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Lymphsystem: Lymphödem

Die Schuhe drücken, die Knöchel sind geschwollen und die Unterschenkel spannen. Das Gefühl geschwollener Beine ist unverwechselbar – und jeder erlebte es schon einmal.

Sie erinnern sich wahrscheinlich, wie unangenehm sich Ihre geschwollenen Beine anfühlten.

Dies galt besonders nach einer längeren Autofahrt, einer Heißwetterlage oder nachdem Sie einen Tag lang auf den Beinen waren.

Nicht immer weisen geschwollene Beine eine einfache Ursache auf.

Es gibt einige Krankheiten leichteren bis schwereren Ausmaßes, die zu einem Anschwellen der Beine führen.

Die Beschwerden sind verbreitet. Dennoch stellen die Symptome möglicherweise einen Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung dar.

Ein empfindliches Gleichgewicht

Der medizinische Fachbegriff für diese Schwellung heißt „Ödem“ und bezeichnet eine erhebliche Ansammlung von Gewebeflüssigkeit zwischen den Körperzellen.

Ein Ödem tritt mitunter in einem Körperabschnitt auf, kann jedoch auch an verschiedenen Körperstellen vorkommen.

Verschreibungspflichtige Kompressionsstrümpfe setzt man häufig in der Behandlung geschwollener Beine ein, die durch ein Lymphödem, Lipödem oder Krampfaderleiden entstanden.

Ein „Strumpf-Butler“ unterstützt Sie beim Anziehen der Strümpfe.

Indem die Kompressionsstrümpfe auf die Beinmuskulatur drücken, verhindern sie das „Versacken“ von Blut und regen die Blutzirkulation und den Flüssigkeitstransport an.

Bei Gesunden hält der Körper die Menge an Gewebeflüssigkeit durch einen empfindlichen Balanceakt konstant.

Durch Trinken nimmt er Flüssigkeit auf und scheidet sie beim Wasserlassen, Atmen, Stuhlgang und Schwitzen wieder aus. Der gesunde Körper stellt sicher, dass so viel Flüssigkeit den Körper verlässt, wie er zuvor aufnahm.

Das Lymphsystem: Eine wichtige Funktion

Wie wichtig der ungestörte Transport der Lymphe ist, wird spätestens bei der Bildung eines Ödems deutlich.

Das Gewebe verkraftet einen Anstieg des Volumens der Gewebsflüssigkeit um bis zu 30 Prozent, bevor ein Ödem zu erkennen ist.

Die Schwellung fällt im Anfangsstadium weich aus, sodass sich eine Delle ins Gewebe drücken lässt. Lagert man den betroffenen Körperteil hoch, verringert sich das Ödem oder verschwindet.

In diesem Stadium ist das Gewebe in der betroffenen Region unverändert und gesund.

Mit der Zeit kommt es durch Hochlagerung zu keinem wesentlichen Rückfluss der Lymphe mehr. Jetzt können Sie die Schwellung kaum eindrücken:

Durch den gestörten Abtransport der Gewebsflüssigkeit kam es im erkrankten Bereich zu Gewebsveränderungen.

Störung des Gleichgewichts

Die Arterien und Venen Ihres Körpers transportieren Flüssigkeit über die Blutbahn. Darüber hinaus transportiert das Lymphsystem Flüssigkeit. Es bildet ein Kanalnetz, das die Lymphe enthält.

Lymphe bezeichnet eine meist farblose Flüssigkeit, in der sich die weißen Blutkörperchen zur Infektabwehr befinden.

Die Flüssigkeit im Blutkreislauf (Blut) enthält den Sauerstoff und die Nährstoffe für die Körperzellen.

Das Herz pumpt es in sämtliche Körperregionen und so gelangt das Blut durch die Wände der Blutkapillaren (kleinste Blutgefäße) ins Körpergewebe.

Dort versorgt der Körper die Zellen mit Nährstoffen und Wasser.

Sobald die Nährstoffe abgegeben sind, nehmen die Blutkapillaren einen Teil der Gewebeflüssigkeit zusammen mit den Stoffwechselabbauprodukten der Körperzellen wieder auf.

Das Lymphsystem absorbiert und transportiert überschüssige Gewebeflüssigkeit und Abbauprodukte, die die Kapillaren nicht aufnehmen. Von den Kapillaren fließt das Blut zurück zum Herzen.

Ein Ödem entwickelt sich, wenn zu viel Flüssigkeit aus den Kapillaren in das Gewebe tritt oder der Körper nicht genügend Flüssigkeit aus dem Gewebe aufnimmt.

Die Folgen der Flüssigkeitsansammlung reichen von einer leichten Spannung bis hin zu einer starken Schwellung des Gewebes.

Wann benötigen Sie ärztliche Hilfe?

Sollten Sie bei geschwollenen Beinen in jedem Fall zum Arzt gehen?

Es ist schwierig, eine generelle Empfehlung zu geben. Der Grad der Schwellung stellt keinen zuverlässigen Hinweis dafür dar, ob Sie ärztliche Betreuung benötigen oder nicht.

Gelegentlich verursachen schwere Erkrankungen lediglich eine leichte Schwellung.

Grundsätzlich sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen, wenn eine Beinschwellung plötzlich, schmerzhaft und langanhaltend ist.

Verhalten Sie sich ebenfalls vorsichtig, wenn sie nur in einem Bein auftritt oder wenn sie von Kurzatmigkeit, Gewichtszunahme oder einer Rötung begleitet ist.

Einfache Ursachen

Man sollte aber nicht vergessen, dass eine Reihe einfacher Faktoren das Gleichgewicht des Flüssigkeitsaustausches im Körper stören können.

Dazu gehören:

  • Bewegungsarmut – Wenn man beim Laufen und Rennen die Beinmuskeln anspannt, üben diese Druck auf die Blutgefäße aus. Auf diese Weise fördern sie die Durchblutung des Gewebes und den herzwärts gerichteten Blutstrom (Muskel-Venen-Pumpe). Bewegt man diese Muskeln nicht, zum Beispiel auf einem langen Flug, staut sich das Blut in den Beinvenen. Dies führt unter Umständen dazu, dass der Rückfluss der Flüssigkeit aus dem Körpergewebe in die Blutgefäße geringer ist und eine Schwellung verursacht.
  • Hitze – Bei heißem Wetter dehnen sich die Blutgefäße eventuell aus. Die Blutflüssigkeit sickert dadurch leichter in das Gewebe.
  • Einnahme bestimmter Medikamente – Geläufige Arzneimittel wie Steroide, gewisse blutdrucksenkende Präparate, Antidepressiva, Hormonersatzpräparate und nichtsteroidale Anti-rheumatika (NSAR) beeinflussen die Geschwindigkeit des Flüssigkeitsaustausches im Gewebe.
  • Stark gesalzene Nahrungsmittel – Ihr Körper hält die Salzkonzentration im Gewebe auf konstantem Niveau. Wenn Sie mehr Salz aufnehmen als nötig, verdünnt der Körper die Salzkonzentration, indem er mehr Flüssigkeit einbehält und Sie Durst verspüren.
  • Menstruation und Schwangerschaft – Diese Körpervorgänge begleiten Schwankungen des Hormonspiegels. Diese beeinflussen möglicherweise die Austauschrate der Flüssigkeit im Gewebe.
  • Lipödem – Das erblich bedingte Lipödem führt unter Umständen im Laufe der Zeit zu einer starken Fett- und Flüssigkeitsansammlung in den Beinen, jedoch nicht im Oberkörper oder in den Füßen. Am Lipödem erkranken in der Regel Frauen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Mit Ausnahme des Lipödems spricht eine Schwellung durch einfache Ursachen auf eine einfache Behandlung durch Bewegung, Gewichtsabnahme, das Hochlegen der Beine oder das Tragen einer Kompressionsstrumpfhose an.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bestehen darin, die Trinkmenge zu ändern und den Salzkonsum sowie Aufenthalte in praller Sonne bei heißem Wetter einzuschränken.

Zusätzlich empfiehlt Ihr Arzt Ihnen, bestimmte Medikamente zu wechseln oder Diuretika einzunehmen.

Dabei handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die die Auscheidung von Salz und Wasser über den Harn steigern.

Lipödeme behandelt man durch eine Diät und Bewegungstraining, wobei die Wirksamkeit unterschiedlich ausfällt.

In ernsten Fällen kann es notwendig erscheinen, überflüssiges Fett und Flüssigkeit operativ zu entfernen.

Ernstere Ursachen

Die Schwellung der Beine stellt in manchen Fällen ein Anzeichen einer ernsteren zugrundeliegenden Krankheit dar.

Sie tritt in einem oder beiden Beinen auf. Zu den Erkrankungen, die eine Schwellung in einem Bein verursachen, gehören:

  • Blutgerinnsel – Ein Blutgerinnsel in einer Beinvene verursacht einen Blutstau und behindert den Abfluss der Gewebeflüssigkeit. Dies zieht eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Gewebe nach sich. Die Schwellung tritt unter Umständen plötzlich auf, schmerzt und ist von einer Verfärbung der Haut in dem Bereich begleitet. Dieser Fall erfordert umgehende medizinische Hilfe.
  • Geschwächte Venen – Durch krankhaft veränderte Venen wie bei Krampfadern oder Venen mit beschädigten Klappen oder Wänden entsteht möglicherweise ein Blutstau in den Blutgefäßen der Beine, der die Schwellung verursacht.
  • Lymphödem – Wenn die Lymphkanäle verstopfen, fließt die Lymphe nicht richtig ab und es kommt zu einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit. Die Verstopfung entsteht durch eine Infektion, Parasiten oder vernarbtes Gewebe im Lymphkana. Darüber hinaus spielt die erbliche Veranlagung eine Rolle.
  • Infektion und Entzündung – Eine Infektion an den Beinen führt unter Umständen zu einer Entzündung. Diese erhöht die Durchblutung der Gefäße und beschleunigt den Flüssigkeitsaustausch an den Kapillaren. Ebenso rufen entzündliche Krankheiten wie rheumatoide Arthritis und Gicht Schwellungen hervor.
  • Tumore – Wenn größere Geschwulste die Beingefäße und Lymphkanäle einschnüren, beeinträchtigt dies die Austauschrate der Flüssigkeit.

Ernste Ursachen größeren Ausmaßes

Erkrankungen, die ein Ödem an beiden Beinen verursachen, unterscheiden sich in der Regel von solchen, bei denen sich das Symptom auf ein Bein beschränkt.

Eine Schwellung beider Beine entsteht durch ernste Erkrankungen größeren Ausmaßes.

Dazu gehören:

  • Organversagen – Herz-, Leber- und Nierenleiden beeinträchtigen den Blutdruck und den Flüssigkeitsaustausch im Gewebe.
  • Schilddrüsenerkrankung – Eine Schilddrüsenüber- und unterfunktion verändert die Proteinkonzentration im Blut und wirkt sich auf den Flüssigkeitsaustausch im Gewebe beeinträchtigend aus.
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