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ASS kann Gichtanfälle fördern

Patienten mit hohen Harnsäurewerten erhöhen ihr Risiko, einen Gichtanfall zu erleiden, wenn Sie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen.

Das ist das erstaunliche Ergebnis einer Studie der Boston University School of Medicine, die soeben veröffentlicht wurde.

Für diese Studie mußten über 700 Gichtpatienten ein Jahr lang in regelmäßigen Abständen Fragebögen ausfüllen, in denen Sie angaben, ob und wieviel ASS sie eingenommen hatten und wann sie einen Gichtanfall hatten.

Es zeigte sich, dass 43,5 % der Studienteilnehmer mehr oder weniger regelmäßig zu ASS griffen, in 98,5 % lag die Tagesdosis dabei unter 1000 mg. Im Beobachtungszeitraum ereigneten sich über 1000 Gichtattacken.

Gefahr für Gichtanfälle steigt durch Einnahme von Acetylsalicylsäure stark

Bei der Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass die Gefahr für Gichtanfälle durch die Einnahme von ASS extrem stieg. Dabei war das Risiko umso höher, je niedriger die Dosierung war.

Patienten, die an zwei aufeinander folgenden Tagen jeweils 100 mg ASS geschluckt hatten, erhöhten das Gichtanfall-Risiko dadurch um 94 %.

Dieses Ergebnis erstaunte die Wissenschaftler nicht, denn es ist bekannt, dass ASS den Abtransport der Harnsäure über die Nieren über ein Transportprotein (Urat1) unterschiedlich beeinflusst.

In geringen Dosen führt ASS dazu, dass die Harnsäure zurückgehalten und nicht ausgeschieden wird. Hohe Dosen über 3 g führen dagegen zu einer vermehrten Harnsäureausschwemmung.

Falls Sie zu erhöhten Harnsäurewerten neigen und zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall niedrig dosiertes ASS einnehmen, sollten Sie daher unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie zusätzlich ein harnsäuresenkendes Medikament einnehmen müssen.

Gicht: Ändern Sie Ihren Lebensstil

Kaum eine Krankheit ist enger mit dem Wohlstand verbunden als die Gicht. Bereits im Altertum und im Mittelalter war das schmerzhafte Leiden nach ausgiebigen Ess- und Trinkgelagen gefürchtet.

Der erste Gichtanfall tritt bei Männern meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Frauen sind oft nach den Wechseljahren betroffen, also erst im Alter von etwa 50 Jahren.

Die Gicht (Arthritis urica) zählt zu den entzündlichen Gelenkerkrankungen. Sie ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration (Hyperurikämie) im Blut ausgelöst wird.

Entweder bildet Ihr Körper vermehrt Harnsäure oder er scheidet über die Nieren zu wenig aus.

Warum Ihre Gene eine Rolle spielen

Ursache Nummer 1 ist eine erbliche Stoffwechselstörung (primäre Gicht). Etwa 98 Prozent aller Gichtpatienten leiden unter dieser Form, bei der die Nieren zu wenig Harnsäure ausscheiden. Dies tritt allerdings stark abhängig von der Lebens- und Ernährungsweise auf.

Deutlich seltener können andere Krankheiten oder Medikamente eine Gicht auslösen (sekundäre Gicht). Sie ist dann beispielsweise eine Folge von:

  • Krankheiten, welche die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren herabsetzen (Nierenleiden, Typ-II-Diabetes),
  • Medikamenteneinnahme wie Abführmittel, wassertreibende Tabletten (Diuretika) und Mittel gegen Tuberkulose oder Krebs

Woher stammt die Harnsäure?

Harnsäure entsteht in Ihrem Körper durch den Abbau von Purinen, also Bestandteilen von Zellkernen (Erbmaterial/DNA). Jeden Tag baut Ihr Körper neue Zellen auf und alte Zellen ab. Dabei werden Purine freigesetzt, aus denen Ihr Körper Harnsäure bildet.

Purine nehmen Sie auch über die Nahrung auf. Sie stecken in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln, allerdings in sehr unterschiedlich hohen Mengen.

Was lösen hohe Harnsäurewerte in Ihrem Körper aus?

In Ihrem Blut können pro Deziliter maximal 6 mg Harnsäure gelöst werden. Ist die Konzentration in Ihrem Blut höher, bilden sich Harnsäurekristalle (Uratkristalle), die sich in Ihren Gelenken und inneren Organen ablagern.

Ihr Körper wehrt sich gegen diese „Fremdkörper“ und schickt die weißen Blutkörperchen zur Abwehr aus.

Die Folge sind ausgesprochen schmerzhafte Entzündungsreaktionen: Es kommt zu einem akuten Gichtanfall. Besonders häufig betroffen sind die Grundgelenke von Großzehe (Podagra) oder Daumen (Chiragra), seltener das Sprung- oder Kniegelenk.

Was hat Ihr Lebensstil damit zu tun?

Bleibt die Gicht unbehandelt, kommt es in immer kürzeren Abständen zu heftigsten Schmerzattacken und letztlich zur Gelenkverformung. Es können sich Gichtgeschwüre und chronische Nierenschäden ausbilden.

Die Medikamente, die bei der Hyperurikämie und der Gicht zum Einsatz kommen, hemmen entweder die Bildung von Harnsäure im Körper oder erhöhen die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere.

Beim akuten Gichtanfall werden zusätzlich Medikamente verschrieben, die entzündungshemmend sind.

Die zweite Säule einer erfolgreichen Behandlung der Gicht liegt in Ihrer Hand. Wenn Sie sich an die folgenden Regeln halten, können Sie nach Absprache mit Ihrem Arzt Ihre Tablettendosis senken oder sogar ganz auf Medikamente verzichten.

So bekommen Sie Ihre Harnsäurewerte in den Griff

  • Stellen Sie Ihre Ernährung auf purinarme Kost um (purinreich sind Fleisch, Fleischprodukte, Innereien, Fisch).
  • Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein, denn Alkohol hemmt die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere.
  • Verzichten Sie auf Bier, es enthält Purine.
  • Trinken Sie ausreichend (mindestens 2 Liter Wasser, Apfelsaftschorle und/oder Kräutertee).
  • Verzichten sie darauf zu fasten.
  • Halten Sie die gesunde Lebensweise auch dann ein, wenn Sie gerade keine Symptome haben.
  • Bauen Sie Übergewicht ab, dann haben Sie automatisch weniger Harnsäure im Blut.

Was ist Pseudogicht?

Unter Pseudogicht versteht man eine Gelenkerkrankung mit arthritisähnlichen, wiederkehrenden starken Schmerzen, die Tage bis Wochen dauern können.

Wie die echte Gicht wird die Pseudogicht durch Kristallablagerungen in Ihren Gelenken verursacht. Allerdings sind gewöhnlich größere Gelenke wie Knie-, Hand-und Sprunggelenke davon betroffen; außerdem handelt es sich um andere Kristalle.

Diese bestehen bei der Pseudogicht aus Kalziumpyrophosphat und nicht aus Harnsäure wie bei der echten Gicht.

Ablagerungen von Pyrophosphat in Gelenken können nach einiger Zeit zu Gelenkverschleiß führen. Wie bei der Gicht wird die Pseudogicht durch eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit diagnostiziert und bei Vorhandensein von PyrophoshatKristallen bestätigt.

Schmerzen und Entzündung werden gewöhnlich mit verschreibungspflichtigen nichtsteroidalen Antirheumatika behandelt.

Aus den betroffenen Gelenken kann auch die Ergussflüssigkeit entnommen und ein Corticosteroid intraartikulär (in das Gelenk) gespritzt werden, um die Schmerzen zu lindern. Im Allgemeinen ist zwischen den Anfällen keine Behandlung notwendig.

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Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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Alte Kommentare
  • Johann Niedermayer schrieb am 08.02.2013, 10:06 Uhr

    Es kommt also nicht von ungefähr, dass durch Medikamente verursachte Tode in der Liste der Todesursachen ganz vorne rangieren. Die Dominanz synthetischer Heilmittel in der Medizin hat nichts mit deren Überlegenheit gegenüber anderen Heilmethoden zu tun, sondern damit, dass im vorigen Jahrhundert Geldsäcke nur dann bereit waren, den medizinischen Fakultäten finanziell unter die Arme zu greifen, wenn sie bereit waren, fortan nur mehr die auf der Petrochemie beruhende Medizin zu lehren. Es wird sogar von Bücherverbrennungen berichtet. Ärzte (darunter Nobelpreisträger), die nicht bereit waren, sich dieser Mode zu unterwerfen, wurden als Quacksalber verunglimpft. Es ist davon auszugehen, dass bei solchen Hatzen auch die Medien mitgemacht haben (vermutlich wurden auch die von diesen Geldsäcken bedient, über Inserate usw.). Aber tun sie das nicht auch heute noch? Wann immer eine andere Abhilfe von sich reden macht, die nicht aus der petrochemischen Ecke kommt, dann kann man sicher sein, dass in den Medien bei der Behandlung eines solchen anderen Verfahrens ein Experte (Priester) in Erscheinung tritt, der den Wert solcher anderer Methoden durch die Aussage "die Wirksamkeit dieser Methode ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen" in Grund und Boden bewertet. Von Priestern wird nicht der Beweis verlangt, dass wahr ist, was sie von sich geben, man hat es einfach zu akzeptieren. Nicht umsonst hat vor etwa 2000 Jahren ein Sprecher gemeint, dass man gut täte, nach den Früchten solcher Sprecher zu sehen.

    • Linda K antwortete am 08.02.2013, 20:31 Uhr

      Große Vorsicht ist geboten bei Menschen mit Allergie gegen Acetylsalicylsäure !!! Ich denke die Bücherverbrennung oder Bücherverbote könnten heute, da man sich im Internet schlau machen kann, keine große Wirkung mehr haben. Einen anderen interessanten Bericht der Machenschaften der Pharmazie-lobby gegenüber aufklärenden Mediziner und Fachleuten über z. B. """ Fluor/Fluorid """ kann man in dem Buch von Dr.med. Bruker """Vorsicht Fluor """ nachlesen. Es gibt auch ein Buch über die dramatische Geschichte eines Medikaments , von Klaus Martens """Heilung unerwünscht""" Es ist die Geschichte der B12 Salbe

    • Johann Niedermayer antwortete am 11.02.2013, 13:01 Uhr

      Liebe Frau Linda! Sie haben völlig Recht, Bücherverbrennungen sind dank Internet nicht mehr so wirksam. Das Problem ist jedoch, dass die meisten Menschen im Zweifel ihrem Arzt vertrauen. Mit den Ärzten ist das leider so: Gegenüber ihren Patienten treten sie auf wie jemand, der völlige Gewissheit über das besitzen würde, was er vertritt. Aber tatsächlich ist es so, dass es sich bei der Ärzteschaft infolge des Umstandes, dass ihre Berufsberechtigungen von der Gnade der Ärzte abhängen, um eine überaus ängstliche Gruppe handelt.

  • Johann Niedermayer schrieb am 08.02.2013, 10:34 Uhr

    Hinsichtlich der tödlichen Nebenwirkungen petrochemischer Medikamente: Ich kenne einen von einem Arzt stammenden Artikel, der enthält, dass die Gegenwartsvolkskrankheit Alzheimer daher rühre, weil es Mode geworden ist, jene Nahrungsmittel zu meiden, durch welche Cholesterin in den Magen gelangt. (Im Hinblick, dass Cholesterin ein Hauptbestandteil des Gehirnes sei.) Wenn man an diese Sache nun weiterdenkt und in Rechnung stellt, dass das Cholesterin obendrein noch mit (petrochemischen) Medikamenten angegangen wird. Nun, ich will's gar nicht wissen.

  • Helmut Müller schrieb am 08.02.2013, 12:00 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren, danke für die Hinweise. Ein wichtiges Thema Gicht, Herz und Harnsäure in Verbindung miteinander zu behandeln.