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Therapien bei Krampfadern: Strümpfe statt Operation?

Krampfadern (Varizen) sehen nicht schön aus und können schmerzhaft sein. Weil sie oft auftauchen, verursachen sie hohe Kosten. Mediziner nehmen jährlich 300.000 Eingriffe in Deutschland vor.

Kritiker wie der Bremer Ökonom Gerd Glaeske sagen, es fänden zu viele Operationen statt, Kompressionsstrümpfe würden besser helfen.

Venenerkrankungen als modernes Volksleiden

Erkrankungen der Venen stellen ein klassisches Volksleiden dar. Nur etwa 10 Prozent der Deutschen zeigen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) „keinerlei Auffälligkeiten, fast 60 Prozent dagegen zumindest Besenreiser und ähnliches.

Die übrigen 30 Prozent der Bevölkerung weisen schwerwiegendere Symptome eines chronischen Venenleidens wie Krampfadern, Flüssigkeitsansammlungen oder offene Beine auf.

Hinzu kommt, dass jährlich schätzungsweise einer von 1.000 Erwachsenen eine Thrombose erleidet und pro Jahr über 7.000 Menschen in Deutschland an einer Lungenembolie sterben“.

Insgesamt 36 Millionen Erwachsene in Deutschland leiden laut Barmer GEK unter Venenschwäche. Mehr als 470.000 gesetzlich Versicherte erkranken jedes Jahr neu daran. Etwa 50 Prozent der schwangeren Frauen sind von einer chronisch venösen Insuffizienz bzw. von Varizen betroffen.

Dies äußerte die Venen-Spezialistin Dr. Karin Vogt von der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath. Schon bei Kindern träten Krampfadern auf.

Entstehung und Symptome

Krampfadern sind die Folge einer ungünstigen, oft genetisch bedingten Bindegewebsstruktur, können aber auch durch Krankheiten, Unfälle, Operationen etc. verursacht werden.

Durch Zerstörung von Venenklappen, die eine Ventilfunktion übernehmen, nimmt die Belastung der Venenwände zu. Es kann zu Stauungen im venösen Rückstrom des Blutes kommen und auch zum Austritt von Flüssigkeit aus den Venen ins umliegende Gewebe, was zum Anschwellen der Beine (Ödem) führt.

Werden Krampfadern symptomatisch, schmerzen die Beine, fühlen sich schwer an, jucken und neigen zu Krämpfen.

In den meisten Fällen verursachen Varizen keine weiteren Probleme. Zu den möglichen Komplikationen zählen laut den „Gesundheitsinformationen“ (www.gesundheitsinformation.de) des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):

  • schlecht heilende offene Wunden im Bereich des Fußknöchels
  • eine Venenentzündung, eventuell mit einem Blutgerinnsel (Symptom: starke Beinschwellung)
  • Blutungen aus oder in der Nähe von Krampfadern; obwohl solche Blutungen selten auftreten, können sie gefährlich sein und erfordern sofortige Hilfe. Als Erste-Hilfe-Maßnahme muss der Patient das Bein hochlegen und auf die blutende Stelle Druck ausüben.

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten

Aufgrund ihrer Häufigkeit verursachen Venenerkrankungen hohe Kosten: Laut RKI entstehen jährlich Ausgaben von über zwei Milliarden Euro.

Krampfadereingriffe gehören nach Angaben der Barmer GEK, der größten Krankenkasse in Deutschland, zu den häufigsten Operationen in Deutschland.

Jährlich fänden 300.000 Eingriffe statt. Der Bremer Gesundheitsökonom Professor Gerd Glaeske arbeitet seit vielen Jahren eng mit den Krankenkassen zusammen. „Obwohl es kaum Belege über die Wirksamkeit von chirurgischen Eingriffen gibt, wird häufig operiert.“

Kompressionsstrümpfe seien da hilfreicher, „vorausgesetzt, die Patienten tragen sie“, so Glaeske. Mangelnde Mitwirkung der Patienten gefährde in vielen Fällen den Erfolg konventioneller Behandlungen.

Nur etwa ein Drittel der Patienten, denen die Ärzte solche Hilfsmittel verordneten, trägt angeblich diese Strümpfe. Nach Angaben der Spezialisten vom IQWiG könnten sie nicht bei jedem Venenproblem helfen.

Bei manchen Betroffenen kann eine Operation sinnvoll sein, die laut IQWiG langfristig die besten Ergebnisse erziele.

Allerdings kehrten die Krampfadern bei einer Minderheit von Patienten zurück. Außerdem kann die Operation zu Narbenbildung und Hautverfärbungen führen.

„Stripping“ von Krampfadern

Die klassische Operation bei Krampfadern stellt das „Stripping“ der Varizen dar. Dabei legen die ausführenden Ärzte oben am Bein einen Schnitt an. Ein Faden oder Draht wird in die Vene eingeführt und vorgeschoben.

Auf diese Art zieht er die Vene heraus. Sowohl für das „Stammvenen-Stripping“ als auch für die Behandlung der Seitenastvenen gibt es vielfältige Variationen.

Deren Ziel besteht darin, ein optimales funktionelles und kosmetisches Ergebnis zu erzielen.

Ein neues Verfahren hilft beispielsweise dabei, die Seitenäste intraoperativ unter der Haut sichtbar zu machen und zu zerstören. Venenoperationen können in Vollnarkose stattfinden.

Außer der Vollnarkose steht in wenigen Zentren zusätzlich eine besondere Form der lokalen Betäubung (Tumeszenzanästhesie) zur Verfügung, die große Mengen eines hochverdünnten lokalen Betäubungsmittels verlangt. Krampfadern können mittels Laser verschlossen oder „verschweißt“ werden.

Laser-Therapie

Erst kürzlich haben die Ärzte an der Universität Homburg eine wissenschaftliche Studie über eine moderne Laser-Therapie veröffentlicht.

Die endoluminale Laser-Therapie (ELT) ist dem herkömmlichen Venen-Stripping bei einer Stammvarikosis hinsichtlich Effektivität und Sicherheit nach Zweijahres-Daten nicht unterlegen ist. Bei der ELT wird die Stammvene nicht herausgezogen, sondern durch den Laserstrahl verschweißt.

Die Refluxrate bei der Laserbehandlung ist deutlich höher. Zur Refluxrate benötige man auf jeden Fall weitere Studien, schreiben daher die Studien-Autoren Dr. Knuth Rass und seine Kollegen.

Zu prüfen wäre zum Beispiel, ob man mit modifizierten Laser-Einstellungen niedrigere Raten erzielt. Das kosmetische Ergebnis bei der ELT war besser. Die Patienten beider Behandlungs-Gruppen waren mit den Resultaten gleichermaßen zufrieden.

Einen leichten Vorteil gab es für die ELT bei der Rekonvaleszenz. Unabhängig von der Methode sagte die Mehrheit der Patienten (98 Prozent) zu, sich bei Bedarf erneut behandeln zu lassen.

Die Studie, erschienen in dem Fachblatt „Archives of Dermatology“ ist noch nicht beendet. Als Ziel gilt eine Beobachtungszeit von fünf Jahren.

Neuartige Behandlungsansätze

Zwei weitere neuere Techniken stellen laut IQWiG die Radiofrequenzablation und dasTrivex-Verfahren dar. Die Radiofrequenzablation versiegelt die Venen mit Hilfe von Wärme.

Beim Trivex-Verfahren führen die Ärzte ein kleines rotierendes Messer in die Vene ein, um sie zu schädigen und zu verschließen. Dabei kann man die Vene von außen durch die Haut beleuchten und sichtbar machen.

Die meisten Mediziner wenden die Sklerosierung oder Verödung der Krampfadern durch einen speziellen Schaum oder eine Flüssigkeit an.

Nach Angaben des IQWiG geht sie mit weniger unerwünschten Nebenwirkungen einher als eine Operation. Allerdings kann sie zu einer dauerhaften Verfärbung der Haut an der Einstichstelle führen.

Die Sklerotherapie führe zu besseren Kurzzeitergebnissen als eine Operation. Langfristig scheine, so das IQWiG, die Operation bessere Ergebnisse zu erzielen.

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