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Das Wichtigste zum Thema Post-Polio-Syndrom auf einen Blick

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass Kinderlähmung (Polio) eine der gefürchtetsten Erkrankungen war.

In den fünfziger Jahren wurden Impfstoffe entwickelt, die ihre Ausbreitung stark eingedämmt haben. Heutzutage erkrankt in den entwickelten Ländern fast niemand mehr an Polio.

Die Symptome einer Polio können allerdings auch heute noch beim so genannten Post-Polio-Syndrom auftreten, vom dem einige Menschen betroffen sind, die früher einmal eine Kinderlähmung durchgemacht haben.

Die Ursache dieser Erkrankung ist unbekannt, aber dank neuerer Forschungen beginnen Experten dieses komplexe Syndrom besser zu verstehen.

Wie, wann und warum entsteht das Syndrom?

Untersuchungen der Mayo Clinic über einen Zeitraum von 15 Jahren an Kranken, die früher eine Polio erlitten, widerlegten eine zunächst vermutete Nerven- oder Muskelschädigung.

Zwei Drittel der Personen mit Symptomen eines Post-Polio-Syndroms wiesen andere Erkrankungen auf. Dazu zählten beispielsweise Arthrose oder Diabetes (Zuckerkrankheit), die für manche der Symptome verantwortlich sein könnten.

Einige Ärzte führen das Post-Polio-Syndrom auf eine chronische Überbeanspruchung der Muskeln und Gelenke zurück, die offenbar in der Anfangsphase der Polio nicht geschädigt wurden.

Wenn beispielsweise das linke Bein durch die Polio geschädigt war, entwickelt das rechte Bein unter Umständen später Komplikationen infolge kompensatorischer Überbeanspruchung der Muskeln und Gelenke.

Poliomyelitis so gut wie ausgerottet

Das amerikanische Bundesgesundheitszentrum für Seuchenkontrolle und Präventivmaßnahmen (CDC) berichtet, dass die Poliomyelitis (Kinderlähmung) auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet ist.

In einer Ausgabe des Journal of the American Medical Association (JAMA) bestätigte das CDC, dass die Poliofälle weltweit seit 1988 um 70 Prozent sanken.

Dreiviertel aller Länder sind inzwischen von der Krankheit befreit. Weltweit rechnet man etwa zehn Erkrankungen auf 1 Millionen Einwohner. Nach Informationen des Statistischen Bundesamts traten 1992 in Deutschland zwei Fälle von Poliomeylitis auf.

Die kontinuierliche Kontrolle der Polio ist zum Großteil auf den hohen Immunisierungsgrad durch den gesteigerten Einsatz von Schutzimpfungen zurückzuführen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte diesen im Jahr 1988. Die WHO strebte die weltweite Ausrottung der Polio bis zum Jahr 2000 an.

Impflücken als erneute Gefahr

Durch das Poliomyelitis-Virus starben in den 40er und 50er Jahren Tausende von Menschen bzw. blieben im Rollstuhl, an Krücken oder an der „eisernen Lunge“ zurück. Das höchstansteckende Virus schädigt oder zerstört Nervenzellen, die die Muskeln kontrollieren.

Dies führt zu unterschiedlich ausgeprägten Lähmungen. In den meisten Fällen betrifft die Krankheit die Beinmuskulatur.

Es können auch Muskeln gelähmt sein, die das Schluck- und Atemzentrum kontrollieren.

Die Entwicklung der Salk-Vakzine im Jahr 1955 und des Sabin-Impfstoffes 1960 führte in Verbindung mit einer intensiven Impfkampagne zum Rückgang der Polioinfektionen. Um in Europa weiterhin zur Ausrottung von Polio und anderen Infektionskrankheiten beizutragen, impften Eltern ihre Kinder.

Weltweit bleibt der Aufruf bestehen, entsprechende Impfkampagnen durchzuführen. Durch eine nachlassende Impfbereitschaft treten sonst unter Umständen erneute Polio-Fälle auf.

Die Symptome ähneln denen anderer Krankheiten

Beim Post-Polio-Syndrom, den Spätfolgen einer Polio, kommt es zu einer Häufung von körperbehindernden Symptomen, die Jahrzehnte nach der ursprünglichen Diagnose einer Polio auftauchen.

Zu diesen Symptomen gehören Muskel- und Gelenkschmerzen sowie allgemeine Müdigkeit und Schwäche.

Eine Kombination solcher Symptome tritt auch bei anderen Erkrankungen wie entzündlichen und degenerativen Gelenkerkrankungen, Fibromyalgie und dem chronischem Fatigue-Syndrom (Ermüdigungssyndrom) auf.

Jedoch ist ihre Wahrscheinlichkeit bei Menschen, die eine Polio durchgemacht haben, höher. Die Häufigkeit beträgt etwa 20%.

Um die Diagnose eines Post-Polio-Syndroms zu stellen, muss Ihr Arzt 3 Faktoren überprüfen:

  • Frühere Diagnose einer Polio: Da die akute Polio fast immer in der Kindheit auftritt, müssen frühere medizinische Aufzeichungen (z. B. Krankenblatt) oder entsprechende Informationen von älteren Familienmitgliedern zu Rate gezogen werden. Die Spätfolgen der Polio beobachtet man im Allgemeinen bei solchen Personen, die bei der Erstmanifestation der Krankheit 10 Jahre oder älter waren und häufig einen schweren Krankheitsverlauf zeigten.
  • Langes Intervall nach Genesung: Personen, die die ursprüngliche Erkrankung überlebt haben, leben oft viele Jahre danach ohne weitere Symptome. Das Auftreten von Spätfolgen variiert sehr stark, beginnt jedoch typischerweise 30 bis 35 Jahre nach der Diagnose der Polio.
  • Allmähliche Entwicklung der Symptome: Die Schwäche bleibt bis zu dem Zeitpunkt unbemerkt, an dem sie Aktivitäten des täglichen Lebens behindert. Das kann sich darin äußern, dass sich die betroffene Person morgens nach dem Erwachen noch frisch fühlt, aber bereits am frühen Nachmittag erschöpft ist oder schnell nach Aktivitäten ermüdet, die früher leicht fielen.

Post-Polio-Syndrom: Treiben Sie Sport

Da die Symptome in vielen Fällen variieren, existiert für das Post-Polio-Syndrom keine spezifische Behandlung. Wenn Sie eine Polio durchgemacht haben und erneute Muskelschwäche oder -schmerzen verspüren, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Medikamente wie ASS (z. B. Aspirin ®) oder andere entzündungshemmende Mittel (so genannte NSAR) schaffen Linderung.

Darüber hinaus analysiert ein Physiotherapeut oder Ergotherapeut Ihre Bewegungsabläufe im Alltag oder im Berufsleben. Er kann Ihnen Techniken und Dehnübungen vorschlagen, um die Muskelmüdigkeit zu reduzieren.

Wählen Sie mit Bedacht

Übungen zur Erhaltung der Fitness spielen eine wichtige Rolle, Sie sollten jedoch dabei wie im Alltag vorsichtig sein. Beanspruchen Sie Muskeln und Gelenke nicht übermäßig.

Wählen Sie eine Sportart, die weniger anstrengend ist (z.B. Schwimmen oder Wassergymnastik) und beginnen Sie vorsichtig und allmählich.

Manchen Personen hilft es, wenn sie die genaue Quelle des Schmerzes kennen. Beispielsweise können Sie eine Hüftprothesenoperation erwägen, wenn Ihre Hüftschmerzen von einem Verschleiß des Gelenks durch Überbeanspruchung herrühren.

Beinschiene soll Gehen erleichtern

Biomechanikexperten der Mayo Clinic entwickelten eine Beinschiene, die Menschen mit einem behinderten Bein (z.B. Patienten mit einem Post-Polio-Syndrom) unabhängiges Gehen und Bewegen ermöglicht.

Man legt die Schiene über dem Bein an. Sie besitzt einen Hebel und ein kleines elektronisches Gerät. Dieses registriert mit einem Sensor, wann das Bein Unterstützung benötigt.

Die Schiene unterstützt die Aktivität des Beins: Sie stützt es, wenn es auf dem Boden steht und beugt sich mit dem Bein, wenn sich dieses bewegt.

Die Mayo Clinic startet bald einen sechsmonatigen klinischen Versuch mit der Schiene. Experten erwarten, dass sie in 2 bis 3 Jahren auf dem Markt erhältlich ist.