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Gichterkrankungen rechtzeitig erkennen und die Symptome bekämpfen

Schätzungen zufolge leiden etwa 10 % aller Bundesbürger an einem erhöhten Harnsäurespiegel, dem Auslöser für Gicht.

Harnsäure ist ein Abbauprodukt und wird vorrangig über die Nieren ausgeschieden, aber auch über den Schweiß, den Darm und den Speichel.

Daher ist die Substanz nicht nur im Urin, sondern auch im Blut nachweisbar.

Die hinnehmbaren Werte bewegen sich innerhalb eines Bereichs, der durch Alter und Geschlecht bestimmt ist. Jüngere Personen haben bei gesunder Ernährung einen niedrigeren Harnsäurespiegel als ältere bei gleicher Ernährung.

Die Harnsäurewerte sollten sich in folgendem Rahmen bewegen:

  • Männer mindestens 3,6 mg/dl (oder 214 µmol/l)
  • Männer höchstens 8,2 mg/dl (oder 488 µmol/l)
  • Frauen mindestens 2,3 mg/dl (oder137 µmol/l)
  • Frauen höchstens 6,1 mg/dl (oder 363 µmol/l)

Männer sind mit 90 % der Betroffenen bei weitem am häufigsten von Hyperurikämie, dem erhöhten Harnsäurespiegel, betroffen. Wenn Frauen an Gicht erkranken, geschieht dies meist in der zweiten Lebenshälfte. Doch auch junge Menschen kann die Erkrankung treffen.

Betroffene sind fast immer übergewichtig und genetisch prädisponiert, was bedeutet, dass die Krankheit in der Familie bereits aufgetreten ist.

Für diese Personengruppen ist es daher besonders entscheidend, sich intensiv mit den Ursachen zu befassen.

Wer die Auslöser der Gichtanfälle und deren Symptome kennt, kann Verschlechterungen aufhalten und Folgeschäden verhindern.

Aus diesem Grund fragen Hausärzte grundsätzlich nach familiär gehäuften Erkrankungen, bevor sie eine Diagnose fällen.

Was ist Gicht?

Harnsäure entsteht ganz natürlich im menschlichen Organismus, wenn Purine abgebaut werden. Purine sind Eiweißverbindungen, die für den Aufbau neuer Zellen zuständig sind. Sie kommen vor allem in tierischen Lebensmitteln vor. Bei deren Verarbeitung produziert der Körper Harnsäure.

Wenn die Zellen damit überlastet sind, können die Nieren diese nicht in ausreichendem Maß ausscheiden.

Diese Überlastung kann zu Störungen des Stoffwechsels mit der Folge einer Gichterkrankung führen. Es entstehen Ablagerungen in den Gelenken und der Harnsäurespiegel des Blutes ist dauerhaft erhöht.

Bei der Gicht handelt es sich also um eine Stoffwechselerkrankung, da die Stoffumwandlung, die für einen gesunden Organismus entscheidend ist, nicht richtig funktioniert.

Das Krankheitsbild verläuft in vier Stadien:

  • Stadium I: keine Symptome, Harnsäurewerte erhöht
  • Stadium II: akuter Gichtanfall
  • Stadium III: interkritisches Stadium zwischen zwei Anfällen
  • Stadium IV: chronische Gicht, Gelenkschäden vorhanden

Je früher die Gicht erkannt wird, umso besser für den Patienten, denn die Medizin bietet viele Möglichkeiten der Behandlung.

Der Nachweis gelingt über den Urin, der dazu über 24 Stunden gesammelt werden muss. Blutuntersuchungen und Gelenkpunktionen im fortgeschrittenen Stadium schaffen weitere Klarheit.

Das ist ausschlaggebend, denn Gicht existiert in zwei Formen. Die primäre Form wird durch den erhöhten Harnsäurespiegel ausgelöst, welcher durch hohen Fleischkonsum, Alkoholmissbrauch, Einnahme bestimmter Medikamente oder auch intensives Fasten zustande kommt.

Die sekundäre Form ist die Folge einer Grunderkrankung, in deren Verlauf sich der Harnsäurespiegel erhöht.

Zu den auslösenden Krankheiten gehören:

  • Diabetes mellitus
  • Nierenerkrankungen
  • Tumorerkrankungen

Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn der Arzt z. B. bei vorliegendem Diabetes und Übergewicht vor der Gefahr einer Gichterkrankung warnt.

Die wichtigsten Symptome der Gicht

Obwohl sich die Gicht schleichend entwickelt, treten die Symptome schlagartig und oft unerwartet auf.

Deutliche Hinweise auf einen Gichtanfall sind:

  • Schmerz in einem Gelenk,
  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Gichtknoten (sichtbare, rundliche Harnsäureablagerungen unter der Haut),
  • Fieber.

Starke Schmerzen im Gelenk sind typisch bei Gicht

In etwa 60 % der Fälle betrifft der erste Gichtanfall ein Zehengrundgelenk. Auch die Hände können betroffen sein. Die ersten Anzeichen der Krankheit innerhalb einer Familie ähneln sich meistens sehr.

Daher kommt es immer wieder zu Fehldiagnosen, wenn die Anfänge der Krankheit sich bei einem Patienten anders äußern als bei ebenfalls erkrankten Mitgliedern seiner Familie.

Die Symptome der Erkrankung werden in Bezug auf die Diagnose besonders eindeutig, wenn das empfindliche Kniegelenk betroffen ist. Die überschüssige Harnsäure setzt sich meistens zuerst hier und im Großzehengelenk ab und macht sich mit Verdickungen und druckartigen Schmerzen bemerkbar.

Am Knie drohen aber auch Fehldiagnosen, etwa nach ungewohnter oder vermeintlich zu hoher Belastung.

Das geschwollene Knie nach einer Radtour zu Ostern, unterbrochen von einem ausgiebigen Mahl mit viel Fleisch oder Eiern, wird im Anschluss möglicherweise nicht mit Gicht als eigentliche Ursache in Verbindung gebracht.

Fühlt sich der Teilnehmer des Ausflugs dann noch müde und schlapp, entsteht die Assoziation zu einem Gichtanfall ebenfalls nicht zwingend.

Es ist daher nötig, bei Schmerzen in den Gelenken und entsprechender Veranlagung grundsätzlich die Möglichkeit eines Gichtanfalls zu bedenken.

Der Schmerz kann so stark sein, dass es nicht mehr möglich ist, das Gelenk zu berühren, geschweige denn, einen Schuh oder eine Hose anzuziehen. Die Schmerzen werden durch Harnsäurekristalle ausgelöst, die sich in den Gelenken ablagern und dort entzündliche Prozesse auslösen.

Symptome verlaufen anfallartig

Die Symptome klingen für gewöhnlich nach wenigen Tagen wieder ab, um dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufzutreten.

Je früher die Gicht behandelt wird, desto schneller klingt der Anfall ab und desto langsamer ist der chronische Verlauf.

Patienten, die eine Behandlung ablehnen, riskieren die Beweglichkeit ihrer Gelenke. Die geeignete Therapie stellt der Hausarzt zusammen.

Dazu gehört, dass Patienten sich nicht nur mit der Behandlung, sondern auch mit allen auslösenden Faktoren befassen. Nur so können sie wirksam Einfluss auf den Verlauf nehmen und ein Leben ohne ernsthafte Einschränkungen führen.

Denn Patienten mit Gicht sind anfällig für weitere Krankheiten. Dazu gehören Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch Nierensteine, die durch die Ablagerung der Harnsäurekristalle entstehen.

Röntgendiagnose bestätigt den Verdacht

Ist die Gicht bereits ausgeprägt, sind die Folgen auf dem Röntgenbild sichtbar. In diesem Fall ist bereits eine löchrige Knochenstruktur zu erkennen. Dieser Schaden kann nicht behoben werden.

Daher beinhaltet die Behandlung eine umfangreiche Therapie mit individuelle verordneten Medikamenten, die die Symptome lindern sollen.

Patienten mit Verdacht auf Gicht sollten keinesfalls Arzneimittel von Angehörigen einfach übernehmen, wie es in Familien gelegentlich praktiziert wird. Die Folgen können für den Betroffenen lebensbedrohlich sein.

Auch im Rahmen der Gicht gibt es Unverträglichkeiten, die berücksichtigt werden müssen. Diagnose und Therapie gehören daher in fachkundige Hände.

Frühes Vorbeugen ist sinnvoll

Ob bereits die ersten Symptome für Gicht nachweisbar sind oder nur die Gefahr einer Erkrankung besteht, die Vorbeugung ist eine Vernunftentscheidung.

Zu den Risikofaktoren

  • Übergewicht,
  • Gicht in der Familie,
  • fleischreiche Nahrung

kommt häufig ein allgemein ungesunder Lebensstil. Es ist also wichtig, die Ernährung kritisch zu überdenken und ggf. umzustellen, selbst wenn nur ein einziges Familienmitglied an Gicht erkrankt.

Ein Plan kann helfen, die Lebensweise zu prüfen und die nächste Generation vor Gicht zu bewahren oder das Auftreten der Symptome und daraus resultierender Schäden für die Gelenke zu verzögern.

Zu den wichtigsten Informationen gehört, dass Gicht nicht jeden trifft, aber das Risiko bei familiärer Häufung hoch ist, auch dann, wenn die Beteiligten sich eigentlich gesund ernähren.

Die nächste Generation vor Gicht schützen

Zu den wichtigsten Fragen gehören:

  • Sind die Familienmitglieder übergewichtig?
  • Wird öfter als drei Mal wöchentlich Fleisch konsumiert?
  • Ist der Gemüseanteil der Speisen mindestens zwei Drittel?
  • Werden mehr als drei Eier pro Woche gegessen?
  • Wird regelmäßig Alkohol konsumiert?
  • Ist der Harnsäurespiegel bekannt?
  • Liegen in der Verwandtschaft andere Stoffwechselstörungen vor?

Selbst wenn nur eine einzige dieser Fragen mit Ja beantwortet wird, lohnt es sich, über eine Veränderung nachzudenken, noch bevor die Symptome der Gicht auftreten. Gicht ist nicht heilbar. Sie kann chronische Schmerzen und schwere Schäden an den Gelenken auslösen.

Schlimmstenfalls wird der Betroffene zum Pflegefall. Dieses Risiko gilt es schnellstmöglich zu minimieren.

Essen gegen die Symptome bei Gicht?

Wer an Gichtanfällen leidet oder aufgrund der vorliegenden Gefährdungen erkranken könnte, muss nicht hungern. Im Gegenteil: Fasten wäre sogar schädlich. Auch der absolute Verzicht auf Fleisch ist nicht nötig.

Erlaubt sind unter anderem:

  • höchstens 100 g magere Wurst/Fleisch täglich,
  • Geflügelfleisch ohne Haut,
  • Gemüse (v. a. Gurken, Paprika, Zucchini),
  • frisches Obst,
  • Pilze,
  • fettarme Milchprodukte.

Kirschen gehören zu den gesunden Lebensmitteln, die sogar in der Lage sind, die Symptome bei Gicht zu reduzieren. So das Ergebnis einer Forschungsarbeit, in deren Rahmen 630 Patienten mit Gicht untersucht wurden.

Die Ergebnisse zeigten, dass es unerheblich ist, ob der Patient die ganzen Früchte, Kirschsaft oder Extrakte aus Kirschen zu sich nimmt. Die Menge von 36 Kirschen täglich sollte allerdings nicht überschritten werden.

Die Forscher erklären, dass die Gefahr für einen Gichtanfall durch regelmäßigen Kirschenkonsum um 35 % sinkt.

Eine einseitige Ernährung ist in jedem Fall zu vermeiden. Patienten mit Gicht sollten sich stets vor Augen führen, dass bei ihnen bereits eine Stoffwechselerkrankung vorliegt.

Auch deshalb ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig, um die Symptome wie chronische Schmerzen zu lindern.

Die Langzeitfolgen sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Selbst wenn die Schmerzen nach einem akuten Gichtanfall nachlassen, entsteht auf Dauer dennoch Schaden an mehr als einem Gelenk.

Was gilt es bei Gicht zu meiden

Viele Nahrungsmittel können die Symptome von Gicht verstärken oder einen Gichtanfall auslösen. Es ist daher wichtig, ab der Diagnose die auslösenden oder verstärkenden Faktoren zu meiden, da sonst die Therapie gefährdet ist.

Zu den wichtigsten Informationen für Betroffene gehört das Wissen, welche Nahrungsmittel die typischen Beschwerden der Krankheit verschlimmern:

  • Alkohol (vor allem Bier),
  • Innereien,
  • fetter Fisch,
  • Meeresfrüchte,
  • Hülsenfrüchte im Übermaß,
  • Geflügelhaut,
  • Spargel, Rhabarber, Spinat,
  • Hefe und Produkte aus Hefe,
  • Ölige Speisen,
  • getrocknetes Obst.

Tipps aus der Naturheilkunde

Ob vorbeugend oder bei bereits vorliegenden Symptomen der Gicht, Tees können helfen. Dazu gehören:

  • Tee aus Birkenblättern,
  • Tee aus getr. Bohnenschalen,
  • Tee aus Knöterich,
  • Tee aus Rosmarinnadeln,
  • Tee aus Brennnesseln.

Auch Tee aus Wacholderbeeren gilt als hilfreich gegen die Gichterkrankung. Allerdings ist er für Schwangere oder bei vorliegenden Nierenerkrankungen ungeeignet.

Die aufgelisteten Tees haben eine pharmakologische Wirkung.

Das bedeutet, dass sie nicht bloß ein Getränk sind, sondern ein sanftes Heilmittel. Empfehlenswert ist die langfristige Anwendung, z. B. über eine Dauer von vier Wochen.

Hausmittel lindern Beschwerden

Ein sinnvolles Hilfsmittel ist auch die Salzsocke. Dazu werden 35 g Kochsalz in einem Liter Wasser aufgelöst.

Die Socke wird in das Salzwasser getaucht, ausgewrungen und über den schmerzenden Bereich gezogen. Eine Stunde soll das Salzwasser seine lindernde Wirkung entfalten.

Die Behandlung kann dreimal täglich wiederholt werden. Auch das Einreiben mit Holunderessig ist eine hilfreiche Behandlung ohne Nebenwirkungen.

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