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Zu viele Antibiotika im Kindesalter führen zur Typ-1-Diabetes

Antibiotika werden schon Kindern heute sehr häufig verschrieben, obwohl es Krankheiten gibt, bei denen sie gar nicht nötig sind oder bei denen man durchaus erst einmal abwarten könnte. Die Folgen können Resistenzen sein. Aber Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass eine übertriebene Antibiotika-Gabe im Kindesalter zu späterer Typ-I-Diabetes führen kann.

Autoimmunerkrankungen durch Antibiotika-Einnahme?

In unserem Darm leben Billionen Bakterien. Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass diese maßgeblich am Immunsystem beteiligt sind und sogar eine schützende Wirkung für Sie haben. Denn diese kleinen Körperbewohner sorgen zum Beispiel dafür, dass Ihre Immunzellen nicht so aggressiv agieren und schützen Sie davor, dass die Zellen sich gegen Ihren Körper richten.

In den letzten Jahrzehnten ist nun aufgefallen, dass sich die Anzahl der Autoimmunerkrankungen verdoppelt hat. Unter diesen Krankheiten versteht man diejenigen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet und hier Erkrankungssymptome auslöst. Forschern ist zudem aufgefallen, dass in der gleichen Zeit die Antibiotikaeinnahme bei Kindern deutlich angestiegen ist. Die Wissenschaftler des Langone Medical Center in New York (USA) haben sich aus diesem Grund die Frage gestellt, ob es hier einen Zusammenhang gibt.

Erhöhtes Risiko für Diabetes Typ I

Dazu führten sie einen Tierversuch durch und gaben Mäusen, die ein genetisch deutlich erhöhtes Risiko für Diabetes Typ I hatten, Antibiotika. Eine Gruppe erhielt die Mittel ständig in geringer Dosis. Eine andere Gruppe bekam die Medikamente abschnittsweise in einer bestimmten Dosis. Diese war entsprechend der Menge berechnet, die normalerweise Kinder bekommen würde. Die Mäuse in der dritten Gruppe erhielten keine Antibiotika. Die Mäuse in dieser Gruppe dienten einfach nur als Kontrollgruppe.

Es zeigte sich, welche großen Auswirkungen die Antibiotika hatten. Denn die Mäuse, die immer wieder nur eine kurze Zeit, dafür aber deutlich höher dosiert Antibiotika eingenommen hatten, erkrankten doppelt so häufig an Diabetes Typ I verglichen mit den Mäusen aus der Kontrollgruppe.

Antibiotika vernichten hilfreiche Darmbakterien

Doch was kann der Grund für dieses deutlich erhöhte Krankheitsrisiko sein? Die Wissenschaftler schauten sich die Mäuse genau an und fanden den Grund hierfür. Antibiotika töten Bakterien ab, das ist ihre Aufgabe. Sonst würden sie nicht gegen die Krankheiten wirken. Allerdings beschränken sich die Medikamente natürlich nicht nur auf die Krankheitserreger. Ihnen fallen auch die hilfreichen Bakterien im Körper häufig zum Opfer, die zum Beispiel unseren Darm bevölkern.

Und als die Forscher die Bakterien analysierten, fanden sie heraus: Antibiotika, die kurzfristig, aber in höherer Dosis verabreicht wurden, so wie es bei Kindern durchaus üblich ist, vernichten gerade die Darmbakterien, die sich auf das Immunsystem auswirken. Dadurch wird jener Mechanismus verhindert, der normalerweise den Immunzellen ihre Aggressivität nimmt. Die Immunzellen sind nun deutlich häufiger in der Lage, überschießende Reaktionen zu verursachen, die sich dann gegen die Zellen des Körpers richten, der sie beherbergt. Die Folge sind dann Autoimmunerkrankungen. Sehr häufig ist das Diabetes Typ I. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass eine häufige Antibiotikagabe im Kindesalter das Risiko für andere Autoimmunerkrankungen im späteren Leben deutlich steigen lässt.

So kommen Sie mit Antibiotika besser klar

  • Sagen Sie Ihrem Arzt oder Apotheker, welche Medikamente Sie sonst noch einnehmen, damit überprüft werden kann, ob diese sich mit dem Antibiotikum vertragen.
  • Nehmen Sie Antibiotika auf nüchternen Magen ein, denn Essen im Magen kann die Aufnahme der Wirkstoffe hemmen oder verzögern.
  • Spülen Sie die Tabletten mit Leitungswasser (möglichst weiches) hinab. Milch und Mineralwasser sind nicht zu empfehlen, denn das darin enthaltene Kalzium kann die Antibiotika unwirksam machen. Grapefruitsaft führt unter Umständen zu starken Durchfällen. Koffeinhaltige Getränke können Herzrasen, Kopfweh und Schwindelgefühle nach sich ziehen, da Antibiotika die Wirkung des Koffeins verstärkten.
  • Wenn Sie mit der Pille verhüten, sollten Sie während der Einnahme der Antibiotika zur Sicherheit noch Kondome verwenden. Die Tabletten können nämlich die Wirksamkeit der Pille herabsetzen.
  • Da Antibiotika die Haut lichtempfindlicher machen, verzichten Sie in diesen Tagen auf Sonnenbäder und Solarien.
  • Besondere Aufmerksamkeit braucht Ihre Darmflora. Denn die nützlichen Darmbakterien werden von den Tabletten in Mitleidenschaft gezogen. Verzichten Sie in dieser Zeit ausnahmsweise auf alles, was die Verdauung anregt. Essen Sie mehr Joghurt und Kefir, damit sich die Darmflora wieder aufbauen kann. Ziehen nach dem Ende der Antibiotika-Therapie eine Darmsanierung in Betracht.
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