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Ein neuer Test zeigt gefährliche Nierenschäden früh und sicher an

Die Nieren des Menschen filtern täglich bis zu 180 Liter Flüssigkeit; dabei durchläuft unsere gesamte Blutmenge diese Organe bis zu 45-mal pro Tag. Etwa 99 % der Flüssigkeit werden wieder zurückgewonnen, und nur ein kleiner Rest als Urin ausgeschieden.

In ihm sind die wasserlöslichen Abfallstoffe des Stoffwechsels (z. b. Harnstoff, Medikamente) gelöst. Doch die Nieren sind viel mehr als nur ein Filter für das Blut.

Das sind die Aufgaben der Nieren:

  • Ausscheidung von Stoffwechselabfällen mit dem Urin (Blutreinigung)
  • Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts
  • Kontrolle des blutdrucks
  • Erhalt des Säure-basen-Gleichgewichts
  • Produktion wichtiger Hormone (u. a. Erythropoetin, Prostaglandine)
  • Aktivierung von Vitamin D

Die Nieren werden also täglich vor große Aufgaben gestellt und sind daher ganz natürlichen Verschleißerscheinungen ausgesetzt.

Gehen Sie ab 35 alle 2 Jahre zum Nieren-Check

Um eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) rechtzeitig zu erkennen, ist es wichtig, dass Sie spätestens ab dem 35. Lebensjahr Ihre Nierenfunktion mindestens alle zwei Jahre beim Hausarzt überprüfen lassen.

Die Krankenkassen zahlen dazu in der Regel eine Untersuchung per Teststreifen. Erhöhte Eiweißwerte (u. a. Albumin) im Urin gelten als Warnsignal, weil eine gesunde Niere die meisten Eiweiße normalerweise zurückhält.

Weil die Urinuntersuchung relativ ungenau ist, wird schon seit mehreren Jahrzehnten bei Verdacht auf Nierenschäden der Kreatinin-Wert im Blut gemessen.

Kreatinin fällt als Abbauprodukt bei der Muskelarbeit an und wird normalerweise von den Nieren über den Urin vollständig ausgeschieden. Erhöhte Kreatininwerte (Normalwert für Männer: 0,81 bis 1,44 mg/dl blut; für Frauen: 0,66 bis 1,09 mg/dl blut) deuten daher auf eine Störung des Organs hin.

Doch auch der Kreatinin-Wert zeigt eine beginnende Nierenschwäche oft nicht an. Mediziner sprechen daher vom Kreatinin-blinden Bereich.

Außerdem ist der Kreatinin-Blutwert stark von äußeren Faktoren abhängig, z. b. davon, wie hoch der Anteil Ihrer Muskelmasse ist, ob Sie vorher schwere Muskelarbeit geleistet oder Fleisch (enthält ebenfalls Kreatinin) gegessen haben.

Der neue Test ist deutlich weniger störanfällig

Der neue Test, der seit 2008 in Deutschland erhältlich ist, misst die Blutkonzentration eines anderen Eiweißstoffs, des Cystatin C. Dieser ist ein Abfallprodukt des Zellstoffwechsels, das ebenfalls vollständig von den Nieren ausgeschieden wird.

Das sind die Vorteile des neuen Cystatin-C-Tests:

  • Er zeigt auch eine beginnende Nierenschwäche an (kein „blinder“ Bereich).
  • Er wird durch äußere Faktoren weniger beeinflusst (u. a. Muskelmasse, Fleischkonsum).
  • Er wird nicht durch die Gabe von Medikamenten verfälscht (außer von Kortison).

Ihre Cystatin-C-Werte sollten im Bereich zwischen 0,5 und 0,96 mg/l Blut liegen.

Um Ihre Werte vergleichbar zu halten, achten Sie bitte darauf, dass Ihnen das Blut stets in der gleichen Körperhaltung abgenommen wird: Liegend ergeben sich bis zu 10 % niedrigere Werte als in sitzender Position.

Der Test ist mit 30 bis 40 € für Selbstzahler noch relativ teuer (zum Vergleich: Der einfache Kreatinin-Test kostet unter 10 €). Die Kosten werden allerdings von den Krankenkassen übernommen, z. B. für alle Menschen über 70 Jahre, und auch wenn Sie an Bluthochdruck bzw. Diabetes leiden oder einen Herzinfarkt hinter sich haben.

Lassen Sie sich in diesen Fällen nicht mehr mit dem alten und ungenauen Kreatinin-Test abspeisen.

Bluthochdruck und Diabetes sind Risikofaktoren

Die Nieren verändern sich, je älter Sie werden. Etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr tritt ein natürlicher Verlust von Nephronen ein. Diese Veränderung allein ist normalerweise kein Problem.

Wenn Sie aber zusätzlich an Bluthochdruck (Hypertonie) oder Diabetes (Zuckerkrankheit) leiden, steigt ihr Risiko für ein Nierenversagen.

Tatsächlich ist die Mehrheit der Dialysepatienten (die auf die Filterung von Flüssigkeit und Abfallprodukten aus dem Blut durch eine „künstliche Niere“ angewiesen sind), an Bluthochdruck, Diabetes oder beidem erkrankt.

Beim Bluthochdruck übt das Blut einen zu hohen Druck auf die Wände der Blutgefäße aus. Die winzigen Blutgefäße in den Nephronen können durch die zusätzliche Druckeinwirkung geschädigt werden und vernarben.

Die Nephrone verlieren dann ihre Fähigkeit, das Blut zu filtern.

Beim Diabetes schädigt der ständig erhöhte Blutzuckerspiegel die kleinen Nierengefäße und zerstört den Filtermechanismus. Die Wahrscheinlichkeit eines Nierenversagens steigt beim Diabetes um das Zwanzigfache.

Eine andere Ursache des Nierenversagens ist eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis). Auch vererbte Nierenerkrankungen können Nierenversagen auslösen. Die häufigste ist die polycystische Nierenerkrankung, bei der sich Zysten in der Niere bilden.

Nachtdialyse erhöht körperliche und seelische Lebensqualität

Wenn eine Dialyse gemacht wird, kann dies entweder tagsüber oder nachts erfolgen. Letzteres ist nicht ganz unproblematisch. So muss der Arm fixiert werden, um zu vermeiden, dass sich die Nadeln nachts lösen.

Auch der venöse Druck benötigt nachts eine verstärkte Kontrolle. Aufgrund dieser aufwendigeren Betreuung der Patienten ist eine Dialyse, die nachts erfolgt, teurer und wird allein deshalb schon deutlich seltener angewandt.

Für die Patienten aber ist sie die bessere Wahl. Denn sie fühlen sich besser, aber auch die körperliche Gesundheit wird gesteigert.

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass bei einer Nachtdialyse 17 Prozent weniger Menschen innerhalb von vier Jahren sterben.

Die Forscher konnten dies so genau belegen, weil sie jeden der 1150 nachts behandelten Patienten mit fünf tagsüber behandelten Nierenkranken verglichen hatten, die genau das gleiche Krankheitsprofil aufwiesen.

Der Grund hierfür ist ein ganz einfacher: Nachts dauert die Dialyse länger und es steht mehr Zeit zur Verfügung als tagsüber.

Statt 12 Stunden pro Woche wird insgesamt 24 Stunden pro Woche behandelt. Diese Behandlung ist deutlich schonender und wirkt sich positiv auf die Blutwerte sowie auf den Stoffwechsel aus. Zudem verringert der größere Zeitaufwand den Medikamenteneinsatz.

Hinzu kommt, dass sich Menschen, die nachts an die Dialyse müssen, seelisch besser fühlen. Sie behalten ihren ganz normalen Tagesablauf bei und können auch ihrem Beruf und ihren Hobbys weiter nachgehen.

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