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Wenn Sie schwer zu schlucken haben

Für jeden Menschen ist das Schlucken selbstverständlich. Wie beim Atmen, wiederholen Sie diesen Vorgang so häufig, dass Sie nicht darüber nachdenken.

Aber für einige Menschen kann das Schlucken von kleinen Essensmengen, Flüssigkeit oder sogar Speichel schwierig sein. Schluckbeschwerden (Dysphagie) sind verbreitet und treten bei über 10 % der Menschen über 50 Jahre auf. Wenn solche Menschen schlucken, berichten sie häufig, dass die Nahrung stecken bleibt oder nicht weiterrutscht.

Die Speiseröhre wie ein Förderband

Beim Schluckvorgang bewegen Sie Nahrung oder Flüssigkeit vom Mund in den Rachen (Pharynx) und weiter in die Speiseröhre (Ösophagus), die am Magen endet. Eine sich fortpflanzende Welle von Muskelkontraktionen schiebt die Nahrung die Speiseröhre hinunter, bis sie im Magen landet.

Am oberen und unteren Ende der Speiseröhre befinden sich Ringmuskeln, so genannte Sphinkter, die sich bei jedem Schluckvorgang nacheinander öffnen.

Hat die Nahrung die Speiseröhre passiert und ist im Magen gelandet, verschließt sich der untere Ringmuskel und verhindert einen Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.

Wie es zu Schluckbeschwerden kommt

Eine Dysphagie tritt auf, wenn der Schluckvorgang nicht richtig abläuft. Jeder Zustand, der die beteiligten Muskeln oder Nerven schädigt, kann Schluckbeschwerden hervorrufen. Auch altersbedingte Faktoren können dazu beitragen.

Beispielsweise kann die Speiseröhrenmuskulatur mit zunehmendem Alter erlahmen. Bestimmte Krankheiten wie Achalasie oder Sklerodermie können ebenfalls zu Schluckbeschwerden führen.

Zu den beiden häufigsten Formen gehören:

  • Oropharyngeale Dysphagie – Das trifft zu, wenn Sie nicht mit dem Schluckvorgang beginnen können, der Nahrung oder Flüssigkeit vom Rachen in die Speiseröhre befördert. Mitten im Schluckvorgang kann es passieren, dass Nahrungspartikel über Ihre Nase wieder nach außen gelangen. Oder Speisereste bleiben in Ihrem Hals hängen. Manchmal können Sie auch das Gefühl haben, dass die Nahrung in Ihre Luftröhre gerät und Sie husten oder würgen müssen. Geschwächte Rachenmuskeln führen häufig zu einer pharyngealen Dysphagie. Ursache dafür kann ein Schlaganfall, eine Muskeldystrophie oder neurodegenerative Störungen wie die Parkinsonsche Krankheit oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sein. Auch Mundtrockenheit kann das Schlucken erschweren, da der Speichel als Gleitmittel für die Nahrung fungiert. Eine weitere Ursache für Dysphagie kann die Bildung einer kleinen Tasche (Zenkersches Divertikel) am Übergang vom Rachen zur Speiseröhre sein. Wenn die Tasche groß genug ist, um Speisereste aufzufangen, hören Sie vielleicht einen gurgelnden Laut oder würgen nach dem Essen Speisereste hervor.
  • Ösophageale Dysphagie – Diese Störung liegt vor, wenn Sie zwar den Schluckvorgang erfolgreich starten können, aber das Gefühl haben, dass die Nahrung in der Brust stecken bleibt, bevor sie den Magen erreicht hat. Druck oder Schmerzen in der Brust können die Folge sein. Schmerzen beim Schlucken können auf eine Reizung oder Entzündung auf Grund bestimmter Infektionen hindeuten. Eine verbreitete Ursache von Ösophagealer Dysphagie ist eine Verengung der unteren Speiseröhre. Dazu kann es kommen, wenn Magensäure in die untere Speiseröhre gelangt, wo sie Entzündungen und Narbenbildung auslösen kann. Narbengewebe auf Grund anderer Ursachen, z. B. als Folge einer Bestrahlung, kann auch zu einer Verengung führen. Ösophageale Dysphagie kann auch durch die Ausbildung von gut- oder bösartigen Geschwüren, einem Gewebeband der unteren Speiseröhre (Schatz-kischer Ring) oder dem als Achalasie bekannten Zustand verursacht werden, bei dem sich der untere Ringmuskel nicht mehr korrekt öffnet. Weitere Ursachen für Schluckbeschwerden sind manchmal auch Krämpfe der Speiseröhre oder eine kürzlich entdeckte Entzündungsform, die Eosinophile Ösophagitis.

Wann Sie den Arzt aufsuchen sollten

Leichte oder gelegentliche Schluckbeschwerden müssen nicht unbedingt ein ernstes medizinisches Problem bedeuten. Trotzdem sollten Sie Ihren Arzt bei Schluckbeschwerden aufsuchen, denn lang andauernde Beschwerden dieser Art können:

  • ein Symptom von Speiseröhrenkrebs sein,
  • verhindern, dass Sie genügend Nährstoffe aufnehmen und gesund bleiben.
  • Ihr Risiko für Lungeninfektionen vergrößern. Grund dafür können fehlgeleitete Nahrungspartikel sein, die ab und zu in die Luftröhre gelangen.
  • Ihre sozialen Kontakte einschränken, indem es schwieriger wird, mit Familie und Freunden zusammen zu essen.

So wird die Ursache gefunden

Die meisten Diagnosemethoden bei Dysphagie dienen dazu, Ihrem Arzt einen besseren Blick auf die am Schlucken beteiligten Körperpartien zu ermöglichen. Zu diesen Tests gehören:

  • Barium-Untersuchungen – Für diesen Test müssen Sie eine Bariumlösung trinken, mit Barium versetzte Speise essen oder Bariumtabletten schlucken. Dieses chemische Element lagert sich an der Speiseröhrenwand an und zeigt sich auf einem Röntgenbild, sodass der Arzt die Form Ihrer Speiseröhre begutachten kann. Auch eine Videoaufnahme ist möglich, während Sie die bariumhaltigen Speisen schlucken. Dieser Test wird Fluoroskopie genannt und kann zeigen, ob Ihre Muskulatur beim Schlucken richtig arbeitet.
  • Endoskopie – Bei diesem Verfahren führt Ihr Arzt ein dünnes, flexibles, optisches Gerät (Endoskop) in Ihre Speiseröhre ein. Das Gerät erlaubt es Ihrem Arzt, sich das Gewebe Ihrer Speiseröhre genau anzusehen und eine Verengung bei Bedarf wieder aufzuheben.
  • Manometrie – Mit dieser Methode lässt sich der Druck und die Koordination der Muskulatur Ihrer Speiseröhre messen, was auch auf die beiden Schließmuskeln am jeweiligen Ende der Röhre anwendbar ist. Ein kleiner druckempfindlicher Schlauch wird dazu in die Speiseröhre eingeführt. Während Sie schlucken, registrieren die Sensoren die Abfolge der Druckveränderungen, die durch Ihre Speiseröhrenmuskulatur erzeugt werden.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache

Je nach Ursache der Dysphagie kann folgende Behandlung erfolgreich sein:

  • Training – Wenn bei Ihnen eine Oropharyngeale Dysphagie auf Grund einer geschwächten Muskulatur vorliegt, kann ein Therapeut Ihnen dabei helfen, bessere Schlucktechniken zu trainieren. Neben einer Stärkung Ihrer Schluckmuskulatur durch verstärkte Übungen kann auch die Änderung Ihrer Körperhaltung oder der Konsistenz Ihres Essens hilfreich sein.
  • Operation – Falls ein Tumor oder Divertikel gefunden wird, kann eine Operation nötig sein. Die chirurgische Behandlung eines Divertikels wird häufig mit der Lockerung des oberen Schließmuskels kombiniert.
  • Gewebeerweiterung (Dilatation) – Wenn bei Ihnen eine Verengung der Speiseröhre oder angespannte Sphinkter vorliegen, kann ein Endoskop mit einem Ballon oder anderem Gerät zum Einsatz kommen, um die betroffenen Stellen vorsichtig zu dehnen.
  • Medikamente – Falls Magensäure in die Speiseröhre eindringt und sich deren Gewebe entzündet, kann Ihnen Ihr Arzt dazu raten, sich nach den Mahlzeiten nicht hinzulegen und das Kopfteil Ihres Bettes hochzustellen. Orale Medikamente können die Produktion Ihrer Magensäure reduzieren.

Wenn Sie auf Grund einer Dysphagie nicht genug essen können, um gesund zu bleiben, können spezielle Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten ebenso helfen wie das Pürieren Ihres Essens oder das getrennte Aufnehmen von festen Speisen und Flüssigkeiten.

Falls ein Schlucken ohne Würgen nicht möglich ist, kann das Legen einer Magensonde erforderlich werden, die die Nährstoffe über einen Schlauch bis in den Magen führt. Wenn sich Ihre Schluckfähigkeit wieder verbessert, kann die Magensonde entfernt werden.

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