Schilddrüse: Fortschritte in der Behandlung
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GNL5356
Radiojodtherapie: Wohl alle, die von radioaktiver Bestrahlungsbehandlung hören, bekommen Angst. Sie ist aber ungefährlich und sehr wirksam, erklärt Prof. Dr. med. Peter Pfannenstiel, einer der führenden Schilddrüsenspezialisten in Deutschland. Die Radiojodtherapie wird gegen mehrere Erkrankungen der Schilddrüse eingesetzt:
- zur Verkleinerung eines Kropfes,
- gegen Hyperthyreose (Überfunktion),
- bei funktioneller Autonomie,
- zur Behandlung einer BasedowErkrankung (Autoimmunerkrankung, s. nächste Ausgabe),
- bei erneutem Wachstum des Kropfes nach einer Operation und
- zur Behandlung einer Krebsgeschwulst.
Dieses Verfahren macht sich zunutze, daß die Schilddrüsenzellen die einzigen Körperzellen sind, die Jod verwerten. Die Radioaktivität ist an Jod gebunden („radioaktive Markierung“) und zerstört autonome oder entartete Schilddrüsenzellen. Überaktive, autonome Zellen fangen das Jod begierig ab und gehen an der radioaktiven Markierung zugrunde. Die gesunden Zellen der Schilddrüse sind weniger jodhungrig und werden vorher mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen abgesättigt, damit sie kein Jod mehr aufnehmen. An den anderen Körperzellen, die kein Jod speichern können, rauscht das radioaktive Jod gewissermaßen vorbei. Vor der Behandlung werden die genaue Vorgehensweise und die individuell nötige Dosis Radiojod mit einem Radiojod-Test ermittelt.
Die Radiojodtherapie gilt als weitgehend ungefährlich, dennoch sind Schwangere davon ausgeschlossen. Und die Nebenwirkungen? Manchmal bleibt nach der Behandlung eine Unterfunktion zurück, weil eben doch nicht alle gesunden Schilddrüsenzellen verschont geblieben sind. Das wird aber bewußt in Kauf genommen, weil einer Unterfunktion leichter als einer Überfunktion zu begegnen ist. Eine (Teil-) Operation wird meist dann erwogen, wenn der Kropf mit den autonomen Knoten sehr groß ist oder Atem- bzw. Schluckbeschwerden verursacht. Even-tuell muß danach lebenslang Schilddrüsenhormon eingenommen werden.
Als neueste Methode ist die Verödung hinzugekommen. Dafür muß ein autonomes Adenom klar vom umgebenden Gewebe abgegrenzt sein. In mehrmaligen Sitzungen wird unter der Sicht mit Ultraschall hochprozentiger Alkohol injiziert. Dieses Verfahren befindet sich aber noch in der Erprobungsphase und wird vorerst nur an wenigen Zentren angeboten.