MenüMenü

Stärken Sie Ihr Immunsystem: Warum Sie jetzt besonders auf Ihre Glutaminversorgung achten sollten

Jetzt im Winter haben Infekte Hauptsaison. Um sich zu schützen, brauchen Sie ein starkes Immunsystem. Vitamine werden in diesem Zusammenhang immer als Erstes genannt – sie sollen Ihre Abwehrkräfte stark machen.

Der wichtigste Baustein für Ihr Immunsystem ist allerdings Glutamin, eine Aminosäure. Leider kann es bei der Bereitstellung dieser Aminosäure an anderer Stelle Ihres Körpers zu einem Mangel kommen. Welcher das ist und wie Sie sich davor schützen können, erkläre ich Ihnen in diesem Artikel.

Wenn Sie sich mit einem Virus infizieren, kommt es darauf an, dass Ihr Immunsystem schnell reagiert. Denn ein Virus kann sich in kürzester Zeit milliardenfach vermehren.

Dementsprechend müssen viele Abwehrzellen bereitstehen, um ihn zu bekämpfen. Diese bestehen aus Aminosäuren, den Bestandteilen von Eiweiß.

Glutamin macht Ihr Immunsystem stark

Nun befinden sich die Aminosäuren nicht frei in Ihrem Körper. Wenn Sie eiweißreich essen und damit Ihrem Körper ausreichend Aminosäuren zuführen, werden sie eingebaut – überwiegend in Ihre Muskelzellen.

Hier wird aus den Aminosäuren, die Sie zu sich nehmen, eine neue Aminosäure gebildet: das Glutamin.

Es ist sowohl der Hauptbestandteil der Zellen Ihres Immunsystems als auch deren Brennstoff. Im Gegensatz zu anderen Zellen verbrennen Immunzellen nämlich keinen Zucker, sondern nur diese Aminosäure.

Bei einem Infekt brauchen Sie zehnmal mehr Glutamin

Wenn Sie unter einem Infekt leiden und Ihr Immunsystem aktiv ist, verbrauchen Sie daher mehr Glutamin, als wenn Sie gesund sind. Bis zu zehnmal so viel dieser Aminosäure wird den Muskeln entzogen.

Daher kommt es schnell zu einem Mangel: Ihre Muskeln können gar nicht so viel Glutamin herstellen, wie das Immunsystem verbraucht.

Die Fress- und Killerzellen des Immunsystems können dann nicht mehr so effektiv arbeiten; es dauert viel länger, bis Sie nach einem solchen Infekt wieder fit sind. Verfügt Ihr Immunsystem dagegen über ausreichend Glutamin, kann es auch Bakterien und Viren schnell abwehren und vernichten.

Glutamin verhindert, dass Ihr Immunsystem sich selbst vernichtet

Wie funktioniert es genau, dass Ihr Immunsystem so gezielt gegen  Krankheitserreger vorgehen kann? Das Immunsystem arbeitet mit freien Radikalen. Sie kennen diese Stoffe sicherlich: Ich warne normalerweise vor ihnen, da sie Zellschäden verursachen und so zu Krankheiten führen können.

Aber genau diese Wirkung der freien Radikale ist bei Infekten natürlich erwünscht. Sie zerstören auf diese Art auch die Zellen der Viren und Bakterien.

Leider besteht die Gefahr, dass sie sich auch gegen die Zellen des eigenen Immunsystems richten. Damit das nicht passieren kann, brauchen Sie Radikalenfänger, die Ihre Immunzellen schützen.

Als so ein Radikalenfänger dient eine andere Aminosäure, das Glutathion. Hauptbestandteile dieser Aminosäure sind Glutamin und Cystein.

Wenn hiervon genügend in den Muskeln vorhanden ist, dann steht auch ausreichend Glutathion zur Verfügung, um die Immunzellen zu schützen. Fehlt es dagegen, dann lässt die Aktivität des Immunsystems deutlich nach.

Schützen Sie sich vor infektbedingtem Muskelschwund

So fantastisch die Prozesse in einem starken Immunsystem auch aufeinander abgestimmt sind, so hat es doch einen echten Nachteil.

Das Glutamin wird den Muskeln entzogen, diese werden damit abgebaut. Sie merken das deutlich: Nach einem überstandenen Infekt fühlen Sie sich häufig schlapp. Es dauert durchaus eine Woche, bis Sie wieder auf den Beinen sind – auch wenn Husten, Schnupfen und Fieber schon lange abgeklungen sind.

Bei schwereren Krankheiten kann es auch mehrere Wochen dauern, bis Sie wieder richtig fit sind.

Grund dafür ist, dass die Muskeln erst mühsam wieder aufgebaut werden. Ihr Körper muss sich erst umstellen: Während der Erkrankung hat er das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das den Muskeln das Glutamin entzogen und zum Immunaufbau transportiert hat. Nun müssen muskelaufbauende Hormone ausgeschüttet werden.

Dies und der eigentliche Muskel­aufbau brauchen seine Zeit.

Sie können Ihren Körper in dieser Phase unterstützen und den Muskel­aufbau beschleunigen, indem Sie sich eiweißreich ernähren. Besser wäre es natürlich, es käme gar nicht erst zum Muskelabbau während einer Krankheit.

Auch das erreichen Sie durch eine eiweißreiche Ernährung, die die wichtigen Aminosäuren in ausreichender Menge zur Verfügung stellt.

Mein Tipp: Je älter Sie sind, desto wichtiger ist es, dass Sie durch eine eiweißreiche Ernährung Ihre Muskelstärke während eines Infektes erhalten. Denn im Alter verfügen Sie nicht mehr über ausreichend muskelaufbauende Hormone.

Daher dauert die Erholungsphase nach einem Infekt bei Ihnen noch viel länger, wenn Ihre Muskeln angegriffen sind.

Glutamin hilft auch Ihrem Darm

Auch bei Begleiterkrankungen eines Infektes kann Glutamin Ihnen übrigens helfen. Sicherlich haben Sie schon einmal bemerkt, dass Infekte auch zu Durchfall führen können. Häufig haben Sie beides gleichzeitig. Der Grund dafür: Glutamin ist auch Baustein der Darmzellen.

Brauchen Sie Glutamin für Ihr Immunsystem, wird es nicht nur aus den Muskeln abgezogen, sondern steht auch für den Darm nicht mehr zur Verfügung.

Die Darmzellen können sich nicht mehr, wie eigentlich normal, alle drei Tage erneuern. Es kommt dadurch schneller zu Durchfällen. Medikamente können diese dann noch verschlimmern. Eine Extraportion Glutamin kann dann helfen, dass sich die Darmschleimhaut regeneriert.

Übrigens kann Ihnen Glutamin auch helfen, wenn Sie unter medikamentenbedingtem Durchfall leiden.

So versorgen Sie sich ausreichend mit Glutamin

Sie sehen also, wie wichtig es ist, dass Sie sich ausreichend mit Glutamin versorgen. In Krankheitsfällen, also bei einem Infekt oder bei Durchfällen, sollten Sie einen Esslöffel Glutamin morgens und abends zu sich nehmen.

So können Sie Aufbau und Aktivität des Immunsystems unterstützen und Ihren Darm regenerieren.

Gleichzeitig sollten Sie Ihre Eiweißzufuhr um 30 % erhöhen, zum Beispiel durch eiweißreiche Ernährung. Ihr Körper muss dann nämlich nicht auf das Eiweiß aus den Muskeln zurückgreifen, da ihm genügend freies zur Verfügung steht.

Das verhindert, dass die Muskeln abgebaut werden. Sie sollten die vermehrte Eiweißzufuhr  übrigens noch einige Zeit nach dem Infekt weiter beibehalten. So füllen Sie die Aminosäurenspeicher Ihrer Muskeln wieder auf.

Wahre „Eiweißbomben“ sind unter anderem:

  • Magerquark
  • Linsen, Kichererbsen, getrocknete Bohnen
  • Nüsse
  • Hafer
  • Soja
  • Fisch

Tabletten oder Pulver? Auf das richtige Glutamin kommt es an

Glutamin können Sie eigentlich in jeder Apotheke kaufen. Aber Vorsicht: Glutamin wird häufig verwechselt. Es hat nichts mit Glutaminsäure zu tun. Achten Sie darauf, dass Ihnen Ihr Apotheker das richtige Mittel verkauft. Hier kommt es oft zu Irrtümern.

Sie brauchen übrigens keine Glutamintabletten. Glutamin ist völlig ohne Eigengeschmack. Daher sind keine Zusatzprodukte wie ein bunter Zuckerüberzug einer Tablette nötig. Verzichten Sie auf diese Zusatzstoffe und wählen Sie normales Glutamin-Pulver.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über Innere Medizin erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!