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Schluckauf: Harmloses Hicksen oder gefährliches Warnzeichen?

„Schluckauf ist ein Zeichen dafür, dass jemand an dich denkt“: Eine Erklärung, die zwar nett klingt, doch selbstverständlich in die Kategorie Aberglaube gehört.

Denn tatsächlich ist meist eine Überdehnung Ihres Magens für einen Schluckauf verantwortlich, etwa durch zu viel Flüssigkeit oder eine üppige Mahlzeit. Diese Dehnung führt dazu, dass sich Ihr Zwerchfell plötzlich verkrampft.

Die Entstehung im Körper

Die Folge: Sie atmen reflexartig ein. Gleichzeitig schließt sich aber auch Ihre Stimmritze, also der schmale Spalt zwischen den Stimmbändern, und verhindert so, dass die Atemluft in die Luftröhre strömt. Es baut sich ein Druck auf, der sich in Form des bekannten Hicks entlädt.

Neben einer Magendehnung kann ein Zwerchfellkrampf jedoch auch andere Ursachen haben und sogar auf innere Krankheiten hindeuten.

Mögliche Ursachen eines Schluckaufs sind:

  • hastiges, schnelles Schlucken beim Essen oder Trinken
  • sehr heiße oder kalte Speisen und Getränke
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • sehr scharfe Speisen
  • plötzlicher Wechsel der Umgebungstemperatur
  • Alkohol, Nikotin
  • Medikamente (u. a. Narkosemittel, Antiepileptika, Kortison, Barbiturate)
  • eine vorausgegangene Operation
  • psychische Einflüsse (Stress, Aufregung, Angst, Lachen)
  • Blutungen
  • eine Stoffwechselstörung
  • Refluxkrankheit, Sodbrennen, Magen- und Darmentzündungen
  • Herzinfarkt, Angina Pectoris, Aortenaneurysma
  • Tumore (z. B. in Magen oder Bauchspeicheldrüse)
  • Bauchfellentzündung
  • eine Entzündung zwischen Speiseröhre und Magen

Ab wann wird es gefährlich?

Der akute, also plötzlich auftretende Schluckauf ist meist harmlos und hört nach wenigen Minuten von selbst wieder auf. Wenn er jedoch mehrere Stunden anhält oder Sie häufig darunter leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eventuell übersehene ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Die häufigste Ursache für einen chronischen Schluckauf sind entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

In Frage kommen auch eine Hepatitis-Erkrankung oder eine Gastritis, selten sogar ein Tumor. Die damit verbundenen Entzündungen und Schwellungen reizen das Zwerchfell.

Als chronisch gilt der Singultus, wie er in er Medizin heißt, wenn er länger als 28 Stunden dauert. Dann muss ein Arzt kontrollieren, was dahinter steckt.

Findet sich keine Ursache, die behandelt oder beseitigt werden kann, kann der Arzt Ihnen Medikamente verschreiben. Zum Einsatz kommen Neuroleptika und Antikonvulsiva. Hilfreich sind auch Akupunktur, Entspannungsübungen und Hypnose.

Herzinfarkte schädigen die Zwerchfellnerven

Sogar ein bislang unbemerkter Herzinfarkt kann sich anhand eines Schluckaufs bemerkbar machen. Der Grund: Bei einem Herzinfarkt kann auch der nahe am Herz verlaufende Phrenicus-Nerv geschädigt werden, der das Zwerchfell versorgt.

Wenn Ihr Arzt bei chronischem Schluckauf keineorganischen Schäden feststellt, kann er Ihnen muskelentspannende und entkrampfende Medikamente (z. B. Baclofen oder Carbamazepin) verordnen. Aber auch natürliche Heilverfahren wie Hypnose, Akupunktur oder eine Verhaltenstherapie kommen zum Einsatz.

In den meisten Fällen ist ein Schluckauf jedoch nicht gefährlich. Es gibt einige Tricks, wie Sie solche harmlosen, aber lästigen Hickser möglichst rasch wieder loswerden.

Das immer wieder empfohlene Erschrecken gehört übrigens nicht dazu: Es soll ablenken und dadurch Zwerchfell und Atmung beruhigen. Doch das funktioniert meist nur theoretisch, weil dazu schon ein echter Schreck nötig wäre.

Medikamente gegen Schluckauf

  • Antikonvulsiva
  • Baclofen (zentrales Muskelrelaxans)
  • Midazolam
  • Kalzium-Antagonisten
  • Neuroleptika
  • Metoclopramid

Warum der Mensch Schluckauf bekommt, ist bislang noch unbekannt. Französische Forscher vermuten, dass dies ein Reflex aus frühen Tagen der Lebewesen sein könnte: Ein Überbleibsel primitiver Atmung aus der Zeit, als die Tiere an Land gingen.

Der nächste kommt bestimmt: Tipps gegen Schluckauf

  • Langsam essen und trinken: Nehmen Sie sich für jede Mahlzeit und jeden Schluck, den Sie trinken, ausreichend Zeit. So vermeiden Sie eine Überdehnung Ihres Magens und eine dadurch ausgelöste Verkrampfung des Zwerchfells.
  • Gleichmäßig atmen: Versuchen Sie, beim Essen und Trinken grundsätzlich ruhig und gleichmäßig zu atmen. Sitzen Sie dabei entspannt und aufrecht. So ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich Ihr Zwerchfell plötzlich verkrampft.
  • Wasser trinken: Trinken Sie bei akutem Schluckauf langsam ein Glas Wasser, also deutlich mehr als die üblicherweise empfohlenen drei Schlucke. Ganz automatisch normalisiert sich dabei Ihre Atmung. Sie entspannen sich und Ihr Zwerchfell entkrampft.
  • Zunge herausstrecken: Strecken Sie bei akutem Schluckauf Ihre Zunge heraus oder rollen Sie diese für einige Atemzüge nach hinten. Das entkrampft Ihr Zwerchfell ebenfalls.
  • Luft anhalten oder kurz in eine Tüte atmen: So erhöhen Sie die Kohlendioxid-Konzentration im Blut, was eine tiefe, gleichmäßigere Atmung herbeiführt sowie damit eine Entspannung und Entkrampfung des Zwerchfells.
  • Mit Wasser gurgeln: Ihre Atmung wird dabei unterbrochen, was ebenfalls zu einer Erhöhung der Kohlendioxid-Konzentration im Blut führt.
  • Finger in die Ohren stecken: Stecken Sie Ihre Zeigefinger in beide Gehörgange und bewegen Sie sie leicht hin und her. Das stimuliert den sogenannten Nervus vagus und das wirkt entkrampfend auf Ihr Zwerchfell.
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