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Die 3 Säulen der Rheuma-Therapie

Mit den drei Bausteinen Medikamente, Bewegung und Ernährung kann man den Krankheitsprozess von Rheuma verbessern. Hier sind die ersten beiden Bausteine:

1. Medikamente

In den meisten Fällen ist eine medikamentöse Therapie durch einen Rheumatologen notwendig, um den Angriff der Immunzellen gegen die Gelenke und Organe einzudämmen. Schmerzstillende Arzneimittel sollten Sie bei Bedarf einnehmen.

Jeder Mensch verfügt über eine Art individuelles Schmerzgedächtnis, das den akuten Schmerz mit gespeicherten Schmerzerfahrungen vergleicht und daraufhin eine Bewertung vornimmt.

Quälen Sie sich deshalb nicht zu lange mit Schmerzen herum, denn das macht eine erneute Wiederkehr wahrscheinlicher. Andererseits gibt es kein wirksames Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen.

Halten Sie sich daher an die Regel: so wenig wie möglich – so viel wie nötig!

2. Bewegung

Bewegen Sie sich regelmäßig, denn: Wenn Ihre Gelenke in Bewegung sind, schmerzen sie weniger und „rosten“ nicht ein.

Das reduziert die charakteristische Steifigkeit der Gelenke. Zudem regt es den Stoffwechsel in Ihren Gelenken an und baut Entzündungsstoffe ab.

Gehen Sie möglichst jeden Tag mindestens eine halbe Stunde, besser eine Stunde spazieren oder walken. Auch Joggen in moderatem Tempo, Schwimmen und Fahrradfahren eignen sich sehr gut zur Förderung der Beweglichkeit.

Nehmen Sie hingegen Abstand von Sportarten mit abrupten Bewegungen wie Badminton, Squash und Tennis. Sie belasten Ihre Gelenke stärker als die genannten Ausdauersportarten.

Lassen Sie sich ein spezielles „Funktionstraining“ verordnen

Die Deutsche Rheumaliga hat in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten ein spezielles Funktionstraining entwickelt. Es soll die kranken Gelenke der Rheumapatienten beweglich erhalten und fördern – ohne sie zu überfordern.

Das Prinzip heißt: Bewegung ohne Belastung! Es findet in Gruppen mit Gleichgesinnten entweder als Warmwasser- oder als Trockengymnastik im Raum statt.

Für Patienten mit chronischem Rheuma kann das Training zuerst 12 bis 24 Monate als ergänzende Leistung zur Rehabilitation verordnet werden. Bei medizinischer Notwendigkeit kann die Verordnung auch verlängert werden.

3. Ernährung

Mit der Ernährung können Sie täglich aktiv positiven Einfluss auf Ihre entzündlichen Schmerzen nehmen. Viele Patienten können dadurch sogar die Dosis schmerzstillender Medikamente reduzieren – natürlich nur in Absprache mit dem Rheumatologen.

Weniger Pfunde = weniger Schmerzen!

Übergewicht macht entzündliche Erkrankungen wahrscheinlicher. Das Fettgewebe ist der Nährboden für Entzündungsstoffe, die Ihren Körper und dessen Stoffwechsel belasten. Außerdem belastet Übergewicht zusätzlich die Gelenke der unteren Körperhälfte. Also muss das Gewicht runter – mit Hilfe der folgenden Tipps.

Weniger Fleisch und Wurst!

Entzündungen werden u. a. durch die Bildung von Botenstoffen im Körper ausgelöst, die aus der sogenannten Arachidonsäure gebildet werden. So heizt diese Omega-6-Fettsäure, die vor allem in tierischen Lebensmitteln enthalten ist, Ihr entzündliches „Feuer“ erst so richtig an.

Verzichten Sie zu Beginn (etwa für vier Wochen) komplett auf Fleischmahlzeiten und fette Wurstsorten wie Schinkenspeck, Schinkenwurst, Leberwurst, Mett etc. Begrenzen Sie anschließend den Konsum auf maximal zwei magere Fleischeinheiten pro Woche (je ca. 100 g z. B. Rinderfilet oder Hühnerbrust).

Wildfleisch und Fleisch aus artgerechter Haltung weisen eine günstigere Fettsäuren- Zusammensetzung auf als Billigfleisch aus der Massentierhaltung.

Fettarme Milch und Milchprodukte (1,5 % Fett) wie Joghurt, Quark und Käse sollten jedoch täglich auf Ihrem Speiseplan stehen, da sie wertvolles Eiweiß und den Knochenmineralstoff Kalzium liefern.

Maximal 2 Eigelbe pro Woche!

Eidotter enthält auch viel Arachidonsäure und ist damit nicht „das Gelbe vom Ei“. Beschränken Sie den Konsum auf ein- bis zweimal pro Woche. Wählen Sie Teigwaren wie Nudeln somit besser auf Basis von Hartweizengrieß. Denken Sie auch an „versteckte“ Eier in Gebäck, Panaden etc.

Essen Sie mehr Fisch!

Natürliche Kontrahenten der Omega- 6-Fettsäuren sind die Omega-3-Fettsäuren. Gerade die fetten Kaltwasserfische wie Lachs, Hering, Makrele oder Thunfisch liefern hohe Konzentrationen.

Durch ihre strukturelle Ähnlichkeit mit der Arachidonsäure verdrängen Omega-3-Fettsäuren eben diese aus den Zellen. Dadurch hemmen sie deren Umwandlung in Entzündungsvermittler und bilden zudem selbst entzündungshemmende Botenstoffe.

Studien an Patienten mit rheumatoider Arthritis belegen, dass die Gabe von hoch konzentriertem Fischöl die Hauptsymptome wie Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit signifikant verbesserte.

Lehnen Sie Fisch aus geschmacklichen Gründen ab, sollten Sie die Omega-3-Fettsäuren über Fischöl-Kapseln (z. B. Eicosan®, Ameu®) zu sich nehmen. Das ist aber nur die zweitbeste Lösung.

Weshalb eine Entsäuerung immer sinnvoll ist

Bevor sich Ihr Arzt oder Therapeut mit Ihnen gemeinsam für die Anwendung eines Medikaments oder/und eines Naturheilverfahrens entscheidet, sollte er Ihnen zu einer Entsäuerungskur raten.

Wenn er das nicht von sich aus tut, sprechen Sie ihn unbedingt darauf an.

Denn Rheumapatienten sind in aller Regel übersäuert, d.h., in Gelenkkapseln und Bindegewebe haben sich zum Teil toxisch wirkende Stoffwechselprodukte abgelagert, die sowohl die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung als auch die Entsorgung von Stoffwechselschlacken und Entzündungsstoffen behindern.

Dadurch kann die Wirksamkeit aller therapeutischen Maßnahmen (sowohl der schulmedizinischen als auch der naturheilkundlichen) stark eingeschränkt bzw. ganz in Frage gestellt werden. Mit einer Entsäuerungskur befreien Sie Ihren Körper von diesen Toxinen.

In Apotheken, Drogerien und Reformhäusern finden Sie eine Vielzahl von Basen-Pulvern.

Diese setzen sich vorwiegend aus Kalzium, Magnesium und Zink zusammen, also basischen Mineralstoffen, die die Fähigkeit besitzen, die Säuren in den Gelenken und Geweben zu binden und zu neutralisieren.

Zusätzlich sollten Sie durch eine säurearme Ernährung den Entsäuerungsprozess unterstützen. Verzichten Sie in dieser Zeit möglichst auf:

  • Kaffee/Früchtetee/Fruchtsäfte
  • Zucker und Weißmehlprodukte
  • Zitrusfrüchte
  • fettige/scharf gewürzte Speisen
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • Alkohol
  • Schweinefleisch

Zur Entgiftung bieten sich verschiedene Präparate an, deren Auswahl Sie am besten Ihrem Therapeuten überlassen (z.B. als spezielles homöopathisches Präparat die Phönix-Entgiftungskur). Informationen hierzu sowie einen Einnahmeplan erhalten Sie in Apotheken oder bei Ihrem Therapeuten.

Das Entgiftungspräparat nehmen Sie 45 Tage lang ein, parallel dazu erfolgt eine Umstellung Ihrer Ernährung und anschließend nehmen Sie die Basenpräparate ein.

Eine zusätzlich entgiftende Wirkung haben Heilpflanzentees aus Brennnessel, Goldrute und Löwenzahn (aus der Apotheke).

Wichtig: Während der Entsäuerungs- und Entgiftungskur sollten Sie täglich mindestens 2, besser 2,5 Liter Flüssigkeit trinken.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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Alte Kommentare
  • Heidi Jacoby schrieb am 14.07.2015, 20:21 Uhr

    Ich möchte mich kurz dazu äußern, dass man sich Funktionstraining verschreiben lassen kann. Ich habe vor inzwischen DREI JAHREN von meinem Orthopäden für meine rheumatische Erkrankung Funktionstraining im Bewegungsbad verordnet bekommen. Ich habe mich damals direkt mit der Deutschen Rheumaliga in Verbindung gesetzt, weil nirgendwo sonst die Möglichkeit bestand, das Funktionstraining im Bad durchzuführen. Bei der Rheuma Liga wurde ich in eine Warteliste aufgenommen. Ich leide nach wie vor unter ständig wiederkehrenden Schmerzen und würde diese Therapie sehr gerne endlich durchführen. Ich frage dort immer wieder telefonisch nach, doch es seien immer noch einige Personen vor mir. Es ist sehr schade, dass Schmerzpatienten bei uns in Deutschland so lange auf dieses sicherlich hilfreiche Funktionstraining warten müssen. Früher noch gab es in vielen Kliniken Warmwasserbecken, wo dieses spezielle Training durchgeführt werden konnte, doch vor Jahren hat man diese unverständlicher Weise geschlossen. Ich kann das nicht nachvollziehen.