten zu viel Jod

Einzig aus dem Meer stammende Lebensmittel wie Fisch (z. B. Seelachs, Kabeljau, Schellfisch), Muscheln, Krustentiere (z. B. Garnelen, Langusten, Hummer) und Algen sind jodreich, da das Meerwasser ausreichend Jod enthält.

Süßwasserfische wie Forelle oder Karpfen hingegen tragen nicht zur Jodversorgung bei. Das Flusswasser ist ebenso jodarm wie der Ackerboden.

Einige Algenarten, die vor allem mit der Asia-Kochwelle bei uns immer beliebter sind, enthalten extrem hohe Jodmengen. Dazu gehören etwa die Braunalgensorten Kombu, Wakame und Hijiki. Die jodentwöhnten Europäern sollten diese nur vorsichtig verzehren.

Sushi mit Nori-Algen enthält dagegen wenig Jod und ist auch für Europäer unbedenklich. Darüber hinaus behindert eine einseitige Ernährung die Jodverwertung.

Die Inhaltsstoffe einiger Lebensmittel blockieren die Jodaufnahme in die Schilddrüse.

Diese Lebensmittel behindern die Jodaufnahme

  • Kohlarten
  • Maniok, Süßkartoffeln
  • Erdnüsse, Pinienkerne
  • Hirse
  • Rettich
  • Kaffee und Tee

Wenn Sie generell gut mit Jod versorgt sind, stellt der Verzehr dieser Nahrungsmittel kein Problem dar. Wenn Sie viel davon zu sich nehmen und gleichzeitig schlecht mit Jod versorgt sind, sind solche Produkte der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Rauchen und Nitrat aus Lebensmitteln oder Trinkwasser behindern ebenfalls die Jodaufnahme.

Jodsalz als beste Vorbeugung

In den letzten Jahren verbesserte sich die Jodversorgung in Deutschland deutlich. Das führen Experten auf die Verwendung von jodiertem Speisesalz zurück. Es enthält pro Gramm 20 µg Jod.

Bei einer Kochsalzaufnahme von 10 g pro Tag, wie sie in Deutschland üblich ist, nimmt der Körper die notwendigen 200 µg Jod pro Tag auf.

Der große Durchbruch für die Verbesserung der Jodversorgung war, dass seit 1993 Fertiggerichte, Speisen in der Kantine sowie die Waren der Bäcker und Metzger mit Jodsalz hergestellt werden dürfen.

Allein mit der Verwendung von Jodsalz in der eigenen Küche zu Hause wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.

In Deutschland reichert man darüber hinaus das Tierfutter mit geringen Mengen Jod an, sodass tierische Lebensmittel wie Milch, Eier und Fleisch ihr Scherflein zur Jodversorgung beitragen.

Aktuelle Untersuchungen des Arbeitskreises Jodmangel in Groß Gerau zeigen, dass vor allem junge Erwachsene und Schulkinder ausreichend mit Jod versorgt sind.

Bei den älteren Menschen sieht es nicht mehr so gut aus: Jede zweite Frau über 45 Jahren weist eine vergrößerte Schilddrüse auf sowie 41 Prozent der gleichaltrigen Männer. Das belegt, dass ein Jodmangelbei uns immer noch weit verbreitet ist.

Entwarnung: Jodsalz ist absolut ungefährlich

Trotz des offensichtlichen Erfolges gibt es immer wieder Stimmen, die vor der Verwendung von jodiertem Speisesalz warnen. Da spricht man sogar reißerisch von „Zwangsjodierung“. Viele Menschen verunsichert diese effektheischende Stimmungsmache.

Die Angst ist vollkommen unbegründet. Beispielsweise hält die Weltgesundheitsorganisation WHO eine tägliche Zufuhr von 500 µg Jod für vollkommen ungefährlich.

Allein um diese Menge zu erreichen, müssten Sie täglich 25 g Salz mit der Nahrung verzehren. Das entspricht zehn gehäuften Esslöffeln. Erst wenn Sie 50 g Jodsalz täglich essen würden, bekämen Sie tatsächlich erste Beschwerden wie Übelkeit oder Hautausschläge.

Aus dem Grund müssen selbst empfindliche Menschen nicht auf Jodsalz verzichten.

Das belegen aktuelle Untersuchungen, die der neuesten Unbedenklichkeitserklärung des Bundesinstitutes für Risikobewertung in Berlin von 2004 zugrunde liegen.

Für Menschen mit einer Überfunktion der Schilddrüseist die Verwendung von Jodsalz problemlos möglich. Dennoch sollten sie zur Sicherheit ihren Arzt ansprechen.

Wenn Sie Jodsalz zum Kochen verwenden und beim Einkauf Produkte auswählen, die man damit zubereitete, benötigen Sie keine speziellen Jodtabletten oder Nahrungsergänzungsmittel mit Jod.

Wenn Sie jedoch wenig Kochsalz essen (z. B. weil Ihr Blutdruck darauf empfindlich reagiert), beraten Sie mit Ihrem Arzt, ob ein Jod-Präparat sinnvoll ist. Das gilt auch für Schwangere und Stillende, deren erhöhter Bedarf mit normalem Salzverzehr nicht gedeckt ist.

Fakten zum Thema Jodmangel

  • 10 Prozent aller Bundesbürger nehmen täglich Medikamente gegen Schilddrüsenerkrankungen ein.
  • Das Schilddrüsenhormonpräparat L-Thyroxin ist mit 6,7 Millionen Rezepten pro Jahr das meistverordnete Medikament in Deutschland.
  • 60.000 Bundesbürger unterziehen sich jährlich einer stationären Radiojod-Therapie, bei der man die „heißen“ Knoten durch die Einnahme einer Kapsel mit radioaktivem Jod „stilllegt“.
  • Über 100.000 Bundesbürger werden jährlich an der Schilddrüse operiert.
  • Jährlich kosten Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten über 1 Milliarde Euro.
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