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Schlafmangel treibt die Werte hoch

Wer ständig zu wenig schläft oder auf Schmerzmittel angewiesen ist, kann an Bluthochdruck erkranken. Kontrollieren Sie in diesen Fällen regelmäßig Ihre Werte und vermeiden Sie die beiden Faktoren so weit es geht.

Schlafmangel treibt die Blutwerte hoch

Bei einer Schlafdauer von durchgängig weniger als sechs Stunden pro Nacht erhöht sich Ihr Risiko für Bluthochdruck um das Doppelte. Das belegt eine Langzeituntersuchung der Columbia-Universität in New York. Dr. James Gangwisch analysierte die Daten von 4.810 Teilnehmern der nationalen US-Gesundheits- und Ernährungsuntersuchung aus dem Jahr 1982. Innerhalb von zehn Jahren entwickelten 647 Probanden im Alter zwischen 32 und 86 Jahren einen krankhaften Bluthochdruck.

Bei den 32- bis 59-Jährigen war eine Schlafdauer von weniger als sechs Stunden pro Nacht mit einem mehr als doppelten Risiko für die Entwicklung eines Bluthochdrucks verbunden. Dies berichtete die US-Fachzeitschrift Hypertension im April 2006. Dabei war der Einfluss weiterer Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes bereits herausgerechnet. Damit erwies sich Schlafmangel in dieser Altersgruppe als eigenständiger Risikofaktor für Bluthochdruck.

Die Forscher gehen davon aus, dass Schlafmangel die notwendige Regeneration von Herz und Gefäßen während der Nacht verhindert oder das Herz-Kreislauf-System zu lange auf „Hochtouren“ läuft. Wenn Ihnen das Einschlafen schwer fällt, weil Ihnen die Tagesereignisse nicht aus dem Kopf gehen: Wenden Sie ein Entspannungsverfahren wie autogenes Training an, um innerlich zur Ruhe zu kommen.

Schmerzmittel führen zu Hochdruck

Wissenschaftler des Brigham-Krankenhauses in Boston fanden im März 2007 Hinweise darauf, dass Schmerzmittel Ihr Risiko für Bluthochdruck erhöhen. In einer Studie beobachteten sie über 16.000 Testpersonen. Alle hatten zu Beginn einen normalen Blutdruck.

Innerhalb von vier Jahren maß man bei 2.000 von ihnen zu hohe Werte. Die Forscher brachten das Risiko eindeutig mit der Einnahme von Schmerzmitteln in Verbindung. Am höchsten war es mit 38 Prozent bei den „nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR, z.B. Ibuprofen oder Diclofenac). Kaum weniger blutdruckwirksam war mit 34 Prozent Paracetamol. Am günstigsten schnitt mit 28 Prozent Risikoerhöhung ASS (z.B. Aspirin®) ab.

Die Wissenschaftler erklären die blutdrucksteigernde Wirkung damit, dass die Schmerzmittel die Produktion von Prostaglandinen hemmen. Diese Botenstoffe sind an der Entstehung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt, erweitern aber auch die Blutgefäße. Ihr Risiko erhöht sich allerdings nur, wenn Sie die Mittel täglich nehmen. Beispielsweise hatten zwei bis drei Tabletten wöchentlich kaum einen Einfluss auf den Blutdruck.

ACE-Hemmer bei Bluthochdruck

Ihr Arzt verordnet Ihnen zur Behandlung Ihres Bluthochdrucks einen ACE-(Angiotensin-Converting-Enzyme)Hemmer. Aber Ihnen ist nicht klar, warum er Sie nach einer Woche zur Blutkontrolle einbestellte. Bei Patienten, die ACE-Hemmer zur Blutdruckregulierung einnehmen, verlangsamt dieses Medikament zusätzlich die fortschreitende Nierenerkrankung.

Allerdings wirken sich die ACE-Hemmer Benazepril, Enalapril und Lisinopril bei einem geringen Prozentsatz der Patienten negativ auf die Nierenfunktion aus. Das gilt hauptsächlich für die Menschen, die an einer nicht erkannten Blockade in der Nierenarterie oder anderen Nierenproblemen leiden.

Um sich einen Überblick über Ihre Nierenfunktion zu verschaffen, überprüft Ihr Arzt die Kalium- und Kreatininwerte in Ihrem Blut ein bis zwei Wochen nach Beginn der Einnahme. Ein leichter Anstieg des Kalium- und Kreatininspiegels im Blut ist durch den ACE-Hemmer zu erwarten. Ein starker Anstieg dagegen deutet auf ernste Nierenprobleme und darauf hin, dass der ACE-Hemmer die Probleme verstärkt. Wenn sich Ihre Werte über 30 Prozent erhöhen, verschreibt Ihnen Ihr Arzt wahrscheinlich ein Präparat mit einem anderen Wirkstoff.

Kalziumblocker

25 Prozent der Patienten, die man wegen hohen Blutdrucks (Hypertonie) behandelt, nehmen Kalziumblocker wie beispielsweise Adalat®, Isoptin® und Dilzem® ein. Kalziumblocker (Kalziumantagonisten) und ACE-Inhibitoren empfiehlt die Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks als Basistherapie zur Behandlung von Hypertonie. Wenn Sie ebenfalls zu diesen Patienten gehören, fragen Sie vielleicht Ihren Arzt, wie sicher diese Medikamente sind.

Erste Bedenken gegen Kalziumblocker kamen im März 1995 auf: Als Wissenschaftler der Universität von Washington bei einer Tagung der American Heart Association in San Antonio in Texas eine Studie vorstellten. Diese Studie erschien im August 1995 im Journal of the American Medical Association.

Gemäß dieser Studie weisen Patienten, die Kalziumblocker einnehmen, ein erhöhtes Herzinfarktrisiko im Vergleich zu Patienten, die Diuretika oder Betablocker einnehmen. Dabei handelt es sich um zwei weitere Medikamententypen zur Blutdrucksenkung. Zur Zeit bedeutet das nicht, dass Sie auf ein anderes Medikament umsteigen.

Wie gehen Sie am besten vor?

Um exakte Angaben über medizinische Forschungsergebnisse zu erfahren, empfehlen sich die folgenden Schritte:

  • Ziehen Sie die Originalquelle heran. Die Berichte über die Kalziumblocker basieren auf einer einzigen Studie.
  • Prüfen Sie, was sich hinter der Statistik verbirgt. Das auffälligste Ergebnis war der Anstieg des Herzinfarktrisikos um 60 Prozent. In vielen Berichten wiesen Wissenschaftler jedoch nicht darauf hin, dass das Gesamtrisiko eines Herzinfarkts während der Einnahme von Kalziumblockern außergewöhnlich niedrig ausfällt, nämlich 1,6 Prozent. Von 1.000 Patienten, die Kalziumblocker einnehmen, erleiden 16 innerhalb eines Jahres einen Herzinfarkt. Demgegenüber stehen 10 von 1.000 Patienten, die andere blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.
  • Überprüfen Sie die Resultate. Die Studie erbrachte keine Beweise für Ursache und Wirkung. Die Patienten erlitten aus verschiedensten Gründen einen Herzinfarkt, unabhängig von der Einnahme der Kalziumblocker. Es ist beispielsweise möglich, dass diejenigen Patienten, die Kalziumblocker einnahmen, an weitaus schwereren Erkrankungen litten als andere Teilnehmer der Forschungsstudie. Unter Umständen nahmen sie ihr Medikament nicht vorschriftsmäßig ein.
  • Fragen Sie zuerst nach, bevor Sie etwas ändern möchten. Hier handelt es sich lediglich um eine einzelne Studie. Um die Sicherheit und die Risiken zu prüfen, die sich in Zusammenhang mit der Einnahme von Kalziumblockern ergeben, führen die Wissenschaftler erst ausführliche und kontrollierte Studien durch.

Abwägen der Risiken

Eine letzte Anmerkung: Ihr Arzt verordnete Ihnen einen Kalziumblocker, weil er für Ihre Beschwerden das wirksamste Arzneimittel ist. Ein Wechsel zu einem anderen Medikament erhöht möglicherweise Ihren Blutdruck. Das Risiko schwerer gesundheitlicher Probleme infolge von unkontrolliertem hohem Blutdruck ist weitaus größer als das mögliche Risiko eines Herzinfarkts durch Kalziumblocker.

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