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Essentielle Infos zum Thema Bypass-Operation

Wenn Ihnen ein Hindernis den Weg versperrt, umgehen Sie das Problem im wahrsten Sinne des Wortes – Sie nehmen eine Umleitung. Ärzte wenden das gleiche Prinzip bei einer Verstopfung der Arterien an, die das Herz mit Blut versorgen, die sogenannte Bypass-Operation.

Sie legen eine Umleitung – einen Bypass. In Deutschland fanden 1998 laut Herzbericht 74.003 koronare Bypass-Operationen statt.

Seit ihrer Einführung in den späten 1960er Jahren gilt die koronare Bypass-Operation als die häufigste in Deutschland durchgeführt Herzoperation. Im Allgemeinen verläuft sie recht sicher und die Patienten kommen relativ schnell wieder auf die Beine.

Auch mehrere Bypässe sind möglich. Eine solche Operation verbessert nicht nur die Lebensqualität der Patienten deutlich, sondern verlängert das Leben. Dies gilt insbesondere im Falle einer Kombination mit entsprechendenÄnderungen des Lebensstils. Gesündere, cholesterinarme Ernährung, der Verzicht auf Alkohol und Rauchen sowie ausreichende Bewegung gehören unbedingt dazu.

Darüber hinaus kann eine medikamentöse Therapie zur Cholesterinsenkung zusätzlich angezeigt sein.

Wenn dem Herzen der Sauerstoff fehlt

Die koronare Herzkrankheit gilt als häufigste Ursache für koronare Bypass-Operationen. Die Krankheit ist eine Folge der Atherosklerose. Dies bezeichnet zunehmende Ablagerung von verhärteten Substanzen (Plaques) an der Innenseite der Arterien. Die Plaques bestehen aus verschiedenen Substanzen wie unter anderem Fett, Cholesterin und Kalk.

Lagern sich innerhalb der Arterien, die das Herz versorgen (Koronararterien) Plaques ab, ist die Versorgung des Herzens mit sauerstoffreichem Blut vermindert. Ärzte nennen dies Ischämie.

Verstopfte Arterie führt zum Herzinfarkt

Die verminderte Durchblutung in den Koronararterien verursacht Schmerzen oder ein Druckgefühl im Brustkorb (Angina pectoris). Stress oder körperliche Anstrengung rufen unter Umständen eine Angina pectoris hervor. Eine vollkommen dichte Arterie kann schließlich zum Herzinfarkt führen.

Den Patienten mit koronarer Herzkrankheit verordnen Ärzte meist eine Veränderung des Lebensstils wie angepasste Ernährung und körperliche Aktivität. Hinzu kommen Medikamente zur Senkung von Cholesterin und anderen Blutfetten, um den drohenden Herzinfarkt zu vermeiden.

Bypass-Operation: Dann ist sie nötig

Je nach Ausmaß der Erkrankung empfiehlt die Medizin eine koronare Bypass-Operation oder andere Eingriffe. Eine Bypass-Operation führt man im Allgemeinen durch, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Es liegt eine zunehmende oder kräfteraubende Angina pectoris vor und mehrere Koronararterien sind dicht.
  • Mehrere Koronararterien sind verstopft und die Hauptpumpe des Herzens, die linke Herzkammer (Ventrikel), ist geschwächt.
  • Die linke Hauptkoronararterie (linker Hauptstamm), die die ganze linke Herzkammer versorgt, ist verstopft.

Bypass oder Stent: Was wäre besser für Sie geeignet?

Wenn die Brustschmerzen zunehmen und Medikamente nicht mehr helfen, stellen in den meisten Fällen Ablagerungen in den Herzkranzarterien die Ursache dar. Die zarten Gefäße sind so weit verengt, dass kaum noch Blut den Herzmuskel durchströmt.

Um einen Infarkt zu verhindern, stehen Ärzte vor zwei Möglichkeiten: Sie überbrücken den Engpass mit einem Stück Vene aus dem Unterschenkel. Oder sie platzieren ein Röhrchen an der Engstelle und verhindern auf diese Weise den Verschluss der Arterie. Bypass-Operation nennt sich das erste Verfahren, Stent-Implantation das zweite.

Achten Sie auf das Warnsignal

Zunächst war es lediglich ein unangenehmer Druck in der Brust, den Bärbel W. spürte, wenn sie mit Einkaufstüten beladen die Treppe zu ihrer Wohnung im dritten Stock hinaufging. Zu diesem Zeitpunkt genügte ein Hub von dem Nitro-Spray, das die 62-jährige Rentnerin vom Hausarzt erhalten hatte und alles war wieder in Ordnung.

Doch bald schon wich der Druck einem regelrechten Schmerz. Dieser trat sogar auf, wenn sie ruhig im Sessel saß. Die Medikamente halfen mehr schlecht als recht.

Eine Herzkatheter-Untersuchung bestätigte die Vermutung des Hausarztes: Eine der großen Kranzarterien war an einer Stelle fast vollständig verschlossen.

Dass die Brustschmerzen nun auch in völliger Ruhe auftraten, bedeutete ein ernstes Warnsignal. Die Arterie könnte bald verstopfen und den empfindlichen Herzmuskel von der Blutversorgung abschneiden. Ein möglicherweise tödlicher Infarkt wäre die unvermeidbare Folge.

Um Bärbel W. zu helfen, kommen grundsätzlich zwei Verfahren in Frage: eine Bypass-Operation oder der Einsatz eines Stents. Erfolge und Risiken sind neueren Untersuchungen zufolge nahezu identisch. Dennoch unterscheiden sich die beiden Verfahren erheblich voneinander.

Wie funktionieren die beiden Verfahren?

Bei einer Bypass-Operation überbrückt der Arzt den Engpass in der Herzkranzarterie.

Dazu verwenden die Herzchirurgen entweder ein kleines Stück einer Unterschenkelvene oder sie leiten eine Arterie der Brustwand so auf das Herz um, dass der Körper den Herzmuskel hinter dem Engpass ausreichend mit Blut versorgt. Ein Stent dagegen bezeichnet ein bis zu 2 cm langes Metallgitterröhrchen.

Die Kardiologen platzieren es per Herzkatheter an der Engstelle in der Kranzarterie. Fest und sicher liegend, überwächst Gewebe den Stent nach ein paar Tagen. Der drohende Komplettverschluss der Arterie und damit der Herzinfarkt sind damit gebannt.

Ärzte verwenden heute in vielen Fällen Stents, die innen mit einem Medikament beschichtet sind. Der Wirkstoff setzt sich über ein paar Tage in regelmäßigen kleinen Dosen frei, sobald der Stent fest im Gefäß sitzt. Die Ärzte senken auf diese Weise das Risiko eines raschen Neuverschlusses des Herzkranzgefäßes von rund 25 auf 3 Prozent.

Was erwartet Sie?

Die Bypass-Operation findet unter Vollnarkose statt. Zur Operation am Herzen müssen die Chirurgen das Brustbein der Länge nach aufsägen und den Brustkorb so weit aufklappen, dass das Herz frei liegt. Sie legen das Herz still und übergeben den Kreislauf an die Herz-Lungen-Maschine. Diese pumpt für die Dauer der Operation das Blut durch den Körper.

Anschließend entnimmt man aus dem Unterschenkel ein Stück Vene, schneidet es passend zu und pflanzt es als Umleitung (Bypass) in das Gefäßsystem des Herzens ein.

Entscheiden sich die Chirurgen für eine Brustwandarterie als Bypass, präparieren sie die Arterie frei und vernähen sie mit der verengten Kranzarterie.

Ist nur ein Kranzgefäß betroffen, lässt sich die Operation oft über kleine seitliche Einschnitte am Brustkorb durchführen. Das Herz schlägt dabei normal weiter. Bei dieser Methode setzen die Chirurgen Techniken der Schlüssellochchirurgie ein.

Der Einsatz eines Stents gilt als weniger aufwändig. Während einer Herzkatheter-Untersuchung dehnt man den Engpass im Kranzgefäß zunächst mit Hilfe eines winzigen Ballons auf. Danach platzieren die Kardiologen den Stent. Dies erfordert keine Narkose. Lediglich die Region in der Leiste ist betäubt, über die man den Herzkatheter in eine große Arterie einführt.

Wie lange dauert der Eingriff?

Nachdem der Chirurg den Bypass mit einer Kühllösung gespült und auf seine Durchlässigkeit überprüft hat, leitet er das Blut wieder durch das Herz. Bei den meisten Patienten beginnt es sofort von selbst zu schlagen, wenn es seine normale Temperatur erreicht hat.

Nur manchmal benötigt es dafür einen kurzen Stromschlag. Wenn sicher ist, dass alle Nähte dicht sind und das Herz wie gewohnt schlägt, klemmen die Kardiotechniker die Herz-Lungen-Maschine ab und die Chirurgen verschließen den Brustkorb. Insgesamt dauert eine Bypass-Operation zwischen drei und sechs Stunden.

Wesentlich schneller geht es beim Stent. Nach dem Einsetzen prüft der Arzt sorgfältig die korrekte Position des Röhrchens. In den meisten Fällen verwendet er dazu Kontrastmittel und einen Röntgenmonitor, nur in größeren Behandlungszentren kommt Ultraschall zum Einsatz. Routinierte Kardiologen benötigen dafür eine halbe Stunde.

Der Tag danach

Eine Bypass-Operation bedeutet einen schweren Eingriff. Meist dauert es mehrere Wochen, bis der Patient wieder fit ist und zum Beispiel ohne Hilfe Treppen steigt. Um die Muskeln zu kräftigen, stehen deshalb ab Tag eins nach der Operation krankengymnastische Übungen auf dem Programm.

Die durch die Entnahme der kleinen Venenstücke entstandenen Wunden und das zerteilte Brustbein benötigen für die Heilung zwei Monate.

Verläuft nach der Operation alles normal, geht es nach 14 Tagen für mehrere Wochen in eine Reha-Klinik. Viele Patienten kämpfen nach dem Eingriff mit Depressionen und Konzentrationsproblemen. Vom ersten Tag an trainiert man sie deshalb darauf, über derartige Gefühle zu sprechen und die Operation als Neuanfang zu verstehen.

Einfacher funktioniert es nach einer Stent-Implantation. Während des Eingriffs und am ersten Tag danach erhält der Patient per Infusion ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung. Nach der Entlassung nimmt er das Medikament drei weitere Monate lang ein.

In dieser Zeit besteht das Risiko einer Gerinnselbildung im Stent, weil das Gewebe das Metall langsam überwächst. Darüber hinaus kann die Einstichstelle für den Herzkatheter in der Leiste nachbluten.

Der Patient trägt deshalb für 24 Stunden einen Druckverband. Immer häufiger verschließt man die Punktionsstelle an der Leiste mit einem speziellen System, sodass der Patient fast direkt nach dem Eingriff aufsteht. Bestehen keine Beschwerden, erfordert es nach sechs Monaten eine Kontrolluntersuchung. Viele Stent-Träger verbringen einige Wochen in einer Reha-Klinik.

Für wen eignet sich welches Verfahren?

Eine Bypass-Operation stellt die Methode der Wahl dar, wenn die großen Herzkranzgefäße betroffen sind. Eher ungeeignet ist ein Bypass, wenn kleine Verzweigungen der Herzkranzgefäße verengt sind oder das Herz durch mehrere Infarkte bereits stark geschädigt ist. Auch wenn andere Organe so weit in Mitleidenschaft gezogen sind, dass eine mehrstündige Narkose und die Belastung einer großen Operation ein zu hohes Risiko darstellen, sehen die meisten Herzchirurgen von einem Bypass ab.

Stents setzt man in erster Linie bei Verengungen kleinerer Gefäße oder zur Vorbeugung einer erneut auftretenden Verengung ein. Des Weiteren implantiert man Stents, wenn die Erweiterung eines Herzkranzgefäßes (Ballondilatation) misslingt oder ein gelegter Bypass verstopft.

Erfolge und Risiken einer Stent-Implantation

  • Bei Einsatz eines medikamentenbeschichteten Stents kommt es bei drei von 100 Patienten zu einem schnellen Verschluss des Stents.
  • Ein frühes Blutgerinnsel im Stent tritt nur bei jedem 20. Fall auf. Meist passiert das in der Klinik.
  • Komplikationen wie Gefäßverletzungen durch den Katheter, Allergien gegen Röntgenkontrastmittel, Herzrhythmus-Störungen, Infektionen, Thrombosen und Verletzungen von Nerven treten selten auf.
  • Verschwindend gering sind Fälle, in denen der Stent vom Herzkatheter rutscht und im Kranzgefäß oder in der Körperschlagader verloren geht.
  • In den ersten vier Wochen, wenn die Metalloberfläche des Stents noch nicht mit Gewebe bedeckt ist, können sich im Stent Gerinnsel bilden, die das Gefäß verschließen und im ungünstigsten Fall einen Herzinfarkt hervorrufen.
  • Im ersten halben Jahr nach dem Einsetzen besteht ein Risiko von bis zu 40 Prozent, dass ein zu starkes Zellwachstum das Gefäß erneut einengt.

Erfolge und Risiken einer Bypass-Operation

  • In neun von zehn Fällen sind Bypässe mit einer Brustwandarterie nach 20 Jahren noch offen.
  • Nach zehn Jahren verschließt sich rund die Hälfte aller Venen-Bypässe.
  • Auch wenn ein Bypass wieder verstopft, leben zwei Drittel der Patienten nach zehn Jahren noch immer ohne Beschwerden.
  • Das Leben von Patienten, bei denen der große Hauptstamm der Kranzarterie verschlossen war, verlängert sich durch einen Bypass. Neun von zehn Patienten sind nach fünf Jahren noch quicklebendig. Bei einer Behandlung mit Medikamenten wäre der Statistik nach bereits jeder zweite Betroffene verstorben.
  • Die Lebenserwartung von Bypass-Patienten, deren Herzkraft nicht eingeschränkt ist, ist fast so groß wie die von gesunden Menschen.
  • Das Risiko, während einer Bypass-Operation zu versterben, ist umso niedriger, je weniger das Herz zuvor geschädigt war. 99 von 100 Betroffenen überstehen die Operation.
  • Während des Eingriffs erleidet jeder 20. Patient einen Herzinfarkt. Dieser kann allerdings während der Operation viel besser behandelt werden.

Bypass: Linderung, nicht Heilung

Die koronare Bypass-Operation spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, aber sie kann sie nicht heilen. Eine Operation kann die Symptome verbessern und sogar das Leben verlängern, wenn der linke Hauptstamm oder mehrere Gefäße mit Bypässen versorgt werden. Aber sie kann die Krankheit nicht beseitigen.

Auch nach einer Operation ist eine strikte Behandlung der koronaren Herzkrankheit unter der Anleitung Ihres Arztes notwendig. Wenn Sie rauchen, ist es unbedingt erforderlich, damit aufzuhören. Wird der Bluthochdruck auf einen normalen Wert eingestellt, so kann das die Beanspruchung des Herzens mindern.

Die Senkung des Cholesterins durch entsprechende Ernährungsweise, körperliche Aktivität und gegebenenfalls cholesterinsenkende Medikamente können weitere Verstopfungen der Gefäße verhüten helfen, die eventuell schwieriger zu behandeln sind. Der LDL-Cholesterinwert („schlechtes Cholesterin”) sollte unter 100 mg/dl gesenkt werden, wenn Sie an koronarer Herzkrankheit leiden.

 

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