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Natürliche Cholesterinsenker: Es müssen nicht immer Statine sein!

„Sie brauchen dringend einen Cholesterinsenker! Nehmen Sie ihn nicht, ist Ihre Gesundheit in großer Gefahr, in den nächsten ein bis zwei Jahren droht ein Herzinfarkt, der tödlich sein kann!“

Vielleicht haben Sie diesen Satz Ihres Arztes auch schon gehört. Und, haben Sie ihm geglaubt? Wahrscheinlich ja, denn Sie haben ja Angst um Ihre Gesundheit. Wer riskiert schon freiwillig sein Leben? Dabei würden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit ganz ohne Medikamente auskommen und auf diesem Wege Ihre Gesundheit sogar schützen. Doch warum ist das so?

Lernen Sie die Alternativen kennen!

Heute gehören sie zur Alltagsmedizin: Statine, die Ihnen dann verschrieben werden, wenn Ihre

Herz© photocrew - Fotolia
Cholesterinwerte zu hoch sind. Spätestens seit dem Lipobay-Skandal wissen wir, dass diese Mittel nicht ungefährlich sind. Es gibt Alternativen: Natürliche Cholesterinsenker. Erhöhte Blutfettwerte sind Vorläufer vieler Erkrankungen, die heute als Zivilisationskrankheiten zu unserem täglichen Leben gehören. Herzinfarkt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Arteriosklerose – sie alle werden durch erhöhte Cholesterinwerte ausgelöst.

Dagegen muss man natürlich etwas tun. Auch die Pharma-Industrie hat diesen großen Markt erkannt. Seit gut 15 Jahren gelten die CSE-Hemmer, also Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer, als die Behandlung schlechthin gegen erhöhte Cholesterinwerte.

Statine: Ein gewaltiger Markt für die Pharma-Konzerne

Ab 200 mg/dl wird Ihnen ein Cholesterinsenker verordnet. Aufgabe der Statine ist es, in der Leber die Bildung von Cholesterin zu hemmen. Dazu verhindern sie, dass das Enzym, das für diese Cholesterinbildung nötig ist, arbeiten kann. Angeboten werden diese von fast allen großen Pharma-Unternehmen – sie machen einen Großteil des Umsatzes aus. Im Jahr 2002 wurden allein in Deutschland 12 Millionen Mal die acht bedeutendsten Statine verordnet. Gezählt wurden dabei nur die Verschreibungen, die gesetzlich versicherte Patienten betrafen. Diese Zahl entspricht einem Umsatz von 1,26 Milliarden Euro – ein gewaltiger Markt.

Mit gezieltem Marketing sorgen die Unternehmen dafür, dass die Umsätze weiter sprudeln: Sie bezahlen Experten, die in bestimmten Gremien sitzen. In den Gremien, in denen Grenzwerte wie eben die Cholesterinwerte festgelegt werden, ab denen Sie Medikamente nehmen sollen. Merken Sie etwas? Wundert es Sie, dass die Cholesterin-Grenzwerte nach und nach innerhalb von 50 Jahren von 300 auf 200 mg/dl gesenkt worden sind? Nun sind wir an einem Grenzwert angekommen, den vier Fünftel aller Deutschen aufweisen – eine Riesenzielgruppe für die Pharma-Industrie. Dabei braucht ein Großteil der Betroffenen gar keine Statine, die übrigens schwere Nebenwirkungen mit sich bringen.

Auf den ersten Blick scheinen Statine zu schützen

Um den Erfolg eines Medikaments zu überprüfen, werden Studien durchgeführt. Die erste wirklich wichtige Studie zum Thema „Cholesterinsenker“ war die 4S-Study, die Scandinavian Simvastatin Survival Studie Group. Sie zeigte, dass täglich 20 bis 40 mg eines Statins die Gesamtsterblichkeit deutlich senkte. Das Todesrisiko ging um 30 Prozent zurück.

Es waren 4.444 Patienten an dieser Studie beteiligt. Von diesen erhielten 2.221 das Statin, 2.223 Studienteilnehmer bildeten die Beobachtungsgruppe. Sie wurden nicht behandelt. In dieser Gruppe, die keine Medikamente erhielt, starben im Untersuchungszeitraum von 5,4 Jahren 256 Menschen. In der Gruppe, die behandelt wurde, war das Risiko eines Todesfalles um 30 Prozent niedriger. Das macht in Zahlen genau 74 Menschen weniger, die an Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnlichen Cholesterinfolgen starben.

Doch vergessen Sie diese Nebenwirkungen nicht

Doch Statine sind nicht harmlos. Früher wurden sie oft mit Fibraten kombiniert. Diese Kombination, die durch Lipobay eine traurige Berühmtheit erlangt hat, begünstigt die Auflösung von Muskelgewebe. Zudem fördert diese Stoffgruppe Magen- und Darmprobleme sowie Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen. Aber auch die Statine ohne Fibrate, die heute verschrieben werden, können starke Nebenwirkungen hervorrufen. Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Leber- und Nierenschäden sind nur einige der Probleme, die sie verursachen können. Sie sind nur in wenigen Fällen wirklich sinnvoll, wenn Sie zum Beispiel unter Fettstoffwechselstörungen leiden, Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten.

Im Normalfall ist es besser, wenn Sie Ihre Ernährung umstellen und bestimmte Schutzstoffe auf Ihren Speiseplan setzen. Selen zum Beispiel ist ein Vitalstoff, der Ihren Cholesterinwert senken kann. Essen Sie gern Tomaten, verringern Sie Ihren Cholesterinwert ebenfalls.

Neue Wirkstoffe bringen nur scheinbar Erfolg

Als neuer Weg in der Cholesterin-Therapie gilt seit knapp drei Jahren der Wirkstoff Ezetimibe. Er setzt an anderer Stelle an: Seine Aufgabe ist es, die Cholesterin-Aufnahme im Dünndarm zu hemmen. Er blockiert einen Transportmechanismus im Darm, der normalerweise das Cholesterin über die Darmzellen ins Blut leiten würde. Eine Doppelblindstudie der Herstellerfirma wird als „erfolgreich“ angepriesen. Bei dieser erhielten 769 Patienten entweder 10 mg des neuen Wirkstoffs oder aber ein Scheinmedikament. Zusätzlich bekamen alle Teilnehmer zehn Wochen lang eine Statin-Therapie. Bei denjenigen, die Statine und Ezetimibe erhielten, sank das LDL-Cholesterin (das schlechte Cholesterin) um zusätzlich 21,4 Prozent. Das HDL, also das gute Cholesterin, stieg um 1,7 Prozent.

Ein Problem bei der Statintherapie ist, dass sich Ihr Cholesterinquotient nicht verbessert. Es reicht nämlich nicht aus, nur die einzelnen Cholesterinwerte zu messen. Ein Gesamtcholesterinspiegel von 200 mg/dl Blut kann gut oder schlecht sein, je nachdem, ob er sich aus viel gutem HDL oder viel „bösem“ LDL-Cholesterin zusammensetzt.

Auf den Cholesterinquotienten kommt es an

Daher ist der Cholesterinquotient entscheidend. Dazu teilen Sie den Anteil Ihres Gesamtcholesterins durch Ihr HDL-Cholesterin. Dieser Wert liegt mit4,4 genau bei dem der Durchschnittsbevölkerung – bei dem Durchschnitt, der im Laufe seines Lebens verkalkte Arterien aufweist.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben einen Gesamtcholesterinwert von 200 (160 LDL und 40 HDL). Nun nehmen Sie die oben erwähnte Kombination ein. Daraufhin sinkt Ihr LDL um 21 Prozent auf 126, Ihr HDL steigt um 1,7 Prozent auf 40,68. Dann drücken Sie Ihren Cholesterinquotienten auf eben jenen Wert der Durchschnittsbevölkerung, auf 4. Sie werden das Verhältnis aber nicht verbessern können, da Ihr HDL-Cholesterin kaum ansteigt. Das aber ist nötig, um Herzinfarkt und Schlaganfall zu vorzubeugen.

Laufen Sie Ihrem Cholesterin einfach davon

Statine bringen Sie also nicht weiter. Sie sollten sich einen anderen Weg suchen, Ihr Cholesterin zu senken. So einen Weg gibt es tatsächlich. Er ist nur nicht ganz so bequem, als wenn Sie einfach nur eine Pille schlucken würden. Fangen Sie an, Ausdauersport zu treiben. Bewegen Sie sich viermal pro Woche 30 Minuten lang. Wenn Sie laufen, steigern Sie den Anteil des HDL in Ihrem Blut, also genau das Cholesterin, welches das „böse“ LDL nach außen transportiert. Das funktioniert nicht sofort.

Rund drei Monate müssen Sie Ihrem Körper geben, dann haben sich die Enzyme in Ihren Muskeln umgestellt von Zucker- auf Fettverbrennung. Sie verbrennen dann während des Sports 90 Prozent Fett und dabei auch jenes Blutfett, das Sie unter dem Namen Cholesterin kennen. Auf diese Weise können Sie übrigens auch dann Ihren Cholesterinquotienten verbessern, wenn Sie sich die hohen Cholesterinwerte nicht „angefuttert“ haben, sondern wenn sie eine hohe Eigenproduktion an Cholesterin haben, Ihre hohen Cholesterinwerte also genetisch bedingt sind. Wichtig ist nur die richtige Sportart. Laufen oder walken Sie, fahren Sie Rad – langsamer Ausdauersport bringt auch Sie bald vom Durchschnitt der verkalkenden Menschen in die absolute Spitzengruppe mit einem Cholesterinquotienten, der eine 2 vor dem Komma aufweist.

Laufen© Stefan Schurr - Fotolia

Wie sinnvoll sind Cholesterin-Selbsttests?

Es gibt eine Reihe von Tests, mit denen Sie selbst Ihr Cholesterin messen können. Sie geben vor, sehr einfach zu sein. Quasi nebenbei sollen Sie so zu Hause Ihren Cholesteringehalt im Blut selbst messen können. Nachteil dieser Tests: Sie müssen die Gebrauchsanweisung genau berücksichtigen. Und hier liegt das Problem. Sie müssen sich in den Finger stechen und die exakt benötigte Menge Blut auf den Teststreifen tropfen. Zu viel oder zu wenig Blut verfälscht das gesamte Testergebnis. Zudem müssen solche Tests für Sie als Verbraucher erschwinglich sein. Sie sind daher nicht so komplex konzipiert wie Labortests, die von geschultem Personal ausgewertet werden.

Noch ein Problem ergibt sich bei Cholesterin-Selbsttests: Der Cholesteringehalt im Blut steigt an, wenn Sie zum Beispiel bestimmte Medikamente nehmen oder vorher fettreich gegessen haben. Aus diesem Grund werden beim Arzt fast nie „isolierte Bluttests“ gemacht, die nur einen Wert betrachten. Auch beim Cholesterin ist das nicht sinnvoll. Ein Grund mehr, die Werte vom Arzt im Rahmen eines Blutbildes bestimmen zu lassen.

Oxycholesterin: Noch gefährlicher als LDL

Dank der Zunahme der industriell verarbeiteten Lebensmittel und des Fast Food bildet sich mittlerweile eine Cholesterinart heraus, die noch gefährlicher als das bekannte LDL ist: das Oxycholesterin. Oxycholesterin bildet sich, wenn Sauerstoff und Cholesterin sich verbinden. Dies geschieht überwiegend dann, wenn fettreiche Lebensmittel hoch erhitzt werden. Das haben Forscher der University of Hong Kong herausgefunden. Sie fütterten Hamster mit einer Ernährung, die reich an Oxycholesterin war. Das Ergebnis: Der Cholesterinspiegel im Blut stieg enorm an und die Arterien verstopften deutlich schneller. Zudem wurden die Gefäße unelastisch. All dies führt zu Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Forscher raten daher, hocherhitzte fettreiche Lebensmittel zu meiden, genau so wie gehärtete Fette und Pflanzenöle. Zudem kann eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse die Verbindung von Sauerstoff und Cholesterin verhindern.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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