MenüMenü

Cholesterinsenkende Medikamente

Ein erhöhter Cholesterinspiegel gilt als eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme in den westlichen Industrieländern. Cholesterin befindet sich injeder Körperzelle und jede Körperzelle benötigt es. Ihr Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung steigt beträchtlich, wenn zu viel dieser fetten und wachsartigen Substanz im Blut vorhanden ist.

Die Reduktion des Körpergewichts, eine fettarme Ernährung und andere Veränderungen Ihres Lebensstils tragen zu einer Senkung Ihres Cholesterinspiegels bei. Doch manchmal reicht das nicht aus. Die Höhe kann trotzdem ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bedeuten. Es existiert ein Spektrum wirksamer Medikamente, die den Cholesterinspiegel rasch senken und letztlich ebenso das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wann benötigen Sie Medikamente?

Wenn Ihrem Arzt bekannt ist, dass Sie an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden (z. B. durch einen Herzinfarkt) und Ihr LDL-Cholesterin mehr als 100 mg/dl beträgt, verordnet er wahrscheinlich sofort Medikamente und eine Änderung des Lebensstils. Die Entscheidung ist nicht so eindeutig bei einem hohen Cholesterinspiegel, ohne dass eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekannt ist. Zu Beginn der Therapie schlägt Ihr Arzt vielleicht Bewegung, fettarme Ernährung und andere Veränderungen vor. Sollten diese sich nicht als wirksam erweisen, stellt die medikamentöse Therapie eine weitere Behandlungsform dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn bei Ihnen andere Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen.

Eine medikamentöse Therapie mit Veränderungen des Lebensstils empfehlen sich bei Personen ohne eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung, wenn:

  • das LDL-Cholesterin im Blut mehr als 190 mg/dl beträgt nach erfolgten Veränderungen des Lebensstils
  • das LDL-Cholesterin im Blut mehr als 160 mg/dl beträgt und bei Ihnen zwei oder mehr Risikofaktoren vorliegen

Therapie mit Medikamenten

Medikamente verändern den Blutspiegel des Cholesterins und der Triglyzeride, einer anderen Art von Lipiden. Durch die Senkung des LDL-Cholesterins oder anderer Lipide tragen die Medikamente zur Vermeidung von Plaquesbildung oder zur Plaquesreduktion bei.

Darüber hinaus wirken sie nach einigen Monaten der Einnahme stabilisierend auf bereits vorhandene Plaques. Dadurch beugt man einer Ablösung der Plaques oder einer Rissbildung vor, die zu einer Verstopfung des Gefäßes oder zu einem Blutgerinnsel führen können.

Wägen Sie die Medikation bei Cholesterin ab

Welches lipidsenkende Medikament Ihr Arzt empfiehlt, hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem, wie viel „gutes” oder „schlechtes” Cholesterin vorhanden ist und ob andere Lipide im Blut erhöht sind. Das Alter spielt ebenso eine Rolle. In manchen Fällen empfiehlt Ihr Arzt eine Kombination von Medikamenten. Die Wirksamkeit lipidsenkender Medikamente variiert von Person zu Person. Es gibt weder das universal optimale Medikament noch ist es notwendig, das neuste Medikament einzunehmen, wenn das gegenwärtig eingenommene Medikament gut wirkt.

Zusammengefasst gilt für alle zugelassenen lipidsenkenden Medikamente, dass sie das „schlechte” Cholesterin senken und die Plaquesbildung in den Gefäßen bremsen. Das ist ein Beitrag zur Senkung des Risikos für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und das Ziel der Medikamenteneinnahme.

Medikamentengruppen im Gebrauch

  • Ionenaustauscher: Colestyramin (Lipocol®, Quantalan®) und Colestipol (Cholestaby ®, Colestid®) sind beide als Ionenaustauscher bekannt und seit Jahren im Einsatz. Sie senken das Cholesterin auf indirekte Weise, indem sie sich mit Gallensäuren im Darm verbinden. Die Leber stellt Gallensäuren aus Cholesterin her und die Verdauung benötigt sie. Durch die Bindung von Gallensäuren regen diese Medikamente die Leber zu vermehrter Gallensäureproduktion an. Da die Leber das Cholesterin zur Herstellung der Gallensäuren verbraucht, tritt weniger Cholesterin in das Blut über.
  • Medikamente zur Senkung der Triglyzeride: Gemfibrozil (Gevilon®) oder hohe Dosen des Vitamins Nicotinamid (z. B. Nicobion®) senken die Triglyzeridproduktion und entfernen Triglyzeride aus dem Blut.
  • HMG-CoA-Reductase-Hemmer (Statine): Diese Medikamente aus den späten 80er Jahren entwickelten sich rasch zu den am meisten verordneten cholesterinsenkenden Medikamenten. Möglicherweise lasen Sie Anzeigen darüber und kennen bereits Fluvastatin (Cranoc®, Locol®), Lovastatin (Mevinacor®), Simvastatin (Zocor®), Pravastatin (Liprevin®, Pravasi ®) oder Atorvastatin (Sortis®) dem Namen nach.

Vor- und Nachteile von Statinen

Die Statine nimmt man in Form von Tabletten oder Kapseln ein. Sie blockieren eine Substanz in der Leber, die der Körper zur Herstellung von Cholesterin benötigt. Diese Substanz raubt das Cholesterin aus den Leberzellen und veranlasst die Zellen, Cholesterin aus dem Blutstrom zu ziehen.

Abhängig von der Dosis senken die Statine das LDL um bis zu 40 Prozent. Das reicht in der Regel aus, um den LDL-Spiegel auf einen akzeptablen Wert zu bringen. Statine unterstützen den Körper darin, Cholesterin aus Plaques zu absorbieren und dadurch die Gefäße langsam durchgängig zu machen. Die Statine gelten als die einzige Sorte von Lipidsenkern, die nachgewiesen das Risiko eines Todes durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung senken. Neben Nicotinamid brachte man bei den Statinen ebenso den Nachweis, dass das Risiko eines zweiten Herzanfalls vermindert war.

Wenn Ihre Blutfettwerte trotz Behandlung nicht sinken

Die meisten Menschen mit erhöhten Blutfettwerten bekommen diese durch entsprechende Ernährung, viel Bewegung und gegebenenfalls mit blutfettsenkenden Medikamenten, z.B. Statinen, in den Griff. Sie können auf diese Weise die Risiken einer Arteriosklerose erfolgreich reduzieren.

Doch bei vielen Betroffenen reichen diese Standard-Therapien nicht aus. Sie leiden möglicherweise unter einer angeborenen Hypercholesterinämie mit stark erhöhten LDL-Cholesterinwerten von 250 bis zu 1.000 mg/dl (Normalwertbereich LDL: unter 160 mg/dl bzw. unter 4,2 mmol/l). Andere vertragen die Medikamente, die sie einnehmen müssen, nicht, denn diese verursachen in hoher Dosierung nicht selten massive Nebenwirkungen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Gedächtnisverlust, Alpträume, Leber- und Nervenschädigungen bis hin zu lebensbedrohlichen Lähmungen der Gliedmaßen-Muskulatur.

Was viele Betroffene nicht wissen: Mithilfe eines relativ neuen „Blutwäsche“-Verfahrens, der sog. Lipid-Apherese, kann ihnen wirksam geholfen werden. Ähnlich wie bei Nierenkranken, die sich zur Entfernung von Giftstoffen aus dem Blut einer Dialyse unterziehen, kann auch das LDL-Cholesterin mittels verschiedener apparativer Verfahren aus dem Blut herausgefiltert werden.

So funktioniert die Lipid-Apherese

Die „Entfettung“ des Bluts erfolgt ambulant. Dem Patienten wird Venenblut entnommen, dieses wird maschinell vom LDL-Cholesterin befreit und ihm wieder zugeführt. Die Wirkung tritt sofort ein: Während des ca. 90-minütigen Vorgangs durchlaufen etwa drei Viertel des Gesamtbluts den Reinigungsprozess – der LDL-Cholesterin-Spiegel sinkt um 75 und mehr Prozent. So kann ein Wert von 300 mg/dl mittels Apherese durchaus auf 70 mg/dl reduziert werden. Erfreulicher Nebeneffekt: Dabei sinken gleichzeitig auch die Blut-Konzentrationen des C-reaktiven Proteins und des Fibrinogens, zwei Substanzen, die als Risikofaktoren für Blutgerinnsel, Thrombose und Embolie gelten.

Auch berichten viele Patienten, dass sie seit der Lipid-Apherese-Anwendung wesentlich weniger unter Symptomen von Herz-Kreislauf-Problemen leiden, etwa Durchblutungsstörungen in den Beinen oder Brustschmerzen.

Da die Lipid-Apherese zwar die Symptome lindert, aber nicht die Ursachen der erhöhten Blutfettwerte abstellen kann, steigen die LDL-Werte nach der Behandlung wieder an. Patienten, bei denen die Apherese die beste und einzige Option ist, müssen daher die Behandlung regelmäßig wiederholen, üblicherweise alle zwei Wochen, notfalls sogar lebenslang.

Fazit: Wenn bei Ihnen überhöhte LDL-Cholesterinwerte festgestellt werden und Sie trotz Änderungen in der Lebensführung und Einnahme von Medikamenten diese Fettstoffwechsel-Störung nicht in den Griff bekommen, oder wenn Sie die cholesterinsenkenden Medikamente nicht vertragen, sollten Sie mit Ihrem Arzt über die Lipid-Apherese sprechen. Sie können sich dadurch vor den lebensbedrohlichen Folgen (Arteriosklerose) zu hoher Blutfettwerte bewahren. Die Lipid-Apherese ist, sofern medizinisch notwendig, eine Kassenleistung. Sie kann in allen größeren deutschen Kliniken durchgeführt werden.

Die Apherese wird in ähnlicher Form übrigens auch zur Behandlung anderer Erkrankungen erfolgreich eingesetzt, z.B. zur Entfernung von aggressiven Antikörpern aus dem Blut, etwa bei Lupus erythematodes, einer Autoimmun-Erkrankung, oder einer speziellen blasenbildenden Hautkrankheit, dem Pemphigus vulgaris.

So senken Sie Ihren Cholesterin-Spiegel auch ohne Medikamente

Bei einem erhöhten LDL-Wert lagert sich überschüssiges Cholesterin an den Arterienwänden ab. Das führt zur Gefäßverengung. Die Eiweißkörper HDL (High Density Lipoproteins) dagegen transportieren das Cholesterin mit hoher Dichte. Sie schützen die Blutgefäße, weil sie den Abbau des Cholesterins fördern, das dann über den Darm ausgeschieden werden kann. Entscheidend: Der Cholesterinspiegel insgesamt sowie das Verhältnis von LDL zu HDL lassen sich beeinflussen.

10 Tipps, wie Sie Ihre Werte im Griff behalten

Tipp 1: Bewegen Sie sich regelmäßig, treiben Sie Sport. Das begünstigt die Bildung des „guten“ HDL-Cholesterins. Günstig sind Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren und Schwimmen.

Tipp 2: Nehmen Sie täglich nicht mehr als 300 mg Cholesterin zu sich. Vorsicht vor Cholesterin-Bomben wie Eigelb (1260 mg pro 100 g), Hühnerleber (555 mg pro 100 g), Schweineleber und Butterschmalz (beides 340 mg pro 100 g).

Tipp 3: Achten Sie bei Ihrer Ernährung auf die Fette. Sie sollten nicht mehr als 30 % Ihrer täglichen Energiezufuhr ausmachen und zu gleichen Teilen aus gesättigten, einfachen sowie mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen. Verzehren Sie deshalb weniger tierische Fette (die ausnahmslos gesättigte Fettsäuren enthalten), dafür mehr Sonnenblumen-, Soja-, Maiskeim- und Distelöl. Diese Öle enthalten jede Menge mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Reich an einfach ungesättigten Fettsäuren ist Olivenöl. Lesen und beachten Sie dazu auch die nebenstehende Meldung.

Tipp 4: Essen Sie möglichst 2mal pro Woche Fisch. Sorten wie Lachs, Makrele, Hering und Thunfisch enthalten zwar reichlich Fett, aber in einer gesünderen Zusammensetzung – ihre Omega-3-Fettsäuren schützen Herz und Gefäße.

Tipp 5: Greifen Sie gezielt zu Lebensmitteln, die die Werte des „schlechten“ LDL-Cholesterins senken. Hilfreich dabei sind zum Beispiel Sojaprodukte, Haferflocken, Grüner Tee, Rotwein, Knoblauch und Ginseng (auch als Fertigpräparat).

Tipp 6: Versorgen Sie sich mit ausreichend Vitaminen. Vitamin E hindert das Cholesterin daran, zu oxidieren und somit an seinem schädigenden Angriff auf die Gefäßwände. Ratsam sind 400 Internationale Einheiten (IE) täglich. Einen Herzschutz bieten auch Vitamin C, Beta-Carotin und der Mineralstoff Selen.

Tipp 7: Nehmen Sie Artischockenblätterextrakt zu sich. Bei einem hohen Cholesterinspiegel können die Wirkstoffe aus diesem Gemüse Ihre LDLWerte um bis zu 20 % senken.

Tipp 8: Achten Sie auf Ballaststoffe. Die helfen der Leber, Cholesterin besser zu verarbeiten beziehungsweise abzubauen. Essen Sie deshalb möglichst häufig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Salat.

Tipp 9: Kontrollieren Sie regelmäßig Ihr Gewicht. Wer Übergewicht konsequent abbaut, kann die Konzentration des schützenden HDL-Cholesterins im Blut wesentlich erhöhen.

Tipp 10: Gönnen Sie sich hin und wieder Entspannung. Denn wenn Sie ständig unter Stress stehen, nützen alle anderen Maßnahmen wenig.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten