Rheuma: Chronischer Reiz
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Was ist passiert? Erreger = Antigene – meist lassen sie sich nicht mehr identifizieren – haben das Immunsystem mobilisiert, worauf sich Immunkomplexe gebildet haben. Verborgene (latente) Infektionen, die der rheumatoiden Arthritis vorausgehen, scheinen dabei eine Rolle zu spielen, ebenso eine erbliche Anlage, die auf die Infektionen mit einer Fehlsteuerung des Immunsystems antwortet. Immunkomplexe entstehen dann, wenn sich die vom Immunsystem gebildeten Abwehrstoffe (Antikörper) mit den Antigenen (Viren, Bakteriengiftstoffe u. a.) verbinden. Bei Gelenk-Rheuma setzen sich diese Immunkomplexe in der Gelenkflüssigkeit oder -schleimhaut fest und lösen eine Entzündung (Synovialitis) aus. Diese rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung: Die Immunabwehr greift körpereigenes Gewebe an – hier die Gelenkschleimhaut und später das Gelenk.
Kettenreaktion durch chronischen Reiz
Die Entzündung der Schleimhaut mehrerer Gelenke zieht sich hier über Jahre chronisch in Schüben hin. Die rheumatoide Arthritis (RA), auch chronische Polyarthritis (cP) genannt, ist mit Schmerzen, Schwellungen und Funktionseinschränkungen der Gelenke verbunden. Am Anfang stehen meist untypische Beschwerden wie rasche Ermüdbarkeit, diffuse Muskelschmerzen. Dann folgt eine Morgensteifigkeit der Gelenke, die stundenlang anhalten kann. Bei Frauen sind vor allem Finger- und Handgelenke betroffen. Nach und nach können Bewegungseinschränkungen in den Beinen und manchmal sogar im Kieferbereich hinzukommen.
Infolge des chronischen Reizes wandern in die Gelenkhaut massenhaft Immunzellen ein. Diese B-Lymphozyten vermehren sich so stark (Proliferation), dass sich in der Gelenkhaut ein knospenbildendes Gewebe über den Knorpeln ausbreitet und schließlich in die Knorpel eindringt. Gleichzeitig beginnt auch das Bindegewebe zu wuchern, so dass der Knorpel dadurch zusätzlich geschädigt, schließlich zerstört und durch das krankhaft vermehrte Bindegewebe ersetzt wird. Außerdem produzieren die B-Lymphozyten spezielle Abwehrstoffe, Immunglobuline, die sich in der Gelenkflüssigkeit zu den so genannten Rheumafaktoren verbinden. Diese Rheumafaktoren lassen sich durch einen Bluttest im Labor bestimmen. Oft bestehen aber rheumatische Beschwerden, ohne dass sich Rheumafaktoren nachweisen lassen.
Im Laufe der chronischen Erkrankung bilden sich in der Gelenkflüssigkeit immer mehr krankmachende Immunkomplexe. Ein Teil von ihnen bleibt in der Gelenkhaut, andere können ins Blut übertreten und lagern sich an Empfangsstationen (Rezeptoren) anderer Zellen an. Dort verursachen sie erneut Entzündungen und zerstören das Gewebe, so dass es zu weiteren Immunkomplexerkrankungen wie Gefäß-, Haut- oder Nierenentzündungen kommen kann, sogar – meist bei Männern, aber gelegentlich auch bei Frauen – zu einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis).