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Vermeiden Sie diese größten Fehler, die Diabetiker begehen können

Rund 6 Millionen Deutsche sind Diabetiker und in ärztlicher Behandlung. Nach Schätzungen von Medizinern ist allerdings nur ein Drittel richtig eingestellt und kontrolliert erfolgreich seinen Blutzuckerspiegel.

Das bedeutet, dass 4 Millionen behandelte Diabetes-Patienten einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Nierenversagen und anderen lebensbedrohenden Komplikationen ausgesetzt sind.

Denn ein zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer die Blutgefäße und Nerven irreparabel. Doch was sind die größten Fehler, die Diabetiker begehen und was können Sie selbst tun, um diese Erkrankung zu kontrollieren bzw. ihrem Fortschreiten vorzubeugen.

1. Fehler: Mangelhafte Qualität der Blutzuckereinstellung

Die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels gilt als Schlüssel zu einer individuellen Behandlung und Einstellung bei Diabetes mellitus. So weit – so bekannt. Was jedoch viele insulinpflichtige Diabetiker nicht wissen: Die täglichen Glukosewerte können sehr stark variieren, einzelne Messungen geben lediglich Momentaufnahmen wieder.

Lassen Sie daher auch einen anderen Indikator bestimmen, der sehr viel besseren Aufschluss über den mittleren Glukosespiegel der vergangenen drei Monate gibt, den so genannten HbA1C-Test, auch „Zuckergedächtniswert“ genannt.

HbA1C ist ein Eiweißbestandteil der roten Blutkörperchen (Hb steht für Hämoglobin) und kann vom Arzt einfach aus dem Blut bestimmt werden (z.B. mit ClinRep® der Fa. Recipe). Die Kosten dafür tragen sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen.

In einer kürzlich in den USA durchgeführten großen Studie wurden die HbA1C-Werte von 157.000 Diabetikern untersucht. Zwei Drittel hatten Werte über 6,5 und etwa ein Viertel lag gar über 9 (Der normale HbA1C-Wert sollte unter 6,0 liegen.). Für jede Einheit über 6,0 steigt das Risiko für ernsthafte Diabetes-Folgeerkrankungen um 25 bis 40 Prozent!

Ich rate Ihnen daher folgendes: Wenn Diabetes erst kürzlich bei Ihnen festgestellt wurde, bitten Sie Ihren Hausarzt, Ihren HbA1C-Wert alle drei Monate zu bestimmen. Wenn Ihr HbA1C-Wert über sechs Monate hinweg im Normalbereich liegt, lassen Sie den Test zweimal pro Jahr machen. Achtung: Wenn Ihre Behandlung umgestellt oder die Dosierung geändert wird, sollten Sie anschließend den Test in Zeitabständen von sechs bis acht Wochen durchführen lassen.

2. Fehler: Zu geringe Messfrequenz bzw. falsche Messung

Diabetes-Patienten sollten ihren Blutzuckerspiegel mindestens dreimal täglich kontrollieren. Viele empfinden diese Prozedur als lästig und beschränken die Messung auf einmal pro Tag. Zudem messen die meisten ausschließlich vor den Mahlzeiten.

Dabei ist es oft ebenso wichtig, den Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten festzustellen. Vor allem Patienten, bei denen trotz guter Nüchternblutzuckerwerte der HbA1C zu hoch ist, sollten auch jeweils bis zu 4 Stunden nach den Mahlzeiten messen.

„Besonders in den ersten Jahren eines Diabetes mellitus hat der nach einer Mahlzeit gemessene Wert einen stärkeren Einfluss auf den Gesamtglukosestoffwechsel als der Nüchternblutzuckerwert“ weiß Professor Monika Kellerer vom Marienhospital in Stuttgart.

Empfehlung: Variieren Sie Ihre Messzeiten. Messen Sie stets den Nüchtern-Status nach dem Aufstehen. Dann messen Sie an einem Tag vor dem Mittagessen, am nächsten Tag vor dem Zubettgehen. Messen Sie zusätzlich mehrmals pro Woche 2 bis 3 Stunden nach dem Essen.

Vorsicht: Regelmäßig erhöhte Glukosewerte von 140 und höher zwei Stunden nach einer Mahlzeit oder von 110 und höher vor einer Mahlzeit sollten für Sie Anlass zu einem Arztbesuch sein.

Fehler Nr. 3 Verzögerter Beginn der Behandlung mit Medikamenten

Etwa 40 Prozent der Patienten mit Prediabetes – so bezeichnen Mediziner regelmäßige Nüchternzuckerwerte zwischen 100 und 125 – entwickeln später einen Diabetes mellitus. Hier können rechtzeitig verordnete und auch eingenommene Arzneimittel das Risiko zusätzlich senken.

Diabetiker: Diese Medikamente lindern die Zuckerkrankheit

MedikamentWirkung
MetforminVerringert die Glukose-Freisetzung in der Leber und reduziert so den Bedarf des Organismus an Insulin. In einer sechsjährigen Studie reduzierte die Einnahme von Metformin das Risiko einer Diabetes-Erkrankung um 31 Prozent. Bei diesem Medikament wird seltener als bei vergleichbaren eine Gewichtszunahme beobachtet. Als Nebenwirkungen können anfangs Übelkeit und Verdauungsstörungen auftreten.
SulfonylureasUnter diesem Sammelbegriff firmieren Medikamente wie Glimepirid (Handelsname Amaryl) und Gliquidon (Glurenorm). Beide bewirken eine erhöhte Insulinausschüttung der Pankreas. Als Nebenwirkungen können Gewichtsszunahme und zu niedriger Blutzuckerspiegel auftreten. Oft in Kombination mit Metformin eingesetzt.
ThiazolidinedioneDazu gehören Pioglitazon (Actos) und Rosiglitazon (Avandia). Sie erhöhen die Wirkung des körpereigenen Insulins. Oft in Kombination mit den anderen genannten Arzneimitteln eingesetzt. Nebenwirkungen: Gewichtszunahme und Wasseransammlung im Gewebe.
ResorptionsverzögererDazu gehören z.B. Acarbose (Glucobay) und Miglitol (Diastabol). Sie bewirken, dass kohlenhydratreiche Nahrung nicht in Glukose gespalten wird. Zusätzlich sättigende Wirkung, unterstützt die Gewichtsreduktion. Wirkt nur bei geringfügig erhöhten Blutzuckerwerten.
InsulinWird eingesetzt, wenn die medikamentöse Behandlung über drei Monate hinweg keine ausreichende Kontrolle der Zuckerwerte mehr ermöglicht.
ExenatideIn den USA wurde jetzt Exenatide (Byetta) als neues Medikament zugelassen. Es ersetzt die Wirkung des Hormons Incretin, welches Diabetiker nicht in ausreichendem Maße selbst produzieren können. Es verzögert die Magenentleerung und beugt damit hohen Blutzuckerwerten nach den Mahlzeiten vor. Zudem wirkt es leicht appetitzügelnd. Incretin muss zweimal täglich selbst injiziert werden. In Deutschland noch nicht zugelassen.

Fehler Nr. 4: Unangepasste Lebensweise

Ersetzen Sie Weißbrot häufiger mal durch Vollkornbrot und reduzieren Sie Ihren Fettverzehr. Diabetiker mit Übergewicht sollten generell versuchen, 5 bis 10 Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen. Dadurch kann ihr körpereigenes Insulin sehr viel besser den Blutzucker in Schach halten.

Bewegung tut gut: Patienten mit Prediabetes, die an fünf Tagen der Woche rund 30 Minuten leichte Gymnastikübungen ausübten, konnten in einer Studie ihr Risiko für Diabetes mellitus um 58 Prozent senken.

Diabetes-Früherkennung: Gehen Sie auf Nummer Sicher

Diabetes hat sich zur Volkskrankheit entwickelt. Viel Durst und vermehrtes Wasserlassen sind die offensichtlichen Merkmale, an denen Sie selbst eine Diabetes-Erkrankung erkennen können. Aber oft zeigen sich diese Anzeichen erst spät im Krankheitsverlauf. Daher sollten Sie sich regelmäßig auf die  Zuckerkrankheit untersuchen lassen.

Leider ist ein Diabetes-Test noch keine Standard-Frühuntersuchung, sie wird nur freiwillig angeboten. Dennoch sollten Sie auf einen solchen Test bestehen, vor allem wenn Sie übergewichtig sind. Denn mittlerweile wissen wir, dass Übergewicht einer der größten Risikofaktoren für Diabetes ist.

Spätestens wenn Sie ständig großen Durst haben und unerklärlich oft Wasser lassen müssen, ist ein Diabetes-Test Pflicht für Sie.

So kommt Ihre Typ-II-Diabetes ans Licht

Ein Diabetes-Test ist heute nicht mehr aufwändig. Es gibt sogar von Zeit zu Zeit Testwochen in Apotheken, wo Ihr Blutzuckerspiegel kontrolliert wird. Diese Methode ist natürlich nicht so genau wie die verschiedenen Tests beim Arzt, aber sie liefert Ihnen doch einen ersten Anhaltspunkt.

Aufgrund dieses Ergebnisses wird man Ihnen dann auch mitteilen, ob Sie einen genaueren Check beim Arzt machen lassen sollten. Dies wird immer dann der Fall sein, wenn der Apotheker bei Ihnen einen erhöhten Blutzuckerspiegel vermutet. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die Nüchternuntersuchung

Dieser Test wird angewandt, wenn bei Ihnen erhöhte Blutzuckerwerte (über 200 mg/dl Blut) festgestellt werden und so ein erster Verdacht auf Diabetes besteht. Dann wird bei Ihnen eine Nüchternuntersuchung durchgeführt. Sie dürfen vor dieser Untersuchung acht Stunden lang nichts gegessen haben. Bei dieser Untersuchung wird Ihnen entweder Blut aus einer Vene oder Kapillarblut aus einer Fingerkuppe entnommen.

Der Blutzuckerwert darf im venösen Blut nicht über 125 mg/dl, im Kapillarblut nicht über 110 mg/dl liegen.

Mit einer einmaligen Bestimmung ist es bei diesem Test natürlich nicht getan. Um sicher zu gehen, wird die Nüchternuntersuchung nach einigen Tagen noch einmal wiederholt. Es handelt sich bei einer Untersuchung des Nüchtern-Blutzuckerspiegels mittlerweile um den Test, der am meisten angewandt wird, weil er einfach zu handhaben ist und recht genau ist.

Dennoch können hier zweifelhafte Ergebnisse auftreten, zum Beispiel stark variierende Werte bei den beiden Untersuchungen. Dann schließt sich ein zweiter, anderer Test an.

Der orale Glucose-Toleranztest

Dieser Test wird dann verwendet, wenn es nicht klar ist, ob Sie an Diabetes erkrankt sind oder nicht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Ihre Blutzuckerwerte in Ordnung sind, obwohl Sie unter Begleiterscheinungen der Diabetes leiden. Dann wird Ihre Glucose-Toleranz getestet.

Dazu müssen Sie sich drei Tage lang kohlenhydratreich ernähren. Dann dürfen Sie zehn Stunden lang nichts essen und trinken. Bei Ihrem Arzt erhalten Sie dann ein Gemisch aus 75 g Traubenzucker auf 250 ml Wasser oder Tee. Nach einer und nach zwei Stunden, nachdem Sie dieses Gemisch getrunken haben, wird Ihnen Blut abgenommen, aus dem dann der Blutzuckerwert bestimmt wird.

Ist Ihr Blutzuckerwert nach zwei Stunden höher als 140 mg/dl, dann ist Ihre Glucose-Intoleranz gestört. Liegt er nach dieser Zeit höher als 200 mg/dl Blut, dann sind Sie an Diabetes erkrankt.

Nachteil an diesem Test: Er ist fehleranfällig. Es gibt einige Faktoren, die das Ergebnis verzerren oder verfälschen können. Dazu gehören ein gerade überstandener Herzinfarkt, ein gerade abgeklungener oder frisch entstehender Infekt oder unregelmäßige Schlafgewohnheiten. Nehmen Sie regelmäßig Medikamente, sollten Sie Ihren Arzt auf jeden Fall darauf hinweisen.

Die Urin-Untersuchung

Dies ist ein recht einfacher Test, den Sie selbst durchführen können. Es gibt Teststreifen in der Apotheke, mit deren Sie Ihren Harnzucker bestimmen können (15 Stück ca. 20 €). Untersuchen Sie Ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig (z. B. morgens nach dem Aufstehen) und findet sich dann jedes Mal Harnzucker, weist dies deutlich auf Diabetes hin.

Denn Ihre Niere fängt an, Zucker mit dem Urin auszuscheiden, wenn Ihr Blutzuckerspiegel über 160 bis 180 mg/dl beträgt.

Dieser Test ist aber nur in diese eine Richtung aussagekräftig. Sie können nicht automatisch davon ausgehen, dass Sie nicht unter Diabetes leiden, wenn Sie mit diesen Teststreifen keinen Harnzucker feststellen. Hat die Diabetes schon Ihre Niere angegriffen, dann kann die Nierenschwelle (der Punkt, an dem Zucker mit Urin ausgeschieden wird) erhöht sein.

Auch bei sehr hohen Blutzuckerwerten scheiden Sie dann keinen Zucker mehr aus. Fehlender Zucker ist demnach kein Zeichen für Diabetes-Freiheit.

Der HbA1c-Wert

Dieser Wert taucht immer wieder im Zusammenhang mit Diabetes auf. Im Gegensatz zur allgemein vertretenen Meinung ist er aber nicht dazu geeignet, eine akute Diabetes zu entdecken. Vielmehr dient er bei Diabetikern zur Kontrolle des Blutzuckers über die letzten drei Monate hinweg.

Gemessen wird bei diesem Test der Anteil der Glucose, an den sich Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) gebunden hat. Sind Sie gut eingestellt, dann liegt dieser Wert unter 7 Prozent.

In erster Linie dient er so natürlich dazu, die Wirksamkeit Ihrer speziellen Diabetes-Therapie zu bestimmen. Da er aber den Langzeitwert des Blutzuckerspiegels wiedergibt, kann Ihr Arzt hieran auch erkennen, wie gut Sie sich an Ihre Therapie halten.

Hier können Mediziner nämlich auch all die kleinen Sünden des Diabetikers entdecken: zu wenig Bewegung, zu viele süße Sachen usw. Als Diabetiker sollten Sie diesen Wert in Ihrem eigenen Interesse jedes Vierteljahr einmal bestimmen lassen.

Nutzen Sie Ihr Recht auf die Diabetes-Früherkennung

Sie sollten auf jeden Fall regelmäßig Ihren Blutzuckerspiegel bestimmen lassen. Machen Sie einmal im Jahr ein großes Blutbild, wird diese Untersuchung ja gleich mitgemacht. Erhöht ist Ihr Blutzuckerspiegel ab 200 mg/dl Blut.

Ab einem Alter von 36 Jahren sollten Sie sich alle zwei Jahre auf Diabetes hin untersuchen lassen. Diese Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko?

Etwa 5 Millionen Deutsche sind Diabetiker, weitere geschätzte 3 Millionen leiden an der „Zuckerkrankheit“, ohne sich jedoch dessen bewusst zu sein. Mit diesem Test stellen Sie fest, ob Sie ein erhöhtes Risiko besitzen, an Altersdiabetes zu erkranken. Beantworten Sie folgende Fragen:

  • Ist ein direkter Verwandter von Ihnen Diabetiker?
  • Sind Sie zu schwer für Ihre Größe?
  • Sind Sie häufiger mal unerklärlicherweise schlapp und müde?
  • Sind Sie heute durstiger als früher?
  • Dauert die Heilung einer Wunde bei Ihnen länger als früher?
  • Haben Sie in letzter Zeit zu- oder abgenommen, ohne sich dies erklären zu können?

Wenn Sie eine oder mehrere der Fragen mit Ja beantwortet haben, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Eine schnelle und exakte Einstellung des Blutzuckerspiegels bzw. Änderungen in der Lebensweise können die mit dem Diabetes verbundenen Folgeerkrankungen deutlich reduzieren. Wichtig zur Vorbeugung: Übergewicht vermeiden, nicht rauchen, ausreichend bewegen!

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