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Typ 1- und Typ 2-Diabetes: Wo liegt der Unterschied?

Früher unterschied man zwischen Diabetes und Altersdiabetes. Heute aber verwendet man diese Bezeichnungen so nicht mehr. Stattdessen wird von Diabetes Typ 1 und 2 geredet. Aber wie unterscheiden sie sich nun genau?

Früher sagte man, dass Typ 1 nur bis zum Alter von rund 40 Jahren auftrete. Altersdiabetes dagegen betreffe eher Senioren. Diese Einteilung aber ist heute überholt; immer mehr Kinder bekommen Diabetes Typ 2. Schuld sind falsche Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht. Generell lassen sich die beiden Arten aber so unterscheiden:

Diabetes Typ 1

Hierbei kommt es zu einem Mangel an Insulin. Schuld daran ist fast immer eine Immunreaktion, durch die die Zellen in der Bauchspeicheldrüse angegriffen werden, die Insulin produzieren. Bei dieser Erkrankung muss lebenslang Insulin gespritzt werden. Meist betrifft Typ 1 jüngere Menschen, kann aber auch in seltenen Fällen bei Älteren auftreten.

Bei einer Typ-1-Diabetes sind die Symptome meist sehr eindeutig. Es kommt zu dauerhaft starkem Durst, häufigem Harndrang und Wasser lassen sowie Mattigkeit. All diese Anzeichen werden durch den zu hohen Blutzuckerspiegel verursacht. Dann reicht es aus, wenn der Blutzucker im Labor überprüft wird.

Test nur bei äußerst milder Form nötig

Ein Zuckerbelastungstest ist nur dann nötig, wenn es sich um eine milde Form der Diabetes Typ 1 handelt. Diese tritt überwiegend bei Erwachsenen auf und äußert sich eben nicht durch diese Symptome.

Dann wird genauso ein Zuckerbelastungstest gemacht wie in Situationen, in denen die Blutzuckerwerte von und nach den Mahlzeiten bestimmte Werte nicht aussagekräftig genug sind, um die Diagnose auf Typ-1-Diabetes zu stellen.

Diabetes Typ 2

Dabei wird durch Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und/oder Übergewicht die Wirkung von Insulin im Körper herabgesetzt. Zwar wird die Insulinwirkung sich mit der Zeit erschöpfen, sie versiegt aber nie ganz. Durch die Behandlung soll erreicht werden, dass die Insulinwirkung sich wieder verbessert.

Dies kann durch eine Änderung des Lebensstils mit ausgewogener Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung erreicht werden. Erst wenn dies keinen Erfolg hat, werden Medikamente eingesetzt. Reicht dies nicht, muss Insulin gespritzt werden.

Die Möglichkeiten für die Insulinapplikation nehmen zu

Bis vor kurzem verknüpfte man die Abhängigkeit von externem Insulin eng mit den Begriffen Spritzen und Nadeln. Jetzt gibt es andere Möglichkeiten:

  • Insulin-Pen: Obwohl noch immer eine Nadel zum Einsatz kommt, bietet der Insulin-Pen eine bequemere, präzisere und diskretere Möglichkeit der Anwendung. Sie setzen lediglich die Nadel in den Pen ein, wählen auf einer Scheibe die benötigte Insulindosis vor und drücken dann auf einen Knopf, um das Insulin freizusetzen. Einige Modelle sind zum Einmalgebrauch bestimmt, während andere austauschbare Insulinpatronen besitzen.
  • Hochdruck-Insulininjektionen: Diese benutzen Luft unter hohem Druck, um Insulin unter die Haut zu injizieren. Diese Geräte sind eine Option für Personen, die keine Nadeln benutzen. Bei falscher Anwendung verursachen sie jedoch Hautverletzungen. Die amerikanische Diabetesgesellschaft rät vom routinemäßigen Einsatz ab.
  • Insulinpumpen: Diese Pumpen sind kleiner als ein Kartenspiel und man befestigt sie an einem Gürtel. Sie setzen kontinuierlich Insulin durch einen unter die Haut implantierten Schlauch frei. Bei korrekter Anwednung ermöglichen sie insgesamt eine bessere Blutzuckerkontrolle. Eine implantierbare Insulinpumpe ist in Europa auf dem Markt.

Aktuelle Entwicklungen

Die Bemühungen um Insulin in Tablettenform gehen weiter. Da der Magen-Darm-Trakt das Insulin zerstört, stellte dies bisher keine Option dar. Die Freisetzung von Insulin durch ein Hautpflaster prüfen klinische Studien. Ebenfalls sind Bemühungen im Gange, eine inhalierbare Form des Insulins herzustellen. Einige klinische Studien zeigten bereits viel versprechende Ergebnisse.

In Deutschland ist seit Mitte dieses Jahres eine Langzeitform des Insulins (mit Markennamen Lantus®) zugelassen (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn). Diese erfordert lediglich noch eine Injektion täglich für bestimmte Patienten.

Inhalierbares Insulin nicht mehr auf dem Markt

Millionen insulinpflichtige Diabetiker warteten geduldig: Immer wieder verschob sich die Markteinführung des inhalierbaren Insulins. Anfang des Jahres 2007 erhielt man es endlich unter dem Handelsnamen Exubera®. Doch die angeblich so großartige Neuerung fiel bei Patienten und Ärzten durch.

Der Grund: zum einen der hohe Preis (fünfmal so teuer wie die herkömmliche Insulinspritze), zum anderen massive Probleme bei der Dosierung. Für Menschen mit Spritzenangst entfiel zwar die Injektion des Insulins, zur Blutzuckerkontrolle pieksten sich die Patienten jedoch weiterhin in den Finger.

Einen medizinischen Nutzen im Vergleich zum Spritzen-Insulin gab es ohnehin nicht. Im Gegenteil: Aktives und passives Rauchen verfälschten unter Umständen die Dosierung. Darüber hinaus mussten die Patienten regelmäßig ihre Lungenfunktion überprüfen, weil Exubera möglicherweise die Lungenbläschen schädigte. Im Oktober 2007 zog der Hersteller Pfizer die Konsequenz und meldete den sofortigen Produktionsstopp, weil sich das neue Mittel offensichtlich auf dem Markt nicht durchsetzte.

Eine Verbesserung des Produkts oder ein Ersatz ist nicht geplant. Damit zählt es zu den größten Flops der Medizingeschichte: Entwicklungs- und Vermarktungskosten von fast 3 Milliarden US-Dollar stehen gerade einmal 12 Millionen US-Dollar an Einnahmen gegenüber.

Zukunft ohne Piekser?

Die Bemühungen gehen weiter, ein im Körper einsetzbares Gerät zu entwickeln, das den Blutzuckerspiegel kontinuierlich misst und Insulin entsprechend freisetzt. Forscher arbeiten an einer Gentherapie für diese Erkrankung.

Darüber hinaus erforschen sie die Möglichkeit der Transplantation von Inselzellen (derjenigen Zellen, die das Insulin produzieren) weiter. Wenn das eines Tages möglich ist, müssen sich Diabetes-Patienten kein Insulin mehr injizieren.

Kontrolle per Infrarotsonde

Der tägliche Pieks zur Blutzuckerkontrolle bei Diabetes könnte bald überflüssig sein. Forscher der Universität Dortmund entwickelten unter der Leitung von Dr. H. Michael Heise ein Messverfahren mittels Infrarotstrahlung. In den Testreihen ließen sich schlecht eingestellte Diabetiker mit einer Zuverlässigkeit von 85 Prozent identifizieren. Dies teilte das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin im Oktober 2005 mit. Das Ministerium unterstützte die Forschung finanziell.

Anhand bestimmter Reflektionsmuster der Infrarotstrahlung lassen sich verzuckerte Eiweiße (glykierte Proteine) auf der Haut nachweisen. Diese zeigen einen schlecht eingestellten Diabetes an. Die absolut schmerzlose Untersuchung dauert etwa eine Minute. Die Dortmunder Forscher wollen nun Partner aus der Industrie finden, um das Verfahren möglichst bald auf den Markt zu bringen.

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Dr. Martina Hahn-Hübner
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