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Herzinfarkt: Körpereigenes Eiweiß schwächt das Herz

Ein körpereigenes Eiweiß schädigt bei chronischer Herzschwäche, beispielsweise nach einem Herzinfarkt, das angegriffene Herz zusätzlich. Es verringert die Fähigkeit der Herzmuskelzellen, sich zusammenzuziehen. Das Herz verliert so an Pumpkraft.

Menschliches Herz in Brustkorb - Grafik© Sebastian Kaulitzki - Fotolia

Besseres Verständnis der organischen Reaktionen

Die molekularen Zusammenhänge haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg um Dr. Philip Raake erforscht. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Circulation“. Das schwächende Protein GRK2 (G-Protein gekoppelten Rezeptorkinase 2) kommt im Herzen von Patienten mit Herzinsuffizienz in mehr als doppelt so hoher Konzentration wie bei Gesunden vor. Es gilt als ein vielversprechender Angriffspunkt für neue Therapien.

Der Anteil an dem durch den Herzinfarkt zerstörten Gewebe erklärt nicht den zunehmenden Funktionsverlust des Herzens. „Das Herz kompensiert den Schaden durch Mehrarbeit. Dabei werden molekulare Kettenreaktionen angestoßen. Diese schädigen auf Dauer die verbliebenen gesunden Herzzellen.“ Das erklärte Raake in einer Mitteilung der Universität Heidelberg. „Wenn wir diese Mechanismen besser verstehen, können wir sie gezielt unterbrechen. So besteht die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit des Herzens zu erhalten.“

Ein Eiweiß, das schützt und schadet

Eine Schlüsselrolle bei einer solchen Kettenreaktion spielt das Protein GRK2. „Wahrscheinlich erfüllt GRK2 im gesunden Herzen eine Schutzfunktion. Es macht Herzzellen unempfindlich gegenüber Stresshormonen. Des Weiteren verhindert es, dass Blutdruck und Herzfrequenz in Stresssituationen dauerhaft erhöht bleiben“, so Raake. Ein geschädigtes Herz bedeutet für den Körper Stress, allerdings ohne zeitliche Begrenzung. Der GRK2-Spiegel im Herzen bleibt dauerhaft erhöht.

Im Dauereinsatz bringt das Protein keinen Nutzen. 2008 zeigte Raake mit seinem Team, dass es Mäusen, die kein GRK2 bilden können, nach einem Herzinfarkt besser geht als solchen mit diesem Eiweiß. Ihr Herz blieb leistungsfähiger und ihre Überlebenschance war signifikant verbessert. Die Ergebnisse belegten, dass GRK2 zum chronischen Verlauf der Herzinsuffizienz beiträgt.

Keine Anspannung, keine Entspannung

Eine Erklärung für die schädliche Wirkung fanden die Heidelberger Wissenschaftler nun in der aktuellen Forschungsarbeit. GRK2 verringert die Fähigkeit der Herzmuskelzellen, sich zusammenzuziehen. Muskelzellen benötigen für die Kontraktion Kalzium, das sie in einem speziellen Speichersystem in ihrem Innern bereit halten. Kommt das Signal zur Kontraktion, wird Kalzium in die Zelle ausgeschüttet und sie verkürzt sich. Anschließend wird das Kalzium wieder in den Speicher zurück transportiert, woraufhin sich die Zelle entspannt. GRK2 hemmt beide Vorgänge.

Das Herz verliert zunehmend seine Pumpkraft. „In Herzen von Mäusen ohne GRK2 ist der Kalzium-Austausch nach einem Herzinfarkt nicht beeinträchtigt“, erklärt Raake. Beta-Blocker senken den GRK2-Spiegel nur leicht. Hauptsächlich wirken sie auf andere Faktoren ein. „Mit einem gezielten Behandlungsansatz gegen GRK2 ließe sich die Therapie der Herzinsuffizienz ergänzen und verbessern.“ Dessen ist sich der Kardiologe sicher.

Ein starkes Herz mit Armen© fabioberti.it - Fotolia

Hoffnung: Ein spezieller Eiweiß-Blocker

Mit seinem Team testete er erfolgreich eine Gentherapie bei Schweinen nach Herzinfarkt. Mit Hilfe künstlich erzeugter Viren brachten die Wissenschaftler die genetische Information für ein Eiweiß in die Herzzellen ein, das GRK2 blockiert. Durch diese eingeschleuste Erbinformation konnten die Herzzellen den GRK2-Blocker selbst herstellen.

Die Herzleistung der Tiere verbesserte sich im Versuchszeitraum von sechs Wochen um rund 25 Prozent. Das ist vergleichbar mit dem Erfolg einer Beta-Blocker-Behandlung. „Wir versuchen, einen GRK2-Blocker zu entwickeln, der spezifisch den Einfluss von GRK2 auf den Kalziumtransport hemmt. Wenn das gelingt, könnten sich die Behandlungsergebnisse verbessern“, blickt Raake in die Zukunft. Als nächstes will er prüfen, ob die Kombination von Beta-Blockern und Gentherapie die Wirkung beider Ansätze verstärkt. Vorangegangene Studien mit Kleintieren sprechen für einen solchen synergistischen Effekt.

Viele Herzinfarkte bleiben unerkannt

Ein Herzinfarkt entsteht dadurch, dass ein Blutgefäß verschlossen wird, von dem Ihr Herzmuskel versorgt wird. Durch diesen Verschluss stirbt das entsprechende Herzmuskelgewebe ab, wenn die Durchblutung nicht schnellstens wieder hergestellt werden kann. Betroffen von einem Infarkt sind laut Robert-Koch-Institut pro Jahr in Deutschland rund 280.000 Menschen. Viele davon wissen aber nichts von ihrem Infarkt. Das fanden Wissenschaftler des National Institute of Health Clinical Center (USA) heraus, die rund 1.800 Menschen im Durchschnittsalter von 68 Jahren untersuchten. Alle nahmen an einer Magnetresonanztomografie-Untersuchung teil. Zudem erhielten sie ein Kontrastmittel, das half, abgestorbenes Gewebe im Herzen zu finden.

Es zeigte sich, dass die Wissenschaftler solches Gewebe bei fast acht Prozent der Teilnehmer fanden. Aber nur beijedem Fünften dieser Patienten war bekannt gewesen, dass er einen Herzinfarkt erlitten hatte. Grundsätzlich trifft ein solcher stummer Infarkt Männer sechsmal häufiger als Frauen. Zudem erhöhen Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck das Risiko für einen solchen Infarkt.

Die Top 5 der Herzschutzmittel

Herzschutz baut auf drei Säulen auf: Bewegung, Ernährung und mentale Stärke. Wissen Sie, wer in puncto Herzernährung Ihr Vorbild sein sollte? Die Menschen, die viel leisten müssen und deren Herz immer wieder trainiert wird. Das trifft natürlich in erster Linie auf Sportler zu, genauer gesagt auf Leistungssportler. Aus der Ernährung dieser Topsportler leitet sich die folgende Liste der Herzschutzlebensmittel ab.

Ein Herz aus Gemüse© Gina Sanders - Fotolia

1. Platz: Blaubeeren

Beeren gelten nicht umsonst als „natürliche Herzpillen”. Wenn Sie täglich davon naschen, können sie Ihnen sogar den Gang zum Arzt ersparen. Warum? Weil gerade Blaubeeren voller wichtiger Inhaltsstoffe stecken. Antioxidantien, Flavonoide, Anthozyane – all diese Stoffe fangen freie Radikale im Blut ab. Sie sind in der Lage, das schlechte LDL-Cholesterin am Oxidieren zu hindern.

So vermeiden Sie allein durch Blaubeeren eine Verkalkung Ihrer Arterien, hohen Blutdruck, aber auch Blutgerinnsel und Herzinfarkte. Der Vorteil: Sie können die Blaubeeren auch weiterverarbeiten, zum Beispiel zu Marmelade oder Grütze. Kochen verringert zwar den Vitamingehalt. Aber die Antioxidantien, auf die es bei diesen Früchten ankommt, werden durch die Hitze nicht vernichtet.

2. Platz: Grünes Blattgemüse

Gerade Salat, Spinat, Grünkohl, grüne Paprika und all die anderen grünen Gemüsesorten enthalten viel Luthein und Zeaxanthin. Beides sind Carotinoide, also sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidantisch wirken.

Zudem ist in allen grünen Sorten Folsäure reichlich enthalten. Folsäure hat sich als aktives Herzschutzvitamin erwiesen, denn zusammen mit anderen B-Vitaminen ebenfalls aus Gemüse und Obst ist es in der Lage, Ihren Homocysteinspiegel zu senken. Ein hoher Homocysteinspiegel dagegen begünstigt das Zerstören der Gefäßwände, ein Zusammenklumpen der Blutplättchen und ist damit ein hohes Risiko für Ihr Herz.

3. Platz: Nüsse

15 Gramm Nüsse (ca. zwei Hände voll) pro Tag sollten Sie essen, vielleicht abends als Chipsersatz oder morgens im Müsli. Zwar haben Nüsse einen hohen Fettgehalt, aber es handelt sich dabei um mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese stabilisieren Ihre Zellmembranen und können darüber hinaus das LDL-Cholesterin um bis zu 10 Prozent senken. Auch Triglyceride sinken um rund 7 Prozent, wenn Sie Nüsse knabbern.

Darüber hinaus versorgen Nüsse Sie mit dem Herzschutzmineral Magnesium und mit der Aminosäure Arginin. Diese hält Ihre Blutgefäße elastisch und sorgt dafür, dass Ihre Blutplättchen nicht verklumpen.

4. Platz: Seefisch

Egal ob Wildlachs, Hering oder Sardine, all diese Sorten enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren. Sie regulieren die Blutgerinnung und verhindern so ein Zusammenkleben Ihres Blutes. Zudem senken Sie sowohl den Blutdruck als auch die Blutfettwerte und regulieren das Lipoprotein (a). Zwar gibt es Omega-3-Fettsäuren heute auch als Kapsel. Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Wirkstoffe isoliert niemals so gute Erfolge haben wie in ihrer natürlichen Zusammensetzung.

5. Platz: Avocados

Sie wirken sich positiv auf den Insulinhaushalt aus und beugen so Diabetes und damit auch Herzerkrankungen vor. Avocados sind sehr fetthaltig. Aber einmal in der Woche darf die Butterfrucht auf Ihrem Speiseplan stehen, denn dieses Gemüse enthält viele essentielle Fettsäuren. Sie können Ihr LDL-Cholesterin senken, Ihre Triglyceride verringern und Ihre Zellmembranen schützen. Zudem versorgt Sie die Avocado mit den Herzvitalstoffen Kalium und Vitamin E.

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