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Unterschätzte Gefahr: So schützen Sie Ihr Kind vor Weichmachern

Weichmacher kommen in vielen Kunststoffgegenständen vor. Sie stellen besonders für Kinder eine große Gefahr dar, da Kinder höhere Konzentrationen aufnehmen als bisher angenommen.

Wie Sie Ihr Kind am besten davor schützen, verrät Ihnen dieser Beitrag.

Weichmacher werden benötigt, um Kunststoffprodukte elastisch zu halten. Aus diesem Grund sind insbesondere Gegenstände aus Weichplastik (vor allem Weich-PVC) damit belastet.

Einer der am häufigsten verwendeten Weichmacher ist Di-Ethyl-Hexyl-Phthalat (DEHP). Es ist im PVC nicht chemisch gebunden und wird langsam wieder freigesetzt.

Daher ist es in der Umwelt überall nachweisbar. Auch die Muttermilch ist damit belastet.

DEHP wirkt hormonähnlich

DEHP ist akut kaum giftig, hat bei Langzeitbelastung jedoch folgende Auswirkungen:

  • Leber- und Nierenschäden im Tierversuch krebserregend (Krebs beim Menschen nicht eindeutig nachgewiesen, von der amerikanischen Umweltbehörde als „wahrscheinlich krebsauslösend“ eingestuft)
  • im Tierversuch Entwicklungsstörungen des Ungeborenen
  • im Tierversuch eindeutig hormonähnliche Wirkung (Hodenschädigung bei Ratten ab einer täglichen Aufnahme von 3,7 mg/kg, reduzierte Fruchtbarkeit)

DEHP wird im Körper zu Mono-Ethyl-Hexyl-Phthalat (MEHP) abgebaut, welches ebenfalls Schadwirkung, z. B. auf Hodenzellen, hat.

So ist aus Untersuchungen beim Menschen bekannt, dass erhöhte MEHP-Werte mit einer Verminderung der Spermienqualität einhergehen. MEHP wird auch mit Frühgeburten in Zusammenhang gebracht.

Bedenklich: In einer kürzlich durchgeführten Studie wurden bei 88 Prozent der neugeborenen Babys DEHP und MEHP im Blut nachgewiesen.

Wichtigste Quelle: unsere Nahrung

Das fettlösliche DEHP gelangt überwiegend mit der Nahrung in den Körper und stammt zum Teil aus PVC-haltigen Lebensmittelverpackungen. Im Schnitt nimmt jeder Mensch täglich etwa 7 bis 11 µg DEHP pro Kilogramm Körpergewicht auf.

Es reichert sich in allen Geweben, bevorzugt aber in Leber- und Fettgewebe, an.

Wichtig: DEHP sowie alle Zubereitungen, die mehr als 0,5 Prozent DEHP enthalten,müssen EU-weit mit dem Buchstaben T (toxic = giftig) und einem Totenkopf gekennzeichnet werden.

Von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind jedoch alle Kunststoffartikel, z. B. Produkte aus Weich-PVC, die zwischen 20 und 40 Prozent (maximal bis 60 Prozent) DEHP enthalten!

Wie viel DEHP über die Atemluft aufgenommen wird und wie hoch die derzeit eher als gering eingeschätzte Belastung tatsächlich ist, kann wegen der unbefriedigenden Datenlage bisher nicht genau angegeben werden.

Die duldbare tägliche DEHP-Aufnahme (Tolerable Daily Intake = TDI), die in Deutschland als ungefährlich für die Gesundheit angesehen wird, wurde mit 0,05 mg/kg festgelegt.

Verzichten Sie auf PVC in jeder Form

  • In Spielzeug für Kinder unter drei Jahren sind Weichmacher seit März 2000 verboten. Da belastete Plastikspielsachen aber bis Oktober 2001 abverkauft wurden, sollten Sie Spielzeug und Beißringe aus Weichplastik, die vor diesem Datum gekauft wurden, wegwerfen, sofern Sie nicht sicher wissen, dass sie keine Weichmacher enthalten.
  • Spielzeug für Kinder über drei Jahren darf weiterhin Weichmacher enthalten. Besonders belastet sind billige Plastikspielsachen aus Fernost (auch das CE-Zeichen und andere Label schützen Ihr Kind nicht vor Weichmachern!). Jedoch kommen auch gängige deutsche Produkte wie die Puppe Baby Born von Zapf oder die Barbie von Mattel nicht ohne aus. Bringen Sie diese Spielsachen außer Reichweite Ihres Kleinkindes, damit es sie nicht in den Mund nehmen kann.
  • Kaufen Sie keine Lebensmittel in Weichplastikfolie (z. B. Käse, Fleisch, Obst auf Papp- oder Kunststoff-„Tabletts“). Besonders mit Weichmachern belastet sind fetthaltige Lebensmittel wie Käse,Wurst oder Fleisch.
  • Lüften Sie Ihr neues Auto häufig, da aus Kunststoffteilen und Kunstleder Weichmacher stark ausdünsten, besonders wenn sich der Innenraum im Sommer aufheizt.
  • Verzichten Sie auf PVC in der Wohnung, z. B. PVC-Böden oder PVC-haltige Tapeten (z. B. Schaumtapeten), da die Belastung über die Innenraumluft bzw. den Hausstaub noch kaum untersucht ist. Gerade Krabbelkinder haben die Nase dicht über dem Boden und stecken alles in den Mund!

„Geheimcodes“ für PVC

PVC muss nicht gekennzeichnet werden. Weichplastik-Produkte ohne Hinweis auf das verwendete Material sind meist aus PVC, was die Hersteller aber lieber verschweigen.

Manche Hersteller kennzeichnen PVC auch mit dem Vermerk „VC“ (Vinylchlorid) oder „Vinyl“.Auch der Zahlencode 03 in der Mitte eines aus Pfeilen bestehenden Dreiecks besagt, dass es sich um PVC handelt.

Folgende Kennzeichnungen stehen für unbedenkliche Kunststoffe: Zahlencode 01 oder PET = Polyethylen-Terephthalat, 02 oder PE-HD = Polyethylen, 06 oder PS = Polystyrol.

Keine falschen Hoffnungen: Hormonmittel DHEA bleibt wirkungslos

Mal wieder wurden Wunderwirkungen versprochen, doch keine konnte nachgewiesen werden: Das Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) wirkt sich weder positiv auf das Gewicht noch auf Ausdauer, Muskelstärke und -masse aus.

Auch bei der viel gepriesenen Verbesserung der Lebensqualität: Fehlanzeige. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher von der Mayo Clinic im amerikanischen Rochester.

Zwei Jahre lang überwachten sie Studienteilnehmer, deren DHEA-Level sie durch Arzneimittelgaben auf dem Niveau von jungen Menschen hielten. DHEA ist eine hormonelle Vorstufe, aus der die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone gebildet werden.

Es zeigten sich keinerlei der erhofften günstigen Anti-Aging-Veränderungen, resümieren die Forscher.

Sie raten deshalb dazu, die Hände von solchen Präparaten zu lassen beziehungsweise diese abzusetzen – vor allem auch, weil sie ein potenzielles Krebsrisiko und etliche andere Nebenwirkungen mit sich bringen.

In Deutschland gibt es derzeit nur ein zugelassenes DHEA-Präparat, das auch Östrogen enthält und gegen Wechseljahrsbeschwerden verordnet wird.

Im Internet und in manchen Fitnessclubs gibt es jedoch einen schwunghaften Handel.

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