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Lipoprotein(a): So werden Sie das gefährliche Gefäßgift los

LDL-Cholesterin ist der Stoff, der immer noch als besonders gefährlich für Ihre Herz- und Gefäßgesundheit bezeichnet wird. Doch wie ist es dann zu erklären, dass immer mehr Menschen scheinbar aus heiterem Himmel an einem

Großaufnahme von verstopften Gefäßen© axel kock - Fotolia
Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben?

Der Grund ist ein erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel, der das Herzinfarktrisiko drastisch steigert. Bei vielen Ärzten gilt dieser Wert als unbeeinflussbar.

Doch ich erkläre Ihnen, wie Sie ihn doch senken und damit Ihre Herzgesundheit stark verbessern können.

Erhöhtes Cholesterin ist bekannt als große Gefahr fürs Herz. Aber was ist dran an den Fällen, in denen scheinbar völlig gesunde Menschen mit relativ normalen Cholesterinwerten an Herzinfarkt und Schlaganfall erkranken und sogar sterben?

Es handelt sich hierbei nicht um bedauernswerte Einzelschicksale. Vielmehr weisen diese Betroffenen weitere Risikofaktoren auf, die stark erhöht sind.

Leider ist mit ihnen nicht so ein Geschäft zu ­machen wie mit erhöhtem Choles­terin. Und so werden diese Risikofaktoren häufig ignoriert – es gibt eben keine Medikamente, die sich gut verkaufen lassen und hier wirken.

Lipoprotein(a) verstopft Ihre Blutbahnen

Einer dieser Risikofaktoren, noch dazu der gefährlichste für Ihr Herz, ist das Lipoprotein(a) (Lp(a)). In seiner Struktur ähnelt es dem LDL-Cholesterin, also dem schlechten Cholesterin. Allerdings hat es eine völlig andere Aufgabe.

Während das Cholesterin dazu bestimmt ist, Fett durch Ihr Blut zu transportieren, soll das Lp(a) kleine Verletzungen in den Blutgefäßen stopfen.

Ist in Ihrem Blut aber eine zu hohe Konzentration dieses Stoffs vorhanden, lagert er sich nicht nur in Beschädigungen, sondern an sämtlichen Gefäßwänden ab.

Hieran können sich dann wiederum Kalk, Fette sowie Eiweiße festsetzen und eine Arteriosklerose, also eine Gefäßverengung, auslösen.

Lp(a) hat aber noch eine weitere Folge. Es beschleunigt die Blutgerinnung und kann entzündliche Prozesse an den Gefäßwänden auslösen. Wenn es also im Übermaß vorhanden ist, beschleunigt es das Entstehen von Thrombosen und Gefäßverschluss.

So gefährlich ist hohes Lp(a) für Sie

Die Kopenhagen-Herzstudie, die im Jahr 2008 ausgewertet wurde, zeigt, wie gefährlich hohe Lp(a)-Werte tatsächlich sind. Zehn Jahre zuvor waren die Gesundheitsdaten von fast 10.000 gesunden Männern und Frauen gesammelt worden.

Im Laufe der folgenden zehn Jahre, die die Studie dauerte, erlitten fast 500 der Teilnehmer einen Herzinfarkt.

Die Forscher fanden 2008, zum Abschluss der Studie, heraus, dass diejenigen der Teilnehmer, die erhöhte Lp(a)-Werte aufwiesen, ein drei- bis viermal so hohes Risiko für einen Herzinfarkt hatten.

Ein größeres Risiko haben nur starke Raucher.

Wie ist es um Ihren Lp(a)-Wert bestellt?

Erschreckend: Einer von vier Erwachsenen weist einen zu hohen Lp(a)-Spiegel auf. Wie gefährlich das ist, zeigt die Studie aus Kopenhagen.

Schon ein Wert über 30 mg/dl Blut führt zu einem stark erhöhten Herzinfarktrisiko – und jeder vierte Mensch hat einen Lp(a)-Wert, der deutlich hierüber liegt.

Warnzeichen für einen ­erhöhten Spiegel

Wann sollten Sie Ihren Lipoprotein(a)-Spiegel messen lassen? Es gibt bestimmte Anzeichen oder Situationen, aufgrund derer Ihr Arzt eine solche Messung durchführen lassen sollte.

Dazu gehören:

  • erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte
  • Fälle von Herzinfarkt bei Ihren Blutsverwandten (vor allem, wenn dieser Infarkt scheinbar aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung ­aufgetreten ist).
  • Sie als Frau, wenn Sie die Wechseljahre hinter sich haben; dann verringert sich Ihr bisheriger natürlicher ­Gefäßschutz, da Ihr Körper ­weniger Östrogen produziert
  • Menschen, die eine Bypass­operation, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, aber auch eine Thrombose hinter sich haben
  • Menschen, bei denen die ­Gefäße gefährdet sind, zum Beispiel weil sie rauchen oder an Bluthochdruck leiden
  • Diabetiker
  • Menschen, bei denen Herz­rhythmusstörungen auftreten. Es hat sich in Studien ­gezeigt, dass gerade bei Vorhofflimmern der Lp(a)-Spiegel deutlich erhöht ist

So falsch handeln viele Ärzte

Es kann sein, dass Ihnen Ihr Arzt bei einem erhöhten Lp(a)-Spiegel erklären wird, dass er nun gar nichts ausrichten kann, da man diesen Wert nicht senken kann. Hierbei handelt es sich um eine typische, aber leider sehr kurzsichtige Aussage der Schulmedizin.

Es gibt in der Tat keine Pille, mit der es möglich ist, den Lp(a)-Wert zu verringern. Auch Sport und Ernährung werden Ihnen nicht wirklich viel bringen.

Denn beim Lp(a) handelt es sich um einen Wert, der genetisch bedingt ist. So lässt er sich auf konventionelle Weise kaum beeinflussen.

Manche Ärzte nutzen übrigens auch erhöhte Lp(a)-Werte, um andere Medikamente an die Frau oder den Mann zu bringen: Sie verschreiben dann einfach einmal einen Cholesterinsenker.

Der Grund dafür: So könne man wenigstens einen Risikofaktor ausschalten. Das mag ja stimmen, aber ob Sie von Cholesterinsenkern wirklich so stark profitieren, möchte ich bezweifeln.

Denn Lp(a)-Werte sind zehnmal gefährlicher als erhöhtes Cholesterin. Ihr Herzinfarktrisiko senken Sie so also nicht wirklich.

Der Ärztemeinung zum Trotz: Sie können Ihr Lp(a) senken

Und doch gibt es Wege, mit denen Sie Ihr Lp(a) verringern können. Sie sind halt nur nicht typische Elemente der Schulmedizin.

So ist zum Beispiel eine Anwendung von B-Vitaminen häufig recht erfolgreich. Genutzt wird hierbei das Niacin.

Aber Vorsicht: Es kommt in zwei Formen vor. Ihren Lp(a)-Spiegel können Sie nur mit der Nikotinsäure senken. Das sogenannte Nikotinamid ist hierfür nicht wirksam.

Zur Senkung hoher Lp(a)-Spiegel brauchen Sie pro Tag rund 1,5 Gramm Niacin pro Tag – das hat eine Untersuchung der Universität Münster ergeben. So können Sie Ihre Werte um über ein Drittel verringern.

Solch eine Behandlung sollten Sie aber nur unter ärztlicher bzw. therapeutischer Aufsicht durchführen. Denn eine tägliche Dosis von 1,5 Gramm Niacin ist zwar nicht gefährlich.

Dennoch kann es zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen führen. Studien haben gezeigt, dass Niacin aber nicht das einzige Mittel ist, um einen erhöhten Lp(a)-Spiegel zu senken.

So ergab eine Untersuchung der Universität Catania/Italien, dass auch Carnitin hilft. Dort wurden 75 Menschen mit erhöhten Lp(a)-Spiegeln mit Carnitin behandelt.

Im Vergleich zu denen, die einen Placebo bekamen, wurde der Lp(a)-Spiegel in der Carnitin-Gruppe um 20 Prozent in vier Monaten verringert.

Und an der Charité in Berlin kamen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, wie hilfreich auch Ginkgo-Extrakt sein kann. Hier wurde nur eine sehr kleine Gruppe behandelt.

Lediglich acht Patienten erhielten probeweise 120 mg Ginkgo-Extrakt pro Tag. Alle hatten gemeinsam, dass sie bereits an fortgeschrittener Verkalkung der Herzkranzgefäße litten.

Es zeigte sich, dass ihr Lp(a)-Wert dennoch nach zwei Monaten um ein Viertel verringert war. Einen ähnlichen Effekt können übrigens auch Fischölkapseln, also Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren, haben.

So wenden Sie Mittel gegen hohes Lp(a) richtig an

  • Carnitin: Wenn Sie versuchen wollen, mit diesem Stoff Ihre Blutfettwerte zu verringern, sollten Sie nicht gleich die gesamte Dosis auf einmal einnehmen. Beginnen Sie zunächst einmal mit einer Tagesdosis von einem Gramm und probieren Sie eine bis zwei Wochen lang aus, ob Sie dieses Mittel vertragen. Dann können Sie die Einnahmemenge langsam erhöhen. Möglich sind tägliche Dosen von bis zu vier Gramm. Normalerweise werden sie gut vertragen, es kann aber bei empfindlichen Menschen zu Durchfall und manchmal auch Übelkeit kommen. Carnitin erhalten Sie in Apotheken; der Monatsbedarf kostet rund 20€.
  • Ginkgo-Extrakt: Sie erhalten viele Ginkgo-Präparate in der Apotheke. Aber achten Sie auf jeden Fall auf die Dosierung. Weisen Sie Ihren Apotheker darauf hin, dass Sie ein Präparat brauchen, bei dem die tägliche Dosis bei 120 mg liegt. Deshalb sollten Sie auch auf Mittel aus Supermarkt und Drogerie verzichten. Entweder, sie sind deutlich geringer dosiert – oder Sie finden erst gar keine Angabe der enthaltenen Dosis. Der Monatsbedarf an Ginkgo kostet rund 20€.
  • Niacin: Die Tagesdosis beträgt 1,5 Gramm, die Sie allerdings nicht auf einmal einnehmen sollten. Verteilen Sie sie auf drei Portionen, und nehmen Sie sie dann, wenn möglich, zu Ihren Mahlzeiten ein. So können Sie die Nebenwirkungen des Niacin, zum Beispiel Hautrötung oder Juckreiz, deutlich verringern. Wichtig ist auch, dass Sie kurz vor den Mahlzeiten keine warmen Getränke und keinen Alkohol mehr zu sich nehmen.
  • Omega-3-Fettsäuren: Am bes­ten greifen Sie hierbei zu Fischölkapseln. Achten Sie ­darauf, dass die Tagesdosis mindes­tens 2 Gramm beträgt. Ent­sprechende Kapseln bekommen Sie in jeder Drogerie oder im Supermarkt: Sie müssen keine hochpreisigen Apotheken-Präparate anwenden. Die monatlichen Kosten für die Fischöl­kapseln liegen bei rund 10€.

Achtung: Carnitin und Niacin sollten Sie nur unter ärztlicher bzw. therapeutischer Aufsicht anwenden.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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