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Neue Behandlungsformen der Leukämie

Dank neuer Wirkstoffe und Behandlungsmethoden eröffnen sich für Leukämie-Patienten heute bessere Zukunftsperspektiven:

Knochenmarktransplantation

Dieses Verfahren zielt bei der Behandlung der Leukämie darauf ab, von Krebs befallenes Knochenmark durch krebsfreies zu ersetzen. Bei einer Knochenmarktransplantation zerstört der Arzt das befallene Knochenmark mittels Chemotherapie oder Bestrahlungen oder beider Methoden. Man ersetzt es durch Knochenmark eines passenden Spenders (allogene Transplantation) oder durch eigenes Knochenmark (autologe Transplantation).

Benutzt man eigenes Knochenmark, reinigt der Arzt es erst von den Krebszellen und setzt es dann wieder ein. Bei allogenen Transplantationen liegt die Heilungsrate für Leukämie bei nahezu 45 Prozent.

2-Chlorodeoxyadenosin

Die amerikanischen Gesundheitsbehörden gaben diesen Wirkstoff (2-CDA) letztes Jahr für die Therapie von Haarzellen-Leukämie frei. 2-CDA (Handelsname Leustatin) ist in Deutschland noch nicht zugelassen. Man kann es aber auf ärztliche Anordnung über internationale Apotheken aus den USA einführen und in Deutschland einsetzen.

Über einen Zeitraum von sieben Tagen führt man diesen Wirkstoff intravenös zu. Es sind keine weiteren Behandlungen erforderlich. Die meisten Krebsmittel zielen auf die Krebszellen in der Teilungsphase. 2-CDA zerstört sowohl die sich teilenden Zellen als auch solche in der Ruhephase. Bei klinischen Versuchen erreichte man bei 89 Prozent der mit 2-CDA behandelten Patienten komplette oder teilweise Remission für einen Zeitraum von 8 bis 25 Monaten.

Alpha-Interferon

Eine biologische Therapie ist eine Behandlung mit Substanzen, die Einfluss auf die Reaktion des Immunsystems bei einer Leukämie nehmen. Die Interferonbehandlung stellt eine Form der biologischen Therapie dar.

Die Substanz Alpha-Interferon ist von Natur aus im Körper vorhanden. Man kann sie auch gentechnisch herstellen und für die Behandlung chronischer myeloischer Leukämien und der Haarzellen-Leukämie einsetzen. Interferon gilt als virenabtötender Wirkstoff. Er hemmt die Ausbreitung der Zellen und unterstützt das Immunsystem.

Retinoid-Säure

Dieses Vitamin-A-Säure-Derivat (auch Alltrans-Retinoidsäure (ATRA) genannt) bewirkt, dass Leukämiezellen reifen und absterben. Üblicherweise verharren die Zellen bei akuter Leukämie im unreifen Zustand. Sie haben eine weitaus längere Lebensdauer als die entsprechenden gesunden Zellen. Die herkömmliche Chemotherapie wirkt auf die Krebszellen, indem sie diese abtötet. ATRA bewirkt, dass sich die Leukämie-Zellen in ihrem Verhalten wieder differenzieren, d. h. normal ausreifen. Es bringt weniger Nebenwirkungen mit sich.

Verabreicht man es Patienten gegen die seltene Promyelozyten-Leukämie (eine Form der akuten myeloischen Leukämie), führt ATRA bei mehr als 90 Prozent der Patienten zur Remission. Die Experten hoffen, dass man diesen Wirkstoff im Erprobungsstadium auch bei anderen Krebsformen einsetzen kann.

Stammzelltransplantation

Mit Hilfe dieser vielversprechenden Technik im Erprobungsstadium isoliert man spezielle Stammzellen (gesunde, undifferenzierte Blutzellen) aus dem Blut. Nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie zur Abtötung der Krebszellen reinfundiert man die zuvor gewonnen Zellen wieder ins Blut. Nach dieser Reinfusion vermehren sich die gesunden Zellen im Blut rasch. Diese Technik reduziert das Infektionsrisiko, das bei Knochenmarktransplantationen besteht. Die Stammzellen können dem Leukämiepatienten selbst oder einem Spender entnommen werden.

Blut aus der Nabelschnur oder aus der Plazenta ist reich an Stammzellen. Die Transplantation von Nabelschnurblut ist eine Alternative zur Knochenmarktransplantation, insbesondere in Fällen, in denen man keinen geeigneten Knochenmarkspender findet.

Zellspezifische Antikörper

Bei diesem experimentellen Therapieverfahren identifiziert man Antikörper und entnimmt sie dem Körper. Sie sind in der Lage, Leukämiezellen zu zerstören.

Nach ihrer Entnahme züchtet man die Antikörper im Labor in großen Mengen und injiziert sie dann wieder in den Körper, um die Krebszellen zu zerstören.

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