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Gesunde Fette: Mit Rapsöl verbessern Sie Ihren Cholesterinquotienten

Es gibt immer mehr Rapsöl-Fans – die haben allerdings meist vier Reifen. Denn Rapsöl wird gerne als Biodiesel eingesetzt. Dabei ist das Öl viel zu schade, um es als verbrannten Kraftstoff in die Luft zu ­pusten. Ich zeige Ihnen, warum Sie auf dieses wertvolle Öl bei Ihrer Ernährung nicht verzichten sollten.

Rapsöl kann Ihr Cholesterin-Level senken© Markus Langer - Fotolia

Rapsöl galt einst als „Öl der Armen“. Wer es sich leisten konnte, verwendete Olivenöl oder andere Ölsorten. Rapsöl wurde höchstens noch als Lampenöl oder zum Schmieren verwendet, niemals jedoch zum Kochen eingesetzt. Denn Rapsöl hatte einen beißenden, bitteren Geschmack. Schuld daran waren bestimmte Inhaltsstoffe des Öls, die Allylsenföle und Glukosinolate. Darüber hinaus enthielt Rapsöl Erucasäure. Diese Säure ist sogar gesundheitsschädlich: Sie kann den Herzmuskel schädigen.

In den 1970er-Jahren schlug die große Stunde des Rapsöls

Durch so genannte 00-Züchtungen gelang es, die Erucasäure so herauszuzüchten, dass sie nur noch in ungefährlichen Spuren enthalten ist. Auch die Geschmacksstoffe, die das Öl so bitter schmecken ließen, sind dadurch verschwunden.

Was sich aber immer noch nicht geändert hat, ist das schlechte Image des Öls, zumindest im Handel. Versuchen Sie einmal, Rapsöl zu kaufen. Nicht überall steht sein Name groß auf dem Etikett. Stattdessen wird es „Tafelöl“, „Pflanzenöl“ oder ähnlich genannt. Achten Sie also in Zukunft besonders auf das Etikett beim Ölkauf. Es lohnt sich für Ihre Gesundheit.

Rapsöl verbessert Ihren Cholesterinquotienten

Rapsöl hat etwas, was Ihnen andere Öle nicht bieten: Es zeichnet sich durch seine einzigartige Fettsäuren-Zusammensetzung aus. Rapsöl besitzt nur sechs Gramm gesättigte Fettsäuren auf 100 Gramm Öl. Gesättigte Fettsäuren beeinflussen Ihren Fettsoffwechsel negativ. Sie erhöhen den LDL-Cholesterinspiegel, also das gefährliche Cholesterin.

Hoch dagegen ist der Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren. Insgesamt 65 Gramm sind davon in 100 Gramm Rapsöl enthalten. Einfach ungesättigte Fettsäuren tragen dazu bei, dass Ihr LDL-Cholesterinspiegel gesenkt wird. Unberührt dagegen bleibt der HDL-Spiegel, also das gute Cholesterin. Ihr Cholesterinquotient verbessert sich also, Ihr Ge­samtcholes­terin sinkt und Ihr Risiko für Gefäßverkalkung und Herzinfarkt nimmt ab.

Mit Rapsöl decken Sie Ihren Tagesbedarf an Omega-3-Fettsäuren

Auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält das Rapsöl. Besonders hoch ist dabei der Anteil der Omega-3-Fettsäuren mit neun Gramm je 100 Gramm Öl. Diese Fettsäuren haben ernährungswissenschaftlich gesehen eine besondere Bedeutung. Ihr Körper braucht sie zum Aufbau wichtiger Hormone. Zudem wirken sie sich positiv auf die Blutfettwerte und auf das Herz-Kreislauf-System aus, entzündliche Prozesse im Körper werden gehemmt. Die Omega-3-Fettsäure ist eine essenzielle Fettsäure. Ihr Körper kann sie nicht aus anderen Fettsäuren bilden – Sie müssen sie über die Nahrung zu sich nehmen. Rapsöl ist dafür besonders gut geeignet. Schon mit zwei Esslöffeln Rapsöl haben Sie Ihren Tagesbedarf an Omega-3-Fettsäuren gedeckt.

Meine Lieblingsrezepte mit Rapsöl für Salatsoßen

Damit Sie Geschmack am gesunden Öl finden, stelle ich Ihnen hier drei köstliche und einfache Salatsoßen-Rezepte vor.

Kräuteröl auf Rapsölbasis

Sie brauchen:

  • einige Thymianzweige
  • Lavendelblüten
  • 350 ml kaltgepresstes Rapsöl
  • 3 Knoblauchzehen

Schälen Sie den Knoblauch, geben Sie die Zehen in eine Karaffe oder Flasche, und füllen Sie mit Rapsöl auf. Schwenken Sie die Flüssigkeit etwas, zupfen Sie dann die Thymianblätter ab. Zusammen mit den Lavendelblüten hinzugeben. Das Gefäß verschließen und dunkel stellen. Nach drei bis vier Wochen können Sie Ihr Kräuteröl zum Verfeinern von Salatsoßen verwenden.

Knoblauch-Vinaigrette

Sie brauchen:

  • 125 ml kaltgepresstes Rapsöl
  • 30 ml Estragonessig
  • 1 TL geriebenen Knoblauch
  • 2 TL gehackten Schnittlauch
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Prise Pfeffer
  • ¼ TL Salz

Edelpilz-Vinaigrette

Sie brauchen:

  • 125 ml kaltgepresstes Rapsöl
  • 30 ml Obstessig
  • 1 TL scharfen Senf
  • 1 TL Edelpilzkäse
  • 1,5 TL gemahlene Kräuter nach ­Geschmack
  • 2 EL Frühlingszwiebeln, gehackt
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Prise Pfeffer

Bei beiden Vinaigrettes die Zutaten in eine Karaffe oder Flasche geben und gut schütteln, dann über den Salat verteilen.

Auch fettreiche Ernährung kann Cholesterinwerte senken

Gute Nachricht für alle, die sich gesundheitsbewußt ernähren wollen, bei der allseits gepriesenen fettarmen Ernährung jedoch ständig unter Hungergefühlen leiden: Auch eine fettreiche Kost kann die Cholesterinwerte senken und vor Herzinfarkt und Arterienverkalkung schützen – vorausgesetzt, in der Kost sind die richtigen Fettsäuren enthalten.

Dr. Ursel Wahrburg vom Institut für Arterioskleroseforschung der Universität Münster führte eine Studie an 25 Patienten durch, deren Triglyceridwerte bei 500 Milligramm pro Deziliter Blut lagen. Nach einer Umstellung auf fettreiche Kost mit einem hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren und der täglichen Aufnahme von zwei bis fünf Gramm Fischöl (in Form von Fischgerichten) sanken die Blutfettwerte der Patienten innerhalb von drei Wochen auf Werte unter 200 Milligramm je Deziliter Blut! Auch die Werte des bedenklichen LDL-Cholesterins nahmen ab, während die Konzentration des „guten” HDL-Cholesterins anstieg.

Diese an einfach ungesättigten Fettsäuren und Fischöl reiche Diät entspreche den Ernährungsgewohnheiten der Mittelmeervölker (sogenannte mediterrane Diät), teilt Dr. Wahrburg mit. Das in diesen Ländern als Hauptfettquelle verwendete Olivenöl zeichne sich durch einen hohen Gehalt der gesunden einfach ungesättigten Fettsäuren aus. Die Einschränkung des Verzehrs von rotem Fleisch zugunsten von Fisch sowie der reichliche Verzehr von Obst, Gemüse, Brot und Nüssen trage zur Normalisierung der Blutfettwerte bei.

Allerdings sei der günstige Effekt dieser Ernährung nur dann gegeben, wenn gleichzeitig die Aufnahme gesättigter Fettsäuren (vor allem aus tierischem Fett) eingeschränkt werde, hebt die Ernährungswissenschaftlerin hervor. Denn die cholesterinsteigernde Wirkung der gesättigten Fettsäuren sei etwa doppelt so stark wie die cholesterinsenkende Wirkung der einfach ungesättigten Fettsäuren.

Neue Perspektiven durch HDL-Erhöhung

Die gegenwärtigen medikamentösen Therapien zur Erhöhung der HDL-Werte sind noch nicht so weit entwickelt wie die Therapien zur Senkung erhöhter LDL-Werte. An folgenden Methoden zur Senkung des Arteriosklerose-Risikos durch eine Erhöhung der HDL-Werte wird zurzeit geforscht:

  • Infusionen mit „synthetischem HDL“: Vor mehr als 20 Jahren wurden italienische Wissenschaftler in Mailand auf eine Familie aufmerksam, die allgemein sehr niedrige HDL-Werte aufwies, ohne dass Anzeichen von Arteriosklerose nachzuweisen waren. Die Wissenschaftler entdeckten, dass alle Familienmitglieder ein mutiertes Alphalipoprotein, ein Basisprotein des HDL, gemeinsam hatten.Dieses mutierte Protein – apoA-l Milano – wurde in einer Studie mit 47 Patienten eingesetzt, die an koronarer Arteriosklerose litten. Über einen Zeitraum von 4 Wochen erhielten diese Patienten wöchentlich eine Infusion, die apoA-l Milano enthielt.Die von der Arteriosklerose betroffenen Blutgefäße wurden mittels Ultraschall vor Beginn der Studie und 5 Wochen nach der Infusion untersucht. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe zeigten die Ultraschallbilder eine Reduzierung der Arteriosklerose bedingten Blutgefäßverengung. Länger und größer angelegte Studien mit synthetischem HDL laufen zurzeit.
  • Hemmer des Cholesteryl Ester Transport Proteines (CETP): CEPT kommt natürlicherweise im Körper vor und greift in den Mechanismus für den Rücktransport des Cholesterins aus den Zellen ein. CEPT sorgt dafür, dass das Cholesterin vom HDL auf das LDL übertragen wird. Wenn es gehemmt wird, steigt der HDL-Spiegel.In größeren Studien an Menschen werden derzeit CEPT-Medikamente untersucht. In ersten Ergebnissen hat der Wirkstoff Torcetrapib gezeigt, dass der HDL-Spiegel um mehr als 50% erhöht werden konnte.Bis ein Medikament als CETP-Hemmer zur Verfügung steht, können jedoch noch Jahre vergehen. Denn es ist noch nicht sicher, dass eine Erhöhung der HDL-Werte durch CEPT irgendetwas verbessert außer der Anzahl der HDL-Cholesterine. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, ob die gezielte Konzentration von gesättigtem HDL einen Vorteil bietet, indem überschüssiges Cholesterin über die Galle aus dem Körper ausgeschieden wird.

Entscheiden Sie sich: Gutes Gedächtnis oder gute Cholesterinwerte?

Würden Sie Ihr Gedächtnis opfern, nur um Ihre Cholesterinwerte um einige Punkte zu senken? In diesem Dilemma steckte neulich ein Freund von mir.

Er fragte mich folgendes: „Gibt es eigentlich Studien, die zeigen, dass ein Gedächtnisverlust eine Nebenwirkung sein kann, wenn man zu lange Lipitor, einen Cholesterinsenker, einnimmt? Ich nehme seit vielen Jahren Lipitor und habe plötzlich große Schwierigkeiten, mich an Namen von Menschen zu erinnern, die ich seit Jahren kenne. Ich kann mit Menschen an einem Tisch sitzen und mir fällt plötzlich der Name nicht mehr ein. Ich kenne zudem viele andere Menschen, die dieses Problem auch haben.“

Wie mein Bekannter schon erkannt hat, ist er nicht alleine mit diesem Problem. Es gibt tatsächlich Studien zu diesem Thema. Zwei Studien aus den Jahren 2000 und 2002 zeigen einen Zusammenhang zwischen Statinen, die die Cholesterinwerte senken und einem Nachlassen des Erinnerungsvermögens. Zudem gibt es einige Fallstudien, in denen Statine mit dem Nachlassen des Gedächtnisses in Verbindung gebracht werden – gerade bei älteren Menschen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem totalen Gedächtnisausfall, der von einigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden dauern kann.

Der schlimmste Fall dieses Gedächtnisausfalls wurde von dem Medizinwissenschaftler und früheren Astronauten Dr. Duane Graveline festgehalten. Er erlebte einen solchen Gedächtnisausfall einige Wochen, nachdem er begonnen hatte, Statine einzunehmen. Dr. Graveline war nach nicht mehr in der Lage, seine Kinder oder seine Frau zu erkennen. Er nahm an, dass die Statine schuld seien und stoppte die Einnahme.

Später überzeugte ihn sein Arzt, die Behandlung fortzusetzen. Und wieder erlebte er einen Teil-Gedächtnisverlust. 12 Stunden lang hatte er keinerlei Erinnerung an sein Erwachsenen-Leben. Als seine Geschichte veröffentlicht wurde, war die Reaktion enorm. Hunderte von Menschen schrieben ihm, die das gleiche während einer Statintherapie erlebt hatten. Wenn Sie Statine nehmen und unter solchen Gedächtnis-Ausfällen leiden, sollten Sie mit Ihrem Arzt überlegen, welche Ersatztherapie für Sie in Frage kommt.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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