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Colitis ulcerosa: Behandlung mit Nikotinpflaster

Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, meist mit Geschwürbildung. Im Unterschied zum Morbus Crohn, ebenfalls einer Form von Darmentzündung, betrifft hier die Entzündung lediglich den Dickdarm (Kolon). Beim Morbus Crohn enzünden sich Dünn- und Dickdarm und in vielen Fällen dringt die Erkrankung durch die Schichten der Darmwand hindurch.

Die Colitis ulcerosa flammt ohne Anzeichen plötzlich auf. Sie verursacht Bauchkrämpfe, heftige und häufige Darmbewegungen, Durchfall und blutige Stühle. Zwischen einzelnen Schüben haben viele Patienten lange Phasen ohne Beschwerden. Die Colitis ulcerosa tritt bei weniger als einem von 10.000 Menschen auf. Sie betrifft überwiegend junge Leute zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Aus bislang ungeklärten Gründen tritt die Colitis unter Kaukasiern am häufigsten auf. Allem Anschein nach beruht sie auf einer familiären Veranlagung.

Blick ins Innere bestimmt Ausmaß der Entzündung

Zur Diagnose einer Colitis ulcerosa setzt man häufig die Koloskopie ein. Während der Arzt das Koloskop durch den Dickdarm führt, sieht er auf einem Videomonitor die Dickdarmschleimhaut. Auf diese Weise bestimmt er das Ausmaß der Entzündung. Durch dieses flexible Spezialendoskop entnimmt er darüber hinaus kleine Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung.

Colitis ulcerosa: Neue Behandlungsmethode mit Nikotinpflaster

In den USA gibt es eine neue Behandlungsmethode für Colitits ulcerosa: ein Nikotinpflaster, das bislang üblicherweise zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird.

Bevor die Ärzte der Mayo Clinic jedoch das Nikotinpflaster empfehlen, ziehen sie die traditionellen Medikamente vor, die zum Beispiel die Wirkstoffe Prednison, Sulfasalazin (z. B. Azulfidine ®) oder Mesalazin (z. B. Claversal ®, Salofalk ®) enthalten. In Deutschland sind Nikotinpflaster derzeit für die Anwendung bei Colitis ulcerosa noch nicht amtlich zugelassen (z. B. Nicotinell ®, Angabe des Herstellers). Einige Ärzte testen jedoch zur Zeit diese Anwendung (Novartis Pharma Consumer Care, München).

Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Nach Schätzungen der Deutschen Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung leiden in Deutschland circa 200.000 Menschen daran. Die Krankheit ist durch nicht vorhersagbare Schübe charakterisiert. Sie verursacht Bauchkrämpfe, Stuhldrang und häufigen Stuhlgang, Durchfall und blutige Abgänge.

Zwischen den Schüben tritt häufig eine Remission (vorübergehendes Nachlassen chronischer Krankheitszeichen, jedoch ohne Erreichen der Genesung) auf. Colitis ulcerosa erhöht das Risiko eines Dickdarmkrebses. Dieses Risiko steigt proportional mit der Dauer der Krankheit an.

Neue Colitis-Behandlung scheint vielversprechend

Etliche Studien in Amerika haben gezeigt, daß der Gebrauch des Nikotinpflasters zur kurzzeitigen Linderung der Schübe einer Colitis ulcerosa beitragen kann. Die jüngste Studie wurde in Annals of Internal Medicine in der Ausgabe vom 1. März 1997 veröffentlicht. Die Autoren haben festgestellt, daß Personen mit einem akuten Colitis-ulcerosa-Schub, die das Pflaster 1 Monat lang trugen, 4mal häufiger eine Linderung erfuhren als Personen mit einem Plazebopflaster, also einem Pflaster ohne Wirkstoff.

Auf welche Weise das Nikotin zur Linderung der Symptome beiträgt, ist nicht geklärt. Die Ärzte vermuten, daß es den Dickdarm schützt, indem es dort die Schleimproduktion anregt und den Schleim dicker macht. Nikotin könnte auch dazu beitragen, die Entzündung im Dickdarm zu vermindern. Obwohl die Ergebnisse der Studien vielversprechend sind, ist es wichtig festzustellen, daß eine Wirksamkeit des Nikotinpflasters nur bei der Kurzzeitbehandlung eines akuten Schubs der Colitis ulcerosa nachgewiesen werden konnte.

Außerdem müssen weitere Studien zeigen, ob das Nikotinpflaster ein geeignetes Mittel ist, akute Schübe der Erkrankung für eine längere Zeitspanne zu behandeln oder einem Rückfall vorzubeugen.

Nicht bei jeder Colitis ulcerosa ist das Darmkrebsrisiko erhöht

Forschungen haben ergeben: Eine Colitis ulcerosa erhöht nicht zwangsweise das Risiko für Darmkrebs. Es ist erst dann deutlich höher, wenn der Darm komplett betroffen ist. Dann sollten Sie spätestens acht Jahre nach der Diagnose eine jährliche Kontrolluntersuchung durchführen lassen. Dies ist dann eine koloskopische Untersuchung, also eine Darmspiegelung, bei der auch Gewebeproben entnommen werden.

So kann früh erkannt werden, ob sich eventuell ein Darmkrebs bildet. Möglich ist auch, zusätzlich bei der Darmspiegelung, mit Chromoendoskopie zu untersuchen. Dabei wird die Darmschleimhaut eingefärbt. So kann Ihr Arzt kleine Veränderungen früh erkennen.

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