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Finden Sie Hintergrundwissen zum Thema Lungenemphysem

Das Lungenemphysem stellt keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge diverser chronischer Lungenerkrankungen dar.

Dabei handelt es sich um eine krankhafte Überblähung der Lungenbläschen, die nicht rückgängig zu machen ist und unter der etwa 10% der Bevölkerung leiden.

Die überdehnten Lungenbläschen kommen ihrer Aufgabe nicht mehr nach.

Die Erkrankung behindert sowohl Einatmung als auch Ausatmung, der Patient leidet also mit übervollen Lungen unter Atemnot.

Hauptsächlich verursachen chronische Entzündungen, Rauchen oder eine genetische Veranlagung das Lungenemphysem. Es stellt in vielen Fällen die Folge einer chronischen Bronchitis dar.

Das Emphysem zeigt Symptome gemäß dem Schweregrad der Erkrankung und dem Ausmaß der Zerstörung gesunden Lungengewebes.

Dazu gehören Leistungsabfall, Atemnot (zuerst unter Belastung, später darüber hinaus im Ruhezustand) Gewichtsverlust, pfeifende Atemgeräusche sowie Husten und schleimiger Auswurf.

Die Verschleimung der Bronchien begünstigt die Entstehung entzündlicher Atemwegsinfekte.

Ärzte stellen eine Diagnose durch eine Anamnese, Abhören der Lunge sowie möglicherweise ein Röntgenbild, eine Computertomographie oder ein EKG.

Da die Schädigung der Lungenbläschen irreversibel ist, versucht eine Behandlung, eine Verschlechterung des Zustands zu vermeiden und eine gewisse Lebensqualität zu sichern.

In Frage kommen eine medikamentöse Therapie, Physiotherapie sowie die operative Entfernung großer Emphysemblasen.

Steigende Zahl chronischer Lungenerkrankungen

Das Lungenemphysem gilt als Hauptform der chronischen obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD).

Seit 1982 stieg die Zahl der COPD in den USA um mehr als 40 % an. Sie nehmen den vierten Rang der Haupttodesursachen ein, jährlich sterben daran 85.000 Menschen.

Nach der amtlichen Todesursachenstatistik rangiert die Altersgruppe der 15- bis 70-Jährigen in Deutschland mit Erkrankungen der Atemwege an fünfter Stelle.

70 % dieser Todesfälle treten infolge chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen auf.

Bei allen Atemwegserkrankungen zeigt sich in Deutschland ein Anstieg der Sterbefälle mit zunehmendem Alter.

Einen Grund für die zunehmende Verbreitung des Lungenemphysems stellt möglicherweise die Ausbreitung des Zigarettenkonsums nach dem zweiten Weltkrieg dar.

Jahrzehnte später fordert das durch Rauchen verursachte Lungenemphysem seine Todesopfer.

Rauchen als Hauptursache

In mehr als 80 Prozent stellt das Zigarettenrauchen die Ursache eines Lungenemphysems dar.

Die Krankheit entwickelt sich bei Rauchern im Laufe der Jahre schleichend. Sie tritt bei diesen Personen meist auf, wenn sie das Alter von 50 oder 60 Jahren erreichen.

Chemische Substanzen, Gase und Teer im Tabakrauch hemmen die Bildung eines Proteins.

Dieses bezeichnet man als Alpha-1-Antitrypsin (AAT). Der fehlende Schutz des AATs ermöglicht es bestimmten Enzymen, die elastischen Fasern in den Lungenbläschen zu zerstören.

Ein erblich bedingter AAT-Mangel verursacht in seltenen Fällen das Auftreten eines Lungenemphysems bereits vor dem 50. Lebensjahr. Reizstoffe im Tabak hemmen darüber hinaus die Tätigkeit der Zilien in den Atemwegen.

Diese feinen Wimperhärchen in der Luftröhre und den Bronchien unterstützen den Auswurf von Schleim und anderen Fremdstoffen aus der Lunge.

Wer über einen längeren Zeitraum Dämpfen und Stäuben der Industrie ausgesetzt ist (in Kohlebergwerken und Steinbrüchen), entwickelt unter Umständen ein Emphysem.

Problematische Diagnose

Leider treten Anzeichen und Symptome eines Lungenemphysems erst auf, wenn ein Langzeitschaden an der Lunge entstand.

Eines der ersten klinischen Symptome lautet Kurzatmigkeit (Dyspnoe), die sich im Lauf der Zeit verstärkt.

Das Atmen fällt insbesondere während oder nach einer Infektion der oberen Atemwege schwer.

Zu den weiteren Anzeichen und Symptomen gehören ein leichter chronischer Husten, der mit der Produktion von Auswurf (Sputum) oder Schleim einhergeht.

Darüber hinaus treten Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Müdigkeit auf. Diese sind auf den Mangel an Sauerstoff im Körper zurückzuführen.

Ihr Arzt führt wahrscheinlich zusätzlich zu einer Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung einige Tests durch. Danach entscheidet er, ob ein Lungenemphysem vorliegt.

Tests bei Verdacht auf Lungenemphysem

  • Lungenfunktionstests: Derartige nicht-invasive Atemtests messen, wie viel Luft Ihre Lunge fasst und wie schnell Sie die Luft wieder ausatmen. Zusätzlich misst man den Atemwiderstand sowie das Atemvolumen.
  • bildgebende Diagnoseverfahren: Eine Röntgenaufnahme und eine Computertomographie der Brust tragen dazu bei, die betroffenen Gebiete in der Lunge zu identifizieren.
  • Bluttests (Bestimmung der arteriellen Blutgase): Mit diesen Tests bestimmen die Arzte, wie effektiv die Lungen den Sauerstoff in den Körper bringen und das Kohlendioxid entsorgen.
  • Pulsoxymetrie: Man befestigt einen Messfühler an Ihrer Fingerkuppe und misst dort den Sauerstoffgehalt Ihres Blutes im Ruhezustand und bei Belastung.
  • Untersuchung des Sputums: Die im Sputum (Auswurf) enthaltenen Zellen untersucht der Arzt unter einem Mikroskop. Damit stellt er fest, ob es sich um Krebszellen handelt oder ob eine Infektion vorliegt.

Bessere Atmungsmöglichkeiten

Wenn Sie ein Lungenemphysem haben und immer noch rauchen, geben Sie es auf.

Dies ist die wichtigste Maßnahme, um irreversible Schäden Ihrer Lunge zu verhindern.

Als Standardtherapie bei Lungenemphysem verabreicht man Antibiotika gegen Infektionen der Atemwege.

Wenn Sie zusätzlich an Asthma leiden, verordnet Ihr Arzt Ihnen unter Umständen einen Bronchiodilatator. Dies erweitert die Atemwege.

Durch Atemgymnastik lernen Sie, Ihr Zwerchfell effektiver einzusetzen und unabhängiger von den Muskeln im Brustkorb und Bauchraum zu atmen.

Sie erlernen darüber hinaus, wie man hastige und flache Atemzüge vermeidet.

Eine Sauerstofftherapie setzt man bei schwerem Lungenemphysem ein. Diese Patienten inhalieren den ganzen Tag über zusätzlichen Sauerstoff.

Andere benötigen den zusätzlichen Sauerstoff bei körperlicher Aktivität oder nachts während des Schlafs.

Alternative Maßnahmen

Neben der Standardversorgung verbessern folgende neuentwickelte Maßnahmen die Behandlung:

  • inhalative Steroide – Das Inhalieren von Kortikosteroiden in Form von Aerosolsprays lindert die Entzündung der Lunge, wenn ein Lungenemphysem in Zusammenhang mit Asthma auftritt. Inhalative Steroide bringen weniger Nebenwirkungen mit sich als oral verabreichte Steroide wie Prednison. Der Gebrauch über einen längeren Zeitraum vergrößert das Risiko von Gesundheitsstörungen wie hohem Blutdruck und Diabetes leicht.
  • körperliche Bewegung – Früher empfahlen die Ärzte den Patienten mit Lungenemphysem, ihre sportliche Betätigung einzuschränken. Heute erkennen sie, dass körperliche Betätigung wie ein sich steigerndes Gehen die körperliche Vitalität fördert. Die Aktivitäten erhöhen zwar nicht die Lungenkapazität, versetzt den Körper jedoch in die Lage, den verfügbaren Sauerstoff besser zu nutzen. Dies bedeutet, dass Sie sich müheloser ankleiden oder zum Einkaufen gehen können, ohne sofort in Atemnot zu geraten.
  • Proteintherapie – Einige Patienten weisen ein erblich bedingtes Lungenemphysem infolge eines AAT-Mangels auf. Bei ihnen kann man durch eine wöchentliche Infusion mit diesem Protein die Zersetzung des Lungengewebes verlangsamen. Erkenntnisse über die Langzeitwirkung dieser neuen Therapie liegen bisher nicht vor.

Weitere Maßnahmen bei einem Lungenemphysem

Auch wenn ein Lungenemphysem nicht geheilt werden kann, kann eine schnelle Behandlung dazu beitragen, weitere Lungenschäden zu verhindern und möglicherweise die Lungenfunktion zu verbessern.

Falls Sie Raucher sind, sollten Sie unbedingt damit aufhören.

Ein auf die Lunge abgestimmtes Rehabilitationsprogramm kann Ihnen dabei helfen und zudem die Lungenfunktion maximieren.

Derartige Programme kombinieren die Vermittlung theoretischer Grundlagen mit einem Bewegungs- und Verhaltenstraining, um den Betroffenen in ihrem Alltag zu helfen.

Zu dem Bewegungsprogramm kann Walken gehören, Fahrradfahren auf einem Hometrainer ebenso wie spezielle Übungen für die Arme und Beine.

Zusätzlich können zum Schutz der Lungenfunktion folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Jährliche Grippeimpfung.
  • Jährliche Impfung gegen Lungenentzündung. Falls Sie Ihre erste Impfung vor dem 65. Lebensjahr bekommen haben, ist eine 2. Impfung nach dem 65. Lebensjahr notwendig, wenn die erste Impfung 5 Jahre zurückliegt.
  • Breitbandantibiotika, wenn ein Atemwegsinfekt bekämpft werden soll.
  • Bronchienerweiternde Medikamente und Corticosteroide zum Inhalieren, besonders dann, wenn Sie zusätzlich zu dem Lungenemphysem auch noch Symptome von Asthma haben.
  • Zusätzliche Sauerstoffversorgung.

Wenn Ihr Lungenemphysem schwerwiegend ist und nicht auf eine medikamentöse Behandlung anspricht, ziehen die Ärzte möglicherweise eine Operation in Betracht.

Lungenemphyseme sind die häufigste Ursache für eine einseitige Lungentransplantation.

Eine weitere Möglichkeit für einige Betroffene ist eine Operation, bei der das Lungenvolumen verkleinert wird.

Neue Operationstechnik verringert das Lungenvolumen

Ein neuartiges Verfahren im Experimentierstadium führen mittlerweile mehrere medizinische Einrichtungen durch: die chirurgische Volumenminderung der Lunge, auch „Lungen-Shaving“ genannt.

Im Verlauf der Operation spaltet man das Brustbein (Sternum).

Dies ähnelt dem Verfahren, das bei Operationen am offenen Herzen stattfindet.

Der Chirurg lässt einen Lungenflügel zusammenfallen, während der Patient, unterstützt durch künstliche Beatmung, über die andere Lunge weiteratmet.

Mit Hilfe eines Klammerinstruments entfernt der Chirurg dünne Schichten des beschädigten Gewebes. Dabei handelt es sich üblicherweise um 20 bis 30 Prozent der Lunge.

Gleichzeitig legt er einen Streifen des dünnen, lederartigen Gewebes von einem Rinderherzbeutel (Pericard; Hautsack, der das Herz umgibt) über die zusammengeklammerten Bereiche. Dies verhindert, dass Luft entweicht.

Die Lunge füllt man anschließend wieder mit Luft und führt das gleiche Verfahren am anderen Lungenflügel durch.

Durch das Entfernen beschädigter Lungenbläschen verkleinert sich die aufgeblähte Lunge.

Das Zwerchfell kontrahiert und entspannt sich wieder effektiver und die Luftzirkulation verbessert sich.

Ob diese Operation lebensverlängernd wirkt, ist bisher nicht bekannt.

Bei einem weiteren Verfahren im Experimentierstadium setzt man Laserstrahlen ein, um beschädigtes Lungengewebe zu entfernen.

Bislang war diese Technik jedoch nicht so erfolgreich wie die chirurgische Volumenminderung der Lunge.

Wenn andere Versuche fehlschlagen…

In den letzten Jahren entwickelte sich die Lungentransplantation zu einem ernstzunehmenden therapeutischen Verfahren für Patienten mit schwerem Lungenemphysem.

Bislang transplantierte man traditionell beide Lungenflügel.

Eine an der Mayo Clinic durchgeführte Studie aus dem Jahr 1994 ergab, dass die Zwei-Jahres-Überlebensrate bei den Patienten höher lag, die nur einen Lungenflügel transplantiert erhielten.

Die Möglichkeiten der Lungentransplantation sind durch den Spenderorganmangel begrenzt.

Die Einzellungentransplantation entschärft dieses Problem etwas, da zwei Patienten die Lungen eines Spenders erhalten.