Schilddrüse: Basedow
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Die Basedow-Erkrankung ist unter Frauen ungefähr fünfmal häufiger als unter Männern. Bevorzugt kommt sie in Lebensphasen zum Ausbruch, wenn sich das Hormonsystem umstellt, während der Pubertät, der Schwangerschaft, den Wechseljahren. Die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) ist ein Leiden, das eine Überfunktion der Schilddrüse hervorruft. Sie zählt zu den Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem seine Aktivitäten gegen körpereigenes Gewebe richtet. Der Auslöser für diese Fehlsteuerung des Immunsystems ist noch nicht bekannt. Eine Entzündung durch Viren und Bakterien steht im Verdacht, bei der Basedowschen Erkrankung mitzuwirken, auch scheint eine genetische Anlage eine gewisse Rolle zu spielen.
Bei der Basedow-Krankheit werden zunächst Abwehrstoffe des Immunsystems, die sogenannten Antikörper, in der Schilddrüse und in den nahegelegenen Halslymphknoten gebildet, welche die Entzündung bekämpfen sollen. Wie das vor sich geht, ist relativ gut bekannt. Warum aber in diesem Fall das Immunsystem gegen gesundes eigenes Körpergewebe angeht, ist noch ein Rätsel. Diese Antikörper vermögen an den Empfangsstationen der Schilddrüsenzellen, den Rezeptoren, anzudocken. Auf diese Weise heizen sie die Bildung und Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen an. Es kommt zu einer Überfunktion, einer Hyperthyreose, und sehr oft, aber nicht immer, auch zu einem Kropf. Die Beschwerden werden überwiegend durch die Überfunktion und weniger durch das Wachstum der Schilddrüse ausgelöst.
Die Überfunktion kann dabei – mit und ohne Kropf – ganz erheblich sein und viele der für sie typischen Beschwerden verursachen: Schlafstörungen, großer Hunger, trotzdem Gewichtsabnahme, Bluthochdruck, schneller Puls, Muskelschwäche, Haarausfall. Die ständige Arbeit unter Hochdruck belastet das Herz, die Knochen können brüchig werden. Auch seelisch sind die Betroffenen oft ganz durcheinander: reizbar, niedergeschlagen, depressiv, innerlich angespannt.
Charakteristikum: hervortretende Augen
Über den Blutkreislauf gelangen die Antikörper auch zu den Augen, wo sie die entsprechenden Rezeptoren besetzen. Das Fettgewebe hinter den Augäpfeln schwillt an und drängt sie nach vorn. Das ist wohl das bekannteste und auffälligste Anzeichen eines Morbus Basedow, wenngleich die stark ausgeprägte Form nur bei etwa jeder fünften Erkrankten vorkommt. Dabei handelt es sich nicht nur um ein kosmetisches Problem. Die Lider lassen sich über den Augen nicht mehr recht schließen, und dadurch kann es zu Bindehautentzündungen und Hornhautgeschwüren kommen.
Auch gesunde Frauen, in deren Familien dieses Leiden häufiger aufgetreten ist, sollten keinesfalls rauchen, sonst haben sie ein achtmal höheres Risiko als Nichtraucherinnen, daß bei einer eventuellen eigenen Erkrankung auch die Augen beteiligt sind. Da sich überaus häufig bei einer Basedow-Erkrankung die Überfunktion binnen zweier Jahre nach ihrem erstmaligen Auftreten zurückbildet, werden zur Behandlung zunächst nur Medikamente eingesetzt. Die Schilddrüsenblocker, sogenannte Thyreostatika, verhindern, daß Jod in das Grundgerüst der Schilddrüsenhormone eingebaut wird. Sie richten sich gegen die Überfunktion, die Basedow-Krankheit beeinflussen sie aber nicht. Erst wenn die Medikamente nichts bringen, wird eine Operation oder eine Radiojodtherapie erwogen. Ist der Kropf allerdings bedrängend groß, so daß er die umliegenden Organe beeinträchtigt, wird gleich chirurgisch oder radiologisch behandelt. Sollte sich danach eine Unterfunktion einstellen, weil zuviel gesundes Gewebe entfernt oder lahmgelegt wurde, läßt sich dies mit Schilddrüsenhormonen gut in den Griff bekommen. Aber es ist dringend erforderlich, daß während und nach jeder dieser Behandlungen die Schilddrüsenfunktion immer wieder überprüft und eine Medikation neu eingestellt wird.