Raynaud-Syndrom: Definition
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Es ist eine merkwürdige Empfindung: Immer wenn Sie frieren, scheint die Körperwärme buchstäblich Ihre Fingerspitzen zu verlassen – zusammen mit der Farbe, sodass sie weiß werden. Sobald Sie ein weiteres Kleidungsstück anziehen oder Ihre Hände in warmes Wasser tauchen, kehrt die Farbe wieder zurück. Doch gleichzeitig verspüren Sie ein Kribbeln beim Aufwärmen.
Ihr Arzt verdächtigt das so genannte Raynaud-Syndrom („Weißfingerkrankheit“) als Ursache. Dabei handelt es sich um eine Störung der Blutgefäße. Nach Schätzungen der National Institutes of Health leiden etwa 5% bis 10% der Bevölkerung am Raynaud-Syndrom. Frauen sind fünfmal häufiger betroffen als Männer.
Wie diese Störung behandelt wird, hängt vom Schweregrad ab und davon, ob andere verwandte Störungen vorliegen. Die meisten Menschen mit dem Raynaud-Syndrom empfinden es zwar als unangenehm, aber häufig helfen einfache Änderungen der Lebensgewohnheiten.
Die Durchblutung erfolgt schubweise wie bei Ebbe und Flut
Bei einer äußeren Abkühlung wird die Durchblutung Ihrer Extremitäten, besonders von Fingern und Zehen, verlangsamt. Dadurch behält der Körper länger seine Kerntemperatur. Dieses Ziel erreicht Ihr Körper, indem er die kleinen Arterien in Ihren Extremitäten verengt.
Wenn Sie jedoch unter dem Raynaud-Syndrom leiden, fällt diese Reaktion des Körpers aus bislang unbekannten Gründen übertrieben stark aus. Die kleinen Arterien unterliegen einem so genannten Vasospasmus, das heißt sie verengen sich extrem stark. Der Vasospasmus besteht nur vorübergehend und kann Minuten bis Stunden anhalten. Auch Stress auslösende Gefühle können zu einer ähnlichen Reaktion führen.
Obwohl jeder das Raynaud-Syndrom entwickeln kann, sind häufiger Frauen davon betroffen. Meistens tritt diese Störung zwischen der Jugend und Anfang 40 auf.
Bislang ist nicht genau bekannt, weshalb das Raynaud-Syndrom die Gefäße überreagieren lässt. In den meisten Fällen kann keine Ursache ausgemacht werden, sodass man vom primären Raynaud-Syndrom spricht. Doch falls eine zugrundeliegende Ursache gefunden wird – vor allem Krankheiten, die die Gefäße oder Nerven schädigen (z. B. Skleroderma, Lupus oder Rheumatoide Arthritis) – spricht man von einem sekundären Raynaud-Syndrom.
Manchmal wird das Syndrom durch wiederholte Handverletzungen verursacht. Kleine Handarterien können durch vibrierende Handwerkzeuge geschädigt werden. Bestimmte Substanzen, wie Nikotin und einige Medikamente (z. B. Betablocker gegen Bluthochdruck, Ergotamin gegen Migräne und einige rezeptfreie Wirkstoffe gegen Erkältung und Allergien) können umkehrbare Gefäßverengungen verursachen, die im Raynaud-Syndrom resultieren.
Vasospasmen, die auf dem Raynaud-Syndrom beruhen, betreffen typischerweise Finger und Zehen, manchmal aber auch Nase, Ohren und Wangen. Die Haut kann auf Grund der schlechten Durchblutung erblassen oder sogar bläulich anlaufen, wenn Sauerstoffmangel besteht. Wenn die starke Gefäßverengung plötzlich nachlässt, kann die Haut durch das einströmende Blut schnell rot anlaufen, bevor sie wieder ihre normale Farbe annimmt.