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Nierenerkrankungen: Achten Sie auf einen nierenfreundlichen Lebensstil

Ohne Nieren würde in Ihrem Körper nichts funktionieren: Sie zählen zu den lebenswichtigen Organen im Körper, denn zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, das Blut zu filtern und so dafür zu sorgen, dass Stoffwechselendprodukte und Schadstoffe über den Urin ausgeschieden werden. Außerdem sind die Nieren verantwortlich für den Salz- und Wasserhaushalt unseres Körpers, bilden Hormone und regulieren den Blutdruck.

Bei Nierenerkrankungen (z. B. chronische Niereninsuffizienz, Nierensteine oder Nierenentzündung) ist die Leistungsfähigkeit des so wichtigen Ausscheidungsorgans herabgesetzt. Versagen die Nieren innerhalb kurzer Zeit (Stunden oder Tage), spricht man von einem akuten Nierenversagen. Lässt die Nierenfunktion langsam nach (Monate bis Jahre), handelt es sich um ein chronisches Nierenversagen. Nierenerkrankungen können relativ lange keine oder keine eindeutigen Beschwerden verursachen. Um bleibende Schäden zu vermeiden, sollten Sie deshalb frühzeitig von Ihrem Arzt abklären lassen, ob bei Ihnen möglicherweise eine Nierenerkrankung vorliegt, wenn die typischen Symptome bei Ihnen auftreten. Und auch bei Menschen mit Diabetes mellitus, Gicht oder Bluthochdruck sind die Nieren mitunter in Mitleidenschaft gezogen. Mit einer bewussten Ernährung können Sie sich als Betroffener vor möglichen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen schützen.

Symptome einer Nierenerkrankung

Zu den Symptomen, die auf eine Nierenerkrankung hindeuten, gehören dumpfe Rückenschmerzen, die hinten unter dem Rippenbogen lokalisiert sind. Aber auch einseitige Schmerzen im Rücken sowie kolikartige Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Blase und Nieren können darauf zurückzuführen sein und sollten sofort behandelt werden.

Außerdem sind bei einer Nierenerkrankung Symptome wie Urinverfärbungen möglich. Eine Rotfärbung des Urins deutet auf Blut im Urin hin. Die genaue Ursache dafür sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Schäumt der Urin oder zeigt er Trübungen, kann dies auf eine erhöhte Eiweißkonzentration hinweisen, hervorgerufen durch eine Erkrankung der Nieren. Tritt plötzlich nächtlicher Harndrang auf oder kommt es zu einer extrem hohen (bis zu 3 Liter am Tag) oder fehlenden Harnausscheidung, kann dies ebenfalls an Problemen mit den Nieren liegen. Weiterhin sind geschwollene Knöchel oder Augenlider ein Hinweis auf Wasseransammlungen im Körper, die in Folge einer eingeschränkten Nierenfunktion auftreten können.

Weitere mögliche Hinweise

  • Taubheitsgefühle an Händen und Füßen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Luftnot
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • schlechter Geschmack im Mund, Mundgeruch
  • Juckreiz
  • aschfahle, blass-graue Hautfarbe; leicht gelbliche Haare

Wie stellt der Arzt eine Nierenerkrankung fest?

Der Arzt stellt eine Nierenerkrankung unter anderem am Anstieg bestimmter Substanzen im Blut und im Urin fest:

  • Kreatinin ist ein Abfallprodukt aus dem Muskelstoffwechsel. Dieser Wert liegt normalerweise unter 1,2 mg/dl, ein Wert zwischen 1,3 und 2,5 mg/dl weist auf eine um 30 bis 50 Prozent eingeschränkte Nierenfunktion hin.
  • Harnstoffwerte über 20 bis 45mg/dl sind auf eine gestörte Nierenfunktion zurückzuführen.
  • Störungen des Elektrolythaushalts liegen vor, wenn Natrium, Kalium, Kalzium, Chlorid, Phosphat und Bicarbonat im Ungleichgewicht sind.
  • verstärkte Eiweißausscheidung von über 0,2 g Eiweiß pro Tag im Urin.

Behandlung je nach Ursache verschieden

Für eine chronische Niereninsiuffizienz gibt es selten wirkliche Heilungsmöglichkeiten. Das vorrangige Therapieziel ist es, das Fortschreiten aufzuhalten und die Dialyse oder Organtransplantation so weit wie möglich zu vermeiden oder aufzuschieben. Darüber hinaus richtet sich die Behandlung der Nierenschwäche vor allem nach der zugrunde liegenden Ursache. So muss beispielsweise eine Infektion in der Regel durch Antibiotika bekämpft werden, bei einer durch Schmerzmittel ausgelösten Nierenschädigung müssen zunächst die Schmerzmittel abgesetzt werden und ein erhöhter Blutdruck sollte nach unten korrigiert werden (z. B. indem Übergewicht abgebaut wird).

Nierenschäden führen automatisch zu einem hohen Blutdruck, der wiederum die Nieren weiter schädigt. Deswegen kommen häufig Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorenblocker zum Einsatz. Sie werden auch in Kombination verordnet, weil man die Erfahrung gemacht hat, dass dies die Nieren schützt. Sie reduzieren zudem die Mengen an Eiweißstoffen, die in den Harn sickern. Wenn die Nieren weniger Eiweißstoffe durchlassen, kann das Fortschreiten der Nierenschwäche aufgehalten werden.

Wie funktioniert eine Dialyse?

Versagen die Nieren ihren Dienst, muss eine künstliche Niere regelmäßig die Blutwäsche übernehmen. Dazu müssen die Betroffenen mehrmals wöchentlich (bis zu sechsmal) zur Dialyse in die Klinik. Der Dialyseapparat entfernt Abbauprodukte des Stoffwechsels und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut. Über einen Shunt, eine Art künstlicher Ader, die den Zugang zum Blutkreislauf ermöglicht, wird der Betroffene an die Maschine angeschlossen. Nun fließt das Blut durch den Apparat, wo es gereinigt wird. Diese Prozedur dauert mehrere Stunden und kann sehr belastend sein, denn der Blutdruck kann stark fallen. Das kann zu Muskelkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen führen. Manchmal entzündet sich der Zugang zu den Venen.

Seltener kommt die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse zum Einsatz. Dabei wird das Bauchfell als körpereigener Filter genutzt. Über einen kleinen, operativ eingesetzten Katheter wird Dialyselösung aus einem tragbaren Beutel in den Bauchraum geleitet. Diese Lösung bleibt mehrere Stunden im Bauch, wird dann über den Katheter abgelassen und gegen neue ausgetauscht. Das dauert 30 bis 40 Minuten und muss bis zu viermal täglich gemacht werden. Das ist zwar einerseits unbequem, macht die Nierenkranken aber unabhängig vom Krankenhaus. Die Betroffenen, die sich für diese Art der Dialyse entschieden haben, schätzen es, ihre Behandlung zu Hause selbst durchzuführen und sich auch im Urlaub einigermaßen frei bewegen zu können. Zudem müssen sie sich weniger Diät- und Flüssigkeitsbeschränkungen unterziehen.

Die Eckpfeiler einer nierenfreundlichen Ernährung

  • kochsalzarm
  • eiweißarm
  • phosphatarm
  • kaliumarm

Kranke Nieren haben beispielsweise Schwierigkeiten, Salze aus dem Blut zu filtern. Zu viel Salz sorgt dafür, dass sich Wasser im Körper einlagern kann. Der Anstieg Ihres Blutdrucks ist eine mögliche Folge. Achten Sie als Betroffener deshalb auf eine kochsalzarme Ernährung: Meiden Sie gepökelte, gesalzene und geräucherte Fleisch- und Fischwaren genauso wie Salzgebäck.

Schützen Sie sich vor Knochenbrüchen

Ist die Leistungsfähigkeit Ihrer Nieren herabgesetzt, so sinkt auch deren Fähigkeit, Phosphat auszuscheiden. Ein erhöhter Phosphatspiegel im Blut hat zur Folge, dass Ihr Kalziumstoffwechsel aus dem Lot gerät: Ihre Knochen nehmen weniger Kalzium auf. Eine Knochenentkalkung droht -und damit steigt Ihr Risiko für Brüche. Wollen Sie sich phosphatarm ernähren, dann meiden Sie Wurst, Eigelb, Nüsse Haferflocken oder beispielsweise Kochkäse. Ganz verzichten brauchen Sie auf Käse aber nicht: Es gibt phosphatarme Sorten.

  • phosphatreiche Käsesorten: Schmelzkäse wie Streichkäse und Scheibletten, Kochkäse, Hartkäse
  • phosphatarme Käsesorten: Frischkäse, Camembert, Briekäse, Mozzarella

Begrenzen Sie Ihre Eiweißzufuhr

Schonen Sie Ihre Nieren zudem mit einer eiweißarmen Kost. Denn Ihr Körper baut die Eiweißbestandteile zu Harnstoff ab. Dieser wiederum muss über Ihre Nieren ausgeschieden werden. Bei einem Überangebot an Eiweiß sind kranke Nieren schnell überfordert.

Nehmen Sie deshalb täglich nicht mehr als 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich. Bei einer Durchschnittgröße könnte das beispielsweise ein Glas Milch sein oder drei bis vier Esslöffel Quark. Besonders eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Geflügel, Fisch oder Eier sollten Nierenkranke am besten meiden.

Gurken statt Grünkohl

Eine erkrankte Niere verliert mit der Zeit zudem die Fähigkeit, Kalium auszuscheiden. Und ein zu hoher Kaliumspiegel im Blut hat mitunter Herzrhythmusstörungen zur Folge. Nierenkranke sollten daher nicht mehr als 2 Gramm Kalium pro Tag konsumieren. Nahrungsmittel mit hohem Kaliumgehalt sind beispielsweise Grünkohl, Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen, aber auch Kartoffelchips, Kartoffelknödel und Kartoffelpüree.

Greifen Sie stattdessen zu kaliumarmen Gemüsesorten wie Eisbergsalat, Zucchini, Kopfsalat, Gurken, Blumenkohl, Chicorée, Möhren oder Paprika. Nutzen Sie außerdem Zubereitungsmethoden, die Kalium aus einem Lebensmittel regelrecht „herauswaschen“: Kochen oder Wässern etwa entfernt große Kaliummengen aus Obst oder Gemüse. Sie sehen: Trotz schwacher Nieren müssen Sie auf einen reichhaltigen Speiseplan nicht verzichten. Auch mit nierenfreundlichen Lebensmitteln lassen sich tolle Gerichte zaubern!

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