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Candida albicans: Anti-Pilz-Diät

Ob Pilze im Darm Krankheitssymptome hervorrufen oder nicht, diskutieren Experten in der Fachwelt ebenso kontrovers wie leidenschaftlich.

Vor allem Anti-Pilz-Diäten preist man immer wieder vollmundig an. Auf der anderen Seite bringt eine Anti-Pilz-Diät Ihre Vitaminbilanz durcheinander.

Beschwerden des Pilzbefalls sind allgemein

Bei jedem Menschen tummeln sich Bakterien, Hefe- und Schimmelpilze im Magen-Darm-Trakt. Diese Organismen leben dort und halten sich in der Regel gegenseitig in Schach. Am häufigsten finden Ärzte bei der Diagnostik Candida albicans sowie andere Candidaarten. Bei jedem zweiten Deutschen sind diese Hefepilze im Darm nachweisbar.

Bekannt ist, dass Antibiotika die gesunde Darmflora durcheinander bringen. Viele Naturheilkundler und Anhänger der Anti-Pilz-Diäten vertreten darüber hinaus die Meinung, dass Antibiotika und andere Medikamente sowie Nahrungszucker, Alkohol und weißmehlhaltige Lebensmittel zu einer Vermehrung der Pilzbesiedlung führen.

Diese Beschwerden bringt man mit Candida albicans in Verbindung:

  • Müdigkeit bis zur Lethargie
  • Kopfschmerzen
  • Angstzustände
  • schlechtes Gedächtnis
  • Hautsymptome wie Juckreiz, Brennen, kalte Hände
  • Darmbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen
  • Herzrasen
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • Depressionen
  • Beschwerden im Urogenitaltrakt
  • Beschwerden an Augen, Nasen und Ohren

Bewiesen ist bislang nichts

Es existieren unterschiedliche Erklärungsansätze dafür, wie diese Beschwerden zustande kommen. Eine der Annahmen ist, dass der Pilz beim Abbau von Kohlenhydraten vermehrt Kohlendioxid und Fuselöle bildet.

Dies wiederum führt zu Völlegefühl, Blähungen und Leberschäden. Andere vermuten, dass die Pilze Gifte freisetzen, die das Immunsystem beeinträchtigen und so zu den diversen unspezifischen Beschwerden führen.

Eine weitere Hypothese nimmt an, dass die Pilze einedornenartige Form annehmen und dann winzige Löcher in die Darmwand bohren. So schwächen sie das Immunsystem chronisch und es kommt zu weiteren Infektionen. Ein übermäßiger Pilzbefall kann die Folge einer falschen Ernährung sein.

Denn man weiß, dass zuckerreiche Nahrungsmittel das Pilzwachstum begünstigen. Dieses sind jedoch lediglich Spekulationen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist bislang noch nichts.

Candidiasis: Eine schwere Allgemeinerkrankung

Eine eindeutig nachweisbare Candidiasis stellen die Ärzte bei einem Prozent aller Fälle fest, bei denen sie Hefepilze fanden.

Hierbei handelt es sich um eine pathologische Vermehrung des Pilzes, der bei immungeschwächten Menschen wie Krebspatienten oder Diabetikern eventuell die Schleimhaut durchdringt und sich über das Blut- oder Lymphsystem über den ganzen Organismus ausbreitet. In solchen Fällen spricht man von Candida-Sepsis.

Hier ist eine medizinische Behandlung mit Medikamenten erforderlich. Nystatin gilt als der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff. Man verschreibt ihn unter rund 13 verschiedenen Präparat-Namen. Daneben gibt es das Amphotericin B sowie das Natamycin.

Alle drei wirken im Darm und gelangen nicht durch die Darmschleimhaut in den Körper. Aus diesem Grund rufen sie so gut wie keine Nebenwirkungen hervor. Wie lange der Arzt behandeln muss, bestimmt er aufgrund der Schwere des Falls.

Das verlangt Ihnen eine Anti-Pilz-Diät ab

Die Verfechter der Anti-Pilz-Diät gehen davon aus, dass sich die Pilze „aushungern“ lassen, wenn Sie bestimmte Nahrungsmittel weglassen. Den krank machenden Pilzen entzieht man ihre Nahrung. Das ist der Zucker in allen Erscheinungsformen wie Honig, Rübensirup, Dicksäfte, Rohrzucker, Traubenzucker oder Fructose.

Da in Obst und Obstsäften Fructose steckt, gilt in der strengen Anti-Pilz-Diät vollkommenes Obstverbot. Erlaubt ist Milchzucker, weil die Hefepilze diesen nicht verstoffwechseln.

Pilze können komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten oder Kartoffeln zu Zucker abbauen. Auf diese kann man nicht verzichten, weil die in ihnen enthaltenen Ballaststoffe zum schnelleren Transport des Speisebreis nötig sind und den Darm gesund halten.

Ob ein kohlenhydrathaltiges Nahrungsmittel im Rahmen einer Anti-Pilz-Diät erlaubt ist, hängt von seinem Ballaststoff-Gehalt ab. Unerwünscht sind vor allem Weißmehlprodukte, polierter Reis, Nudeln und Weißbrot sowie alle Süßigkeiten.

Die Wirksamkeit einer Anti-Pilz-Diät untersuchte man nicht in kontrollierten Studien. Die Anhänger berufen sich auf Erfahrungsberichte von Betroffenen. Pilze lassen sich auf diese Weise nicht beseitigen. Bei Abbruch der Anti-Pilz-Diät sind die Pilze zurück. Bei dem Candida-Hypersensitivitäts-Syndrom handele es sich um ein Hirngespinst.

Diese Ansicht vertrat der Frankfurter Gastroenterologe Professor Wolfgang Rösch auf dem Internistenkongress in Wiesbaden. Es sei eine Modekrankheit mit allen möglichen Symptomen von Durchfall über Müdigkeit oder Potenzstörungen bis hin zu Gedächtnisschwäche.

Das ist bei Pilzbefall auf dem Speiseplan tabu

  • Lebensmittel, die Hefe enthalten: z. B. Weißmehlbrot, Bier, Wein, Bierhefe und B-Vitamine aus Hefezucht
  • Lebensmittel, die Kohlenhydrate enthalten: z. B. Weißmehlprodukte, Zucker, Fruchtzucker, Honig; Fruchtsäfte und Limonaden enthalten zu viel Zucker und bieten einen idealen Nährboden für die Pilze
  • Lebensmittel, die selbst Pilze enthalten: z. B. Käse, Essig und alles, was mit Essig hergestellt wurde
  • Wurst

Diese Lebensmittel meiden Sie rund drei Wochen lang komplett. Danach sollten sie nicht jeden Tag auf Ihrem Speiseplan stehen. Ab und zu können Sie das eine oder andere davon in Maßen zu sich nehmen. Wichtig ist, dass Sie eine Anti-Pilz-Diät nicht auf eigene Faust durchführen.

Sie sollten sich immer durch einen fachkundigen Therapeuten beraten lassen. Es passiert leicht, dass sich die Pilze bei einer unsachgemäß durchgeführten Diät andere Nährstoffquellen suchen. Sie verstoffwechseln unter anderem Eiweiß, wenn Sie versuchen, den Pilz auszuhungern.

Darüber hinaus muss Ihr Therapeut beachten, dass Sie weiterhin gut mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt sind. Denn eine Candida-albicans-Erkrankung entzieht Ihrem Körper viele wichtige Nährstoffe.

Milchzucker als Ausnahme

Auch wenn Zucker in allen Formen bei einem Candida-Befall verboten ist, gibt es eine Ausnahme: Milchzucker. Diese Art Kohlenhydrate können Candida-Pilze nicht verwerten, dafür fördert der Milchzucker die so genannten „Lacto-Bazillen“.

Sie können dabei helfen, den Pilz einzuschränken. Natürlich dürfen Sie Milchzucker nicht zu sich nehmen, wenn Sie unter einer Lactose-Intoleranz leiden.

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