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Leukämie: Gehören Sie zu einer Risikogruppe?

Leukämie ist die Folge einer genetischen Veränderung (Mutation) in wenigen oder nur einer Knochenmarkzelle. Solche Mutationen sind bei der Geburt noch nicht vorhanden.

Wissenschaftler haben bisher nicht herausgefunden, wodurch die Genveränderungen verursacht werden.

Man kann dieser tückischen Erkrankung nicht gezielt vorbeugen. Sie betrifft beide Geschlechter gleichermaßen und kann in jedem Alter auftreten. Die folgenden Faktoren sind jedoch mit einem höheren Leukämierisiko verbunden:

Leukämie-Risikofaktoren

  • Hohes Alter – Das Risiko genetischer Mutationen steigt mit dem Alter. Mehr als die Hälfte der neu an Leukämie erkrankten Personen sind älter als 60 Jahre.
  • Krebstherapie – Personen, die sich aufgrund anderer Krebserkrankungen bestimmten Chemotherapien oder einer Strahlentherapie unterzogen haben, haben ein geringfügig erhöhtes Risiko für das Entstehen einer Leukämie.
  • Vererbung – Es gibt Hinweise darauf, dass das Leukämierisiko zumindest teilweise vererbt werden kann. Einige Erbkrankheiten, wie zum Beispiel das Down-Syndrom (Mongolismus), sind ebenfalls mit einem höheren Risiko verbunden.
  • Gefahren in der Umwelt – Rauchen, intensive Strahlung oder Langzeitkontakt mit Benzol (z. B. in unverbleitem Benzin) werden mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang gebracht.

Zwei Möglichkeiten der Einteilung

Einmal kann man die Leukämie nach der Art der betroffenen weißen Blutzellen benennen. Sind die Lymphozyten von der Leukämie betroffen, heißt dies lymphatische Leukämie. Sind myeloische Zellen (Zellen des Knochenmarks) erkrankt, so heißt dies myeloische Leukämie.

Die zweite Art der Einteilung bestimmt sich durch die Geschwindigkeit des Krankheitsprozesses.Bei der akuten Leukämie vermehren sich die leukämischen Zellen schnell.

Innerhalb von Wochen und Monaten tritt eine Verschlimmerung der Krankheit ein. Die akute Leukämie bedarf einer sofortigen und aggressiven Behandlung. Abnorme Blutzellen vermehren oder häufen sich langsamer an als normale.

Sie haben für eine gewisse Zeit eine normale Funktion. Bei der chronischen Leukämie verschlechtert sich der Zustand des Patienten folglich allmählich.

Der Patient benötigt nicht unbedingt eine sofortige Behandlung. Eine chronische Leukämie geht häufig in eine akute Verlaufsform über.

Die Haupttypen der Leukämie

  • Akute myeloische Leukämie (AML) – Sie ist neben der lymphatischen Leukämie die häufigste Art der Leukämie im Erwachsenenalter (Krebsregister Saarland). Insbesondere Personen, die sich wegen einer anderen Krebserkrankung einer Chemotherapie unterzogen, sind häufig betroffen.
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL) – Sie ist bei Kindern die häufigste Leukämieart. Die ALL ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei 80 Prozent der Kinder heilbar.
  • Chronische myeloische Leukämie (CML) – Personen mit CML weisen das Philadelphia-Chromosom als genetische Abnormität auf.
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL) – Bei der CLL, einer anderen häufigen Leukämieart im Erwachsenenalter, können sich die Betroffenen ohne Behandlung für Jahre gesund fühlen. Die CLL kommt familiär gehäuft vor. Eine CLL schwächt Ihr Immunsystem und macht Sie empfänglicher für bestimmte Infektionen oder bestimmte Krebsformen. Aus diesem Grund ist es wichtig, regelmäßige Untersuchungen und Krebstests wie Bluttests (großes Blutbild), Mammographien oder Darmspiegelungen vorzunehmen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen passenden Zeitplan für Routineuntersuchungen. Darüber hinaus empfehlen sich Vorsorgemaßnahmen wie das Benutzen von Sonnencremes als Schutz gegen Hautkrebs.

Behandlung einer Leukämie

Die Behandlung einer Leukämie fällt oft unterschiedlich aus. Dies variiert je nach Typ der Leukämie, Alter des Patienten, seinem allgemeinen Gesundheitszustand und den Symptomen.

Das übergeordnete Ziel der Behandlung besteht in der Remission (Rückgang der Krankheit). Eine Remission liegt vor, wenn keine Symptome mehr vorhanden und Blut und Knochenmark zu ihrer normalen Funktion zurückgekehrt sind.

Einen Patient, bei dem eine Remission fünf Jahre anhält, bezeichnet man als „geheilt“.

Variable Behandlungsmöglichkeiten

  • Chemotherapie – Chemische Substanzen kommen zum Einsatz, um die Leukämiezellen abzutöten. Die Chemotherapie gilt als Hauptsäule der Leukämietherapie. Je nach Art der Leukämie verordnet Ihr Arzt die Anwendung einer einzelnen Substanz oder einer Kombination. Sich rasch vermehrende Zellen reagieren empfindlicher auf die Wirkungen der Chemotherapie. Aus diesem Grund sprechen akute Leukämien in der Regel gut auf eine Chemotherapie an.
  • Strahlentherapie – Eine Strahlentherapie schädigt die Leukämiezellen und hemmt deren Wachstum. Bevor ein Patient das Knochenmark erhält, benötigt er eine Chemo- oder Strahlentherapie oder beides.
  • Knochenmarktransplantation – Dabei handelt es sich um eine riskante, aber möglicherweise lebensrettende Behandlung. Bei einer Transplantation des Knochenmarks vernichtet man alles Knochenmark und ersetzt es anschließend durch gesundes Knochenmark. Das gesunde Knochenmark verabreicht der Arzt intravenös (durch Infusion) und es wandert in die Knochen.

Vorsichtsmaßnahmen bei Knochenmarktransplantationen

Das leukämiefreie Knochenmark stammt von einem Spender oder aus einer gereinigten Probe des eigenen Knochenmarks des Patienten. Im Allgemeinen ist ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt nach einer Knochenmarktransplantation nötig.

Bis das Knochenmark eine ausreichende Mengeweißer Blutzellen herstellt, schützt man den Patienten sorgfältig vor Infektionen.

Es besteht die Möglichkeit, dass der Körper das Transplantat abstößt und es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommt. Eine Leukämiebehandlung bezeichnet eine langwierige Sache.

Selbst wenn eine Remission eintritt, kann eine weitere Behandlung notwendig sein, um einen erneuten Rückfall zu vermeiden.

Neues Medikament: Imatinib

Die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) ließ vor einiger Zeit ein Medikament (Wirkstoff: Imatinib) zu. Es bietet eine wirksamere Behandlung einer bestimmten Art von Leukämie (erhältlich bei Verschreibung über internationale Apotheken).

Nach Angaben des Herstellers Novartis Pharma GmbH ist Imatinib in der Schweiz zugelassen. Bei der europäischen Zulassungsbehörde EMEA sei eine europaweite Zulassung beantragt.

Der Wirkstoff Imatinib (Gleevec) zeigte in klinischen Studien in der Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie (CML) große Wirksamkeit.

Die CML beschreibt eine bösartige Blutkrebserkrankung, die häufig sechs Jahre nach Diagnosestellung tödlich verläuft.

Sie gilt als eine der vier Hauptformen der Leukämie. Das Robert-Koch-Institut (Berlin) schätzt die Zahl der jährlich neu an Leukämie erkrankten Deutschen auf 8.900. Die CML betrifft in Deutschland nach Angaben von Novartis Pharma 1 bis 2 von 100.000 Einwohnern.

Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie (CML)

Sie tritt auf, wenn sich nach einer Schädigung im Erbgut ein Enzym bildet, das die Produktion zu vieler abnormer weißer Blutzellen auslöst. Eine vergrößerte Milz und die Tendenz, sich in eine schwerere Form der Leukämie zu verwandeln, bezeichnen weitere Charakteristika der Erkrankung.

Gleevec ist verschreibungspflichtig. Es bindet das abnorme Enzym und blockiert seine Wirkung. Es ist das erste Medikament, welches das Schlüsselenzym der CML angreift.

Die bisherigen Therapien wirken sowohl auf Krebszellen als auch auf gesunde Zellen. Gleevec greift die Krebszellen an. Hämatologen der Mayo Clinic setzen aufgrund der Ergebnisse klinischer Studien große Hoffnungen auf Gleevec.

In vorläufigen Studien mit 1.230 CML-Patienten fiel bei 88 Prozent der Erkrankten, die Gleevec einnahmen, die Zahl der weißen Blutzellen auf normale Werte.

Darüber hinaus zeigten die Wissenschaftler, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten der genetische Defekt, der mit der CML assoziiert ist und durch die Präsenz des krebsauslösenden Enzyms in den Körperzellen nachgewiesen wird, reduziert oder eliminiert wurde.

Gleevec scheint eine interessante Alternative zum Alpha-Interferon zu sein, der häufigsten Behandlung gegen die CML. Alpha-Interferon injiziert man unter die Haut.

Gleevec liegt in Tablettenform vor. Dieses Medikament eliminiert im Gegensatz zu Alpha-Interferon den Krebs wirksamer, statt nur seine Symptome zu unterdrücken.

Die Nebenwirkungen von Gleevec wie beispielsweise Übelkeit, Muskelschmerzen und Durchfall fallen gering aus verglichen mit denen von Alpha-Interferon.

Mögliches Medikament für Myelofibrose

Die FDA gewährte Gleevec eine Zulassung im Schnellverfahren, was eine schnellere Beurteilung und Genehmigung ermöglichte.

Die FDA gewährt diese besondere Vorgehensweise, wenn die neue Behandlungsmethode ein Potenzial zu einer sofortigen Verbesserung gegenüber bisherigen Behandlung darstellt.

Dies gilt insbesondere bei lebensgefährlichen Erkrankungen. Es ist möglich, dass Nebenwirkungen und andere Komplikationen durch Gleevec auftreten. Diese registrierte man dann in der kurzen Zeit der durchgeführten Untersuchungen nicht.

Die Wissenschaftler der Mayo Clinic untersuchen das Medikament als mögliche Behandlung für die Myelofibrose.

Das bezeichnet eine Krankheit, bei der das Knochenmark vernarbt und dadurch weniger Blutzellen produziert. Das Medikament testet man darüber hinaus für die Behandlung seltener Magenkrebse.

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