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Alle Fakten über Colitis Ulcerosa

Die Colitis ulcerosa bezeichnet eine Entzündung des Dickdarms mit unvorhersehbaren Folgen. Dank medizinischer Fortschritte ist sie heute besser behandelbar. Durch neuere Forschungserkenntnisse ergeben sich vielversprechende Behandlungsansätze.

Eine Form der Darmentzündung

Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, meist mit Geschwürbildung. Im Unterschied zum Morbus Crohn, ebenfalls einer Form von Darmentzündung, betrifft hier die Entzündung lediglich den Dickdarm (Kolon). Beim Morbus Crohn enzünden sich Dünn- und Dickdarm und in vielen Fällen dringt die Erkrankung durch die Schichten der Darmwand hindurch.

Die Colitis ulcerosa flammt ohne Anzeichen plötzlich auf. Sie verursacht Bauchkrämpfe, heftige und häufige Darmbewegungen, Durchfall und blutige Stühle. Zwischen einzelnen Schüben haben viele Patienten lange Phasen ohne Beschwerden. Die Colitis ulcerosa tritt bei weniger als einem von 10.000 Menschen auf. Sie betrifft überwiegend junge Leute zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Aus bislang ungeklärten Gründen tritt die Colitis unter Kaukasiern am häufigsten auf. Allem Anschein nach beruht sie auf einer familiären Veranlagung.

Blick ins Innere bestimmt Ausmaß der Entzündung

Zur Diagnose einer Colitis ulcerosa setzt man häufig die Koloskopie ein. Während der Arzt das Koloskop durch den Dickdarm führt, sieht er auf einem Videomonitor die Dickdarmschleimhaut. Auf diese Weise bestimmt er das Ausmaß der Entzündung. Durch dieses flexible Spezialendoskop entnimmt er darüber hinaus kleine Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung.

Colitis ulcerosa: Therapiemöglichkeiten

Zur Vorbeugung von Schüben leichter bis mittlerer Colitis ulcerosa setzen die Ärzte seit den 1940er Jahren den entzündungshemmenden Wirkstoff Sulfasalazin ein. Bei der Einnahme von Sulfasalazin treten jedoch bei 10 bis 40 Prozent der Patienten Nebenwirkungen auf. Dazu gehören Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschläge und Kopfschmerzen.

Die unterschiedlichen Wirkstoffe

Innerhalb der letzten Jahre entwickelte die Forschung die Wirkstoffe Mesalazin (Salofalk® u. a.) und Olsalazin (Dipentum®). Diese Präparate können die Beschwerden mit geringeren Nebenwirkungen als Sulfasalazin reduzieren, sind jedoch teurer.

Das oral verabreichte Prednison kommt häufig zum Einsatz, um bei Schüben mittlerer bis schwerer Kolitis die Entzündung einzudämmen. Die alleinige Gabe von Steroiden zeigt in der Phase der Beschwerdefreiheit keine Wirkung. Bisher wiesen keine Untersuchungen nach, dass man weitere akute Schübe verhindern kann.

Wie wirken die Mittel?

Azathioprin (Imurek®) und 6-Mercaptopurin (Purinethol®) sind Immunmodulatoren, die die natürliche entzündungshemmende Fähigkeit des Organismus erhöhen. Eine Immunmodulation stellt eine Veränderung der Immunantwort durch verschiedene Substanzen dar. Diese stimmulieren (Immunstimulanzien) das Immunsystem oder schwächen es ab (Immunsupressiva).

Da Sie diese Präparate bis zu drei Monate lang einnehmen, bevor eine Wirkung feststellbar ist, setzt man bei akuten Schüben Kortikosteroide ein. Immunmodulatoren kommen als Langzeittherapie oder gemeinsam mit einer geringeren Dosis Kortikosteroiden zum Einsatz (Einsparung des nebenwirkungsreicheren Kortinsons, wenn es langfristig in hohen Dosen verabreicht wird).

Therapien der Zukunft

Bei Budesonid handelt es sich um ein Kortikosteroid, das sich in klinischen Studien bei Morbus Crohn als effektiv erwies und möglicherweise die Colitis ulcerosa unter Kontrolle bringt. Im Unterschied zu anderen Steroiden (etwa Prednison) kommt es bei Budesonid nicht zu weitreichenden Nebenwirkungen.

Wissenschaftler entwickeln derzeit schneller wirkende Immunmodulatoren, um bei akuten Schüben nicht mehr allein auf Steroide angewiesen zu sein. Es befinden sich darüber hinaus Nikotinpflaster im Testeinsatz, nachdem man herausfand, dass diese Pflaster Kolitisbeschwerden lindern.

Lecithin lindert die Symptome

Mediziner der Universität Heidelberg behandelten Patienten mit Colitis ulcerosa erfolgreich mit Lecithin. 60 Patienten erhielten entweder 6 g Lecithin täglich oder ein Scheinmedikament (Placebo). Nach drei Monaten fragte man sie nach Beschwerden wie Schmerzen, Durchfall oder Übelkeit. In der Lecithin-Gruppe besserten sich diese bei 90 Prozent eindeutig. In der Placebo-Gruppe war das lediglich bei 10 Prozent der Patienten der Fall. Es steht damit fest, dass die vitaminähnliche Substanz Ihre Darmschleimhaut schützt.

Colitis ulcerosa: Krebs als mögliche Komplikation

Das toxische Megakolon ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation der Colitis ulcerosa, bei der sich der Dickdarm erheblich aufbläht. Die Symptome – schwere Kolitis, Fieber und Anschwellung des Bauches in Verbindung mit Schmerzen, Veränderung der Darmperistaltik mit Störung der Darmentlee-rung – erfordern meist eine intensivmedizinische Betreuung und eine notfallmäßige Operation.

Die meisten Patienten mit einer Colitis ulcerosa haben nur ein leicht erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko. Das Krebsrisiko steigt jedoch ständig an, je länger die Kolitis anhält.

Patienten mit sogenannter Pankolitis, bei der der gesamte Dickdarm betroffen ist, und die seit mehr als 8 Jahren an Kolitis leiden, haben das größte Risiko.

Sollte bei Ihnen ein erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko vorliegen, rät Ihr Arzt Ihnen eventuell, die Koloskopie häufiger als nur alle drei bis fünf Jahre durchführen zu lassen, wenn Sie das 50. Lebensjahr überschritten haben.

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