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Gibt ein EKG über jedes Herzproblem Auskunft?

In meiner Sprechstunde werden mir immer wieder Fragen zu den Themen Gesundheit, Sport und Ernährung ­gestellt, die auch für Sie wichtig sein könnten. Einige interessante Themen habe ich hier für Sie zusammengestellt.

Herzlinie-EKG© koszivu - Fotolia

Frage: Reicht es aus, ein EKG zu machen, um zu erfahren, wie gesund mein Herz ist?

Dr. Spitzbart antwortet: Wenn Ihr Arzt ein normales EKG, also ein Elektrokardiogramm, schreibt, dann erfahren Sie wenig über Ihre Herzgesundheit.

Beim Ruhe-EKG lässt sich zwar ein Infarkt erkennen. Aber die wenigsten Ärzte können unterscheiden, ob Ihr Herz etwas unregelmäßiger schlägt, weil Sie aufgeregt sind, oder ob Herzrhythmusstörungen vorliegen.

Solche Beschwerden zeigt ein Belas­tungs-EKG auf dem Laufband an. Vorhofflimmern wird in den meis­ten Fällen in einem Langzeit-EKG aufgedeckt.

Diese Art der Herzrhyth­musstörung galt lange Zeit als ungefährlich. Heute wissen wir, dass sie zu Schlaganfällen führen kann.

Angeborene Herzprobleme und Herzklappenfehler sind in einem EKG fast gar nicht zu entdecken. Um sie zu erkennen, sollten neben dem EKG auch eine Ultraschall- und eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Tonometer-Test: Wie gesund ist Ihr Herz?

Ein Test zur Bestimmung der Verhärtung von Arterien trägt dazu bei, das Risiko für Herzkrankheiten vorherzusagen. So lautet das Ergebnis einer Studie der Mayo Clinic, die vor kurzem in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Hypertension erschien.

Diese Studie fand heraus, dass Menschen mit verhärteten Arterien über weiter verbreitete und größere Mengen an Kalzium in ihren Koronararterien verfügen.

Dies ist als Risikofaktor für Herzinfarkt bekannt, da es verbunden ist mit fetthaltigen Ablagerungen. Diese Plaques führen zu einer Verdickung und Verhärtung der Arterien.

Dieser als Arteriosklerose bezeichnete Vorgang gilt als wichtigste und häufigste krankhafte Veränderung der Arterien und hängt darüber hinaus vom Alter ab.

Die Wissenschaftler der Mayo Clinic hoffen, den neuen Test zukünftig als Untersuchungsmethode einzusetzen.

Damit kann man einfacher einschätzen, wie hoch das persönliche Risiko eines Menschen für Herzkrankheiten ist, bei denen keine Symptome vorliegen. Etwa die Hälfte der Herzinfarkte treten ohne vorherige Warnzeichen auf.

Wie funktioniert der Tonometer-Test?

Der Test besteht aus einem bleistiftartigen Gerät, das man als arterielles Tonometer bezeichnet. Bei der Untersuchung liegt die Person.

Der Arzt platziert das Tonometer auf der Haut über der Halsschlagader (Arteria Carotis) und dann über der Oberschenkelschlagader (Arteria femoralis).

Das Tonometer misst die Geschwindigkeit und die Form der Pulswelle und überträgt die Daten an einen Computer. Eine langsame Pulswelle bedeutet, dass die Arterien elastischer und gesünder sind. Eine schnellere Pulswelle weist dagegen auf verhärtete und kranke Arterien hin.

Mit anderen Worten: Je schneller die Pulswelle, desto eher sollten Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um Ihr Risiko für einen Herzinfarkt zu reduzieren.

Die Vorteile des Tonometer-Tests bestehen darin, dass diese Untersuchung nicht-invasiv, schmerzfrei und schnell durchzuführen ist. Sie dauert 10 bis 15 Minuten.

Darüber hinaus verursacht sie im Vergleich zu anderen Herz-Untersuchungen (z. B. radiologischem Kalzium) weniger Kosten.

Selbsttest

Hatten Sie in den letzten zwei Jahren Blutdruckwerte über 140/85 mmHG?ja (2)nein (0)
Ist Ihr LDL höher als 180 mg/dl oder Ihr HDL kleiner als 30 mg/dl? ……ja (2)nein (0)
Liegt Ihr Harnsäurespiegel über 5,9 mg/dl? ………………………………….ja (2)nein (0)
Rauchen Sie?
Weniger als 30 Zigaretten pro Tag ……………………………………………..(1)
Mehr als 30 Zigaretten pro Tag ………………………………………………….(2)
Gar nicht ……………………………………………………………………………..(0)
Errechnen Sie Ihren Body-Mass-Index
Bei einer Größe von 1,80 Meter und einem Gewicht von 81 Kilogramm ergibt sich beispielsweise ein BMI von 25.
Liegt Ihr Body-Mass-Index unter 25? ……………………………………………..(0)
Über 25, unter 30? …………………………………………………………………..(1)
Über 30? ……………………………………………………………………………….(2)
Wie hoch ist Ihr Ruhepuls?
Bis 90 Schläge pro Minute …………………………………………………………..(1)
Über 90 Schläge pro Minute …………………………………………………………(2)
Arbeiten Sie im Sitzen und machen wenig oder keinen Sport? ………………ja (2)nein (0)
Sind Ihre Blutzuckerwerte erhöht (nüchtern höher als 100 mg/dl)? …………ja (1)nein (0)
Essen Sie wenig Obst und Gemüse, trinken Sie selten Tee? ………………….ja (2)nein (0)
Arbeiten Sie häufig unter Zeitdruck? ………………………………………………ja (1)nein (0)
Hatten Verwandte von Ihnen bereits vor dem Alter von 65 Jahren einen
Herzinfarkt oder Schlaganfall? ………………………………………………………ja (1)nein (0)
Essen Sie mindestens zweimal pro Woche Seefisch? …………………………..ja (0)nein (2)

Auswertung

Bitte zählen Sie Ihre Punkte (in Klammern angegeben) zusammen.

  • Mehr als 7 Punkte: Vorsicht! Sie belasten Ihr Herz zu stark. Als Übergewichtiger nehmen Sie dringend ab. Hören Sie auf zu rauchen und bewegen Sie sich ausreichend. Generell sollten Sie Ihr Herz beim Arzt durchchecken lassen.
  • 3 bis 6 Punkte: Ihr Herz-Kreislauf-Risiko ist leicht erhöht. Achten Sie auf jeden Fall auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung.
  • 0 bis 2 Punkte: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben ein starkes Herz, das Sie wirklich in Form halten. Machen Sie weiter so!

Herztodraten im deutschen Vergleich

Zwischen 100.000 und 200.000 Menschen sterben jedes Jahr allein in Deutschland am plötzlichen Herztod. Dabei könnten viele von diesen noch weiter leben, wenn sie etwas auf ihren Körper achten würden.

In den neuen Bundesländern sterben mehr Menschen an Herzkrankheiten als im Bundesdurchschnitt. Ein weiterer Trend ist die Zunahme von Patienten mit Herzklappen-Erkrankungen.

Gemessen am Bundesdurchschnitt wiesen 2009 Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg die niedrigsten Herztodraten auf. Thüringen, Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt dagegen zeigten die höchsten Werte.

Während in Hamburg 13,8 Prozent Sterbefälle weniger als im Bundesdurchschnitt auftauchten, lag der Wert für Sachsen-Anhalt 23,9 Prozent höher.

Auch in einigen Regionen westdeutscher Bundesländer starben überproportional viele Menschen an Herzerkrankungen.

Verschiedene Lebensweisen

Als Gründe für die zum Teil stark voneinander abweichenden Sterberaten gelten unter anderem die unterschiedliche Lebensweise sowie die soziale Situation.

Außerdem spielen strukturelle Faktoren wie die Nähe zu herzchirurgischen und kardiologischen Zentren oder die Fahrzeiten von Rettungsdiensten eine Rolle.

„Doch es gibt auch in Regionen mit geringer Arbeitslosigkeit und nahen herzmedizinischen Zentren teilweise überdurchschnittliche Sterbeziffern. Letztlich können wir über mögliche Ursachen nur spekulieren.“

Dies behauptet Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.

Auch Professor Felix Berger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie, stimmt dem zu.

Mehr als 7.300 Herzoperationen bei Kindern und Jugendlichen fanden im Jahr 2009 mit einer Letalität von nur zwei Prozent statt. Laut Berger erreichen von allen Patienten, bei denen die Mediziner Operationen im Säuglingsalter vorgenommen haben, etwa 90 Prozent das Erwachsenenalter.

Kritisch sieht er die Zukunft der Kinder-Herzzentren, die nur eine sehr geringe Zahl von Operationen vornehmen.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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