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Nur ein Bluttest warnt rechtzeitig vor gefährlichen Lebererkrankungen

Seine Blutdruck- und Cholesterinwerte dürfte mittlerweile fast jeder kennen, der sich regelmäßig beim Arzt durchchecken lässt. Aber kennen Sie Ihre Leberwerte? Diese Werte sind alles andere als unwichtig.

Schließlich ist die Leber unser größtes und stoffwechselaktivstes Organ, sozusagen das Chemielabor und Kraftwerk des Körpers zugleich.

Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 2 Millionen Menschen an chronischen und meist lange unerkannt bleibenden Lebererkrankungen. Doch mit einer einfachen Blutuntersuchung können Sie vorsorgen.

Denn nur wenn die Erkrankungen früh erkannt werden, können sie noch rechtzeitig behandelt werden.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Leberwerte wichtig sind und was sich hinter den oft unverständlichen Abkürzungen verbirgt, die Sie vielleicht schon einmal in einem Befund gelesen haben.

Enzyme im Blut geben Aufschluss über den Zustand Ihrer Leber

Damit die Leber ihre Leistungen vollbringen kann, sind spezielle biochemische „Schneide- und Schweißwerkzeuge“ nötig, die Enzyme. Das sind Eiweißverbindungen, die sämtliche Stoffwechselreaktionen im Körper überhaupt erst möglich machen.

Werden die Leberzellen wegen einer Erkrankung geschädigt, gelangen die Enzyme ins Blut. Hier können sie dann durch spezielle Labortests nachgewiesen werden.

Auf diese Störungen können erhöhte Leberwerte hindeuten:

  • Fettleber
  • Leberverhärtungen (Zirrhose)
  • infektiöse Leberentzündungen (Hepatitis)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Erkrankungen der Galle und der Bauchspeicheldrüse
  • Leberkrebs oder Lebermetastasen

In der Leberzirrhose münden viele chronische Lebererkrankungen und schleichende „Vergiftungen“ wie Alkoholismus oder Medikamentenmissbrauch. Sie ist durch eine umfassende irreversible Zerstörung und narbige Umwandlung des Lebergewebes gekennzeichnet.

Entscheidend ist der GGT-Wert

Eines der aussagekräftigsten Leberenzyme ist die Gamma-Glutamyl-Transferase (Abkürzung: gamma-GT oder GGT). Der Name bezeichnet die Stoffwechselreaktion, die dieses Leberenzym normalerweise unterstützt – eben die Übertragung (den Transfer) eines bestimmten biochemischen Bausteins (Glutamyl).

Die GGT ist bei vielen Lebererkrankungen erhöht, bei denen gleichzeitig eine Stauung der Gallenflüssigkeit (Cholestase) vorliegt.

Auch alkoholische Leberschäden erhöhen die GGT. Ist Ihr GGT-Wert erhöht, muss noch kein Leberschaden vorliegen. Darüber geben erst weitere erhöhte Werte Gewissheit.

Transaminasen geben weitere Hinweise

Wichtige Aufschlüsse geben auch zwei weitere Leberenzyme, die von den Ärzten meist einfach als „Transaminasen“ zusammengefasst werden. Diese Enzyme sind für die Übertragung von Bio-Bausteinen zwischen zwei Aminosäuren verantwortlich.

Zu den Transaminasen zählt die Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT). In Befunden finden Sie auch manchmal den neuen Namen Alanin-Aminotransferase (ALT oder ALAT).

Die zweite Transaminase, die auf Lebererkrankungen hinweist, ist die Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT; neuer Name: Aspartat-Aminotransferase; AST oder ASAT).

Sind beide Transaminasen erhöht, weist dies stets auf eine Leberschädigung hin, die durch eine Leberentzündung oder eine Leberzirrhose hervorgerufen wurde.

Lebererkrankungen: Die Leber leidet stumm

Da Lebererkrankungen meistens symptomlos verlaufen und sich Beschwerden wie z. B. Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust und Blutarmut erst spät zeigen, sollten Sie Ihre Leberwerte regelmäßig kontrollieren lassen.

Besonders wenn Sie ständig Medikamente einnehmen müssen, übergewichtig sind oder allzu gerne Alkohol trinken, sollten Sie mindestens alle 6 Monate ein großes Leberprofil erstellen lassen.

Die Kosten von ca. 30 € müssen Sie jedoch aus eigener Tasche bezahlen. Doch wir meinen, das ist eine lohnende Investition in Ihre Gesundheit.

Der richtige Lebensstil schützt Ihre Leber vor Erkrankungen

Ein Viertel bis ein Drittel aller Deutschen leiden unter einer Fettleber.

Die meisten wissen jedoch nichts davon, da diese Stoffwechselerkrankungen jahrelang ohne Symptome verläuft, jedoch irgendwann zu schweren Gesundheitsstörungen wie Leberentzündung oder Leberzirrhose führen kann.

Wurde früher eine Fettleber stets mit Alkoholmissbrauch oder Fettleibigkeit in Verbindung gebracht, erwischt es heutzutage auch Menschen, die weder Alkohol trinken, noch Übergewicht auf die Waage bringen.

Weshalb das so ist, ist noch nicht restlos aufgeklärt, wahrscheinlich sind jedoch unsere ungesunden Ernährungsgewohnheiten (zu viele Kohlenhydrate und Zucker, speziell Fruchtzucker) daran schuld.

Die Leber kann das daraus synthetisierte Fett nicht mehr schnell genug in Fettgewebe auslagern und es lagert sich direkt an die Leber an.

So halten Sie Ihre Leber fit

  • Streben Sie Ihr Normalgewicht an.
  • Vermeiden Sie Alkohol.
  • Gehen Sie Lebensmitteln aus dem Weg, die zu viel Fruchtzucker enthalten (gesüßte Limonaden, gesüßte Milchgetränke, Obstsäfte, Honig).
  • Setzen Sie regelmäßig Gemüse auf Ihre Speisekarte, diese enthalten wirksame Leberschutzstoffe.
  • Sorgen Sie regelmäßig für Bewegung. Empfehlung: Viermal die Woche einen 30- bis 45-minütigen flotten Spaziergang oder Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, etc.
  • Leberschutz aus dem Garten der Natur: Tee aus Artischocken, Mariendisteln, Löwenzahn, Schwarzkümmel oder Schöllkraut.

Hilfe gegen Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose (im Volksmund auch Schrumpfleber genannt) ist heute immer noch nicht heilbar.

In vielen Fällen verläuft sie sogar tödlich, weil das Lebergewebe vernarbt und so im Laufe der Zeit seine Funktionsfähigkeit verliert.

Grund hierfür ist eine chronische Entzündung der Leber. Das Gefährliche: Sie verläuft häufig unbemerkt. Ausgelöst wird sie durch Alkoholmissbrauch, Übergewicht, Hepatitis B oder C oder Medikamente.

Wird auf den leberschädigenden Faktor verzichtet, kann die weitere Vernichtung der Leber aufgehalten werden. Allerdings funktioniert das nur bis zu einem gewissen Punkt.

Wenn der einmal eingetretene Schaden zu groß ist, breitet sich das Narbengewebe immer weiter aus, auch wenn die Leber nicht mehr belastet wird.

Forscher des Howard Hughes Medical Institute fanden nun einen Wirkstoff, der diesen Vorgang aufhalten und im Tierversuch sogar wieder umkehren kann.

Bisher wurde versucht, den Umbau von gesundem Lebergewebe zu Narbengewebe mit Hilfe von Entzündungshemmern aufzuhalten, allerdings ohne Erfolg.

Nun fanden die Forscher einen Stoff, der genau das Protein hemmt, das den Hauptanteil an der Vernarbung trägt.

Im Tierversuch machte dieser Wirkstoff namens JQ1 sogar die Vernarbungsreaktionen ungeschehen. Ob dies auch beim Menschen funktioniert und ob der Stoff auch bei Vernarbungen anderer Organe wie Nieren oder Bauchspeicheldrüse hilft, wird weiter untersucht.

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Dr. Martina Hahn-Hübner
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