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Herzrhythmusstörungen: Wie eine kleine Operation hilft, wenn Ihr Herz zu viel Tempo vorlegt

Ein gesundes menschliches Herz schlägt etwa 70-mal pro Minute. Doch dieser gleichmäßige Rhythmus kann durch sehr unterschiedliche Ursachen aus dem Tritt geraten.

Insgesamt gibt es etwa 30 verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen. Das Behandlungsspektrum reicht von Vitalstoffen und Medikamenten, die den Rhythmus wieder in Takt bringen, bis hin zum Einsatz eines Herzschrittmachers.

Doch in den letzten 10 Jahren haben Herzspezialisten eine Methode stetig verfeinert, die jetzt bei immer mehr Formen der Herzrhythmusstörungen angewandt werden kann: die so genannte Katheterablation.

Dabei wird überaktives Herzgewebe mit einer Elektrode abgetragen. Wie hoch sind hierbei die Erfolgsaussichten und mit welchen Risiken müssen Sie rechnen?

Herzrhythmusstörungen: Manchmal reichen Magnesium und Kalium aus

Glücklicherweise sind viele Formen der Herzrhythmusstörungen wie einfaches Herzstolpern (Extrasystolen) oder ein zu langsamer Puls (Bradykardie) relativ unkompliziert zu behandeln.

Manchmal reicht schon die Gabe von Magnesium und Kalium, um die „Elektrik“ des Herzens wieder auf Vordermann zu bringen. Schwerwiegende Fälle können dagegen dauerhaft durch eine Katheterablation geheilt werden.

Sie kommt vor allem bei Störungen, die mit einem zu schnellen Herzschlag einhergehen (Tachykardien), in Betracht. Fragen Sie am besten auch Ihren Arzt, ob das Verfahren für Sie in Frage kommt.

Die Operation erfolgt ambulant und unter örtlicher Betäubung, vor dem Eingriff wird Ihr Arzt Sie genau nach Ihrer Krankengeschichte und der Art Ihrer Beschwerden fragen.

Diese Voruntersuchungen sind notwendig:

  • Ruhe-EKG
  • Belastungs-EKG
  • Langzeit-EKG
  • Röntgenaufnahme von Herz und Lunge
  • Bestimmung der Blutwerte, Nieren-, Leber- und Schilddrüsenwerte

So läuft der eigentliche Eingriff ab

Nach einer örtlichen Betäubung schiebt der Arzt unter Röntgenkontrolle von der Leiste aus den Katheter mit der Elektrode über das Venensystem zum Herzen vor.

Vorbeugend wird ein Medikament gegeben, das Thrombosen und Embolien verhindert.

Dann stimuliert Ihr Arzt mit der Elektrode ganz gezielt die Region des Herzens, in der er den Ursprung der Störung vermutet. Wird dadurch eine Herzrhythmusstörung ausgelöst, ist die richtige Stelle gefunden.

Hier wird jetzt mit höheren Stromstärken das überaktive Gewebe verödet. Danach wird der Arzt nochmals versuchen, die Herzrhythmusstörung durch elektrische Impulse auszulösen. Gelingt das nicht mehr, war die Katheterablation erfolgreich.

Nach dem Eingriff, der in der Regel ambulant vorgenommen wird, müssen Sie noch einige Stunden Bettruhe einhalten, bevor Sie nach Hause können.

Das Verfahren ist absolut schmerzfrei, aber es besteht wie bei jedem operativen Eingriff das Risiko von Komplikationen. In schweren Fällen kann die Erregungsleitung ganz zum Erliegen kommen, und es muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Auch Einrisse des Herzmuskels oder Embolien sind möglich. Das Risiko für solche schwerwiegenden Komplikationen liegt bei etwa 2 %.

Daher sollten Sie sich mit Ihrem Arzt ausgiebig beraten, ob der Eingriff für Sie sinnvoll ist. Holen Sie auf jeden Fall eine zweite Expertenmeinung ein. Fragen Sie Ihren Arzt auch, welche Klinik in Ihrer Umgebung die meisten dieser Eingriffe durchführt.

Denn die Qualität einer Operation hängt erheblich von der Erfahrung des Chirurgen ab.

Herzrhythmusstörungen: Gehäuft zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten

Wissenschaftler der Universität München haben herausgefunden, dass Herzrhythmusstörungen gehäuft zu bestimmten Tageszeiten und in bestimmten Jahreszeiten auftreten. Sie entdeckten dies, als sie die Daten von Patienten mit implantiertem Defibrillator trugen.

15 Jahre lang lief die Studie, es zeigte sich, dass Kammerflimmern häufig Abends auftritt. Gegen 20 Uhr ereigneten sich in dieser Zeit 90 Fälle – zu den restlichen Tageszeiten waren es zwischen 11 und 50 Fällen.

Zudem ergab sich, dass es im Verlauf eines Jahres Unterschiede zwischen dem Auftreten der gefährlichen Herzrhythmusstörungen gab.

Die meisten Fälle ereigneten sich im April (165) und im September (124). In den anderen Monaten kam es zu 30 bis 85 Fällen.

Eine genaue Begründung hierfür gibt es noch nicht – die Forscher wollen nun Folgeuntersuchungen durchführen.

Ihre Vermutung ist, dass bestimmte Hormonveränderungen eine Rolle spielen können. Genauso kann die Infekthäufigkeit eine Ursache sein – im Frühling und im Herbst ist diese deutlich höher und belastet das Herz so zusätzlich.

Frauen ignorieren Herzbeschwerden zu lange

Frauen wird nachgesagt, eher und häufiger zum Arzt zu gehen als Männer. Doch es gibt eine Ausnahme: Wenn Frau unter Herzbeschwerden leidet. Und das, obwohl diese Schmerzen Vorboten von einem Herzinfarkt sein können.

Denn Grund für die Beschwerden ist häufig eine sogenannte Angina pectoris, eine verringerte Blutung des Herzens.

Diese führt dann zu Schmerzanfällen, die in der Regel mehrere Minuten lang andauern.

Eine schnelle Behandlung wäre angezeigt – je länger Sie in so einem Fall warten, desto schwieriger wird diese. Doch Forscher der Harvard School of Public Health haben herausgefunden, dass Frauen sehr lange zögern.

Bei ihnen kommt es – genau wie bei Männern – zu verschiedenen Phasen, die sie durchmachen, bevor sie zum Arzt gehen.

  • Zunächst ordnen sie in einer Phase der Verunsicherung die Schmerzen anderen Problemen zu, tippen zum Beispiel auf Sodbrennen.
  • In Phase zwei versuchen sie die Schmerzen zu verdrängen oder zu ignorieren.
  • In der dritten Phase reden sie zum ersten Mal mit Angehörigen über ihre Schmerzen.
  • Es kommt die vierte Phase, in der ihnen die Situation gewahr wird und es zur Angst kommt.
  • In Phase fünf schließlich gehen sie zum Arzt.

Bei Frauen gibt es allerdings einen Unterschied zu Männern: Sie behalten Phase zwei deutlich länger bei und warten auf das alleinige Verschwinden der Symptome.

Sie zögern den Arztbesuch 1,5-mal so lange heraus wie Männer – bis die Symptome schwerer werden und nicht mehr zu leugnen sind.

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