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Cholesterinsenker aus dem Kühlregal: Warum Sie von Phytosterinen die Finger lassen sollten

Sicher haben Sie die Werbung schon gesehen: Heiner Lauterbach, geheilt von seinem herzschädigenden Lebenswandel, empfiehlt einen cholesterinsenkenden Jogurt. Mit ihm bleiben dem Schauspieler laut Werbung in Zukunft Schlagzeilen über Herzinfarkte erspart. Denn der Jogurt soll das Herz schützen. So weit die bunte wunderbare Werbewelt. Realistischer ist, dass Heiner Lauterbach beim regelmäßigen Konsum des Jogurts sein Risiko stark erhöht, bald wieder am Herzen zu ­erkranken. Und das gilt nicht nur für ihn. Warum das so ist, erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag. …

Joghurt© A.B.G. - Fotolia

Es klingt verführerisch: Sie schmieren sich eine bestimmte Margarine aufs Brot, trinken Jogurtdrinks oder essen andere Milchprodukte – und wie durch Zauberhand reduziert sich Ihr Cholesterinspiegel. So soll es sogar möglich sein, mit bestimmten Lebensmitteln den Cholesterinspiegel um 15 Prozent zu senken – und das komplett ohne Medikamente.

Pflanzenbestandteile lassen die Cholesterinwerte deutlich sinken

Verantwortlich für die deutliche Reduzierung des schlechten LDL-Cholesterins durch die beworbenen Produkte sind die so genannten Phytosterine. Es handelt sich dabei um chemische Verbindungen, die in Pflanzen vorkommen und dort ein wesentlicher Bestandteil der Zellmembranen sind.

Im menschlichen Körper werden diese Pflanzenbestandteile nicht in den Stoffwechsel eingebracht. Vielmehr gelangen sie in die Leber, dort in den Gallensaft und mit diesem in den Dünndarm. Da sie in ihrer Struktur dem LDL-Cholesterin ähnlich sind, schaffen sie es, dieses zu verdrängen. Das Ergebnis: Ihr Körper nimmt weniger Cholesterin auf, und der Cholesterinspiegel im Blut wird reduziert.

Allerdings tritt dieser Effekt erst dann auf, wenn Sie mehr als 2 Gramm Phytosterine zu sich nehmen. Umgerechnet, entspricht diese Menge sechs mit Margarine bestrichenen Scheiben Brot – was durchaus zu schaffen ist.

Phytosterine: Ein unge­sunder Weg zu niedrigen Cholesterin-Werten

Maximal sechs Scheiben Brot pro Tag mit Margarine, vielleicht sogar nur vier, wenn Sie dafür noch einen Jogurt essen, sind doch angenehmer, als bei Wind und Wetter Sport zu treiben.

Warum dränge ich also darauf, dass Sie Ihren Cholesterinspiegel durch ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse senken, und empfehle Ihnen dazu noch mindestens dreimal pro Woche 30 Minuten Sport?

Der Grund dafür ist einfach: Mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung senken Sie Ihren Choles­terinspiegel auf gesunde Art. Denn neueste Forschungen haben gezeigt: Die Phytosterine sind gar nicht so ungefährlich für Ihren Körper, wie es Ihnen die Lebensmittelproduzenten weismachen wollen.

Phytosterine verstopfen Ihre Arterien

Zu hohe Mengen von Phytosterinen können sich auf Ihren Körper gefährlich auswirken. Sie können Arterienverengungen hervorrufen, verursacht durch Plaques (also Ablagerungen) an den Arterienwänden.

Das haben Forscher der Universität Homburg im Tierversuch herausgefunden. Mäuse, die mit Phytosterinen gefüttert wurden, zeigten deutliche Ablagerungen in ihren Gefäßen – zudem erlitten die Tiere häufiger Schlaganfälle als ihre Artgenossen.

Ihrem Herz droht Gefahr  von Margarine & Co.

Genauso wie bei den Mäusen hinterlassen große Mengen Phytosterine auch beim Menschen ihre Spuren. Die Forscher, die sich nicht mit den Ergebnissen aus dem Mäuseversuch zufriedengeben wollten, hatten auch Patienten untersucht, denen eine neue Herzklappe eingesetzt werden musste. Das Ergebnis: 12 Prozent der Betroffenen hatten in den zwei Jahren, die ihrer Erkrankung vorausgegangen waren, regelmäßig Lebensmittel verzehrt, die viele Phytosterine enthielten.

Gleichzeitig fanden sich in den Arterien der Betroffenen auch die meisten Phytosterine im Blut – und die größten Ablagerungen in den Herzklappen.

Warum aber dürfen diese Lebensmittel, die so gefährlich für Ihren Organismus sind, Ablagerungen fördern und dadurch sogar Herzinfarkte auslösen können, als wirksam beworben und verkauft werden? Mit ihren Aussagen lügen die Hersteller nicht. In der Tat wirken die Phytosterine in den Lebensmitteln: Sie senken tatsächlich Ihren Cholesterinspiegel. Lediglich die Spätfolgen werden verschwiegen.

Trockenäpfel reduzieren Ihren Cholesterinspiegel deutlich

„An apple a day keeps the doctor away“ – aber ein Apfel pro Tag schützt Sie nicht nur vorm Arzt, sondern freut diesen auch, wenn er bei Ihnen das Blut untersucht. Noch besser: in Wahrheit brauchen Sie noch nicht einmal einen ganzen, frischen Apfel. Vielmehr reichen 75 g getrockneter Apfel, um Ihre Blutfette zu senken.

Amerikanische Forscher haben dies an Frauen getestet, die die Wechseljahre hinter sich hatten. Diese verzehrten rund 75 g getrocknete Äpfel pro Tag, zusätzlich zu den normalen Mahlzeiten. Die Befürchtung der Forscher, der enthaltene Fruchtzucker würde sich negativ auf die Gesundheit der Studienteilnehmerinnen auswirken, bewahrheitete sich nicht.

Die Frauen nahmen stattdessen nicht nur 1,5 kg im Schnitt ab. Innerhalb von einem halben Jahr sank auch ihr LDL-Cholesterinspiegel um über 20 Prozent, das gute HDL-Cholesterin stieg um vier Prozent: das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahm so deutlich ab.

 

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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