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Zu viel Eisen: Subtile Anzeichen, aber einfach zu behandeln

Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schwäche und nachlassendes Interesse an Sex – hat dies nur mit Ihrem Alter zu tun, sind Sie einfach nicht in Form oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Eine enorme Anzahl an Problemen kann zu den oben aufgeführten Symptomen führen.

Eine mögliche Ursache, die übersehen werden kann, wird als Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) bezeichnet. Dies ist eine genetische Krankheit, die dazu führt, dass Ihr Körper zu viel Eisen aus der Nahrung aufnimmt und speichert.

Daraus können sich mit der Zeit schwerwiegende Gesundheitsprobleme entwickeln.

Wenn einmal der Verdacht auf eine Hämochromatose besteht, ist die Diagnose ebenso einfach wie die Behandlung. Wenn sie rechzeitig entdeckt wird – was gewöhnlich der Fall ist -, kann der Eisenspeicher in der Regel wieder mühelos auf ein normales Niveau zurückgeführt werden. Und zwar ohne anhaltende Gesundheitsprobleme.

Zu viel Eisen wird gespeichert

Die Hämochromatose ist in den USA und Nordeuropa eine der häufigsten erblich bedingten Stoffwechselerkrankungen. Die Erkrankung wird durch eine Mutation des HFE-Gens hervorgerufen. Das HFE-Gen ist eines der Gene, die die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung steuern.

Eine Hämochromatose tritt dann auf, wenn zwei Kopien eines mutierten HFE-Gens vererbt werden, jeweils eine Kopie von einem Elternteil. Wenn Sie nur eine Kopie dieses mutierten Gens tragen, werden Sie die Eisenspeicherkrankheit nicht entwickeln.

Frauen neigen in den ersten Jahrzehnten im Erwachsenenalter nach Schwangerschaft, Stillzeit und Menstruationsblutungen dazu, Eisen zu verlieren.

Dennoch ist dieser Eisenverlust nicht ausreichend, um den krankheitsbedingten Zugewinn an Eisen auszugleichen. Mit der Zeit wird das überschüssige Eisen in verschiedenen Organen gespeichert, hauptsächlich in der Leber und im Herz.

Ohne Behandlung kann im Lauf von Jahrzehnten die Eisenmenge bis auf das 20-fache des üblichen Eisengehalts anwachsen. Wenn die Eisenspeicherung dieses Niveau erreicht hat, kann dies unter anderem zu folgenden Gesundheitsproblemen führen:

  • irreversible Vernarbung des Lebergewebes (Leberzirrhose),
  • Leberkrebs,
  • Diabetes,
  • Herzisuffizienz,
  • Arthritis,
  • Impotenz
  • Dunkelfärbung der Haut

Eisenmangel: Männern droht eher Überversorgung

Männer sind anders als Frauen, wenn es um Eisen geht. Wenn Sie als Mann häufig Müdigkeit verspüren, liegt das nur in 2 Prozent der Fälle an einem Eisenmangel.

Nur rund 0,17 Prozent aller Männer leiden aufgrund von zu wenig Eisen unter Blutarmut. Dagegen haben sehr viele Männer sogar eine Eisenüberladung, also zu viel Eisen im Blut.

Sie sollten als Mann nicht unbedacht ein Präparat mit Eisen zu sich nehmen. Es schadet Ihnen eher, denn Ihr Körper scheidet pro Tag nur rund 1 mg Eisen wieder aus. Der Rest, den Sie zu viel zuführen, lagert sich in Ihrem Körper an. Aufgrund dieser gestiegenen Eisenmenge in Ihrem Körper erhöht sich das Risiko für Diabetes und Herzkrankheiten.

Frauen nehmen zu wenig Eisen zu sich

In Deutschland empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, Frankfurt) Frauen zwischen 10 und 51 Jahren eine tägliche Dosis von 15 mg Eisen. Für Frauen ab der Menopause ebenso wie Männern aller Altersstufen empfehlen sich 10 mg Eisen pro Tag.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist die Versorgung deutscher Männer mit Eisen unproblematisch. Die der deutschen Frauen läge jedoch bis zu 30 Prozent unter den Empfehlungen.

Wissenschaftler vermuten aufgrund verschiedener Studien einen Zusammenhang zwischen einem hohen Eisenspiegel im Blut und einer hohen Rate von tödlichen Herzinfarkten.

Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass Eisen den schädlichen Oxidationsprozess von LDL („böses“ Cholesterin) fördert, das zu Herzkrankheiten führt.

In einer finnischen Studie wiesen Männer mit den höchsten Eisenspiegeln ein dreifach höheres Herzinfarktrisiko auf wie Männer mit den niedrigsten Spiegeln. Andere Studien wiesen keinen Zusammenhang zwischen Eisenspiegel und Herzinfarktrisiko nach.

In einer Veröffentlichung stellten die Autoren fest, dass eine hohe Eisenaufnahme durch die Nahrung das Herzinfarktrisiko senkte. Einige Arbeiten zeigten, dass das größere Herzinfarktrisiko im Wesentlichen vom „Hämeisen“ herrührt. Es kommt in „rotem“ Fleisch vor.

Von Nicht-Hämeisen gehe kein höheres Risiko aus. Es kommt in Getreiden und Kornprodukten, grünen Gemüsen, Hülsenfrüchten, Datteln, Pflaumen und Trauben vor.

Personen mit einer erblichen Erkrankung (Hämochromatose) schaden zusätzlich eingenommene Eisenpräparate. Bei dieser Erkrankung besteht ein Überschuss an Eisen. Hämochromatose und Eisenmangel stellt man durch Blutuntersuchungen fest.

Symptome und erste Schritte

Glücklicherweise erreichen heutzutage nur noch wenige Menschen ein Stadium der fortgeschrittenen Eisenüberladung.

Dank routinemäßiger Blutuntersuchungen, Gentests sowie einem gestiegenen Bewusstsein wird bei 75% der Menschen mit einer Hämochromatose die Diagnose gestellt, bevor Symptome auftreten.

Dennoch kann die Eisenspeicherkrankheit in manchen Fällen unentdeckt bleiben. Im frühen Stadium kann sie ohne Symptome verlaufen oder es treten nur vage Anzeichen und Symptome auf, wenn sich der Eisengehalt erhöht. Dazu gehören zum Beispiel folgende Symptome:

  • Gelenkschmerzen oder Arthritis
  • Müdigkeit
  • Verlust an Libido oder bei Männern
  • ektile Dysfunktion (Impotenz)
  • Hoher Blutzuckerspiegel
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schlechte Leberfunktionswerte, auch dann, wenn keine anderen Symptome vorliegen.

Bei Männern tritt die Krankheit am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Die Beschwerden und Symptome treten bei Frauen meist nicht vor dem 50. Lebensjahr und häufig erst nach der Menopause auf.

Schon einfache Blutuntersuchungen – Transferrinsättigung und Serumferritin – können auf eine Hämochromatose hinweisen. Wenn diese Werte erhöht sind, kann mit Hilfe eines weiteren Bluttests festgestellt werden, ob eine Mutation des HFE-Gens vorliegt und damit eine Hämochromatose bestätigt werden kann.

Durch eine Gewebeprobe der Leber sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauchs kann der Eisengehalt und das Stadium der Hämochromatose bestimmt werden.

Aderlass als Therapie

Um den Körpereisenspeicher wieder auf ein normales Niveau zu bringen, bietet sich als Therapie ein Aderlass an, so, als würden Sie Blut spenden. Zunächst wird alle ein bis zwei Wochen ein Aderlass von 500 ml Blut durchgeführt, bis der Serumferritinwert im Blut wieder auf ein normales Niveau abfällt.

Die Entleerung des Eisendepots kann von mehreren Wochen bis zu einem Jahr und länger dauern. Damit der Eisengehalt auf einem normalen Niveau gehalten wird, sind regelmäßige Aderlässe 2- bis 4-mal jährlich erforderlich. Darüber hinaus gibt es Medikamente zur Behandlung einer Hämochromatose.

Allerdings werden diese selten eingesetzt, da die Aderlasstherapie einfacher und genauso wirksam ist.

Durch die Normalisierung des Eisenspiegels lassen sich die mit der Hämochromatose verbundenen Symptome Schwäche, Müdigkeit und Dunkelfärbung der Haut drastisch verbessern oder ganz abstellen. Gleiches gilt sogar für Leber- und Herzerkrankungen im frühen Stadium.

Wenn sich jedoch bereits eine Leberzirrhose entwickelt hat, wird diese vermutlich bestehen bleiben – und damit auch das mit einer Leberzirrhose verbundene erhöhte Risiko von Leberkrebs.

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