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Erhöhung der HDL-Cholesterinwerte

Die Änderungen der nationalen Richtlinien für Cholesterin sorgten in den USA für Aufmerksamkeit. Im Fokus stand bisher eine Senkung des Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterin, das man als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet. Im Mittelpunkt der Forschung steht jedoch zunehmend die Frage, wie sich die Werte an High-Density-Lipoprotein (HDL)-Cholesterin, dem „guten“ Cholesterin, erhöhen lassen. Im Gegensatz zum LDL-Cholesterin wirkt das HDL-Cholesterin positiv zum Beispiel auf das Arteriosklerose-Risiko. Der HDL-Spiegel lässt sich allerdings schwieriger einstellen.

Zu niedriger HDL-Cholesterinwert auch ein Risiko

Den Cholesterinspiegel im Blut gibt man in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/L, neue Einheit) an. Ein Cholesterinspiegel im Blut von 200 mg/dl bzw. 5,2 mmol/l gilt als erhöht. LDL ist erhöht, wenn der Wert mehr als 150 mg/dl (3,9 mmol/l) beträgt. Auch wenn einige medizinische Einrichtungen teilweise abweichende Werte angeben, gilt bei Männern ein HDL-Wert von unter 40 mg/dl als zu niedrig. Im Durchschnitt haben Männer einen HDL-Spiegel von 47 mg/dl und Frauen von 50 mg/dl. Einem HDL-Cholesterin von über 65 mg/ dl schreibt man eine besondere Schutzwirkung zu.

Mittlerweile sieht man einen niedrigen HDL-Spiegel als unabhängigen Risikofaktor an. Selbst wenn die „schlechten“ LDL-Werte im normalen Bereich liegen, stellt ein zu niedriger HDL-Wert einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar. Sie erhöhen Ihre HDL-Werte, wenn Sie Ihr Gewicht reduzieren, sich mehr körperlich bewegen und Ihre Ernährung so umstellen, dass Sie mehr Ballaststoffe und weniger gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen. Darüber hinaus erhöht ein moderater Alkoholkonsum den HDL-Spiegel. Wegen anderer Gesundheitsrisiken rät man bei Menschen über 65 Jahren davon ab, mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag zu konsumieren.

Neue Perspektiven durch HDL-Erhöhung

Bei der Anfälligkeit für einen zu niedrigen HDL-Cholesterin-Spiegel spielt auch die Vererbung eine Rolle. In dem Fall haben Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduzierung weniger Auswirkungen. Dennoch verstärken äußere Faktoren wie fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht die negativen Folgen einer vererbten HDL-Anlage.

Die gegenwärtigen medikamentösen Therapien zur Erhöhung der HDL-Werte sind nicht so weit entwickelt wie die Therapien zur Senkung erhöhter LDL-Werte. Forscher arbeiten momentan an verschiedenen Methoden zur Senkung des Arteriosklerose-Risikos durch eine Erhöhung der HDL-Werte.

Infusionen mit „synthetischem HDL“

Vor mehr als 20 Jahren wurden italienische Wissenschaftler in Mailand auf eine Familie aufmerksam, die allgemein sehr niedrige HDL-Werte ohne nachweisbare Anzeichen von Arteriosklerose aufwies. Die Wissenschaftler entdeckten, dass alle Familienmitglieder ein mutiertes Basisprotein des HDL (Alphalipoprotein) gemeinsam hatten.

Dieses mutierte Protein apoA-l Milano setzte man in einer Studie mit 47 Patienten ein, die an koronarer Arteriosklerose litten. Über einen Zeitraum von vier Wochen erhielten diese Patienten wöchentlich eine Infusion mit apoA-l Milano. Die von der Arteriosklerose betroffenen Blutgefäße untersuchte man mittels Ultraschall vor Beginn der Studie und fünf Wochen nach der Infusion. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe zeigten die Ultraschallbilder eine Reduzierung der Arteriosklerose bedingten Blutgefäßverengung.

Hemmer des Cholesteryl Ester Transport Proteines (CETP)

CEPT kommt natürlicherweise im Körper vor und greift in den Mechanismus für den Rücktransport des Cholesterins aus den Zellen ein. Es sorgt für die Übertragung des Cholesterins vom HDL auf das LDL. Bei einer Hemmung steigt der HDL-Spiegel. In größeren Studien an Menschen untersuchen Forscher derzeit CEPT-Medikamente. In ersten Ergebnissen zeigte der Wirkstoff Torcetrapib eine Erhöhung des HDL-Spiegels um mehr als 50 Prozent.

Bis ein Medikament als CETP-Hemmer zur Verfügung steht, können Jahre vergehen. Es ist noch nicht sicher, dass eine Erhöhung der HDL-Werte durch CEPT etwas verbessert außer der Anzahl der HDL-Cholesterine. Bis jetzt ist nicht bekannt, ob die gezielte Konzentration von gesättigtem HDL einen Vorteil bietet, indem der Körper überschüssiges Cholesterin über die Galle ausscheidet.

So erkennen Sie, ob Ihr Risiko erhöht ist

Cholesterin gehört zu den Fetten, die wir zu drei Vierteln im Körper selbst herstellen und nur zu einem Viertel mit der Nahrung aufnehmen. Die Neigung zu erhöhtem Cholesterin kann vererbt sein, aber in den meisten Fällen ist vor allem das eigene Verhalten dafür verantwortlich.

Gehen Sie zur Vorsorge, untersucht Ihr Arzt im Blut zunächst das Gesamtcholesterin. Ist dieser Wert erhöht, stellt sich die Frage nach weiteren Cholesterinwerten. Besonders aussagekräftig sind die Lipoproteine. Diese Eiweiße binden Cholesterin und können es so transportieren. Unterschieden wird das HDL (Lipoprotein mit hoher Dichte) und LDL (mit niedriger Dichte).

Ein erhöhter Wert für das LDL wird als schädlich eingestuft, während ein erhöhter HDL-Wert als schützend gilt. Aus beiden Werten zusammen ergibt sich der für die Therapie ebenfalls entscheidende Quotient aus LDL und HDL – je höher der Wert dieses Quotienten, desto höher ist Ihr Risiko zu erkranken.

Welche Cholesterinwerte sind wünschenswert?

Über die Therapie entscheiden Ihre Cholesterinwerte. Aber die Kardiologen raten, die vorliegenden Werte individuell zu beurteilen und unbedingt darauf zu achten, welche Risikofaktoren und Krankheiten im Einzelfall vorliegen:

Normale Ausgangslage: Wer gesund ist und keine zusätzlichen Risikofaktoren oder Hinweise auf Herz- und Gefäßerkrankungen mitbringt, sollte ein Gesamtcholesterin von ca. 200 mg/dl (5,2 mmol/l) und LDL-Cholesterinwerte nicht über 160 mg/ dl (4,1 mmol/l) haben.

Gesund mit Risikofaktoren: Übergewicht, hoher Blutdruck, Bewegungsmangel oder Rauchen. Hier sollten die Gesamtcholesterinwerte auf jeden Fall unter 200 mg/dl (5,2 mmol/l) und die LDL-Cholesterinwerte unter 115 mg/dl (3,0 mmol/l) liegen.

Menschen mit bestimmten Erkrankungen: Diabetiker oder Patienten mit Herz- oder Gefäßerkrankungen, wie beispielsweise ein erlittener Herzinfarkt oder eine koronare Herzerkrankung, sollten ein Gesamtcholesterin unter 150 mg/dl (3,9 mmol/l) anstreben und ein LDL-Cholesterin von unter 100 mg/dl (2,5 mmol/l) erreichen.

Bevor Sie einen Bluttest machen

Die Cholesterinwerte sollten am besten nüchtern gemessen werden. Es ist deshalb sinnvoll, zwölf Stunden vor dem Test nichts mehr zu essen und nur noch Wasser zu trinken.

Cholesterin unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen

Forscher der Universität in Baltimore stellten ihre Studie auf der Jahrestagung 2014 des American College of Cardiology vor: Untersuchungen an 2,8 Millionen Teilnehmern ergaben, dass unsere Cholesterin- und Triglyzeridwerte im Winter höher sind als im Sommer. Gerade bei Männern stieg der Wert des Cholesterins durchschnittlich um 4 mg/dl.

Das schützende HDL blieb dagegen gleich. Die Wissenschaftler vermuten einerseits, dass die fetthaltigere Ernährung im Winter und mangelnde Bewegung dafür verantwortlich sind. Andererseits kann auch das fehlende Sonnenlicht und dadurch bedingt ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut der Grund für die jahreszeitliche Schwankung sein. Achten Sie deshalb darauf, auch im Winter täglich mindestens für eine halbe Stunde nach draußen zu gehen. Das erhöht Ihren Vitamin-D-Spiegel und senkt möglicherweise das LDL-Cholesterin.

So senken Sie Ihr Cholesterin ganz natürlich

Ob Sie Medikamente nehmen oder nicht, aus meiner Sicht ist es immer sinnvoll, dass Sie Ihr erhöhtes Cholesterin auch auf natürliche Weise senken:

1. Übergewicht in den Griff bekommen

Eine aktuelle Senioren-Langzeitstudie (GISELA) konnte nachweisen, dass unser schützendes HDL-Cholesterin im Blut in direktem Zusammenhang mit dem Bauchumfang steht: Je dicker der Bauch, desto niedriger das HDL. Für Männer liegt die gefährliche Grenze bei einem Bauchumfang von 102 cm, bei Frauen etwas niedriger bei 88 cm.

2. Ernähren Sie sich cholesterinarm

Wählen Sie Ihre Ernährung auch als gesunder Mensch so, dass Sie nicht mehr als 60 g Fett und 250-300 mg Cholesterin pro Tag zu sich nehmen. Cholesterinreiche Lebensmittel sind beispielsweise viele Fertigprodukte, aber auch einzelne Lebensmittel wie Speck, Sahne, fettreiches Fleisch, Wurst oder Käse und die Haut bei Fisch und Geflügel.

3. Wählen Sie cholesterinsenkende Nahrungsmittel

Bereits 75 Gramm getrocknete Apfelscheiben täglich können Ihren LDL-Cholesterinwert in einem halben Jahr um bis zu 23 Prozent senken. Das wies eine amerikanische Studie kürzlich nach. Der Grund: Die Pektine im Apfel binden Gallensäuren, sodass die Leber neue Gallensäuren bilden muss. Dazu ist körpereigenes Cholesterin erforderlich und deshalb sinkt der Blutspiegel.

Folgende Nahrungsmittel wirken sich auf Ihre Blutfette aus und sind im Gegensatz zur medikamentösen Senkung des Cholesterinspiegels garantiert nebenwirkungsfrei und gut zubereitet auch lecker:

Hülsenfrüchte: Alle Hülsenfrüchte, speziell Kichererbsen, enthalten Saponine, die Cholesterin aus der Nahrung so binden, dass es nicht mehr ins Blut gelangt. Außerdem binden sie Gallensäuren. Diese müssen aus vorhandenem Cholesterin neu gebildet werden und dadurch wird das umgewandelte Cholesterin ungefährlich.

Knoblauch und Bärlauch: Neue Übersichtsstudien zeigen, dass Knoblauch nicht für einen Anstieg des schützenden HDLs sorgt. Aber ein in Knoblauch enthaltener Wirkstoff hemmt die Herstellung von Cholesterin im Körper und senkt damit das schädliche LDL. Der einheimische Bärlauch wirkt genauso, aber um ein Vielfaches stärker als Knoblauch.

Ingwer: Wagen Sie sich an den asiatischen Geschmack, denn zwei Gramm Ingwer pro Tag senken nachweislich Ihre Cholesterinwerte.

Nüsse: Es stimmt, dass Nüsse kalorienreich sind und Fette enthalten. Dennoch konnten kalifornische Forscher in 25 Studien nachweisen, dass ca. 70 Gramm Nüsse täglich den Gesamtcholesterinwert um 5,1 und das LDL um 7,4 Prozent senken. Warum? Nüsse enthalten Inhaltsstoffe, die sich auf Ihre Blutfette positiv auswirken.

Leinsamen: Schon drei Teelöffel geschroteter Leinsamen pro Tag senken den Cholesterinspiegel im Verlauf von drei Monaten um mehr als 10 Prozent – allerdings gilt das nur bei Männern. Forscher führen diese Wirkung von Leinsamen auf ihren Inhaltsstoff Lignan zurück. Dieses „pflanzliche Östrogen“ scheint deshalb bei Frauen, die genug Östrogen im Blut haben, nicht mehr zu wirken. Trotzdem ist Leinsamen sinnvoll und gesund. Es hilft zum Beispiel bei Verstopfung und ist zugleich ein wichtiger Lieferant wertvoller Mineralien.

Grüner Tee: Durch seine Gerbstoffe und Saponine hemmt grüner Tee die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung.

4. Bleiben Sie aktiv!

Schweizer Wissenschaftler fanden heraus, dass selbst wenn genug schützendes HDL im Blut zirkuliert, die positive Wirkung des HDL-Wertes ausbleiben kann. Schuld daran ist ein Prozess, den die Ärzte „Oxidierung“ nennen. Aber durch mehr Bewegung können Sie Ihren Cholesterinwert im Blut senken und außerdem die Oxidierung des HDLs rückgängig machen.

Margarine zur Cholesterinsenkung: Unkalkulierbare Risiken für Ihr Herz

Phytosterine sind pflanzenstoffe, die chemisch ähnlich wie Cholesterin aufgebaut sind. Deshalb blockieren sie im Darm dessen Aufnahme in den Körper. Mit Phytosterinen angereicherte („funktionelle“) Lebensmittel können die Cholesterinwerte im Blut senken. Am bekanntesten ist eine Phytosterin-Margarine, die es in Deutschland seit dem Jahr 2000 zu kaufen gibt.

Diese mit Phytosterinen angereicherten Lebensmittel sind erhältlich:

  • Margarine
  • Trinkjoghurt
  • Brot
  • Fruchtsäfte

Die am häufigsten zugesetzten Phytosterine sind Campesterol und Sitosterol. Studien haben gezeigt, dass der tägliche Verzehr von etwa 1,5 g Phytosterinen den Spiegel des „schlechten“ LDL-Cholesterins im Blut um etwa 10 bis 15 % senken kann. Die Margarine beispielsweise ist so angereichert, dass Sie mit einer Tagesration von 20 g (das entspricht etwa drei bis vier dick bestrichenen Brotscheiben) auf die erforderlichen 1,5 g an Phytosterinen kommen.

Phytosterine bilden gefährliche Ablagerungen in den Gefäßen

Doch im Jahr 2008 haben Wissenschaftler der Universität des Saarlandes in Homburg erschreckende Daten über die phytosterine veröffentlicht. So zeigten sich bei Mäusen, die die Forscher mit den Pflanzenstoffen gefüttert hatten, starke Ablagerungen (Arteriosklerose-Plaques) an den Gefäßwänden. Außerdem erlitten die Tiere verstärkt Schlaganfälle.

Durch diese Tierversuche aufgeschreckt, untersuchten die Wissenschaftler dann 82 Patienten, denen in ihrer Klinik eine neue Herzklappe eingesetzt worden war. Zehn dieser Patienten hatten mindestens zwei Jahre lang regelmäßig die Phytosterin-Margarine gegessen. Bei ihnen fanden sich dann auch die höchsten Konzentrationen der pflanzlichen Stoffe im Blut und in Form von Ablagerungen in den entnommenen Herzklappen. Bisher waren Experten stets davon ausgegangen, dass die Phytosterine hauptsächlich im Darm wirkten und so gut wie nicht in den Organismus aufgenommen würden.

Lassen Sie sich nicht zum Versuchskaninchen machen

Das ist deshalb besonders skandalös, weil das Risiko schon vor den Untersuchungen aus Homburg offensichtlich war: Es gibt nämlich eine seltene Erbkrankheit, bei der die Phytosterin-Aufnahme im Darm stark erhöht ist (die Sitosterolämie). Die Betroffenen sterben früh an Herzinfarkt und Schlaganfall.

Hier zeigt sich eine generelle Gefahr durch die „funktionellen“ Lebensmittel: Medikamente kommen nur auf den Markt, wenn die Unbedenklichkeit vorher in aufwändigen Studien geklärt ist. Im weniger strikten Lebensmittelrecht, das für die funktionellen Lebensmittel gilt, sind solche Studien jedoch nicht vorgesehen. Werden Sie nicht zum Versuchskaninchen der Lebensmittelindustrie und verzichten Sie am besten auf alle mit Phytosterinen angereicherten Produkte.

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