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Warum die Psyche selten schuld an Verdauungsbeschwerden ist

Ständiger Durchfall, Völlegefühl oder Schmerzen im Unterleib sind Merkmale eines Reizdarms. Jeder Zweite, der einen Magen-Darm-Spezialisten aufsucht, leidet heute an dieser Zivilisationskrankheit.

Längst ist das Vorurteil widerlegt , dass der Reizdarm vor allem psychisch bedingt sei. Hier erfahren Sie, wie Sie die wahren Auslöser erkennen, welche Nahrungsmittel Sie meiden sollten und wie Sie die lästigen Beschwerden sanft, aber dauerhaft in den Griff bekommen.

Typische Reizdarm-Beschwerden

  • Schmerzen und Krämpfe in der Bauchregion (häuf ig an wechselnden Stellen)
  • Durchfall, Verstopfung (einzeln oder abwechselnd)
  • häuf iger Stuhldrang
  • Gefühl unvollständiger Darmentleer ung
  • Blähungen
  • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Übelkeit
  • Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Schlafstörungen

Selten hat ein Reizdarm nur eine einzige Ursache. Vielmehr kommt meist ein ganzes Bündel unterschiedlicher Probleme für die Beschwerden in Frage.

Das können die Ursachen eines Reizdarms sein

  • gestörter Transport des Nahrungsbreis (Peristaltik) im Dar m
  • herabgesetzte Schmerzschwelle im Darm
  • Über produktion von Verdauungsenzymen
  • Störungen der Darmflora und des Darm-Immunsystems
  • Darminfektionen (z. B. durch Salmonellen, Coli-Bakterien)
  • psychische Belastungen

Hier zu Lande leiden immerhin 15 bis 20 % der erwachsenen Bevölkerung an einem Reizdarm – Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Tun Sie solche Störungen nicht einfach als Bagatelle ab. Zwar sind die lästigen Beschwerden nicht lebensbedrohlich (Reizdarm-Patienten haben aus unbekannten Gründen statistisch sogar eine höhere Lebenserwartung als die übrige Bevölkerung), aber das Alltagsleben wird erheblich eingeschränkt.

Noch bis vor wenigen Jahren galt der Reizdarm als typisches Beispiel einer psychosomatischen Erkrankung – also eines Leidens, das ganz wesentlich von psychischen Problemen und Belastungen hervorgerufen wird.

Heute steht jedoch fest, dass dahinter vor allem Störungen im Nervensystem des Darms stecken. Normalerweise sorgt dieses durch die koordinierte Kontraktion der Darmmuskulatur (Peristaltik) dafür, dass der Nahrungsbrei langsam, aber stetig vorwärtsbewegt wird. Wenn er jedoch zu schnell transportiert wird, kommt es zu ständigem Stuhldrang und Durchfall. Arbeitet das Nervensystem zu langsam, resultiert daraus hingegen Verstopfung.

Neue Forschungen: Darminfektionen sind ein wichtiger Auslöser

Im Jahr 2007 haben kanadische Experten der McMaster-Universität in Hamilton/Ontario sogar erste Hinweise darauf gefunden, dass auch Magen-Darm-Infektionen zu den chronischen Symptomen beitragen können.

In einer kanadischen Kleinstadt hatte sich zwei Jahre nach einer Durchfallepidemie, die durch mit Coli-Bakterien verunreinigtes Trinkwasser ausgelöst worden war, auch die Rate an Reizdarm-Patienten verdoppelt. Die Forscher vermuten, dass die Bakterien das Nervensystem des Darms schädigen können. Bei etwa jedem 10. Reizdarm-Patienten wird heute von einer infektiösen Ursache ausgegangen. Dafür sprechen auch gute Behandlungserfolge mit einem darmspezifischen Antibiotikum (Rifaximin, 10 Tage lang 3 x 400 mg täglich).

Die Therapie richtet sich in der Regel nach den vorherrschenden Symptomen (z. B. Schmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall). Dazu steht eine Reihe von schulmedizinischen Mitteln zur Verfügung – u. a. Schmerzmittel, Antidepressiva (zur Beruhigung der Darmnerven) oder krampflösende Mittel (u. a. Butylscopolamin). Im Vordergrund der Behandlung sollten aber stets natürliche Maßnahmen stehen. Denn nur die packen das Problem an der Wurzel.

Reizdarm kann durch Lebensmittelallergie verursacht werden

Menschen, die unter einem Reizdarm-Syndrom leiden, sind oft der Meinung, dass ihre Beschwerden daher rühren, dass sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und eine Allergie die Symptome verursacht. Bisher waren Wissenschaftler dieser Theorie eher abgeneigt – immerhin sind, so dachte man, nur 5 % aller Menschen allergisch auf Lebensmittel. Stattdessen war man der Meinung, dass der Reizdarm durch Fehler in den Nervensignalen hervorgerufen würden, die zwischen Gehirn und Verdauungstrakt gesendet werden.

Wissenschaftler des St. George’s Hospital in London haben jetzt herausgefunden, dass ein Reizdarm-Syndrom durchaus durch eine Lebensmittelallergie verursacht werden kann. Die Forscher untersuchten Blut der Patienten und fanden heraus, dass Menschen, die unter einem Reizdarm leiden, verstärkt Antikörper gegen Weizen, Schwein, Rind und Soja im Blut haben. Aus persönlichen Erfahrungen konnten die Testpersonen berichten, dass ein Verzicht auf Lebensmittel, die solche Komponenten enthalten, auch die Symptome lindert.

Natürlich kann ein Reizdarm-Syndrom bei Ihnen auf einer Unverträglichkeit anderer Lebensmittel beruhen. Aber da die Testpersonen überwiegend die oben genannten Antikörper gebildet haben, sollten Sie, wenn Sie unter einem Reizdarm leiden, diese Lebensmittel einmal weglassen. Vielleicht lindert das ja auch Ihre Beschwerden.

Diese sanften Heilverfahren helfen Ihnen bei Reizdarmbeschwerden

  • Ernährungsumstellung, Meidung auslösender Lebensmittel
  • Ballaststoff- und Probiotika-Präparate („Darmsanierung“)
  • Heilpflanzenextrakte
  • Colon-Hydro-Therapie
  • Fastenkuren (z. B. Mayr-Kur)
  • Psychotherapie
  • Hypnose
  • Entspannungsverfahren (u. a. Yoga, progressive Muskelentspannung)
  • Wärmebehandlungen

In der Traditionellen Chinesischem Medizin (TCM) wird bei Reizdarm besonders auf die Ernährung geachtet. Bevorzugen sollten Siedanach vor allem warme und fleischlose Speisen; zu meiden sind Rohkost oder Zitrusfrüchte. Zum Einsatz kommen außerdem Akupunktur, eine spezielle Massage-Technik (Tuina) sowie individuell verordnete Heilkräuter-Kombinationen.

Mehr Ballaststoffe helfen nicht immer

Da die Beschwerden oft durch bestimmte Nahrungsmittel ausgelöst werden, sollten Sie über mehrere Monate ein möglichst genaues Ernährungstagebuch führen. Reagieren Sie z. B. auf Milch und Milchprodukte empfindlich (das trifft auf etwa 45 % der Reizdarm-Patienten zu), könnte eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) vorliegen.

Vertragen Sie dagegen Früchte oder Obstsäfte schlecht (etwa 50 % der Patienten), deutet dies auf eine Fruchtzuckerunverträglichkeit hin. Die meisten Ärzte raten Reizdarm-Patienten auch, mehr Ballaststoffe zu essen. Wenn sich bei Ihnen der Reizdarm jedoch vor allem durch Blähungen oder Schmerzen bemerkbar macht, können Ballaststoffe die Symptome sogar noch verstärken. Wirklich profitieren werden Sie wahrscheinlich nur dann, wenn Verstopfung oder Durchfall im Vordergrund stehen.

Setzen Sie in diesem Fall vor allem auf so genannte „Gelbildner“, die den Stuhl fest und geschmeidig machen – z. B. Flohsamenschalen (hergestellt aus den Samen einer indischen Wegerichart; 250 g etwa 7 Euro, in Apotheken oder Reformhäusern).

Nehmen Sie davon zu Beginn 1 bis 2 EL täglich mit viel Flüssigkeit ein. Bei guter Verträglichkeit können Sie die Tagesdosis langsam auf bis zu 6 EL (etwa 30 g) steigern. Statt auf Flohsamen schwören manche Patienten eher auf Weizenkleie zur besseren Versorgung mit Ballaststoffen. Diese wird jedoch erfahrungsgemäß oft schlechter vertragen.

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Alte Kommentare
  • de la Rosee schrieb am 24.08.2010, 10:14 Uhr

    Ich habe mein Leben lang Probleme mit Verstopfung gehabt, habe so ziemlich alles probiert, was angeblich die Verdauung fördern soll und habe vor 1 Jahr endlich die Lösung gefunden: bei mir wirkt nur das Enzym Bromelain, das ich nun regelmäßig einnehme - seitdem bin ich von meinem Leiden komplett geheilt.