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Bittergurken-Tee: Warum Sie diesen Tee als Dia­betiker unbedingt meiden sollten

Gerade als Diabetiker begegnen Ihnen leider immer wieder findige Geschäftemacher. Sie versuchen, Ihnen mit angeblich wertvollen Nahrungsergänzungsmitteln das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die angepriesenen Mittel sollen Ihren Blutzucker senken, Sie sogar in die Lage versetzen, ohne Insulin auszukommen. Neuestes Angebot: Bittergurken-Tee. Ich habe dieses angebliche Wundermittel für Sie einmal genauer unter die Lupe genommen. Lesen Sie im folgenden Beitrag, warum Sie diesen Tee als Diabetiker unbedingt meiden sollten.

Eine Tasse mit Tee© gtranquillity - Fotolia

Bittergurke oder auch Bittermelone ist unter dem Namen Momordica charantioa bekannt – sie wird häufig als Unkraut eingeordnet. In den tropischen Regionen, in denen sie ausschließlich wächst, gilt sie gleichermaßen als Nahrungsmittel wie auch als Heilpflanze.

Diese Verwendung in der traditionellen Medizin wird angeführt, wenn für die Bittergurke Werbung gemacht wird. Der Tee aus diesem exotischen Gewächs soll eine Wirkung gegen Diabetes zeigen. Wenn Sie sich gesund ernähren und bewegen und dazu eben diesen Tee trinken, sollen Sie in der Lage sein, Ihren Diabetes Typ 2 besser kontrollieren zu können. Darüber hinaus soll der Tee auch beim Diabetes Typ 1 helfen. Was aber ist an dieser Behauptung genau dran?

Ein Präparat für zwei Diabetes-Arten?

Zunächst einmal scheint es seltsam, dass ein Mittel bei zwei Diabetes-Arten helfen soll, die so unterschiedliche Ursachen haben.

  • Diabetes Typ 1 ist charakterisiert durch das Fehlen des kompletten Insulins. Betroffene müssen ein Leben lang Insulin spritzen,
  • Diabetes Typ 2 äußert sich dadurch, dass Insulin zwar vorhanden ist, allerdings kann es nicht mehr richtig wirken. Dadurch wird immer mehr Insulin gebraucht. Irgendwann kann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr so viel Insulin herstellen, wie benötigt wird. Der Blutzuckerspiegel kann vom Körper nicht mehr kontrolliert werden.

Gleich ist bei beiden Erkrankungen nur die Auswirkung: Der Blutzuckerspiegel ist nicht mehr steuerbar.

Kein Nachweis über Nutzen

Laut Werbung soll Bittergurken-Tee den Blutzucker senken. Aber wie genau das Getränk dieses vermag, dazu wird nichts ausgesagt. Auch darüber, wie wirksam der Tee wirklich ist, lässt sich nur schwer etwas finden. Es gibt lediglich eine Studie, mit der eine positive Wirkung des Tees nachgewiesen wurde. Aber an der nahmen nur acht Personen teil. So ist ihre wirkliche Aussagekraft sehr schwach. Sie ist durch diese geringe Teilnehmerzahl nicht zu verallgemeinern und aus wissenschaftlicher Sicht nicht relevant.

In der Werbung wird argumentiert, dass der Tee schon seit Jahrhunderten von Millionen von Menschen getrunken wird und seine Sicherheit daher garantiert sei. Eine Logik, die sich nicht nachvollziehen lässt. Denn nicht alles, was schon immer gemacht wurde, ist auch gesund.

Statt Nebenwirkungen werden in der Werbung positive Auswirkungen wie gesünderer Schlaf, bessere Durchblutung und ein gesteigertes Wohlbefinden versprochen. Auch diese Auswirkungen haben sich bisher nicht nachweisen lassen.

Risiken und Neben­wirkungen – in Massen vorhanden

Hinweise von Anwendern gibt es dagegen auf Risiken und Nebenwirkungen – und das nicht zu knapp. So kann der Tee Al­lergien hervorrufen, ebenso wie schwere Kopfschmerzen. Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass er bei schwangeren Versuchstieren zu einer Fehlgeburt führte.

Genauso schwammig bleiben die Hersteller mit ihren Aussagen, wenn es um die Dauer geht, wie lange der Tee angewandt werden soll. Lediglich wenn der Blutzucker zu sehr absinkt, sollen Betroffene den Tee absetzen und den Arzt aufsuchen.

Die fehlende Dosierungs­vorschrift macht den Tee so gefährlich

Und genau das macht den Bittergurken-Tee so gefährlich für Diabetiker. Seine Inhaltsstoffe schwanken stark, auch die Dosierung ist nicht festgelegt und kann im fertigen Getränk stark schwanken. So sind die Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel nicht nachprüfbar – aber eben auch nicht vorhersehbar.

Welche Folgen das haben kann, zeigt ein Fall aus Österreich. Hier sind zwei Kinder ins Koma gefallen, nachdem sie den Tee aus Bittergurken getrunken hatten. Es war zu einer lebensgefährlichen Unterzuckerung gekommen.

Nur die richtige Diabetes-Therapie schützt Sie vor Folgeerkrankungen

Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Diabetiker an jeden Strohhalm klammern, der sich ihnen bietet, um dem Spritzen von Insulin zu entgehen. Es gibt immer wieder Diskussionen unter Betroffenen, ob man nicht die Diabetes-Medikamente absetzen und nur noch diesen Tee trinken könne. Tun Sie das bitte nicht. Denn das Ziel einer Diabetes-Behandlung ist nicht nur, den Blutzuckerspiegel zu senken und den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Vielmehr soll mit der medikamentösen Behandlung auch verhindert werden, dass es zu Spätfolgen kommt.

Augenschäden, offene Beine und daraus resultierende Amputationen können nur verhindert werden, wenn Sie sich an Ihre persönliche Medikation halten. Nur diese garantiert Ihnen (fast) immer, dass Ihr Blutzuckerspiegel konstant bleibt. Ein Tee, der durch schwankende Inhaltsstoffe keine geregelte Senkung des Blutzuckers verursacht, kann dies nicht leisten. Sie setzen mit dem unregulierbaren Tee Ihre Gesundheit aufs Spiel.

Übrigens: Es gibt einen Punkt, in dem die Hersteller von Bittergurken-Tees Recht haben. Einen Satz können Sie aus der Werbung sehr wohl für sich herausziehen: Mit gesunder Ernährung und Bewegung können Sie versuchen, Diabetes zu bekämpfen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese beiden Maßnahmen helfen können, die Zuckerkrankheit besser in den Griff zu bekommen und den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Wäh­len Sie lieber diesen Weg. Er ist zwar mühsamer, aber definitiv gesünder.

Die „tödlichen Vier“ des metabolischen Syndroms

Im Zusammenhang mit einem Typ-II-Diabetes spricht man oft vom metabolischen Syndrom. Konkret verbergen sich dahinter die „tödlichen Vier“. Diese beschreiben das gemeinsame Vorhandensein von Übergewicht, Bluthochdruck, zu hohen Cholesterin- und Tryglyceridwerten sowie einer Insulinresistenz.

Das klingt bedrohlich und ist es auch, solange Sie nichts dagegen unternehmen und einen Diabetes mellitus wie eine Volkskrankheit in Kauf nehmen. 5 Millionen Betroffene – Dunkelziffer unbekannt: So sehen die Zahlen für Deutschland aus.

Durch mangelnde Aufklärung erfolgt die Diagnose zu einem Typ-II-Diabetiker in vielen Fällen zu spät und die Behandlung nicht konsequent genug. Sie sollten aus dem Grund wissen, woran Sie einen Typ-II-Diabetes erkennen und wie Sie seiner Vorstufe (Insulinresistenz) rechtzeitig und mit wirkungsvollen Maßnahmen begegnen.

Bei drei von vier wird’s kritisch!

Das Heimtückische an allen vier Mitgliedern dieser bedrohlichen „Vereinigung“: Sie sind schmerzfrei und weisen in den seltensten Fällen akute oder störende, warnende oder eindeutige Symptome auf. Eine Behandlung beginnt in vielen Fällen erst dann, wenn es bereits zu nicht reparablen Schäden kam.

Ein Diabetiker, der noch nichts von seiner Erkrankung weiß, weist mit drei der vier Vertretern dasselbe Sterberisiko durch einen Herzinfarkt auf wie ein Patient, der bereits einen Herzinfarkt hinter sich hat. Dem Übergewicht kommt dabei die entscheidende Schrittmacherfunktion zu. Also: Weg von ungesundem Übergewicht hin zu einer sicheren Grenze.

Wo diese Grenzen liegen, zeigt die Definition des metabolischen Syndroms der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation):

  • Übergewicht > 88 cm Taillenumfang Frauen >102 cm Taillenumfang Männer
  • HDL-Cholesterin < 50 mg% Frauen, < 40 mg% Männer
  • Triglyceride > 150 mg%
  • Blutdruck > 130/85 mmHg
  • Nüchternblutzucker > 110 mg%

Vitamin D als wirkungsvoller Schutz

In einer US-amerikanischen Studie untersuchten Forscher 257 Männer und Frauen über 18 auf ihren Vitamin-D-Gehalt im Blut. Sie nahmen den Blutdruck, notierten die Körpermaße und fragten die Verhaltensweisen zu Ernährung und Bewegung ab. Darüber hinaus erfassten sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Immer wieder fiel auf, dass die Teilnehmer mit einer guten Versorgung mit Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel einen guten Cholesterinwert in Bezug auf das „gute“ HDL-Cholesterin aufwiesen. Darüber hinaus zeigten diese Teilnehmer einen geringeren Körperumfang.

Tests zur Diabetes-Diagnose

Um eine Diabetes-Typ2-Erkrankung zu diagnostizieren, gibt es unterschiedliche Tests. Hierzu gehören

  • Die Nüchternuntersuchung. Dies ist der Test, der bei erhöhten Blutzuckerwerten und einem ersten Diabetes-Verdacht durchgeführt wird. Dazu müssen Sie acht Stunden vor dem Test nichts gegessen haben, dann wird Ihnen entweder venöses Blut oder Blut aus der Fingerkuppe entnommen. In diesem Blut wird der Blutzucker gemessen. Er darf im Blut aus der Vene nicht höher als 125 mg/dl sein, im Kapillarblut aus der Fingerkuppe nicht höher als 110 mg/dl. Nach einigen Tagen wird diese Untersuchung noch einmal wiederholt. Zwar ist sie relativ genau. Doch wenn die Werte beider Tests stark variieren, wird eine weitere Untersuchung durchgeführt: der sogenannte
  • Orale Glukosetoleranztest. Er wird angewandt, wenn fraglich ist, ob Sie an Diabetes erkrankt sind. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Blutzuckerwerte in Ordnung sind, Sie aber Diabetes-Symptome aufweisen. Drei Tage lang müssen Sie sehr kohlenhydratreich essen, danach zehn Stunden auf Essen und Trinken verzichten. Beim Arzt trinken Sie dann eine Mischung aus 75 Gramm Traubenzucker und 250 ml Wasser oder Tee. Vorher, nach einer und nach zwei Stunden wird Ihnen Blut abgenommen und dann wird der Blutzuckerwert bestimmt. Wenn er nach zwei Stunden über 140 mg/dl liegt, ist Ihre Glukosetoleranz gestört, ist er nach zwei Stunden höher als 200 mg/dl, leiden Sie an Diabetes. Leider kann dieser Test zum Beispiel durch Medikamenteneinnahme oder unregelmäßige Schlafgewohnheiten gestört werden.

Es gibt noch weitere Tests, die auf eine Diabetes-Erkrankung hinweisen können. Dies ist unter anderem eine Urin-Untersuchung. Diese ist recht einfach durchzuführen und eignet sich als Test für zu Hause. Dabei bestimmen Sie mit Urinstreifen Ihren Harnzucker, regelmäßig, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen. Findet sich dann jedes Mal Zucker im Urin, kann das ein Zeichen für Diabetes sein. Allerdings ist der Test nicht in beide Richtungen aussagekräftig.

Findet sich kein Zucker im Urin, bedeutet das nicht, dass Sie nicht unter Diabetes leiden. Denn bei angegriffener Niere ist der Punkt, an dem Zucker mit dem Urin ausgeschieden wird, erhöht. Auch bei sehr hohen Blutzuckerwerten scheiden Sie keinen Zucker mit dem Urin mehr aus.

Im Gegensatz hierzu steht der HbA1c-Wert. Dies ist ein Wert, der nicht für die Entdeckung eines akuten Diabetes geeignet ist. Er dient dazu, den Blutzucker über die letzten drei Monate hinweg zu kontrollieren. Dabei wird der Anteil der Glukose gemessen, der sich in den letzten drei Monaten an den roten Blutfarbstoff gebunden hat.

Bei gut eingestellten Diabetikern sollte er unter 7 Prozent liegen. So lässt sich die Wirksamkeit Ihrer Diabetes-Therapie bestimmen. Aber Ihr Arzt kann auch erkennen, ob Sie sich überhaupt an Ihre Therapie halten. Denn er gibt auch kleine Sünden wieder. Als Diabetiker sollten Sie diesen Wert einmal im Vierteljahr bestimmen lassen.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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