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Hintergründe und Fakten zum Thema HIV

HIV ist die Abkürzung für das Humane Immundefizienz-Virus. Hierbei handelt es sich um ein Virus aus der Familie der Retroviren und der Gattung der Lentiviren.

Eine unbehandelte HIV-Infektion führt nach mehrjähriger Inkubationszeit unausweichlich zu AIDS, dem erworbenen Immundefizienzsyndrom.

Was ist das eigentlich?

HIV entwickelte sich in den letzten 30 Jahren zu einer Pandemie, die bisher etwa 28 Millionen Leben forderte. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts stetig. In Deutschland leben etwa 73.000 Menschen mit HIV.

HIV vom Typ 1 beschrieben Mediziner 1983 zum ersten Mal, HIV-2 im Jahr 1986. 2005 gelang der Nachweis, dass der Ursprung des HIV beim Affen liegt.

Das HI-Virus übersprang in seiner Geschichte mindestens zweimal Artengrenzen: Vom Affen zum Menschenaffen und vom Menschenaffen zum Menschen, auch wenn der Übertragungsweg unklar bleibt.

Eine Infektion beim Menschen wies man erstmals für 1959 nach. Man geht davon aus, dass das erstmalige Auftreten von HIV 1 etwa 50 Jahre früher zu datieren ist.

Übertragung und Ausprägungsformen

HIV überträgt sich durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Als potentielle Eintrittspforten gelten Schleimhäute und frische Wunden.

Häufigste Infektionswege stellen ungeschützter Geschlechtsverkehr und die Benutzung unsteriler Spritzen beim Drogenkonsum sowie verunreinigte Blutkonserven dar.

Eine unbehandelte HIV-Infektion verläuft in Phasen. So kommt es innerhalb von sechs Wochen nach der Ansteckung zu einem akuten Ausbruch, der in seiner Symptomatik einer Grippe ähnelt.

Es zeigte sich, dass eine Behandlung mit antiviralen Medikamenten in diesem akuten Stadium die körpereigene Abwehr gegen das Virus stärkt.

In der folgenden Latenzphase, die unter Umständen Jahre andauert, treten kaum Symptome auf. Danach kommt es häufig zu ernsten Erkrankungen, die auf eine Immunschwäche zurückzuführen sind, sowie zum Ausbruch von AIDS.

Die Zahl der Infizierten über 50 hat deutlich zugenommen

Die Anzahl der über 50-jährigen, die sich durch heterosexuellen Kontakt infiziert haben, hat deutlich zugenommen.

In dem selben CDC Bericht heißt es, dass sich 1991 über 700 Menschen durch heterosexuellen Kontakt angesteckt haben. 1996 hat sich diese Zahl bereits auf 1.400 verdoppelt.

Obwohl in beiden Jahren auch zunehmend Menschen durch homosexuellen Sex oder intravenösen Drogenkonsum infiziert wurden, war die Infektionsrate unter den Heterosexuellen in den USA am höchsten.

Nach Angaben der Deutschen AIDS-Stiftung (Bonn) haben sich bezogen auf das Jahr 2000 12, 1 % der Personen, die bei der Stiftung eine Unterstützung beantragt haben, vermutlich durch einen heterosexuellen Kontakt angesteckt.

Höchster Zuwachs bei den Heterosexuellen

Die meisten Antragsteller hatten sich jedoch vermutlich durch eine homosexuelle Beziehung (34 %) oder durch Drogenkonsum (35, 1 %) infiziert.

Nach einer Statistik (Stand 2000) des RobertKoch-Instituts (Berlin) sind bei den über 50-jährigen 17, 2 % der seit 1993 registrierten AIDS-Fälle Männer und 10, 5 % Frauen.

Bei den über 60-jährigen verschiebt sich dieses Verhältnis zu Ungunsten der Frauen (Frauen: 4, 2 %, Männer: 3, 3 %).

Ältere Frauen unterliegen einem erhöhten Risiko, sich während des Geschlechtsverkehrs mit einem HIV-Infizierten anzustecken, da die Barrierefunktion der Vaginalschleimhaut im Alter abnehmen.

Obwohl sich das HIV-Virus durch den Gebrauch von kontaminierten Spritzen, durch Bluttransfusionen oder die Übertragung anderer Blutprodukte ausbreiten kann, ist der überwiegende Übertragungsweg der sexuelle Kontakt.

Menschen, die vor 1985 Bluttransfusionen bekommen haben, können sich möglicherweise mit dem Virus infiziert haben.

Seit dieser Zeit werden Blutspenden in Deutschland auf das HIV-Virus getestet (Paul-Ehrlich-Institut, Langen).

Sie können sich beim sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person anstecken. Wurde in Ihrem Blut bei einem Test das HIV-Virus nachgewiesen, so können auch Sie die Krankheit auf ihre Intimpartner übertragen.

Wenn Sie sexuell aktiv sind, können Sie das Risiko einer Ansteckung folgendermaßen senken:

  • Schützen Sie sich – Abgesehen von Abstinenz ist der Gebrauch von Latexkondomen der effektivste Schutz vor einer Infektion. Keine Verhütungsmethode bietet jedoch einen 100%igen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Das gilt auch für AIDS.
  • Reden Sie offen darüber – Sprechen Sie mit Ihrem Partner über einen sicheren Geschlechtsverkehr, bevor Sie mit ihm intim werden. Vielleicht wollen Sie auch über Ihre vorherigen Partner reden und darüber, ob Sie oder Ihr Partner sich auf sexuell übertragbare Infektionen, wie AIDS haben testen lassen.

Aussicht auf Selbsttest

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) entscheidet demnächst über die Freigabe von neuen Heimtests. Durch sie ist der HIV-Virus feststellbar, die Ursache von AIDS.

Beim Test entnimmt man durch einen Einstich Blut aus dem Finger und trägt es auf ein chemisch präpariertes Papier. Dieses ist mit einer individuellen Kontrollnummer versehen.

Die Probe schickt man dann in einem adressierten Umschlag an das Labor, das auf der Testpackung angegeben ist. Nach Ablauf einer Woche erfragt man das Ergebnis nach Angabe der Kontrollnummer telefonisch.

Anonymität und zuverlässige Betreuung

Die Freigabe durch die FDA hängt davon ab, ob die Staatsregierung den Anwendern Anonymität gewährleisten kann. Des Weiteren muss sie sicherstellen, dass man Patienten mit positivem Ergebnis zur Beratung an einen Arzt überweist.

Die FDA empfiehlt darüber hinaus, das Laborpersonal, das die Ergebnisse mitteilt, entsprechend zu schulen.

Er bezieht sich dabei auf die Art, wie das Personal das Testergebnis überbringt und was Beratung und die ärztliche Überweisung im Falle einer HIV-Infektion betrifft.

Älter werden mit HIV

Dank moderner Medikamente werden HIV-positive Menschen heute älter und ihre Lebensqualität verbesserte sich im Laufe der letzten Jahre.

Die Kehrseite dieser guten Nachricht: Mit zunehmendem Alter leiden HIV-positive Menschen häufiger an chronischen Krankheiten. Dazu gehören Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislaufstörungen.

Zu diesen Ergebnissen kommen Forscher der Universität Zürich und ihre Kollegen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie.

Langsamer Fortschritt in der Impfstoffentwicklung

Die Herausforderung, AIDS zu verhindern, führte dazu, dass zwei Impfstoffe getestet werden. Der eine wirkt ähnlich wie andere übliche Impfstoffe.

Die Injektion eines Proteins, das von HIV isoliert wurde, stimuliert die Immunantwort, ohne die Krankheit hervorzurufen. Das führt zu einer verstärkten Produktion von Antikörpern, die das ganze Virus erkennen und attackieren.

Bei dem zweiten erprobten Impfstoff benutzen die Wissenschaftler T-Zellen von HV-Patienten.

Die Zellen dieser Patienten benutzt man dazu, Antikörper zu produzieren, die die Rezeptoren auf T-Zellen blockieren. Wenn man diese Antikörper dem Patienten erneut injiziert, verhindern sie, dass das Virus in andere T-Zellen eindringt.

Der Fortschritt in der Impfstoffentwicklung verläuft langsam angesichts der Komplexität dieser Aufgabe und steigender Kosten.

Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie

Das Spektrum der Komplikationen sowie der Todesursachen bei HIV-positiven Personen änderte sich in den letzten Jahren deutlich. Die modernen Therapien stärken das Immunsystem der Betroffenen effektiv.

Aus diesem Grund sind heute jene Krankheiten seltener, die früher oft als Folge der Immunschwäche auftraten. Dazu zählen zum Beispiel Infektionen, Hauttumore oder Lymphdrüsenkrebs.

In den Vordergrund rückten dafür die Langzeitnebenwirkungen der HIV-Medikamente und andere nicht direkt mit HIV zusammenhängende Erkrankungen.

Die Infektiologin Dr. Barbara Hasse von der Universität Zürich analysierte zusammen mit Kollegen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie die heutige Situation.

Die Wissenschaftler wollten wissen: Welche Erkrankungen und Komplikationen betreffen HIV-Positive wie häufig? Besteht eine Altersabhängigkeit der Komplikationen?

Welche Konsequenzen zieht man daraus für eine optimierte Betreuung der Patienten? Die Antworten veröffentlichten sie im Fachmagazin „Clinical Infectious Diseases“.

Ablauf der Studie

Der Anteil an älteren HIV-Positiven nahm in den letzten Jahren deutlich zu. Zu Beginn der Kohortenstudie waren knapp fünf Prozent der Teilnehmer mehr als 50 Jahre alt, heute sind es 30 Prozent.

Während drei Jahren diagnostizierte man bei 8.444 Personen, die seit etwa 15 Jahren mit dem HIV infiziert sind, folgende Krankheiten:

  • 201 Lungenentzündungen
  • 55 Herzinfarkte
  • 39 Schlaganfälle
  • 70 Zuckerkrankheiten
  • 160 Knochenbrüche
  • 61 Osteoporose-Fälle
  • 57 schwere Leberprobleme
  • 31 schwere Nierenerkrankungen
  • 115 Krebserkrankungen

Insgesamt fanden die Mediziner 994 Erkrankungen, die nicht direkt als Folge der HIV-Infektion auftreten. Im Gegensatz dazu betrug die Zahl der Erkrankungen in direktem Zusammenhang mit der HIV-Infektion lediglich 195.

Diese Krankheiten traten dabei häufiger bei Personen zwischen 50 und 64 Jahren sowie bei Personen über 65 Jahren auf.

Aus diesem Wissen leitete das Team wertvolle Hinweise für die Betreuung von HIV-Positiven ab.

Die zusätzlich zur HIV-Erkrankung auftretenden Komplikationen führen dazu, dass die Betreuung dieser Betroffenen zahlreiche andere, oft gleichzeitig auftretende Krankheiten berücksichtigen muss.

Dies wiederum führt zu speziellen Problemen wie etwaInteraktionen oder Nebenwirkungen zwischen den verschiedensten Medikamenten.

Darüber hinaus ist es besonders bei dieser Personengruppe wichtig, Krankheitsprävention zu betreiben und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin und Nikotinkonsum zu vermeiden oder behandeln.

Hintergründe der Kohortenstudie

Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie entstand1988 und ist eine Zusammenarbeit aller Universitätsspitäler, mehrerer Kantonsspitäler sowie spezialisierter Ärzte in der Praxis.

Ziel ist es, die HIV-Krankheit zu verstehen sowie die Betreuung der Patienten zu verbessern. Bisher nahmen16.832 Personen an der Studie teil, von denen sich zur Zeit 8.120 in diesen Institutionen in Betreuung befinden.

5.157 HIV-infizierte Menschen der Kohortenstudie sind in den bisher 23 Jahren gestorben. Mehr Infos finden Sie unter www.shcs.ch.

Weitere Informationen und Hilfe

Informationen über AIDS oder eine HIV-Infektion erhalten Sie bei folgenden Organisationen und offiziellen Stellen:

  • Pro Familia: Diese unabhängige Organisation bietet in vielen Städten kompetente Hilfe an. Unter der Internetadresse www.profamilia.de finden Sie eine Broschüre über Sexualität im Alter.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Sie bietet unter der Internetadresse www.bzga.de eine Fülle von Informationen zum Thema „Sexualität und AIDS“.
  • Deutsche AIDS-Stiftung: Die Stiftung bietet von HIV und AIDS betroffenen Menschen praktische Hilfe an. Adresse: Deutsche AIDS-Stiftung, Markt 26, 53111 Bonn, Tel.: 0228/ 60 46 90, www.aids-stiftung.de