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Diabetes: Verschiedene Typen und neuartige Blutzuckermessgeräte

Diabetes ist nicht gleich Diabetes. Er unterscheidet sich häufig bei Kindern und Erwachsenen und seine Ursache kann verschieden sein. Die beiden häufigsten Diabetes-Formen sind:

Diabetes© abcmedia - Fotolia

Typ I: Autoimmunerkrankung im jungen Alter

Etwa 5 bis 10 Prozent aller Diabetiker erkrankten am Typ-I-Diabetes. Diese Form der Zuckerkrankheit entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse wenig oder kein Insulin produziert. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung: Das eigene Immunsystem, das normalerweise Infektionen bekämpft, greift die Bauchspeicheldrüse an und zerstört die Insulin produzierenden Betazellen. Bislang sind die Gründe dafür nicht bekannt. Wissenschaftler vermuten, dass verschiedene Faktoren wie Vererbung, Ernährung und Kontakte mit bestimmten Viren die Krankheit auslösen.

Bei Typ-I-Diabetikern ist die normale Glukoseaufnahme gestört. Dafür gibt es eine Reihe von möglichen Gründen: Wenn das Insulin nicht an die Körperzellen bindet, wenn es in den Zellen nicht das Signal für die Aufnahme von Glukose weiterleitet oder auslöst kann oder wenn die Glukoseschleuse in den Zellwänden fehlerhaft ist. Obwohl diese Krankheit in jedem Alter auftreten kann, betrifft sie am häufigsten Kinder und junge Erwachsene. Typ-I-Diabetes bezeichnet man auch als juvenilen (bei Kindern und Jugendlichen auftretenden) Diabetes. Symptome wie verstärkter Durst und häufiges Urinieren, Hunger und Gewichtverlust, verschwommenes Sehen und Müdigkeit treten häufig innerhalb von wenigen Wochen nach einer Erkrankung auf. In einigen Fällen gehen die Betazellen über Jahre hinweg zugrunde, bevor man die Erkrankung erkennt.

Typ II: Übergewicht und metabolisches Syndrom

Diese Form des Diabetes betrifft etwa 90 bis 95 Prozent aller Menschen mit der Zuckerkrankheit. Sie entsteht durch eine Kombination mehrerer Probleme. Zum einen werden die Zellen Insulin gegenüber unempfindlicher. Zum anderen produziert die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin, um diese Resistenz zu überbrücken.

Die bedeutendsten Risikofaktoren für Typ-II-Diabetes sind Übergewicht und Bewegungsarmut. Etwa 80 Prozent aller Typ-II-Diabetiker sind übergewichtig. Ein weiterer Risikofaktor ist das metabolische Syndrom. Dies besteht in der Kombination von vermehrten Fetteinlagerungen um die Taille, niedrigem HDL (High-density-Lipoprotein)-Cholesterinwerten („erwünschtes“ Cholesterin) im Blut und hohen Blutfettwerten von Triglyceriden sowie hohem Blutdruck. Darüber hinaus steigt Ihr Risiko für Typ-II-Diabetes mit zunehmendem Alter an. Aus diesem Grund nennt man diese Form der Zuckerkrankheit Altersdiabetes. Erwachsene über 40 Jahre machen den überwiegenden Teil der Erkrankten aus. Allerdings erkranken heute zunehmend auch junge Erwachsene und Kinder daran.

Übergewichtige Frau kriegt die Hose nicht zu© Piotr Wawrzyniuk - Fotolia

Weitere Risikofaktoren für Typ-II-Diabetes

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen das Geschlecht, die ethnische Zugehörigkeit,die familiäre Vorgeschichte und ein überwiegend bewegungsarmer Lebensstil. Frauen erkranken häufiger an Typ-II-Diabetes als Männer. Dafür existiert bis jetzt keine Erklärung. Dieser Befunde ändert sich mit den verschiedenen Altersgruppen. Bei den 50- bis 59-Jährigen liegt die Prävalenz bei Frauen bei 2,8 Prozent und bei Männern bei 8 Prozent. In höherem Alter sieht das anders aus: Bei den 70- bis 79-jährigen Männern liegt die Prävalenz bei 13 Prozent und bei den Frauen bei 19,4 Prozent.

Zudem tritt die Erkrankung in den USA häufiger bei Indianern, Hispanoamerikanern und Afroamerikanern auf als bei Weißen. In schweren Erkrankungsfällen decken sich viele Symptome des Typ-II-Diabetes mit denen des Typ-I-Diabetes. Allerdings passiert es auch, dass keine oder leichte Symptome auftreten. Dann erkennt man die Erkrankung erst, wenn sie bereits eine Schädigung des Herzens, der Blutgefäße, der Augen oder der Nieren verursachte.

Diabetes und Schwangerschaft

Eine Sonderform des Diabetes Mellitus kann während der Schwangerschaft auftreten: der Gestationsdiabetes. Grund dafür ist, dass Schwangerschaftshormone die Resistenz der Zellen gegen Insulin verstärken. Der obligate Harntest bei den Vorsorgeuntersuchungen führt den Arzt auf die Spur. In der Schwangerschaft liegt die Nierenschwelle für Harnzucker niedriger.

Der Gestationsdiabetes muss immer entsprechend behandelt werden. In der Regel verschwindet er nach der Entbindung. Er kann aber auf eine Veranlagung zur Zuckerkrankheit hinweisen. Jede zweite betroffene Schwangere mit Gestationsdiabetes bekommt später einen Diabetes Typ II. Zwischen 2 und 8 Prozent aller schwangeren Frauen entwickeln einen Diabetes in der Schwangerschaft.

Alternative Diabetesformen

Weniger verbreitete Diabetestypen entstehen durch bestimmte Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, die operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse, andere ernsthafte Erkrankungen, eine Eisenanhäufung im Körper (Hämochromatose), Probleme mit den Nebennieren und durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Kortikosteroide (Prednison). Allerdings treten diese Diabetesformen selten auf und machen weniger als 2 Prozent aller diagnostizierten Fälle aus.

Falls Sie einen oder mehrere Risikofaktoren für Diabetes Mellitus haben oder dessen Symptome an sich beobachten, sollten Sie zum Arzt gehen und Ihren Blutzuckerspiegel überprüfen. Falls die Glukosewerte in Ihrem Blut erhöht sind, Sie aber keinen Diabetes haben, können Sie den Ausbruch der Krankheit möglicherweise verhindern oder verzögern. Wenn bei Ihnen ein Diabetes Mellitus diagnostiziert ist, müssen Sie den Umgang mit der Erkrankung lernen. Je länger die Erkrankung unbehandelt bleibt, desto wahrscheinlicher entwickeln sich Langzeitschäden.

So schädigt Diabetes Ihren Körper

Die Zuckerkrankheit bezeichnet man ebenso wie Bluthochdruck als „silent killer“ (stiller Killer). Nicht nur, dass die Krankheit in vielen Fällen erst spät erkannt wird. Der erhöhte Blutzucker ist gefährlich für Ihre Gefäße an den folgenden Körperstellen:

  • in der Niere: Hier greift er die Nephren (kleine Nierengefäße) an, die normalerweise Blut filtern und das Eiweiß wieder zurück in Ihren Körper leiten. Diese können nach und nach absterben. Folglich sind Sie auf die Dialyse angewiesen.
  • im Auge: Die Gefäße in der Netzhaut können platzen oder alternativ wild wuchern, manchmal auch schrumpfen. Der Effekt ist der gleiche: Auf Dauer löst sich die Netzhaut ab und Sie erblinden.
  • der Nerven: Vor allem die kleinsten Nervenenden werden angegriffen, am häufigsten die in den Füßen. Die Gefahr: Sie bemerken nichts mehr, auch keine kleinen Wunden. Zudem steigt natürlich das Verletzungsrisiko. Verbunden mit einer bei Diabetes häufig vorkommenden Durchblutungsstörung reicht schon eine kleine Blase dafür aus, dass sich das Gewebe entzündet und irgendwann abstirbt, weil es nicht mehr heilen kann. Schlimmstenfalls muss der Fuß dann sogar amputiert werden.

So beugen Sie gezielt vor

Mit Ihrem Lebensstil können Sie einem Typ-II-Diabetes wirksam vorbeugen. Die folgenden Maßnahmen empfehlen Experten dazu:

  • innerhalb von drei Monaten eine Gewichtsabnahme von 5 bis 7 Prozent
  • pro Woche mindestens 2,5 Stunden körperliche Aktivität
  • höchstens 30 Prozent Fettanteil bei den Mahlzeiten
  • nicht mehr als 10 Prozent gesättigte Fettsäuren in der Nahrung
  • pro 1.000 verzehrter Kalorien mindestens 15 g faserhaltige Ballaststoffe

Wenn Sie sich an diese Vorgaben halten, können Sie einen Typ-II-Diabetes fast immer verhindern. Und auch wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist und Ihre Blutzuckerwerte zu hoch sind, helfen diese Maßnahmen dabei, die Erkrankung in die Schranken zu verweisen und Folgeschäden zu vermeiden.

Am besten setzen Sie die Vorgaben der Experten in drei Schritten um:

  1. Stellen Sie Ihre Ernährung um.
  2. Bauen Sie Übergewicht ab.
  3. Bewegen Sie sich regelmäßig.

Um dem Diabetes „davonzulaufen“ reicht ein täglicher Spaziergang von einer halben Stunde aus.

Vorbeugung von Begleiterkrankungen und Folgeschäden

  • diabetischer Fuß: Untersuchen Sie Ihre Füße täglich auf Druckstellen, Blasen oder Hautrisse und vermeiden Sie unbedingt Verletzungen. Manipulieren Sie bei der Pediküre nicht mit scharfen Gegenständen an Hühneraugen oder ähnlichem herum. Gönnen Sie sich lieber regelmäßig eine medizinische Fußpflege.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Blutdruck Werte von 140/85 mmHg nicht übersteigt. Lassen Sie Ihre Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren, wobei das Gesamtcholesterin nicht höher als 200 mg / 100 ml Blut sein sollte.
  • Nervenschäden: Alkohol und Zigaretten gelten als Nervengifte. Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum auf ein gelegentliches Gläschen am Abend ein und verzichten auf das Rauchen. Sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt, wenn Sie ein Kribbeln oder sonstige Missempfindungen in Ihren Armen oder Beinen spüren.
  • Augenschäden: Als Typ-II-Diabetiker lassen Sie die Netzhaut Ihrer Augen einmal jährlich von einem Augenarzt untersuchen.
  • Nierenschädigung: Überprüfen Sie regelmäßig mit Teststreifen die Eiweißausscheidung im Urin.

Die richtige Ernährung gegen Diabetes

Um der Krankheit vorzubeugen, beginnen Sie am besten mit einer Umstellung Ihrer Ernährung. Vielleicht denken Sie, dass Sie gegen die Zuckerkrankheit am besten so wenig wie möglich Kohlenhydrate und schon gar keinen Zucker zu sich nehmen sollten. Doch das stimmt nicht. Allerdings müssen es die richtigen Kohlenhydrate und Zucker sein. Das Zauberwort heißt hierkomplexe Kohlenhydrate. Diese sind ballaststoffreich, weshalb ihre Zuckermoleküle erst verzögert ins Blut abgegeben werden. Auf diese Weise vermeiden Sie Blutzuckerspitzen nach dem Essen und der Blutzuckerspiegel bleibt in der Balance.

Lebensmittel, die reich an komplexen Kohlenhydraten sind

  • Vollkornbrot
  • ungeschälter Naturreis
  • Vollkornnudeln
  • Quinoa
  • frisches Obst

Hier dürfen Sie ebenso reichlich zugreifen wie bei allen Nahrungsmitteln, die resistente Stärke enthalten. Diese Art der Stärke ist den Ballaststoffen sehr ähnlich, denn sie wird vom Organismus ebenfalls nicht verwertet. Die besten Lieferanten für resistente Stärke sind Hülsenfrüchte. Kalte gekochte Kartoffeln und Bananen enthalten zwar auch resistente Stärke, die Spitzenreiter in dieser Kategorie sind jedoch die Hülsenfrüchte. Gleichzeitig liefern sie Ihnen wertvolles Eiweiß und Eisen.

Erbsen, Bohnen, Linsen und Sojabohnen sind daher perfekte Baustein Ihrer Ernährung zur Vorbeugung der Zuckerkrankheit. Ein weiterer Vorteil von Bohnen & Co.: Sie haben im Gegensatz zu anderen Eiweißlieferanten wie Fleisch relativ wenige Kalorien und helfen Ihnen daher beim Gewichtsmanagement. Das ist ebenfalls wichtig, denn Übergewicht gehört zu den Risikofaktoren für den Ausbruch der Zuckerkrankheit.

Verschiedene Hülsenfrüchte auf Porzellanlöffeln© Zerbor

Mit der richtigen Ernährung gegen Diabetes

Mit dieser Ernährung hat der Diabetes keine Chance:

  • Machen Sie einen Bogen um Light-Produkte. In Light- oder Diabetiker-Produkten wird der Zucker durch kalorienhaltige Austauschstoffe wie Sorbit, Isomalt oder Fruktose ersetzt, die Hungergefühle steigern. In der Schweinemast werden diese Süßstoffe eingesetzt, damit die Tiere mehr fressen. Um ein gesundes Körpergewicht zu halten, sollten Sie daher unbedingt auf diese Substanzen verzichten.
  • Halten Sie sich beim Alkohol zurück. Beschränken Sie sich auf ein gelegentliches Glas Wein und wählen Sie dazu eine sehr trockene Sorte. Auf Bier und Hochprozentiges sollten Sie verzichten.
  • Essen Sie täglich 5 Portionen Obst und Gemüse. Wenn Sie Ihre Nahrungszufuhr auf mehrere kleine Portionen verteilen, vermeiden Sie Blutzuckerspitzen und drastische Schwankungen in der Zuckerkonzentration.
  • Vermeiden Sie chemische Zusatzstoffe. Chemische Geschmacksverstärker wie Glutamat stehen nicht nur im Verdacht, schwere Krankheiten zu begünstigen, sie erhöhen auch Ihren Appetit und erschweren die Gewichtsabnahme. Kochen Sie lieber selbst aus frischen, unbehandelten Zutaten.
  • Essen Sie nicht mehr nach 20 Uhr. Am späteren Abend läuft der Zuckerstoffwechsel nur noch verlangsamt ab und die Glukose kann dadurch nur noch unzureichend in die Zellen aufgenommen werden.

GlucoWatch: Eine Revolution auf dem Markt

Das spezielle Blutzuckermessgerät, der GlucoWatch Biographer, wird ähnlich wie eine Uhr getragen und misst den Blutzuckerspiegel durch die Haut hindurch. Die Messungen werden alle 20 Minuten vorgenommen. Dafür werden geringe elektrische Ströme benutzt, welche die Haut eröffnen und Flüssigkeit in ein spezielles Messkissen an der Rückseite des Geräts saugen. Ist der Blutzuckerspiegel zu hoch oder zu niedrig, wird ein Alarmsignal gegeben.

Auch bei der Verwendung von GlucoWatch geht es nicht ohne Fingerstiche. Das Messkissen muss nach zwölf Stunden ausgewechselt werden. Zu diesem Zeitpunkt wird der Blutzuckerspiegel auf die klassische Weise mit einem Blutstropfen gemessen, um das Gerät zu eichen.

Weitere neuartige Blutzuckermessgeräte im Vergleich

Andere Blutzuckermessgeräte befinden sich in der klinischen Erprobung. Bei einem davon muss für mehrere Minuten ein Pflaster am Unterarm getragen werden. Es verändert seine Farbe, während es Blutzucker durch die Haut zieht. Die Ergebnisse werden durch ein tragbares Gerät angezeigt. Ein weiteres in Erprobung befindliches Gerät ist ein Sensor (Messfühler), der unter die Haut des Brustkorbs eingepflanzt wird. Der Sensor misst den Blutzuckerspiegel und meldet die Ergebnisse an ein Gerät außerhalb des Körpers.

In Deutschland werden die Kosten für die Hilfsmittel für Diabetiker nach ihrer Zulassung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bonn) und ihrer Anerkennung als Hilfsmittel von den Krankenkassen getragen.

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