MenüMenü

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Zunächst dachten Sie, dass die Schmerzen im Wadenmuskel, die regelmäßig bei Ihrem täglichen Spaziergang einsetzten, ein weiteres untrügliches Zeichen für Ihr fortschreitendes Alter seien.

Aber nach einer eingehenden Untersuchung diagnostizierte Ihr Arzt als Ursache für die wiederkehrenden Schmerzen beim Gehen: Claudicatio intermittens (Durchblutungsstörungen in den Beinen, auch Schaufensterkrankheit oder auch Raucherbein genannt).

Sie werden durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ausgelöst. Bei dieser Erkrankung verstopfen oder verengen sich die Arterien, die die Beine mit sauerstoffreichem Blut versorgen.

Das führt dazu, dass die Blutversorgung des Beins nicht mehr den Anforderungen genügt.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit betrifft 1 von 20 Menschen, die älter als 50 Jahre sind. In etwa 75% der Fälle bleibt die Erkrankung unerkannt.

Wenn sie diagnostiziert wird, dann kann sie häufig durch einige Änderungen im Lebensstil erfolgreich behandelt werden: durch ausreichende Bewegung, mit dem Rauchen aufhören und durch Absenken des Blutcholesterinspiegels.

Zahlreiche Faktoren erhöhen Ihr persönliches Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit

Die Ursachen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit variieren stark. Häufigster Auslöser ist eine Verhärtung und Verengung der Arterien (Arteriosklerose). Sie wird durch die langjährige Anhäufung von cholesterinhaltigen Fettablagerungen (Plaques) an der Innenseite der Gefäßwände bedingt.

Weniger häufig wird die pAVK durch Blutgerinnsel in den Arterien, eine vorangegangene Verletzung oder eine Strahlenbelastung verursacht.

Risikofaktoren für die periphere arterielle Verschlusskrankheit sind unter anderem:

  • älter als 50 Jahre zu sein,
  • rauchen,
  • Typ-2-Diabetes,
  • Übergewicht,
  • Mangel an sportlicher Betätigung,
  • Bluthochdruck oder häufigeres Vorkommen in der Familie,
  • ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut.

Die größten Risikofaktoren aus dieser Liste sind Diabetes und Rauchen. Denn Raucher und Diabetiker haben häufig:

  • ein höheres Risiko für Arteriosklerose,
  • einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie an pAVK erkranken – so kann durch die verminderte Durchblutung des Beins Gewebe absterben (Gangrän).

Bei der Schaufensterkrankheit wird die Durchblutung im Bein behindert

Viele Menschen merken im Alltag nichts von der Arteriosklerose in ihren Beinen, da der menschliche Körper kleine Blutgefäße (kollaterale Gefäße) neu bilden kann, die das Blut um die Blockade herum umleiten können.

Bei sportlichen Aktivitäten können aber Durchblutungsstörungen (Claudicatio intermittens) in den Beinen auftreten, da bei einer Blockade eines wichtigen Gefäßes die kollateralen Gefäße unter diesen Bedingungen den steigenden Anforderungen an die Durchblutung nicht mehr genügen.

Bei der Diagnose der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit können die Ärzte einen Knöchel-Arm-Index wie in dieser Abbildung verwenden.

Dabei wird der Blutdruck im Knöchel mit dem im Arm verglichen. Um den Messwert des Blutdrucks ermitteln zu können, braucht der Arzt eine herkömmliche Blutdruckmanschette und am Knöchel ein spezielles Ultraschallstethoskop (Doppler-Ultraschall).

Der Index wird ermittelt, indem der Wert des systolischen Blutdrucks, der am Fußknöchel gemessen wird, durch den Wert des systolischen Drucks am Arm dividiert wird.

Ein Index-Wert von 0,8 ist beispielsweise ein Hinweis auf Claudicatio intermittens.

Symptome und Beschwerden

Die Schmerzen bei Claudicatio intermittens treten hauptsächlich in den Waden auf. Sie können jedoch auch das Gesäß, die Hüfte, die Oberschenkel oder die Füße betreffen.

Die Schmerzen ähneln denen bei einem Muskelkrampf oder die betroffene Region schmerzt, fühlt sich bleiern und müde oder taub an. Nach ein paar Minuten Verschnaufpause verschwinden die Schmerzen üblicherweise.

Die Durchblutungsstörungen treten bei einem festen Trainingsablauf häufig zu ähnlichen Zeitpunkten auf und betreffen meist die gleichen Muskelgruppen.

Wenn Sie das Training intensivieren – vielleicht, indem Sie schneller gehen als sonst – werden der Krampf oder die Ermüdungserscheinungen schon zu einem früheren Zeitpunkt auftreten.

Wenn die periphere arterielle Verschlusskrankheit fortschreitet, können die Schmerzen auch im Liegen auftreten. Sie können so stark sein, dass Sie nicht einschlafen können oder, falls Sie schon schlafen, davon wach werden.

Sie können die Schmerzen vielleicht vorübergehend lindern, wenn Sie das Bein über die Bettkante hängen, aufstehen oder den Fuß ausschütteln.

Außer der Durchblutungsstörung kann der verminderte Blutfluss in Ihren Beinen auch folgende Symptome verursachen:

  • Taubheit oder Schwächegefühl in den Beinen,
  • Wunden an den Zehen oder Füßen, die nicht abheilen,
  • kalte Füße oder Beine,
  • Veränderungen in der Hautfarbe,
  • Haarausfall an Füßen und Beinen,
  • Absterben des Gewebes, was eine Amputation zur Folge haben kann

Geh-Training ist die beste Medizin gegen die periphere arterielle Verschlusskrankheit

Die folgenden Veränderungen des Lebensstils können die pAVK stabilisieren oder verbessern:

  • Sportliche Aktivität – Bewegung ist eine Schlüsselkomponente. In der Tat wird der Erfolg einer Behandlung häufig daran gemessen, wie weit eine betroffene Person ohne Beschwerden gehen kann. Es erscheint widersprüchlich zu sein, dass die Aktivität, die die Schmerzen auslöst, gleichzeitig unerlässlich für deren Behandlung ist.

Mit den richtigen Übungen können die Muskeln so trainiert werden, dass sie den Atemsauerstoff effizienter nutzen. Zudem wird die Bildung von kollateralen Blutgefäßen angeregt oder verbessert.

Ihr Arzt kann Ihnen dabei helfen, ein für Sie angemessenes Trainingsprogramm zu erstellen. Häufig besteht dieses zunächst darin, dass die Betroffenen so lange „walken“ (schnell Gehen) sollen, bis sie Schmerzen bekommen.

Nach einer Ruhepause geht es dann sofort weiter.

  • Hören Sie auf zu rauchen – Rauchen führt dazu, dass sich die Arterien zusammenziehen und auch geschädigt werden. Es ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer pAVK und trägtzu ihrer Verschlechterung bei. Oft spricht man deshalb von einem Raucherbein.
  • Ernähren Sie sich gesund – Mit einer gesunden Ernährung können Sie weitere Risikofaktoren, die zu Arteriosklerose führen, unter Kontrolle halten. Dazu gehören sowohl der Blutdruck als auch der Cholesterinspiegel im Blut.

Bei über 70% der Menschen mit pAVK bewirken allein die Änderungen im Lebensstil, dass die Erkrankung nicht fortschreitet oder sich gar verbessert. Allerdings reichen sie nicht immer aus.

Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die die Gerinnselbildung herabsetzen sowie den Blutdruck und den Cholesterinspiegel im Blut senken.

So genannte Thrombozytenaggregationshemmer, zu denen auch ASS (Acetylsalicylsäure, z. B. Aspirin®) gehört, setzen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab. Zudem kann die Durchblutung durch andere Wirkstoffe wie Pentoxifyllin (z. B. Trental®) verbessert werden.

In einigen Fällen muss die Therapie intensiviert werden

Wenn sich bei Ihnen die Claudicatio intermittens nicht innerhalb von 3 bis 6 Monaten verbessert oder sie gar schlechter wird, nachdem Sie Ihre Lebensgewohnheiten geändert haben, muss Ihr Arzt andere Therapiemaßnahmen erwägen.

Er hat unter anderem folgende Möglichkeiten:

  • Angioplastie – Bei diesem Eingriff wird ein mit einem Ballon ausgestatteter Katheter in den verengten oder blockierten Bereich Ihrer Arterie vorgeschoben. Dann wird der Ballon aufgepumpt, sodass er die Ablagerungen (Plaques) gegen die Arterienwand presst. In einigen Fällen wird an der engen Stelle ein Stent eingesetzt. Das ist eine kleine, netzartige Metallröhre oder -spirale, die die Arterie offen halten soll.
  • Transplantat – Die Ärzte können für den besseren Blutfluß eine Umleitung (Bypass) um die blockierte oder verengte Stelle der Arterie legen. Dazu verwenden sie entweder ein Gefäß aus einem anderen Körperbereich oder eine Röhre aus synthetischem Material.
  • Thrombolytische (Gerinnsel auflösende) Therapie – Wenn bei Ihnen die Arterie aufgrund eines kürzlich aufgetretenen Blutgerinnsels verstopft ist, besteht die Möglichkeit, ein Gerinnsel auflösendes Medikament genau an die betroffene Stelle in die Arterie einzuführen, an der das Gerinnsel sitzt. Es wird dann medikamentös aufgelöst.

Gesunde Arterien versprechen gute Gesundheit

Um Ihr Risiko für die pAVK zu reduzieren, sollten Sie sich regelmäßig sportlich betätigen, gesund ernähren, nicht rauchen und, falls Sie Diabetiker sind, Ihren Diabetes und die damit verbundenen Risikofaktoren unter Kontrolle halten.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit wird häufig in Verbindung mit anderen gesundheitlichen Problemen behandelt, wie Herz- oder Nierenerkrankungen und Erkrankungen der Gefäße, die die Blutversorgung des Gehirns oder des Verdauungstraktes betreffen.

Denn die Arteriosklerose, durch die die pAVK entstanden ist, kann natürlich auch andere Gefäße betreffen. Wenn Sie Ihr Risiko für die pAVK senken, kann das gleichzeitig auch weitere positive Effekte für Ihre Gesundheit haben.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten