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Bypass oder Stent: Was wäre besser für Sie geeignet?

Wenn die Brustschmerzen zunehmen und Medikamente nicht mehr helfen, stellen in der Regel Ablagerungen in den Herzkranzarterien die Ursache dar. Die zarten Gefäße verengen sich so weit, dass kaum noch Blut den Herzmuskel durchströmt.

Um einen Infarkt zu verhindern, stehen den Ärzten zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Sie überbrücken den Engpass mit einem Stück Vene aus dem Unterschenkel.

Oder sie platzieren ein Röhrchen an der Engstelle und verhindern so den Verschluss der Arterie. Bypass-Operation heißt das erste Verfahren, Stent-Implantation das zweite.

Achtung Lebensgefahr!

Zunächst war es nur ein unangenehmer Druck in der Brust, den Bärbel W. immer spürte, wenn sie mit Einkaufstüten beladen die Treppe zu ihrer Wohnung im dritten Stock hinaufging.

Zu diesem Zeitpunkt genügte ein Hub von dem Nitro-Spray, das die 62-jährige Rentnerin vom Hausarzt erhielt und alles war wieder in Ordnung.

Bald schon wich der Druck einem regelrechten Schmerz, der sogar auftrat, wenn sie ruhig im Sessel saß. Auch die Medikamente halfen nur mehr schlecht als recht.

Eine Herzkatheter-Untersuchung bestätigte die Vermutung des Hausarztes: Eine der großen Kranzarterien war an einer Stelle fast vollständig verschlossen. Dass die Brustschmerzen in völliger Ruhe auftraten, stellte ein ernstes Warnsignal dar.

Die Arterie könnte bald ganz verstopfen und den empfindlichen Herzmuskel von der Blutversorgung abschneiden. Ein möglicherweise tödlicher Infarkt wäre die unvermeidbare Folge.

Um Bärbel W. zu helfen, kommen zwei Verfahren in Frage: eine Bypass-Operation oder der Einsatz eines Stents. Erfolge und Risiken sind neueren Untersuchungen zufolge nahezu identisch.

Dennoch unterscheiden sich die beiden Verfahren erheblich voneinander.

So funktionieren Bypass- und Stent-Verfahren

Bei einer Bypass-Operation überbrückt man den Engpass in der Herzkranzarterie. Dazu verwenden die Herzchirurgen entweder ein kleines Stück einer Unterschenkelvene.

Oder sie leiten eine Arterie der Brustwand so auf das Herz um, dass der Herzmuskel hinter dem Engpass wieder ausreichend mit Blut versorgt ist.

Ein Stent dagegen bezeichnet ein bis zu zwei cm langes Metallgitterröhrchen. Der Kardiologe platziert es per Herzkatheter an der Engstelle in der Kranzarterie. Fest und sicher liegend überwächst das Gewebe den Stent nach ein paar Tagen.

Der drohende Komplettverschluss der Arterie und damit der Herzinfarkt sind gebannt. Ärzte verwenden in vielen Fällen Stents, die innen mit einem Medikament beschichtet sind.

Der Wirkstoff wird über ein paar Tage in regelmäßigen kleinen Dosen freigesetzt, sobald der Stent fest im Gefäß sitzt. Die Ärzte senken so das Risiko eines raschen Neuverschlusses des Kranzgefäßes von rund 25 auf 3 Prozent.

Was erwartet Sie bei einem Eingriff?

Die Bypass-Operation findet unter Vollnarkose statt. Um am Herz zu operieren, sägen die Chirurgen das Brustbein der Länge nach auf und klappen den Brustkorb so weit auf, dass das Herz freiliegt.

Das Herz wird stillgelegt und der Kreislauf an die Herz-Lungen-Maschine übergeben. Sie pumpt nun für die Dauer der Operation das Blut durch den Körper.

Anschließend entnimmt man aus dem Unterschenkel ein Stück Vene, schneidet es passend zu und pflanzt es als Umleitung (Bypass) in das Gefäßsystem des Herzens ein.

Entscheiden sich die Chirurgen für eine Brustwandarterie als Bypass, präparieren sie die Arterie frei und vernähen sie mit der verengten Kranzarterie.

Betrifft dies nur ein Kranzgefäß, lässt sich die Operation über kleine seitliche Einschnitte am Brustkorb durchführen. Das Herz schlägt dabei normal weiter. Bei dieser Methode setzen die Chirurgen Techniken der Schlüssellochchirurgie ein. Der Einsatz eines Stents ist weniger aufwändig.

Während einer Herzkatheter-Untersuchung dehnt man den Engpass im Kranzgefäß zunächst mit Hilfe eines winzigen Ballons auf. Danach platzieren die Kardiologen den Stent. Dafür ist keine Narkose erforderlich.

Lediglich die Region in der Leiste, über die der Herzkatheter in eine große Arterie eingeführt wird, ist betäubt.

Dauer des Eingriffs

Nachdem der Arzt den Bypass mit einer Kühllösung spülte und auf Durchlässigkeit überprüfte, leiten die Chirurgen das Blut wieder durch das Herz. Meist beginnt es sofort von selbst wieder zu schlagen, wenn es seine normale Temperatur erreicht.

In manchen Fällen benötigt es dafür einen kurzen Stromschlag. Wenn sicher ist, dass alle Nähte dicht sind und das Herz wie gewohnt schlägt, klemmen die Kardiotechniker die Herz-Lungen-Maschine ab und die Chirurgen verschließen den Brustkorb.

Insgesamt dauert eine Bypass-Operation zwischen drei und sechs Stunden.

Wesentlich schneller geht es beim Stent. Nach dem Einsetzen prüft der Arzt sorgfältig die korrekte Position des Röhrchens.

Meist verwendet er dazu Kontrastmittel und einen Röntgenmonitor. Nur in größeren Behandlungszentren kommt dafür Ultraschall zum Einsatz. Routinierte Kardiologen benötigen dafür eine halbe Stunde.

Der Tag danach

Eine Bypass-Operation bezeichnet einen schweren Eingriff. In der Regel dauert es mehrere Wochen, bis der Patient wieder ganz fit ist und zum Beispiel ohne Hilfe Treppen steigt.

Um die Muskeln zu kräftigen, stehen ab Tag eins nach der Operation krankengymnastische Übungen auf dem Programm. Die durch die Entnahme der kleinen Venenstücke entstandenen Wunden und das zerteilte Brustbein benötigen für die Heilung zwei Monate.

Verläuft nach der Operation alles normal, geht es nach rund 14 Tagen für mehrere Wochen in eine Reha-Klinik. Viele Patienten verspüren nach dem Eingriff mit Depressionen und kämpfen mit Konzentrationsproblemen.

Vom ersten Tag an trainiert man sie deshalb darauf, über derartige Gefühle zu sprechen und die Operation als Neuanfang zu verstehen.

Einfacher funktioniert es nach einer Stent-Implatation. Während des Eingriffs und am ersten Tag danach erhält der Patient per Infusion ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung.

Nach der Entlassung nimmt man das Medikament drei weitere Monate lang ein. In dieser Zeit besteht das Risiko einer Gerinnselbildung im Stent, weil das Metall erst langsam von Gewebe überwachsen wird. Des Weiteren blutet die Einstichstelle für den Herzkatheter in der Leiste nach.

Der Patient trägt deshalb für 24 Stunden einen Druckverband. Immer häufiger verschließt man die Punktionsstelle an der Leiste allerdings mit einem speziellen System, sodass der Patient nach dem Eingriff wieder aufsteht.

Bestehen keine Beschwerden, erfordert es nach sechs Monaten eine Kontrolluntersuchung. Viele Stent-Träger verbringen einige Wochen in einer Reha-Klinik.

Für wen eignet sich welches Verfahren?

Eine Bypass-Operation ist die Methode der Wahl, wenn die großen Herzkranzgefäße betroffen sind.

Eher ungeeignet ist ein Bypass, wenn nur kleine Verzweigungen der Herzkranzgefäße verengt sind oder wenn das Herz bereits durch mehrere Infarkte stark geschädigt ist.

Auch wenn andere Organe so weit in Mitleidenschaft gezogen sind, dass eine mehrstündige Narkose und die Belastung einer großen Operation ein zu hohes Risiko darstellen, sehen Herzchirurgen von einem Bypass ab.

Stents setzt man in erster Linie bei Verengungen kleinerer Gefäße oder zur Vorbeugung einer erneut auftretenden Verengung ein.

Darüber hinaus implantiert man Stents, wenn die bloße Erweiterung eines Herzkranzgefäßes (Ballondilatation) misslingt oder ein gelegter Bypass wieder verstopft.

Forschung zielt auf verbesserte Stentsicherheit

Die Wissenschaftler der Mayo Clinic untersuchen die Einsatzmöglichkeiten von Magnetismus als möglichen Weg, um die Wirksamkeit und Sicherheit von winzigen, implantierbaren Metallgittern (Stents) zu verbessern. Mit denen hält man verengte Blutgefäße des Herzens offen.

In einem Bericht vom November 2006 aus dem Journal of the American College of Cardiology beschreiben die Wissenschaftler eine Methode zur Magnetisierung von heilenden Zellen (Endothelzellen, d.h. Zellen der Gefäßinnenschicht).

Mit dieser Methode leitet man diese über den Blutstrom zu besonderen magnetischen Stents.

Zunächst isoliert man die heilenden Zellen aus dem Blut und befrachtet sie mit eisenhaltigen Partikeln. Nachdem der magnetische Stent im Blutgefäß eingepflanzt wurde, führten die Wissenschaftler die beladenen Zellen wieder in den Blutstrom ein.

Erste Ergebnisse zeigen eine 6- bis 30-fach höhere Anziehung der heilenden Zellen durch den magnetischen Stent im Vergleich zu Standardmethoden.

Endothelzellen bekämpfen auf natürliche Weise die Entstehung von Blutgerinnseln. Die Wissenschaftler sagen, dass die schnelle Beschichtung eines Stents mit lebenden Zellen die Heilung des umliegenden Gewebes beschleunigt.

Dadurch vermindert sich das Risiko der Blutgerinnselentstehung, sobald der Stent im Gefäß implantiert ist. Der Ansatz mit dem magnetisierten Stent befindet sich im experimentellen Stadium.

Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen wurden nicht in klinischen Studien am Menschen wiederholt.

Die Ärzte der Mayo Clinic fühlen sich durch diese ersten Ergebnisse zum Weitermachen ermutigt.

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