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Scharlach: Verbreitet, aber leicht zu behandeln

Nach wie vor zählt Scharlach zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern, aber zum Glück nicht mehr zu den gefährlichsten. Scharlach kommt heute seltener vor als noch vor 50 Jahren und es verläuft leichter.

Darüber hinaus lässt sich die Krankheit mit Antibiotika so gut behandeln, dass kein Kind mehr daran stirbt. Dies erklärt die Stiftung Kindergesundheit.

In Deutschland erkranken jährlich mindestens 50.000 Menschen an typischem Scharlach. Die Zahl der von einer Streptokokken-Angina Betroffenen schätzen Experten auf 1 bis 1,5 Millionen.

Nach einer aktuellen Statistik der Krankenkasse „Barmer GEK“ diagnostizieren Ärzte in einem Jahr bei knapp 6,3 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren Scharlach.

Die epidemische Infektionskrankheit verglich man in früheren Jahrhunderten in ihrer Gefährlichkeit mit Pest, Typhus und Cholera. Die Sterberate betrug während mancher Epidemien 20 Prozent. Teilweise starben mehr als 50 Prozent der mit Scharlach angesteckten Kinder.

Selbst in die Literatur fand die Krankheit Eingang. Nachdem zwei seiner zehn Kinder an Scharlach gestorben waren, schrieb der Dichter Friedrich Rückert um 1830 seine „Kindertotenlieder“.

Diese vertonte Gustav Mahler später. Mahlers Tochter Maria Anna wurde mit fünf Jahren Opfer einer kombinierten Scharlach-Diphtherie-Infektion.

Ein Gift verursacht den Ausschlag

Als Erreger des Scharlachs gelten Bakterien, Streptokokken der Gruppe A. Davon gibt es 80 verschiedene Typen. Sie verursachen im Normalfall eine Halsentzündung, die Streptokokken-Angina.

Der Scharlach stellt eine Sonderform der Streptokokken-A-Infektion dar, den spezielle Streptokokken-Typen hervorrufen. Sie können ein spezielles Scharlachgift produzieren, das den typischen Scharlachausschlag auslöst.

Im Grunde bedeutet Scharlach eine Streptokokken-Angina mit Ausschlag.

Die Abwehrkräfte des Kindes produzieren Antikörper gegen diesen Giftstoff, so dass es anschließend eine Immunität gegen Scharlach besitzt. Da mindestens vier Scharlacherreger existieren, erkranken manche Kinder mehrmals an Scharlach.

Solche Zweiterkrankungen hätten nichts damit zu tun, ob das Kind eine Penicillin-Behandlung erfuhr, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer Stellungnahme.

Wie steckt sich ein Kind mit Scharlach an?

Meistens übertragen Tröpfchen aus dem Atem die Streptokokken, darüber hinaus Wäsche, Kleidung, Spielzeug und Bücher. Gelegentlich verbreiten sie sich über verunreinigte, schlecht gekühlte Lebensmittel.

Scharlach-Epidemien treten vorwiegend in der kalten Jahreszeit auf, vor allem bei trockenem und windigem Wetter.

Babys können vom sechsten Monat an Scharlach bekommen können, vorher haben sie noch einen „Nestschutz“ von der Mutter. Trotzdem tritt die Infektion in vielen Fällen zwischen dem dritten und achten Lebensjahr auf, mit einem Gipfel im vierten Lebensjahr.

Mit zehn Jahren nimmt die Ansteckungsgefahr ab, erlischt aber nicht. Es existiert keine Schutzimpfung gegen Scharlach.

Gesunde Menschen können in manchen Fällen Träger von Streptokokken sein. Sie geben die Bakterien dann beim Husten und Niesen weiter. Die Inkubationszeit bis zur Ausbrütung der Krankheit beträgt drei bis fünf Tage, Schwankungen von ein bis sieben Tagen sind möglich.

Später als acht Tage nach dem Kontakt mit einem Scharlachkranken muss man nicht mit einer Ansteckung rechnen.

Wie sieht der Scharlachausschlag aus?

Er besteht aus winzigen, stecknadelkopfgroßen, dicht beieinander liegenden Flecken. Wenn man mit der Handfläche über die Haut streicht, fühlt sie sich an wie Sandpapier oder eine leichte Gänsehaut.

Die Erhebungen des Ausschlags sehen zunächst zart rosa, später flammend rot (eben scharlachrot) aus. Die Gesichtshaut ist glatt und intensiv gerötet. Die Mund- und Kinnpartie bleibt wie ein Milchbart von der Rötung ausgespart.

Der Rachen des Kindes färbt sich düster rot. Die Zunge zeigt zunächst einen weißgelben Belag, den sie nach ein bis zwei Tagen abstößt.

Danach sieht die Oberfläche der Zunge gerötet und geschwollen und wie eine Erdbeere aus. Nach einigen Tagen beginnt die Haut, sich vor allem an den Handinnenflächen und den Fußsohlen zu schuppen.

Weil die Krankheit meistens leicht verläuft, tritt der Ausschlag am Körper oft nur blass rosa und wenige Stunden lang auf. Es gibt darüber hinaus Fälle, die ohne Ausschlag verlaufen, das Kind leidet ausschließlich unter Schluckbeschwerden.

Nach einigen Tagen zeigt das Abschuppen seiner Haut, dass es Scharlach durchmachte.

Richtiges Verhalten

Bekommt ein Kind hohes Fieber und zeigt Scharlachsymptome, sollten die Eltern mit einem Kinder- und Jugendarzt Kontakt aufnehmen. Dies empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit.

Diagnostiziert der Arzt Scharlach, verordnet er dem Kind in aller Regel Penicillin. Unter Umständen schlägt dieses Antibiotikum nicht an oder das Kind verträgt es nicht gut.

In solchen Fällen weicht man auf ein anderes Antibiotikum aus, zum Beispiel auf orale Cephalosporine.

„Von größter Wichtigkeit ist die Einnahme des vom Arzt verordneten Antibiotikums so lange, wie es vom Arzt vorgeschrieben ist. Das bedeutet in den meisten Fällen 10 Tage lang.“ Dies betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

„Mit Hilfe der Penicillin-Behandlung geht es dem Kind nach 24 bis 48 Stunden gut. Das Verschwinden der Beschwerden bedeutet nicht, dass die Bakterien eliminiert sind.

Die Behandlungsdauer von zehn Tagen ist notwendig, um alle Bakterien abzutöten.

Bleiben Reste im Organismus, könnte die Krankheit erneut aufflackern. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass sich Erreger an das Antibiotikum gewöhnen und eine Resistenz entwickeln.

Schneller gesund – dank Penicillin

In Ausnahmefällen verabreichen die Ärzte das Penicillin in einer einzigen Injektion. Diese Spritze in den Muskel verursacht Schmerzen, weswegen man sie Kindern ungern zumutet.

Penicillin beeinträchtigt nicht die Fähigkeit des Organismus, gegen die Scharlacherreger Antikörper zu bilden. Antibiotika stellen keine harmlosen Medikamente dar.

Aus diesem Grund sollte man sie nicht bei jedem fieberhaften Infekt verordnen, mahnt die Stiftung Kindergesundheit. Bei schweren bakteriellen Infektionen wie Scharlach sind sie ein Segen.

Die Hauptvorteile der Penicillin-Behandlung für das Kind:

  • die Beschwerden verschwinden schneller
  • die Ansteckungszeit kürzt sich ab
  • das Kind darf schneller in den Kindergarten oder zur Schule
  • Vermeidung gefährlicher Komplikationen

Das Risiko wird oft unterschätzt

Es gerät in Vergessenheit, welche gefährlichen Folgen die Krankheit haben kann. Im Glauben, der samtartige Ausschlag stelle eine harmlose Kinderkrankheit dar, lehnen einige Eltern eine Antibiotika-Behandlung ab.

Zum Nachteil der kleinen Patienten, meint die Stiftung Kindergesundheit. Die Krankheitserreger lösen in manchen Fällen Komplikationen aus. Dazu zählen schmerzhafte Entzündungen des Mittelohrs oder der Nebenhöhlen, Schwellungen der Lymphdrüsen und gefährliche Abszesse in den Rachenmandeln.

Professor Koletzko: „Besonders gefürchtet sind die Folgekrankheiten. Mit einer Verzögerung von drei bis fünf Wochen nach der Ansteckung kann das akute rheumatische Fieber ausbrechen.

Es führt zu Gelenkveränderungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Ein ernsthaftes Risiko stellt das Scharlachherz dar, eine Entzündung des Herzmuskels, der Herzinnenhaut und manchmal der Herzklappen.

Darüber hinaus sind akute Nierenentzündungen möglich. Eine übertriebene Angst vor Antibiotika ist bei dieser Krankheit unangebracht.“

Wann steckt das Kind andere an?

Vor der Existenz von Antibiotika isolierte man die Kinder sechs Wochen lang. Die Eltern desinfizierten die Wohnung und alle Gegenstände, die das kranke Kind benutzt hat. Bücher und Spielsachen verbrannte man.

Ein mit Penicillin behandeltes Kind ist am Tag nach Behandlungsbeginn nicht ansteckend. Wenn es sich gut fühlt, kann es nach wenigen Tagen in den Kindergarten oder zur Schule.

In einem Merkblatt des Robert Koch Instituts Berlin heißt es:

„Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen kann bei einer Antibiotikatherapie und ohne Krankheitszeichen ab dem zweiten Tag erfolgen, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome. Ein schriftliches ärztliches Attest benötigt man nicht.“

Scharlachkranke Kinder ohne Penicillinbehandlung gelten drei Wochen lang als infektiös. Nach Paragraph 34 des Infektionsschutzgesetzes IfSG dürfen sie die Kita, den Kindergarten oder die Schule nicht besuchen.

„Erst wenn nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist.“ Das geschieht nach etwa drei Wochen.

So verläuft Scharlach

1. Tag: Unvermittelt bekommt das Kind Fieber, Hals und Kopfschmerzen. Oft muss es erbrechen. Sein Hals tut weh, das Schlucken verläuft beschwerlich.

2. bis 4. Tag: Die Temperatur steigt auf 39 bis 40 Grad und bleibt ohne Penicillin ein paar Tage auf gleicher Höhe. Antibiotika senken das Fieber innerhalb von 24 Stunden. Etwa zwei Tage nach Beginn der Halsschmerzen tritt der Ausschlag auf. Er beginnt in den Achselhöhlen und an den Innenseiten der Oberschenkel. Von dort greift er auf den ganzen Körper über. Die anfangs weiß belegte Zunge wird rot und sieht wie eine Erdbeere aus. Der Rachen ist düster rot verfärbt.

5. bis 7. Tag: Die „Himbeerzunge“ löst die „Erdbeerzunge“ ab: Die Schleimhaut der Zunge schuppt sich allmählich ab und die Zungenoberfläche ist gerötet und geschwollen. Die Lymphknoten im Kieferwinkel sind vergrößert und druckempfindlich. Das Gesicht ist gerötet, um Mund und Nase bleibt die Haut blass.

Vom 7. Tag an: Der Ausschlag geht zurück. Die Haut beginnt sich abzuschälen, zunächst am Hals und dann am restlichen Körper. An Händen und Füßen lassen sich oft ganze Fetzen abziehen, während sich am Bauch feine Schuppen ablösen. Dieses Abschuppen dauert drei oder mehrere Wochen.

Besser vorbeugen als heilen

Die 1998 gegründete Stiftung Kindergesundheit setzt sich für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein. Sie fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern.

Ihr Engagement gilt nicht ausschließlich Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

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