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Schilddrüse: Fisch und Meeresfrüchte

Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das wir mit der Nahrung aufnehmen müssen, da es von unserem Körper nicht gebildet werden kann.

Doch auf Grund der Jodarmut der Böden enthalten unsere pflanzlichen Lebensmittel kaum Jod.

Auch Lebensmittel, die von Tieren gewonnen werden, wie Eier und Fleisch, sind jodarm, es sei denn, die Tiere wurden mit jodangereichertem Futter oder Futter aus den USA (wo kein Jodmangel besteht) versorgt.

Einzig aus dem Meer stammende Lebensmittel wie Fisch (z.B. Seelachs, Kabeljau, Schellfisch), Muscheln, Krustentiere (z.B. Garnelen, Langusten, Hummer) und Algen sind jodreich, da das Meerwasser reichlich Jod enthält.

Doch Hand aufs Herz: Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Seefisch, um Ihre Jodversorgung sicherzustellen? Süßwasserfische wie Forelle oder Karpfen zählen hier nicht, denn das Flußwasser ist so jodarm wie unsere Ackerböden.

Wie Sie Ihrer Schilddrüse die Arbeit erleichtern

Deutschland ist ein Jodmangel-Gebiet. Von den erkennbaren Folgen dieses Mangels, dem Kropf, sind zwei- bis dreimal mehr Frauen betroffen als Männer. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes unter einem Nährstoffmangel leidet?

Antwort geben die Erdgeschichte und die Chemie: Jod ist wasserlöslich und lässt sich aus den Böden herauswaschen.

Dies geschah in den Warmzeiten nach den verschiedenen Eiszeiten, als das Schmelzwasser der zurückweichenden Gletscher das Jod aus dem Boden wusch und ins Meer spülte. Aber auch starke Niederschläge und Überschwemmungen lösen Jod aus den Böden.

Daher ist Jodmangel nicht nur in Deutschland ein Problem, sondern auch in anderen Gebieten der Erde, die Eiszeiten unterworfen waren oder Überschwemmungen ausgesetzt sind.

Die Auswirkungen des Jodmangels sind so gravierend, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Endemiegebiete – hier leiden mehr als zehn Prozent der Bevölkerung unter Jodmangel – benennt.

In diesen Gebieten, darunter auch Deutschland, gilt es, den Nährstoffmangel gezielt zu bekämpfen. Wie dies möglich ist, zeigen Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Belgien und die Schweiz, wo verschiedene Nahrungsmittel mit Jod angereichert werden.

Seitdem geht dort die Häufigkeit einer vergrößerten Schilddrüse (Struma = Kropf) vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen zurück.

Jodmangel trifft vor allem Frauen

In Deutschland hingegen zeichnet eine 1995 veröffentlichte Studie mit 6.815 Personen zwischen 1 und 89 Jahren ein anderes Bild: 21 Prozent der Kinder unter 10 Jahren wiesen eine vergrößerte Schilddrüse auf.

In der Altersgruppe über 10 bis 70 Jahre waren es, beide Geschlechter zusammen genommen, etwa 50 Prozent, aber davon hatten 2-bis 3-mal mehr Frauen einen Kropf als Männer.

Vor dem Hintergrund, dass Jodmangel einer Schwangeren zu körperlichen und geistigen Erkrankungen ihres Kindes führen kann, gewinnt diese Beobachtung noch an Brisanz.

Im Jodmangel wächst die Schilddrüse

Die Schilddrüse, ein schmetterlingsförmiges Organ, liegt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Sie wiegt etwa 15 bis 25 Gramm und enthält bei guter Jodversorgung etwa 10 bis 20 Milligramm Jod.

Besteht ein Jodmangel, erfolgt durch verschiedene Wachstumsfaktoren in der Schilddrüse eine Größenzunahme – es bildet sich ein Kropf.

Auf diese Weise versucht die Schilddrüse, noch die letzten Spuren von Jod aufzunehmen. Diese Vergrößerung (Struma 1. Grades) ist weit mehr als ein kosmetisches Problem.

Sie kann zu Schluckstörungen und Behinderung des Blutflusses im Hals führen. Bereits in diesem Stadium ist eine Behandlung mit Jod möglich und sehr wichtig, denn eine Struma 1. Grades kann sich wieder zurückbilden.

Wird der Jodmangel nicht ausgeglichen, kommt es zu einer Struma 2. Grades. Sie kann zu erheblichen örtlichen Druckbeschwerden wie auch zur Knotenbildung führen.

Schilddrüse: Gutartige Knoten

– Knotenbildung: Aus noch weitgehend ungeklärten Gründen bilden sich einer oder mehrere Knoten auf der Schilddrüse. In den meisten Fällen sind diese Knoten nicht bösartig und führen zu keiner Krebsbildung. Maligne Knoten neigen dazu, langsam zu wachsen und lassen sich daher von gutartigen Knoten ohne eine Biospie (Gewebeprobe) nur schwer unterscheiden. Bestrahlungen des Nackens, der Halsregion und des Kopfes in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit von malignen Knoten in der Schilddrüse.

– Medikamenteneinnahme: Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel stimmungs-aufhellende Präparate Lithium (z. B. Quilonum®) oder Medikamente gegen Herz-Rhythmusstörungen Amiodarone (Cordarex®) können zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen.

– Entzündung (Thyreoiditis): Diese relativ seltene Krankheit führt zu Schluckbewerden und Schmerzen. Die Schilddrüse wird sehr empfindlich und vergrößert sich leicht. In der Regel gehen die Entzündung und damit auch die Beschwerden innerhalb einiger Monate wieder zurück. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Schilddrüsenerkrankung.

– Schwangerschaft: Ein Hormon, das während der Schwangerschaft produziert wird, kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen. Nach der Geburt kehrt die Schilddrüse in der Regel wieder in ihren normalen Zustand zurück.

Oft sind keine Schmerzen zu spüren

In den meisten Fällen wird eine Schilddrüsenvergrößerung bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Der Grund: Ein Kropf verursacht üblicherweise keine Schmerzen, und die meisten Betroffenen verspüren auch keine anderen Beschwerden.

Wenn Beschwerden in Verbindung mit einer Schilddrüsenvergrößerung auftreten, gehören dazu:

  • Geschwollener Hals
  • Engegefühl in der Kehle
  • Husten
  • Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Atemschwierigkeiten

Wenn krankheitsbedingte Gründe zum Kropfwachstum führen, können die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigt sein und möglicherweise andere Beschwerden und Symptome auftreten.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zu Gewichtsverlust, unregelmäßigem oder schnellem Herzschlag, Nervosität, Müdigkeit und Muskelschwäche führen.

Bei der Basedow-Krankheit kann die Schilddrüsenüberfunktion auch mit hervorstehenden Augen verbunden sein.

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann Verstopfung, Blässe und trockene Haut, einen erhöhten Cholesterinspiegel, Gewichtszunahme und Depression hervorrufen, oft haben Betroffene auch das Gefühl, dass ihnen zu kalt ist.

Fortschritte in der Behandlung von Erkrankungen

Wohl alle, die von radioaktiver Bestrahlungsbehandlung hören, bekommen Angst. Sie ist aber ungefährlich und sehr wirksam, erklärt Prof. Dr. med. Peter Pfannenstiel, einer der führenden Schilddrüsenspezialisten in Deutschland.

Die Radiojodtherapie wird gegen mehrere Erkrankungen der Schilddrüse eingesetzt:

  • zur Verkleinerung eines Kropfes
  • gegen Hyperthyreose (Überfunktion)
  • bei funktioneller Autonomie
  • zur Behandlung einer BasedowErkrankung (Autoimmunerkrankung)
  • bei erneutem Wachstum des Kropfes nach einer Operation
  • zur Behandlung einer Krebsgeschwulst

Dieses Verfahren macht sich zunutze, daß die Schilddrüsenzellen die einzigen Körperzellen sind, die Jod verwerten. Die Radioaktivität ist an Jod gebunden („radioaktive Markierung“) und zerstört autonome oder entartete Schilddrüsenzellen.

Überaktive, autonome Zellen fangen das Jod begierig ab und gehen an der radioaktiven Markierung zugrunde.

Die gesunden Zellen der Schilddrüse sind weniger jodhungrig und werden vorher mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen abgesättigt, damit sie kein Jod mehr aufnehmen.

An den anderen Körperzellen, die kein Jod speichern können, rauscht das radioaktive Jod gewissermaßen vorbei. Vor der Behandlung werden die genaue Vorgehensweise und die individuell nötige Dosis Radiojod mit einem Radiojod-Test ermittelt.

Die Radiojodtherapie gilt als weitgehend ungefährlich, dennoch sind Schwangere davon ausgeschlossen. Und die Nebenwirkungen?

Manchmal bleibt nach der Behandlung eine Unterfunktion zurück, weil eben doch nicht alle gesunden Schilddrüsenzellen verschont geblieben sind. Das wird aber bewußt in Kauf genommen, weil einer Unterfunktion leichter als einer Überfunktion zu begegnen ist.

Eine (Teil-) Operation wird meist dann erwogen, wenn der Kropf mit den autonomen Knoten sehr groß ist oder Atem- bzw. Schluckbeschwerden verursacht. Even-tuell muß danach lebenslang Schilddrüsenhormon eingenommen werden.

Als neueste Methode ist die Verödung hinzugekommen. Dafür muß ein autonomes Adenom klar vom umgebenden Gewebe abgegrenzt sein.

In mehrmaligen Sitzungen wird unter der Sicht mit Ultraschall hochprozentiger Alkohol injiziert. Dieses Verfahren befindet sich aber noch in der Erprobungsphase und wird vorerst nur an wenigen Zentren angeboten.

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